Klavierlehrer wechseln nach nur 7 Stunden?

Dieses Thema im Forum "Klavierlehrer-Forum" wurde erstellt von Tonsee, 6. März 2018.

  1. Tonsee
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    Tonsee

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    Bin etwas ratlos, ob ich nach der 7. Stunde einen neuen Klavierlehrer suchen soll oder mich durchbeissen. Bin froh um Tipps und Anregungen. Die finanzielle Seite des Unterrichts spielt keine Rolle.

    Meine Ausgangslage: Bin kompletter Anfänger, 42 Jahre alt, keine musikalischen Vorkenntnisse. Spiele seit 4 Monaten Klavier, das üben macht mir grossen Spass und ich bin trotz Beruf und Familie jeden Tag 30-60 Minuten dran. Komme für mein Gefühl auch gut voran. Leute im Bekanntenkreis, die selbst mal ein Instrument gespielt hatten, finden meine Fortschritte beachtlich. Natürlich happert es noch deutlich an Taktsicherheit, Musikgehör usw., aber es tut sich was.

    Mein Problem: Es macht mir mittlerweile nach sieben Mal keinen Spass mehr, in die Klavierstunde zu gehen. Mein KL ist gut 10 Jahre jünger, hat seriöse, jazzlastige Ausbildung und macht auf den ersten Blick einen lockeren Eindruck. Irgendwie schafft er es aber fast jede Stunde, dass ich mich am Schluss als kompletter Idiot fühle. Ausserdem scheint mir der Ablauf des Unterrichts didaktisch nicht sinnvoll.

    Konkretes Beispiel: Ich kam letztes Mal in die Stunde nach vier Wochen (KL war auf Tournee), hatte im Heumann das erste Stück zum Thema Betonung im Takt und das erste mit Pedal geübt. Zwei wichtige neue Themen. Wie eigentlich jedes Mal hatte der KL zu Beginn keine Ahnung mehr, wo ich stehe. Er scheint seine spärlichen Notizen nicht vorgängig zu studieren. Dann kramte er als erstes eine Kopie der ersten drei Hanon-Übungen raus (ein Thema für sich), ich solle das mal spielen und auch zu Hause üben. Anstatt dass ich also vorspiele, was ich geübt habe, muss ich in der Stunde quasi was mir komplett neues üben. Da brauche ich natürlich 10 Minuten bis die erste Übung mal einigermassen sitzt und ich komme mir schon wieder blöd vor, weil ich ja spiele, was ich nicht kann. Dann bin ich schon etwas nervös und spiele nachher das eigentlich geübte Stück schlecht usw.

    Im Kern scheint das Problem zu sein, dass wir uns irgendwie auf der persönlichen Ebene nicht so finden. Und dass der KL selbst wohl gut spielt, aber weil er als Kind früh angefangen hat, wohl nicht mehr so recht weiss, wie man als Erwachsener das Klavierspiel richtig lernt. Darum wohl auch der Fokus auf solche Übungen a la Hanon losgelöst vom Musik machen, scheint mir mehr Ratlosigkeit oder Bequemlichkeit als böse Absicht zu sein.

    Also, liebe Forumsmitglieder, soll ich:

    a) Mich durchbeissen und nicht so mimosig tun, der KL weiss schon, was gut für mich ist.
    b) Sofort neuen KL engagieren, das Leben ist zu kurz für schlechten Klavierunterricht
    c) Das Gespräch mit dem KL suchen, um die Probleme zu lösen
     
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  2. Marlene
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    Marlene

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    Hallo und willkommen im Forum.

    Menschen, die miteinander reden, kann geholfen werden:

    Deine Fortschritte nach so wenigen Stunden müssen einen Grund haben.
     
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  3. HerrTrump
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    HerrTrump Guest

    Das finde ich problematisch. Hausaufgaben, ohne Kontrolle in der nächsten Stunde sind ziemlich witzlos. Außerdem sind Heumann und Hanon* einfach abgefuckt. Da würde ich mal genauer nachfragen.

    Und vor allem: wenn man sich unwohl fühlt, ist der Unterricht falsch. Das muss nicht an einem schlechten Lehrer liegen, kann aber. Kann aber auch einfach nicht passen.

    *) Hanon war laut Wikipedia kein Musikant, sondern gläubiger Katholik. Das ist nicht die Qualifikation, die zur Niederschrift einer Klavierschule befähigt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. März 2018
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  4. thomas 1966
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    thomas 1966

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    Willkommen im Forum!
    Zusammengefasst lese ich in deiner Darstellung der Situation: ratlos, kein Spaß mehr, Idiot, nicht sinnvoll, Heumann, Hanon, schlecht, Problem. Ebenso scheint mir, ihr findet keinen Draht zueinander.

    Ich würde dort nicht hingehen wollen.
    Die Fortschritte würde ich dem konsequenten Üben zuschreiben, die erzielst du auch mit einem (guten) Lehrer mit dem du dich auf pers. Ebene besser verstehst.

    Natürlich wäre der erste Schritt, mit dem Lehrer das Thema zu besprechen. Ehrlich, sachlich und in vollem Umfang.
     
  5. trialogo
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    trialogo

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    Die Chemie muss stimmen, die ist da oder nicht, läßt sich nicht herbeireden. Also, ich finde, wechseln.
     
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  6. ehenkes
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    ehenkes

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    Beides hilfreich, wenn man es mit dem richtigen Denken angeht.

    Mal ganz anders gefragt: Was genau hat der KL dir bisher beigebracht? Was hast Du von ihm gelernt? Welche Stücke spielst Du genau?
     
  7. reymund
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    reymund

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    Das erinnert mich an meine Umschulung, wir hatten eine Dr.Ing. als Mathe Lehrer. Die Aufgaben waren so schwer das sich jeder wie ein Idiot vorgekommen ist. Als die Prüfungen kamen, war die Matheprüfung für uns so leicht,das sie fast jeder mit gut bestanden hat.
     
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  8. pianochris66
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    pianochris66

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    Das eine schließt das andere aus:konfus:?
     
  9. Klavirus
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    Klavirus

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    Das scheint gar kein Lehrer zu sein. Eher auftretender Musiker, der nebenbei unterrichtet.
    Man fuhlt sich auch bei guten KL oft wie ein Depp, das ist nicht unbedingt ein Kriterium, aber der behandelte Stoff sollte doch schon im Unterricht bearbeitet werden. Heumann und Hanon - wem nichts andres einfällt, fällt selber... aus dem Raster.
    Vielleicht nimmt er einen Erwachsenen als Schüler eh nicht für voll, d.h. entwicklungswürdig?
     
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  10. Klafina
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    Klafina

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    Ich mache einmal den Versuch, das Ganze ein bisschen zu systematisieren (immer wissend, dass ja alles auch auf subjektiven Einschätzungen beruht und Ferndiagnosen nur bedingt brauchbar sind):

    Positiv: beachtliche Fortschritte, seriöse Ausbildung des KL(ich gehe von einer Hochschulausbildung aus, die aber nicht automatisch gute Didaktiker hervorbringt)

    Zumindest bedenklich: sich am Ende der Stunde als Idiot fühlen (kann auch an Dir liegen, aber auch am KL). Ein großer Abstand zwischen Lehrkraft und Schüler ist normal, sollte jedoch nicht ausgespielt werden. ; außerdem: die Chemie stimmt nicht - gar nicht gut.

    No-Go: Übungen ohne einsehbare Notwendigkeit zu präsentieren, kein Anknüpfen an die letzte Stunde. Genau an der sollte die aktuelle Stunde ansetzen. Bei mir läuft das immer so, dass meine KL explizit fragt, was ich spielen will (von den 2-4 Stücken, die ich gerade in der Bearbeitung habe). Und daran wird weiter gearbeitet.
    Wenn Übungen mitgebracht wurden, so immer mit Blick auf Probleme meinerseits.
    Oder wir haben gemeinsam beraten, was sinnvoll wäre.

    Frage: Hat Dein KL Erfahrung mit (vielen) erwachsenen Schülern?

    Das Gespräch würde ich suchen, aber irgendwie riecht das für mich - so, wie Du es darstellst - nach Wechsel.
     
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  11. Barratt
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    Heumann ... Hanon ... chemische Abstoßungseffekte ... willkürliche Gestaltung der Unterrichtsstunde ohne erkennbaren Bezug zum zuvor Erarbeiteten ... Überforderung des Schülers, vermutlich durch didaktische Defizite ...

    Der Lehrer mag ein toller Musiker sein, vielleicht bringt er begabte Kinder/Jugendliche gut heraus, who knows.

    Aber er ist offenbar nicht geeignet, um erwachsene Anfänger zu unterrichten.
     
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  12. Armin Gips
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    Armin Gips

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    Ich denke, das ist das Problem. Redet miteinander.

    Ich fühle mich auch wie ein Idiot im Vergleich zu meiner KL. Und das ist auch gut so. Dafür bezahle ich sie.
    Will ich mich wie ein Held fühlen würde ich selber Unterricht in einem Fach geben, in dem ich mich auskenne.

    Wenn es aber persönlich gar nicht klappen will, dann kann man über einen Wechsel nachdenken.
     
  13. hasenbein
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    hasenbein

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    Schlechter KL.

    Wechseln. Peng, aus.

    Typischer Fall von einem, der halt notgedrungen auch unterrichtet, weil die durch Gigs verdiente Kohle nicht ausreicht. Das wird dann halt ohne nennenswerte Vorbereitung mit Türklinken-"Pädagogik" durchgezogen, damit es auch ja nur minimale Zeit und Energie beansprucht. Und bei Erwachsenen "is ja eh' egal"...
     
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  14. Pianini
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    Pianini

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    @Tonsee, ich kann dazu nur von meiner eigenen Erfahrung berichten. Nach drei Jahren Unterricht habe ich gewechselt und jetzt bin ich wirklich rund um zufrieden. Ich freue mich auf jede Unterrichtsstunde, mein KL weiß immer ganz genau wo ich stehe und was wir in der letzten Unterrichtsstunde alles gemacht haben. Er macht sich zu jeder Stunde Notizen und dokumentiert meine Fortschritte, oder was auch immer er sich notiert.:heilig:
    Er macht nach vorheriger Absprache auch Aufnahmen von abgeschlossenen Stücken und hat dafür in der nächsten Stunde dann auch schon alles vorbereitet. Außerdem ist er ein guter Pädagoge, wenn er mich lobt, dann weiß ich auch, dass das ein echtes Lob ist. Er ist freundlich und immer total entspannt und nimmt mir damit auch meine Aufgeregtheit.

    Ich habe auch bei meiner vorherigen KL viel gelernt und möchte sie auf keinen Fall schlecht reden aber ihr Unterricht hat mir zuletzt immer weniger Freude gemacht. Vom Typ Mensch eher unorganisiert und sehr hektisch hat sich das auch auf mich übertragen. Fast immer voll des Lobes für mich, aber das konnte ich einfach nicht mehr ernst nehmen. Ich hatte das Gefühl nur noch auf der Stelle zu treten.

    Im Nachhinein habe ich mich gefragt warum ich nicht schon viel früher gewechselt habe, aber je nachdem wo man wohnt ist es ist wirklich sehr schwer überhaupt jemanden zu finden.

    Vielleicht hilft dir das ja bei der Entscheidung.

    Gruß
    Pianini
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. März 2018
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  15. Stephan
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    Stephan

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    Wenn er nicht informiert ist, was du zuletzt gemacht hast, kann er auch kein didaktisch-methodisch durchdachtes, individuell angepasstes Konzept für dich vorbereitet haben, wie auch?
    Die Sechzehntel werden bei Heumann erst in Lektion 9, Seite 86 eingeführt. Dabei wird eine Kurzetüde angeboten, wo nur die rechte Hand Sechzehntel zu spielen hat, und im Anschluss daran gleich die Arabesque von Burgmüller. Das ist schlecht in dieser Schule. Warum? Weil das lockere, gleichmäßige Sechzehntelspiel viel zu wenig, und in der linken Hand gar nicht geübt worden ist, dann aber sofort bei Burgmüller verlangt wird. Daraus folgt: Nach der Kurzetüde dem Schüler selbst entsprechende Sechzehntel-Etüden für beide Hände an die Hand geben, oder auch z.B. die "kleine Ballade" von Fritz Emons, aus seiner "Europäischen Klavierschule, Band 2", die beide Hände in dieser Sache gleichmäßig trainiert. Vom Hanon würde ich abraten. Zum Wechsel des Klavierlehrers würde auch ich raten... Gruß! Stephan
     
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  16. Armin Gips
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    Armin Gips

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    Vermutlich so lange ein typischer Fall, bis der KL sich hier zu Wort meldet und seine Sicht der Dinge darstellt. Hatten wir das Problem mit Ferndiagnosen nicht erst im Dezember? :konfus:
     
  17. hasenbein
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    hasenbein

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    Allein die Verwendung von Heumann und Hanon sichert die Ferndiagnose klar ab.
     
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  18. Tonsee
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    Tonsee

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    Vielen Dank Euch allen für das Feedback. Werde mich dann bei Gelegenheit auch im entsprechenden Forum vorstellen.

    Habe auch nochmal drüber geschlafen und entschieden, einen neuen KL zu suchen.

    Weil neben dem miesen Gefühl nach der Stunde ich mir auf die Frage von ehenkes auch nochmal überlegt habe, was der KL mir bis jetzt beigebracht hat. Und das ist fast nix, habe mir eigentlich alles im Selbststudium erarbeitet. Vielleicht wie man ganz praktisch die eine oder andere schwarze Taste spielt und natürlich, dass ich rhythmisch präziser spielen lernen muss, entsprechend mit Metronom üben soll usw. Das weiss ich auch selber.

    Aber nur schon bei der Lernmethodik - und dafür ist ja ein Lehrer jetzt am Anfang auch vor allem da, er soll mir beibringen, wie ich Stücke mir am besten selbst erarbeite, quasi Hilfe zur Selbsthilfe - habe ich meine Bedenken. Angefangen von diesen Fingerübungen "als Basis" und "zum Aufwärmen" - dabei hatte ich von Anfang an keine Mühe mit der Unabhängigkeit der Finger, auch 4 und 5 nicht - bis hin zur Methodik zum Erlernen eines Stück (er meint: Immer nur ein Takt aufs Mal, zuerst ganz langsam, am besten Gleich mit Metronom von Anfang an, dann schneller - ich habe rausgefunden, dass es mir viel besser läuft, wenn ich gleich mehrere Takte oder das ganze Stück zuerst rechts und dann links und praktisch in richtigem Tempo übe und dann beide Hände zusammen, und wenn es einigermassen sitzt, dann mit Metronom nachprüfe und korrigiere)

    Der KL wurde mir von einem Verwandten empfohlen, der seit 40 Jahren hobbymässig spielt. Die haben Spass zusammen im Unterricht.

    Von daher trifft wohl Barratts und Hasenbeins Ferndiagnose zu: Guter Musiker, aber hat keine Ahnung davon oder Lust rauszufinden, wie man erwachsenen Anfängern am besten das Klavierspiel beibringt, sondern macht, was er meint, was ein KL eben so macht. Werde ihm noch ein Feedback geben, aber ich setze nicht darauf, dass er sich ändern wird. Dafür liegen seine persönlichen Prioritäten wohl auch viel zu wenig auf guter Didaktik.
     
  19. HerrTrump
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    HerrTrump Guest

    wusste gar nicht, daß die im Dominastudio auch Klavier unterrichten.
     
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  20. HerrTrump
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    HerrTrump Guest

    *lol* - bei so einem Thema kriecht früher oder später ein frustrierter Dorfklavierlehrer aus seiner dunklen Ecke ans Tageslicht, um sich zu profilieren...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 7. März 2018