Wie bewertet ihr einen verstimmten Flügel

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ltc

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Hallo Zusammen,

ich habe diese Woche einen Flügel in einem privaten Haushalten angespielt, um genau zu sein einen Bechstein aus dem 1920ern, 200cm lang, der vor ungefähr 20 Jahren umgänglich restauriert wurde. Kostenpunkt ungefähr 10000 Euro.

Jetzt habe ich folgendes Problem.

Der Flügel wurde vor 5 Jahren das letzte Mal gestimmt.

Beim Anspielen klang er definitiv nach Bechstein. Ich sehe da schon Potential. Aber ich kann ihn nur kaufen, wenn das mit einer Stimmung einiges rauszuholen wäre. Gerade in der Lage um das große C klang er nicht gut. Und er hat ein bisschen geklirrt.

Da ich bisher leider nur auf einem Epiano spiele, habe ich gar keine Ahnung was simple Verstimmung ist und was auf größere Probleme hindeutet.

Ich habe fast das Gefühl ich müsste den Flügel stimmen lassen bevor ich mich entscheide. Und das scheint mir irgendwie nicht sinnvoll. Deshalb bin ich sehr zögerlich einen Techniker zu bezahlen der den Flügel für mich evaluiert.

Würdet ihr es sein lassen oder muss man da durch, wenn man hofft durch einen Privatkauf etwas zu sparen?
 

Bechstein aus dem 1920ern, 200cm lang, der vor ungefähr 20 Jahren umgänglich restauriert wurde. Kostenpunkt ungefähr 10000 Euro.
in der Preislage finden sich sicher besser gestimmte Bechstein-Flügel.
 
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Es empfiehlt sich auch bei gestimmten Flügeln das Instrument vor dem Kauf begutachten zu lassen, wenn man von privat kauft.
 

Wenn einer ein Tasteninstrument um 10.000 Euro veräußern möchte finde ich es schon zumutbar, dass dieses gestimmt ist. Wie soll denn der Verkäufer dem Interessenten den preistreibenden tollen Klang vorführen?

Ich würde anderswo weitersuchen.
 
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Ich habe fast das Gefühl ich müsste den Flügel stimmen lassen bevor ich mich entscheide. Und das scheint mir irgendwie nicht sinnvoll. Deshalb bin ich sehr zögerlich einen Techniker zu bezahlen der den Flügel für mich evaluiert.
????

Du willst 10.000 ausgeben und hast die Chance, Dir für max 250,- Sicherheit zu erkaufen. Und das scheint Dir nicht sinnvoll?

(Davon unbenommen gehört es sich für einen seriösen Verkäufer, für ein halbwegs gestimmtes Instrument zu sorgen. 5 Jahre Nicht-Stimmen gehen gar nicht!)
 
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Das ich einen Techniker bezahlen muss, wenn ich kaufen will ist mir klar.

Mir geht es um die Entscheidung für diesen Flügel einen Techniker zu beauftragen. Wenn ich fünf Flügel ausprobiere und jeden prüfen lasse bin ich auch 1000 Euro bzw Franken los. Mir geht es um die Schwelle wann ich eine Experten beauftrage.

DIe Einschätzung, dass der Verkäufer den Flügel bei dem Preis hätte stimmen lassen soll, hilft mir schon weiter. Wahrscheinlich sollte mir der Flügel im ist Zustand schon sehr gut gefallen und einen Techniker beauftrage ich erst wenn versteckte Mängel das KO Kriterium sind.
 
in der Preislage finden sich sicher besser gestimmte Bechstein-Flügel.
Das ist fast der gleiche Flügel glaube ich. Leider wohne ich im Raum Süddeutschland/Schweiz und habe wenig Glück etwas günstiges zu finden. Ob der Flügel überhaupt 10000 Wert ist, ist aber auch ein guter Einwand.
 
in der Preislage finden sich sicher besser gestimmte Bechstein-Flügel.
So wie der Flügel geöffnet ist zweifle ich an der einigermaßen passenden Stimmung. Und diese wunderschönen roten Filze, ja das ist, ahem, genau das Gegenteil von sehr gepflegt.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #10
Ohne Stimmung würde ich den Flügel nicht kaufen bzw. anbieten die Kosten für die Stimmung bei Abnahme zu übernehmen.
 
  • #11
:idee: ist ja auch nicht die Preislage...:blöd:

Auch in der Preisklasse kann man manchmal Glück haben. Ich bin ja einer von den Unbesonnenen, die manchmal Flügel nur aufgrund von ein paar Telefonaten und Bildern in Anzeigen kaufen. Einen Bechstein B von 1920 habe ich mal aus einem Theater gekauft, das aufgelöst wurde und konnte auch mit dem bis dahin betreuenden Techniker sprechen. Fazit: Flügel ist OK, keine relevanten Schäden, also für 1500 EUR blind gekauft.

Der wird heute noch ohne weitere Arbeiten abseits von Regulieren und Stimmen in einem schönen Wohnzimmer täglich gespielt.

Auch für den 220er Modell IV habe ich die von Dir genannte Preisklasse bezahlt, blind gekauft. Als er ankam, war er ohne weiteres spielbar; mit ein paar Euronen in der Hand hätte man schon damals ein schönes Instrument unter den zur Diskussion stehenden 10k reparieren können. Ich habe mich halt für die tatsächliche Luxusvariante einer wirklichen Restaurierung entschieden, die dann doch empfindlich teurer war.

Hat sich aber auch gelohnt.
 
  • #12
Würdet ihr es sein lassen oder muss man da durch, wenn man hofft durch einen Privatkauf etwas zu sparen?

Ich fürchte, da musst Du durch.

Aber vorher solltest Du Dir unbedingt die Frage stellen, ob ein über 100 Jahre alter Bechstein wirklich für Dich das absolute Trauminstrument ist, oder ob es vielleicht nur der Glanz des Namens war, der Dich verführt hat.

Mit einem Budget von 10.000 EUR findet man schon sehr schöne Instrumente, die vielleicht etwas kleiner sind, aber auch moderner, besser gewartet und weniger anfällig für Altersgebrechen.

Bechsteins aus dieser Zeit in dieser Größe gibt es wie Sand am Meer - und die Streuungsbreite ist genau die eines sehr feinkornigen Sandstrandes - in jeglicher Hinsicht: Zustand, stattgefundene Reparaturen, Wartungen, Ersatzteillage von Mechanik bis Saiten - von Schrott bis Rohdiamant findet man da alles.

Besprich Dich mit einem Klavierbauer Deines Vertrauens und grenze Deine Wünsche und Vorstellungen ein und lass Dich von jemandem beraten, der idealerweise keinen Handel mit Gebrauchtklavieren betreibt. Ich glaube, dann wirst Du klarer wissen, wohin die Reise gehen kann.

Und vor der Reise unbedingt einmal ein paar richtig gute Flügel anspielen, um ein Gespür dafür zu bekommen, was Dich eventuell an Glück erwartet.
 
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  • #13
Das ist doch ganz einfach: Mach dem Verkäufer auf nette Weise klar, dass niemand ein ungestimmtes Instrument in der Preislage kauft.Wenn der Verkäufer sich ziert, diese max 150-200 zu investieren, hat er entweder was zu verbergen oder er ist ein dumm-geiziges A..... Und beiden Fällen ist es gut, nicht weiter darüber nachzudenken.

Aaaaber: Es gibt, wie @Clavierhaus schon schrieb, in diesem Bereich Schrott genauso wie Trauminstrumente. Es lohnt also ein zweiter Blick - so denn der Verkäufer willig ist!
 
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  • #14
Ich fürchte, da musst Du durch.

Aber vorher solltest Du Dir unbedingt die Frage stellen, ob ein über 100 Jahre alter Bechstein wirklich für Dich das absolute Trauminstrument ist, oder ob es vielleicht nur der Glanz des Namens war, der Dich verführt hat.

Mit einem Budget von 10.000 EUR findet man schon sehr schöne Instrumente, die vielleicht etwas kleiner sind, aber auch moderner, besser gewartet und weniger anfällig für Altersgebrechen.

Ich bin in der Situation, dass ich einen 4 Jahre alten Bechstein für ungefähr 50k angespielt habe und danach klingen die Yamahas, Hoffmann, Kawai, Grotian die ich unter die Finger bekommen habe einfach unbefriedigend. Nach nüchterner Überlegung ist mein Budget aber definitiv nicht 50k. Bis 30 k wären drin, aber dafür finde ich in Geschäften hier keine Bechstein oder Bösendorfer. Vielleicht stelle ich mich bei der Suche auch dumm an.

Deshalb habe ich angefangen auch nach Privatverkäufen zu schauen.
Bei dem alten Bechstein jetzt hat der Klang mir bei bestimmten Stücken schon gut gefallen. Deshalb sehe ich da Potential. Aber Arpeggios klangen halt nicht so toll je nach Tonlage.

Ich schaue Mal wie ich eine höfliche SMS vormuliere, ob der Besitzer sich vorstellen könnte den Flügel stimmen zu lassen.
 
  • #15
Ich habe fast das Gefühl ich müsste den Flügel stimmen lassen bevor ich mich entscheide. Und das scheint mir irgendwie nicht sinnvoll. Deshalb bin ich sehr zögerlich einen Techniker zu bezahlen der den Flügel für mich evaluiert.
Ich stand bei meinem Bechstein genau vor dem gleichen Problem. Klang gefiel mir super, war mir aber nicht sicher. Halt alt und verstimmt. So habe ich einen Klavierbauer drüberschauen lassen. Da ging es um 2.500 €!
Bei 10 k würde ich a eine Stimmung durch den Verkäufer verlangen und b trotzdem noch einen Techniker drüberschauen lassen.

SMS könnte lauten "Eine Kaufentscheidung kann erst nach einer Stimmung erfolgen". Punkt.
 
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  • #16
Wenn das Instrument angeblich 5 Jahre nicht gestimmt wurde, kann man getrost davon ausgehen dass es vielleicht auch noch länger nicht gestimmt wurde und daher für eine vernünftige Stimmhaltung mindestens zwei, wenn nicht drei Termine im Verlauf weniger Wochen nötig wären. Vielleicht weiss auch der Verkäufer das, möchte diese erhöhten Kosten vermeiden, und weist darauf hin, dass, egal wie gut der Flügel vor dem Kauf gestimmt ist, nach dem fälligen Transport der Käufer am neuen Ort ohnehin nochmal mindestens zwei neue Stimmungen brauchen dürfte, bis er Ruhe gibt...Mit anderen Worten er könnte darauf spekulieren lieber einen Käufer zu suchen, der das Risiko in Kauf nimmt um Geld zu sparen.

Ich würde daher anders vorgehen, und keine so brüske SMS schreiben. Denn wenn der Verkäufer Zeit hat, wird er an jemande, der so schreibt, vielleicht nur ungern verkaufen. Ich würde stattdessen freundlich fragen, ob er sich vorstellen könne, den Flügel stimmen zu lassen: das mache eine bessere Beurteilung möglich und sein Angebot ja auch generell attraktiver...

Stimmt er nicht zu, wird er einen Grund nennen. Nennt er keinen, fragt man nach. Bleibt er unwillig sich zu erklären, ist das ein Hinweis darauf, dass er zum einen am Preis nichts machen wird und zum anderen glaubt, ein dennoch attraktives Angebot zu haben, oder dass er umgekehrt etwas bemänteln möchte oder sich einfach weder Zeit nehmen, noch weiteres Geld in einen fairen Verkauf stecken möchte.

Um das Instrument, falls es dennoch gefällt, besser einschätzen zu können, könnte man ihm auch vorschlagen einen Klavierbauer seines Vertrauens mitzunehmen und den fragen, ob er neben dem technischen Blick darauf eventuell auch nur rasch ein paar besonders schräge Töne stimmen könnte, um die Reaktion des Instruments zu hören und dessen Einschätzung. Wenn der Verkäufer aber auch damit nicht einverstanden wäre, sondern lieber die Katze im Sack verkaufen möchte, könnte man vielleicht skeptisch werden... Davon abgesehen gilt aber auch: so richtige Schäppchen sind fast immer mit erhöhtem Risiko behaftet, sonst wären sie wahrscheinlich keine. Ein sturer Verkäufer kann also auch ein Glücksfall sein, für denjenigen der im Gegensatz zu den Skeptikern und Zauderern die richtige Witterung hat...
 
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  • #17
Ich fürchte, da musst Du durch.

Das sehe ich anders. Wer etwas verkaufen will, sollte es bestmöglich präsentieren. Ein Klavier also gestimmt.

Aber ein Kompromiss wäre möglich: Der Verkäufer lässt den Flügel stimmen und der Käufer bezahlt sie, wenn er den Flügel kauft.
 
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  • #19
Für den Preis bist Du sowieso der einizige Interessent
Ich würde daher anders vorgehen, und keine so brüske SMS schreiben. Denn wenn der Verkäufer Zeit hat, wird er an jemande, der so schreibt, vielleicht nur ungern verkaufen. Ich würde stattdessen freundlich fragen, ob er sich vorstellen könne, den Flügel stimmen zu lassen: das mache eine bessere Beurteilung möglich und sein Angebot ja auch generell attraktiver...
Wenn ein Händler den gleichen Flügel im gleichen Zustand anbietet würde er in der Luft zerrissen werden - aber von privat ( ohne Garantie - ohne Service - ohne Transport ) ist so ein Zustand ja sogar ein Glücksfall und man spart ja schließlich eine Menge :008: .
 
  • #20
Ich bin in der Situation, dass ich einen 4 Jahre alten Bechstein für ungefähr 50k angespielt habe

Ein 4 Jahre alter Bechstein hat in der Bauform nichts mehr gemein mit einem der "klassischen" Bechstein-Flügel. Ein Vergleich ist in dieser Hinsicht überhaupt nicht zielführend.
 

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