Gemeinschaftsprojekte

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Carl Maria von Weber: Die drei Pintos, Oper von 1820-1824, die unvollendet blieb. Gustav Mahler hat sie vollendet und dabei nicht auf vorhandenes Material zurückgegriffen.
Im Werkverzeichnis von Schostakowitsch findet sich folgende Eintrag: Fünf Präludien für Klavier solo, o. op. [aus: 24 Präludien in Zusammenarbeit mit G. Klements und P. Feldt] (1920/21).
 
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Carl Maria von Weber: Die drei Pintos, Oper von 1820-1824, die unvollendet blieb. Gustav Mahler hat sie vollendet und dabei nicht auf vorhandenes Material zurückgegriffen.
Dann könnte man alle von fremder Hand erwähnten Werke als Kollektivkomposition mindestens zweier Autoren bezeichnen, etwa Giacomo Puccinis "Turandot" in der Vollendung von Franco Alfano oder Alban Bergs "Lulu" in der Komplettierung durch Friedrich Cerha nach dem Tode von Alban Bergs Witwe, die dann nicht mehr gegen diesen Vorgang intervenieren konnte. Nicht nur um unvollendete Opern geht es, da auch nichtszenische Werke wie Mozart/Süßmayrs Requiem zu erwähnen wären.

LG von Rheinkultur
 
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Dann könnte man alle von fremder Hand erwähnten Werke als Kollektivkomposition mindestens zweier Autoren bezeichnen, etwa Giacomo Puccinis "Turandot" in der Vollendung von Franco Alfano oder Alban Bergs "Lulu" in der Komplettierung durch Friedrich Cerha nach dem Tode von Alban Bergs Witwe, die dann nicht mehr gegen diesen Vorgang intervenieren konnte. Nicht nur um unvollendete Opern geht es, da auch nichtszenische Werke wie Mozart/Süßmayrs Requiem zu erwähnen wären.

LG von Rheinkultur
Das sind dann Kollektivkompositionen im erweiterten Sinne. In der Regel entstammen die Vollender einer anderen Generation, die Biographien haben keine oder nur eine geringe zeitliche Überschneidung. Da die Anzahl von Kollektivkompositionen sensu strictu doch eher überschaubar ist, dürfte die Anzahl der später durch einen oder mehrere andere Komponisten größer sein (???). Daher kann man sie hier mit einbeziehen. Allerdings ist eine Abgrenzung nach Definition nur schwer möglich. Z.B. die von Evju vollendeten Werke von Grieg ( h-moll Klavierkonzert nach Fragmenten von Grieg). Das thematische Material dürfte komplett von Grieg sein. Inwieweit die Ausarbeitung und Orchestrierung dann den Begriff ''Kollektivkomposition'' rechtfertigen, ist schwer zu beurteilen. Ein etwas anders gelagerter Fall wäre das Klavierkonzert c-moll von Granados, das Melanie Mestre rekonstruiert und für Klavier und Orchester ''adaptiert'' (so der Covertext) hat. Das ist sicher nicht als Kollektivkomposition zu bezeichnen.
 
kitium
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Ich erinnere mich an eine Geschichte eines Klavierkonzerts, an dessen Komposition sich möglicherweise Sophie Menter, Liszt, und Tschaikowski beteiligt haben sollten.
 
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Ich erinnere mich an eine Geschichte eines Klavierkonzerts, an dessen Komposition sich möglicherweise Sophie Menter, Liszt, und Tschaikowski beteiligt haben sollten.
Du beziehst Dich wahrscheinlich auf das Konzert von Katsaris in den USA bzw. das Echo davon in der NY Times.
Menter galt als die beste Pianistin ihrer Epoche. Wie man lesen kann, war sie auch als Komponistin aktiv. Da gibt es vielleicht noch etwas zu entdecken.
Bemerkenswert (etwas abwegig, aber bedeutsam) ist ihr Portrait von keinem Geringeren als Ilya Repin (Tretjakow Galerie). Man beachte ihre Haltung und ihren Gesichtsausdruck. Das spricht Bände, über sie und ihre damalige Rezeption. Man kann das Bild bei Wikipedia einsehen.
 
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Respighi: Lucrezia Istoria (1935/1936). Ein Akt (drei Szenen). Fragment, ergänzt von Elsa Respighi.
 
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Ich erinnere mich an eine Geschichte eines Klavierkonzerts, an dessen Komposition sich möglicherweise Sophie Menter, Liszt, und Tschaikowski beteiligt haben sollten.
Hier zum Mitlesen und Anhören:


Thematisch ist das Stück bei den insgesamt neunzehn Ungarischen Rhapsodien anzusiedeln und die kompositorische Ausarbeitung durch die Solistin bei der Uraufführung ist vermutlich in enger Abstimmung mit Liszt vorgenommen worden. Die Orchestration übernahm mit Tschaikowsky der Dirigent der Uraufführung. Die auf Brillanz und Virtuosität angelegte Satzweise und die nicht immer gegebene Stringenz in der Abfolge der musikalischen Ereignisse kann man als zeittypisch bezeichnen und prägen auch andere überzeugendere Kompositionen jenes Zeitalters - das Stück wird wohl auch künftig im Schatten dieser bekannteren Werke stehen. Liszt hat sich in der Endphase seines Lebens und Schaffens erkennbar von virtuosem "Aufputz" losgesagt und möglicherweise weder Zeit, Kraft und Interesse, dieses Projekt im Alleingang zu realisieren und es sicherlich recht bereitwillig "delegiert".

LG von Rheinkultur
 
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Respighi: Lucrezia Istoria (1935/1936). Ein Akt (drei Szenen). Fragment, ergänzt von Elsa Respighi.
Ein berühmtes Beispiel für ein nicht nur von fremder Hand fertiggestelltes Bühnenwerk ist die Strauss-Operette "Wiener Blut", die zwar thematisch auf dutzenden (z.T. sehr viel) älteren Originalwerken basiert, aber in dieser Gestalt durch Adolf Müller Junior zusammengestellt wurde. Diese "Pasticcio"-Arbeitsweise war keineswegs eine neue Erfindung und im Verlaufe des 18. Jahrhunderts (vereinzelt auch länger) sehr weit verbreitet. Weniger bekannt ist inzwischen Heinrich Bertés "Dreimäderlhaus", das eine knappe Generation später entstand und auf Musik von Franz Schubert basiert. Berté schrieb ein weiteres auf Schuberts Musik basierendes Stück, das allerdings im Gegensatz zum lange Zeit sehr beliebten Vorgängerwerk erfolglos blieb.

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal für eine Kollektivkomposition in diesem Faden sollte die mehr oder weniger enge Abstimmung zwischen den beteiligten Autoren sein, die in einer gewissen Eigenständigkeit ihren jeweiligen Beitrag erstellen und dem Projekt hinzufügen. Im Falle des Walzerkönigs Strauss Junior hat ein solcher Austausch ja stattgefunden, während Franz Schubert aus nachvollziehbaren biologischen Gründen keine Zustimmung mehr geben konnte, mit seiner Musik Teil einer populären Wiener Operette zu werden. Was dann ebenso unbeachtet bleiben sollte, sind die in arbeitsteiliger Entstehungsweise geschriebenen populären Bühnenwerke des angloamerikanischen Sprachraums, bei denen Komponist und Arrangeur nicht miteinander identisch sind.

LG von Rheinkultur
 
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Armenische Rhapsodie für 2 Klaviere von Alexander Arutiunian und Arno Babadjanian von 1950.
 
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Die Oper Mlada von Rimsky-Korssakoff wurde ursprünglich (als Opernballett von 1872) veröffentlicht von César Cui, Modest Mussorgsky, Alexander Borodin und Ludwig Minkus als Co-Autoren. Die spätere Ausgabe, die es auch in Einspielungen gibt, firmiert nur noch unter dem Namen Rimsky-Korssakoff und ist, wie die meisten seiner Opern (13), absolut hörenswert - russische Aufführungen sind wegen ihrer üppigen fantasievollen Ausgestaltung auch sehenswert.
 
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Hier eine ungewöhniche Kollektivkomposition: ''Paraphrasen'' für Klavier zu drei Händen von Rimsky-Korssakoff, Cui, Borodin und Lyadov in der ersten Ausgabe. Die nachfolgende Edition schloss noch Teile von Nikolay Shcherbachyov und Liszt mit ein.
 
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Frédégonde, Oper in 5 Akten
von Camille Saint-Saens und Paul Dukas aus den Jahren 1894-95. Dukas hat die ersten 3 Akte orchestriert.
 
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Antonio Vivaldi und Tomaso Albinoni: Il vinto trionfante del vincitore (vermutlich noch mehr Komponisten)
Antonio Vivaldi (2. Akt), Benedetto Micheli (1. Akt) und Nicola Romaldi (3. Akt): La virtu trionfante dell' amore e dell 'odio, ovvero il Tigrane.
 
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Frank Bridge, John Ireland, Eugene Goossens und Arnold Bax: Variations on Cadet Rousselle. für Klavier, Orchestertranskription von Goossens.
 
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Ludwig van Beethoven, Mauro Giuliani, Ignaz Moscheles, Philipp Jakob Rotte, Johann Friedrich Reichardt und Johann Nepomuk Hummel: Der Jüngling in der Fremde für Singstimme und Klavier.
 
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Du hast dir die vielen Gemeinschaftsprojekte ja vermutlich alle mal angehört und hast danit sicherlich einen gewissen Überblick. Würdest du insgesamt betrachtet, gerade auch im Vergleich mit den anderen Arbeiten der jeweiligen Komponisten, sagen, dass Gemeinschaftsprojekte im Ganzen einen Mehrwert haben? Oder siehst du es eher so, dass viele Köche den Brei verderben? Oder ist eine differenziertere Betrachtung nötig?
 
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Du hast dir die vielen Gemeinschaftsprojekte ja vermutlich alle mal angehört und hast danit sicherlich einen gewissen Überblick. Würdest du insgesamt betrachtet, gerade auch im Vergleich mit den anderen Arbeiten der jeweiligen Komponisten, sagen, dass Gemeinschaftsprojekte im Ganzen einen Mehrwert haben? Oder siehst du es eher so, dass viele Köche den Brei verderben? Oder ist eine differenziertere Betrachtung nötig?
Die meisten kenne ich nicht, weil es schlicht und ergreifend keine Aufnahmen davon gibt - vor allem nicht von den Opern. Die Impromptus von Tanejev, Glasunov und Co. spiele ich selbst gerade. Die sind aber einfach zu spielen und kurz, nur flüchtige Einfälle ohne Durchschlagskraft und wie ich feststellen muss, eigentlich hinter dem Level aller vier Komponisten etwas zurückbleibend. Die Variationen von Glasunow, Blumenfeld etc. erscheinen mir da interessanter. Man frage mich besser noch einmal, wenn ich die einmal erarbeitet habe. Toll ist die Oper Mlada. In der Rimsky-Korssakoff -Schule waren die Komponisten engagierter, diese Stücke von dort sind zahlreicher. Einen Mehrwert gegenüber Einzelwerken sollten sie wohl nicht haben. Sie sind Ausdruck der Verbundenheit zwischen befreundeten Komponisten. Oder - wenn von außen initiiert - dem Folgen eines wohltätigen oder kommerziellen Grundes gewidmet. Der Wechsel von Stilen innerhalb eines Werkes, ist das ein kommerzieller oder ideeller Mehrwert? Hat eine Cd einen Mehrwert, wenn die Stücke darauf in einer Kollektivkomposition oder einzeln darauf zu finden wären? Das ist schwer zu beurteilen. Zunächst einmal wissen viele Klassikhörer gar nicht, das es Kollektivkompositionen gibt. Und was der Bauer nicht kennt...Eigentlich müsste man dass jemanden fragen, der so etwas vermarktet.
Letztlich führen alle diese Werke ein Schattendasein. Selbst prominente Namen wie Liszt ändern daran nichts. Nichts davon habe ich je auf einem Konzertprogramm gesehen. Das würde darauf hindeuten, dass kein kommerzieller Mehrwert besteht.
Die Gründ dafür sind sicherlich auch Formalien wie die fehlende Zuordungsbarkeit zu einem Komponistennamen und der weitgehende Verzicht auf Opuszahlen. Allerdings: Sie tauchen in allen Epochen in allerlei Ländern auf. Und verlegt wurden sie auch.
 
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In Gesamtausgaben werden diese Stücke eher stiefmütterlich behandelt. Ich habe beispielsweise fünf sogenannte Gesamteinspielungen der Klavierwerke von Rachmaninoff. Nur zwei davon enthalten die Gemeinschaftskomposition. Die anderen drei sind auch ansonsten nicht vollständig. Bei dieser Gemeinschaftskomposition muss man hinzufügen, dass zum Zeitpunkt der Niederschrift Rachmaninoff ca. 20 Jahre alt war und im Gegensatz zu den anderen noch ein Unbekannter. Damit ist diese Komposition wohl auch als eine wohlwollende Indizierung der moskauer Komponisten zu bewerten, dass Rachmaninoff von nun an einer der ihren war, vielleicht eine Art Ritterschlag. Da die Stücke auf dem Papier exakt gleich lang sind, wird es deutlich, dass hier vorher eine präzise Absprache erfolgt war. Man sieht, dass die Motivation und Art ihrer Entstehung sehr unterschiedlich ist und teilweise gar nicht vergleichbar ist. Der Komponist ist damit nicht frei in seiner Arbeit, sondern muss sich anderen Kollegen anpassen und sein Werk in einen mehr oder weniger fremden Kontext integrieren. Von Beginn an ist klar, dass die Meriten am Ende geteilt werden. Letzteres dürfte weniger inspirierend sein. All das macht diese Kompositionen zu etwas Eigenständigem. Ist eigentlich schon einmal jemand auf die Idee gekommen, ein Konzeptalbum ausschließlich mit Gemeinschaftskompositionen zu produzieren oder ein solches Konzertprogramm zu realisieren?

Für den Klavierspieler bedeutet das, dass er die Möglichkeit hat, innerhalb einer Komposition mehrere Komponisten kennzulernen.

Gemeinschaftskompositionen gibt es übrigens auch im Jazz und am Broadway.
 
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