Gemeinschaftsprojekte

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Das ist kein Clavio-Gemeinschaftsprojekt, sondern ein Thread zur Sammlung und Beschreibung von Gemeinschaftprojekten von Komponisten, also Gemeinschaftskompositionen. Die Kompositionen können aus naheliegenden Gründen keine Opusnummern tragen, sind in Listen oft abseits oder gar nicht aufgeführt. In anderen Fäden wird das manchmal erwähnt, beispielhaft wurden dort immer die Kompositionen aus der Rimsky-Korssakoff-Schule angeführt. Damit starte ich auch. Die St. Petersburger haben diesbezüglich mehrere Projekte verwirklicht. Ein reges gemeinschaftliches Musizieren (''Freitagskonzerte'') war vermutlich der Stimulus.
Für Klavier gibt es die Variationen über ein russisches Thema. Federführend ist natürlich Rimsky-K. selbst mit der ersten Variation. Es folgen mit je einer Variation Winkler, Blumenfeld, Sokolow, Liadow mit zwei Variationen und das vierseitige Finale von Glasunow. Das Werk hat einen mittleren Schwierigkeitsgrad.
Das zweite Werk ist technisch ungleich anspruchsvoller, wie man es erwarten kann, wenn man die Namen liest. Ich meine das Hexameron unter der Federführung von Liszt. Beteiligt waren des weiteren die Komponisten Thalberg, Czerny, Pixis, Herz und Chopin. Das Werk ist eine Auftragskomposition zu einem wohltätigen Anlass gewesen. Interessant ist, dass es auf der Liszt Gesamtausgabe (Leslie Howard) komplett eingespielt wurde. Auf der Chopin-Gesamtausgabe der DG befindet sich nur die die Chopin-Variation. Es existiert außerdem eine Einspielung von M.-A. Hamelin.
Platz drei erhält die Group des Six mit ihrem L'Album des Six. das Ballett ''Les Mariés de la Tour Eiffel '' und weitere Projekte. Da finden sich auch die Namen Ravel und Roussel.
Interessant ist der Fall der FAE-Sonate (FAE=Abkürzung für frei aber einsam) für Violine und Klavier von Robert Schumann, Johannes Brahms und Albert Dietrich, die dem Geiger Joseph Joachim gewidmet ist. Erst 1935 erschien eine Gesamtausgabe alle Sätze. Joachim hielt die Sonate zurück. Der Grund für diesen Thread von mir ist die Frage an die Community: ''Warum hielt Joachim diese Sonate zurück?????''
Übrigens: Für Schumann bedeutete das Erlebnis gemeinsamsamen Musizierens mit diesen Partnern persönlich enorm viel.
Wer kennt weitere Gemeinschaftskompositionen und möchte sie beschreiben. Klavierwerke sind natürlich besonders interessant.
 
rolf
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Die "Messa per Rossini" auf Initiative von Verdi als Gemeinschaftskomposition von 13 ital. Komponisten (außer Verdi kennt man die kaum). Verdi übernahm das "Libera me", welches er später in seine Messa da Requiem integrierte.
 
rolf
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...es passt nicht 100%ig hierher: Diabelli und sein Walzerchen "mit dem Schusterfleck". Diabelli wandte sich an etliche Komponisten, dass diese je eine Variation komponieren sollen, Wakzer samt Variationen sollten dann publiziert werden. Auch Beethoven wurde angeschrieben, und der grimme Ludwig übertrieb es dann maßlos: gleich 33 Veränderungen... Die berühmten Diabellivariationen erschienen dann gesondert.

Nachtrag: Gerade erst gesehen, dass @Rheinkultur schon darauf verwiesen hat.
 
Rheinkultur
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Ein deutsch-deutsches Großprojekt aus dem vergangenen Jahrhundert/Jahrtausend:
https://de.schott-music.com/shop/juedische-chronik-no9568.html

...es passt nicht 100%ig hierher: Diabelli und sein Walzerchen "mit dem Schusterfleck". Diabelli wandte sich an etliche Komponisten, dass diese je eine Variation komponieren sollen, Wakzer samt Variationen sollten dann publiziert werden. Auch Beethoven wurde angeschrieben, und der grimme Ludwig übertrieb es dann maßlos: gleich 33 Veränderungen... Die berühmten Diabellivariationen erschienen dann gesondert.

Nachtrag: Gerade erst gesehen, dass @Rheinkultur schon darauf verwiesen hat.
Doch, es passt schon hundertprozentig, da sich ganz im Sinne einer Kollektivkomposition die anderen Komponisten (darunter der junge Franz Liszt und sein Lehrer Carl Czerny) im Prinzip an die Vorgabe gehalten und eben keinen komplett eigenständigen Zyklus geliefert haben. Zunächst stand Beethoven dem Projekt kritisch bis ablehnend gegenüber, zumal er an der Qualität des vorgegebenen Themas zweifelte ("Schusterfleck" als abwertende Bezeichnung für eine wenig ergiebige und unspezifische Reihung von Harmonien). Dann gelang ihm ein sehr fortschrittlich zu nennender Ansatz zur Auseinandersetzung mit dem vorgegebenen Material - eine Vorwegnahme von Charaktervariationen spätromantischer Prägung, wie sie etwa bei Brahms stattfand und von Reger oder sogar Schönberg weiterentwickelt wurde. Nicht nur die Größenordnung von Beethovens Opus rechtfertigt demnach eine gesonderte Publikation - ein Kompendium all dessen, was diese Gattung an Möglichkeiten vorgab, und das weit über Beethovens Lebenszeit hinaus!

LG von Rheinkultur
 
rolf
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Dann gelang ihm ein sehr fortschrittlich zu nennender Ansatz zur Auseinandersetzung mit dem vorgegebenen Material
Man kann es auch so sehen: der dissonanzengesättigte Marsch (Var.1) wird zum Anlass, 32 weitere Veränderungen zu entwickeln, darunter sogar spaßig blödelnde (Mozartkapriolen) --- übrigens soll Diabelli selber angeregt haben, dass die 33 Veränderungen gesondert erscheinen (und sicher war er ein bissel stolz darauf, den Ludwig zu seinem Mammutzyklus angeregt zu haben)
 
rolf
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L' Eventail de Jeanne - Ballett in 1 Akt (Komponisten: Ravel, Ferroud, Ibert, Schmitt, Auric, Poulenc, Roussel, Delannoy, Roland-Manuel

"Groupe des Six" (Auric, Durey, Honegger, Milhaud, Poulenc, Tailleferre) "Les Mariés de la Tour Eiffel" (Ballett)
 
rolf
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Noch was erstaunliches: Genesis Suite (Schönberg, Strawinski, Shilkret, Tansman, Milhaud, Castelnuovo-Tedesco, Toch)
 

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Interessant ist der Fall der FAE-Sonate (FAE=Abkürzung für frei aber einsam) für Violine und Klavier von Robert Schumann, Johannes Brahms und Albert Dietrich, die dem Geiger Joseph Joachim gewidmet ist. Erst 1935 erschien eine Gesamtausgabe alle Sätze. Joachim hielt die Sonate zurück. Der Grund für diesen Thread von mir ist die Frage an die Community: ''Warum hielt Joachim diese Sonate zurück?????''
Vermutung: Möglicherweise teilte er Clara Schumanns Bedenken, wonach etlichen "Spätwerken" Robert Schumanns schwer begreifbare und verstörende Züge anhafteten. Dies bezieht sich auch auf die zur 3. Duosonate ausgearbeiteten FAE-Sonate, die bis heute im Schatten der beiden anderen Sonaten steht und erst zur hundertjährigen Wiederkehr von Schumanns Todestag anno 1956 überhaupt im Druck erschien. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr auch Schumanns Violinkonzert, das erst im Jahre 1937 uraufgeführt wurde.

LG von Rheinkultur
 
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Jour de fete für Streichorchester (wohl ursprünglich für Streichquartett) von A. Glasunow, A. Liadow und N. Rimskij-Korsakow
Beim Schott-Verlag habe noch folgenden Eintrag gefunden:
Variationen über ein russisches Volkslied für Streicher von N. Artcibuscheff, F. Blumenfeld, V. Ewald, A. Glasunow, A. Liadow, N. Rimskij-Korsakow, A. Scriabin, N. Sokolow, J. Wihtol und A. Winkler
 
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Etwas sehr außergewöhnliches:
Das Klavierkonzert Der Gelbe Fluss. Eine1968/69 entstandene Kollektivkomposition von Yin Chengzong und Chu Wanghua, Sheng Lihong und Liu Zhuang.
War schon oben beschrieben, daher ohne weiteren Kommentar.
 
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Gabriel Fauré und André Messager: Souvenir de Bayreuth, fantaisie en forme de quadrille für Klavier zu vier Händen.
 
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Noch etwas Interessantes:
Die Oper Il Muzio Scevola. 1. Akt F. Amadei / 2. Akt Bonocini / 3. Akt Händel

Dann gibt es natürlich auch unfreiwillige Gemeinschaftsprojekte wie z.B. Berg/Cerha Lulu und Puccini/Alfano Turandot. In der Regel beziehen sich die Vollender auf vorhandes aber unvollständiges Material des verstorbenen Kollegen, daher gehören sie eigentlich nicht hierher.
 
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Da gibt es noch mehr, dieses mal aus der Zeit der französischen Revolution:
Le congrès des rois, comédie mêlée d’ariettes, von 1794 drei Akte, von Étienne-Nicolas Méhul, Henri Montan Berton, Matthieu-Frédéric Blasius, Luigi Cherubini, Nicolas-Marie Dalayrac, Prosper-Didier Deshayes, François Devienne, André-Ernest-Modeste Grétry, Louis Emmanuel Jadin, Rodolphe Kreutzer, Jean-Pierre Soliéund A.-E. Trial.
Le baiser et la quittance ou Une aventure de garnison, opéra-bouffon von 1803 drei Akte, von Étienne-Nicolas Méhul, François-Adrien Boieldieu, Rodolphe Kreutzer und Nicolas Isouard.
L’oriflamme, Oper in einem Akt, von Étienne-Nicolas Méhul, Henri Montan Berton, Rodolphe Kreutzer und Ferdinando Paër.
 
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Ein wenig Kopfschmerz bereiten Felix Mendelssohn Bartholdy's Lieder op. 8. und 9 und zwar op. 8 die Nummern 2, 3, 12 und op. 9 die Nummern 7, 10, 12. Mendelssohn hat sie wohl unter seinem Namen veröffentlicht, aus bestimmten Gründen wohl ohne Kenntlichmachung der Autorenschaft (sehe ich das richtig, ich habe gerade keine Biographie zur Hand). Diese sechs Lieder von 1827 sind aber von Fanny Hensel. Im erweiterten Sinne muss man das hier nennen. Sie sind bei ihr dann später unter Op. 12 erschienen.
 
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Die einzige Kollektivkomposition der Schumanns ist bei Clara Op. 12 – Zwölf Gedichte aus Friedrich Rückert's „Liebesfrühling“ für Gesang und Pianoforte von Robert und Clara Schumann (Lieder Nr. 2, 4 und 11 von Clara, gleichzeitig in Robert Schumanns op. 37) von 1841.
Es gibt es also auch mit Opusnummern.
 
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