Stilblüte komponiert: Etüde in As-Dur (für die Geläufigkeit der rechten Hand)

Übrigens verdient man am Notenverkauf durch einen Verlag fast nichts
Weiß ich doch, deshalb ist der digitale Eigenverlag für Künstler ja auch so hochattraktiv.

Grundsätzlich gibt es in dem Marktumfeld aber auch noch ein Bedarfsproblem: Ich erhalte zur Zeit 240 gedruckte Seiten Klaviernoten zeitgenössischer und gemeinfreier Stücke aller Schwierigkeitsgrade für 46 GBP pro Jahr im Abo. Darüber hinaus besteht bei mir schlicht kein Bedarf mehr an Übematerial (oder überhaupt an Noten oberhalb meines technischen Niveaus), denn ich bin damit auch ohne Unterricht bereits voll ausgelastet.
 
Wenn man so denken würde, könnte man sein Künstlertum aufgeben. Es gibt in allen Bereichen viele andere, die etwas ähnliches tun. Die auch Klavierspielen, auch komponieren, auch Marionetten bauen, auch Krimis schreiben, auch tolle Fotos schießen, auch eindrucksvoll Theater spielen. Mich gibt's aber nur einmal. Und wer genau meine Etüde haben möchte, kriegt die im Moment nur bei mir :005:

Die große Fülle an Auswahl ist übrigens nicht unbedingt hilfreich: Je größer die Auswahl, desto unzufriedener und hilfloser der Mensch. Wenn n=2 ist die Auswahl natürlich etwas klein. Aber wenn n=10.000, ist sie so groß, dass mir die Fülle auch nichts mehr nützt. Da bin ich froh, dass mich jemand auf dieses oder jenes hübsche Stückchen aufmerksam macht, das ich dann bei einer Person, die ich primär oder sekundär auch kennen oder kontaktieren kann, bekomme.

Ich erwarte ja nicht, dass ich damit nun reich und berühmt werde und sich plötzlich die ganze Welt für mich interessiert. Ich hab halt Spaß am Komponieren und freue mich, wenn sich auch noch einige andere drüber freuen.
 
Als Kollege werde ich sicher niemanden dafür runtermachen, daß sie für ihre Arbeit bezahlt werden möchte.

Aber für das Entgelt bewegt sich schon in der Nähe von Henle-Stich auf hochwertigem Papier geliefert statt PDF. Für rein Digitales sehe ich eher iTunes & Co. als preisliche Richtlinie (und nicht etwa Spotify).

Dies hier sind Preise eines Downloads eines klassischen Klavierstücks bei stretta: https://www.stretta-music.de/klavier/klassische-musik/notendownload/.

Wenn man dann auch noch selbst das Stück komponiert und aufgeschrieben hat (viel, viel Arbeit .....), muss ich sagen: 3€ sind verdammt wenig für verdammt viel Gutes!

Ganz tolles Stück, liebe Blüte!

chiarina
 
Ich bin etwas weggekommen vom Gedanken der "einfachen" Etüden für Schüler. Somit habe ich auch mehr Entfaltungsspielraum und kann mich mehr austoben. Allzu schwierig ist sie aber auch nicht, höchstens wie Chopin op. 25,2, eher leichter, glaube ich.
Diese Etüde wäre ideal für fortgeschrittene Kandidaten, die bereits drei oder vier der nicht so schwierigen Chopin-Etüden aus op. 10 und 25 bewältigen können und auf der Suche nach spätromantischen Alternativen mit nicht zu komplexer Harmonik sind. Wer dann bei Skrjabin, Szymanowski und Rachmaninow fündig werden möchte, findet viele Sachen vor, die eigentlich noch zu schwer sind. Dein Stück könnte die so entstehende Repertoirelücke ausfüllen.

Ich ziehe schonmal den Kopf ein, aber ich möchte die Noten jetzt nicht mehr hier zum Download bereitstellen. Ihr könnt sie gegen eine kleine Gebühr von 3€ über meinen Shop als PDF bestellen. Reich werde ich damit nicht, aber ich habe etwas besser den Überblick, wo sie so landet.
Für diese Entscheidung gibt es plausible Gründe. Sie hat allerdings den Nachteil, dass eine Diskussion über Detailfragen zu Deinen Kompositionen, für die man Taktzahlen bräuchte und damit den Notentext, durch diese Vorgabe praktisch ausgeschlossen ist. Wenn Dir allgemeines Feedback genügt in der Gestalt, dass Deine Komposition gefällt und durch kompetente Hörer Wertschätzung und Anerkennung erfährt (die meinige ist Dir sicher), kann das Hochladen des Notentextes entfallen. Hättest Du es gerne etwas differenzierter, kannst Du Dich an zwei Varianten orientieren, wie Verlage Probepartituren zur Verfügung stellen: Entweder werden nur Teile des Notentextes zugänglich gemacht oder der Notentext beispielsweise mit unterlegtem Wasserzeichen ("Ansichtsexemplar - öffentliche Nutzung unzulässig") so ausgestattet, dass man für eine uneingeschränkte Nutzung ein kostenpflichtiges Original ordern und bezahlen muss. Ich sollte mal vor etwa zwei Jahren einen Frauenchor beim Konzert begleiten und bekam eine Probepartitur zur Verfügung gestellt, in deren verlagsseitig zum Download angebotenen Druckfassung auf den Notenseiten jeweils bestimmte Abschnitte des Notentextes fehlten. Aus Wiederholungen konnte man die fehlenden Takte rekonstruieren. Was tat also die Dirigentin des Chores, der für die Anschaffung der Originalnoten offenbar zu knapp bei Kasse war? Sie ergänzte von Hand mit Bleistift und Lineal den Rest, damit man nicht die fünf Euro fünfzig für ein Druckexemplar der Dirigierpartitur ausgeben musste und ich wusste, was ich zu spielen hatte. Hätte sich die Kollegin für ihre Fleißarbeit leistungsgerecht bezahlen lassen, wäre das vermutlich erheblich teurer geworden. Gut möglich, dass die Sangesschwestern des Frauenchors aus Kopien einer irgendwo ausgeliehenen Chorpartitur sangen. Ein Prozedere, das schiefgehen kann, sobald als Konzertbesucher getarnte freie Mitarbeiter der für Urheberrechte zuständigen Gesellschaft mal etwas genauer hinschauen. Ich darf aus der Praxis heraus versichern, dass das tatsächlich vorkommt.

LG und ganz herzlichen Dank von Rheinkultur
 
Der Preis für die Noten der Etüde ist geringer als ein Bier bei meinem Italiener. Das braucht man nun wirklich nicht zu diskutieren. Und das Angebot als pdf-Datei finde ich zeitgemäß und man kommt schneller an die Noten. Wer die Noten nach dem Video ohne Problem hinschreiben kann, soll das halt machen. Mir wäre das eigentlich zu mühsam, aber jeder Jeck ist anders. :-)
 
Wenn man so denken würde, könnte man sein Künstlertum aufgeben.
Ich beschreibe zuvörderst meine persönliche Perspektive als Klavier-Amateur, der eine weit fortgeschrittene Etüde angeboten bekommt. Ganz unabhängig vom technischen Niveau genau dieser Etüde habe ich festgestellt, daß ich neben dem Klavierunterricht eigentlich gar keine Zeit mehr hatte, noch weitere Stücke zu üben, als die aus dem Unterricht (die ich natürlich so gut wie alle schon gedruckt vorliegen habe).

Wenn es wie bei meinem Hauptinstrument ums professionelle Auftreten geht, gibt es natürlich ganz andere Spielräume, sowohl bei der Übezeit als auch beim Einsatz von Ressourcen. Aber das ist eben Arbeit und nicht Vergnügen.


Ja, finde ich immer noch ziemlich sportlich, denn die Einzelausgabe der bekannten Beethoven-Bagatelle (natürlich der Bestseller) kostete handgestochen gerade mal um die 7 DM, die 2016er-Neuauflage aus dem Computer gedruckt nun 4,50 €. Das ist halt was anderes als eine Loseblattsammlung aus meinem eigenen Drucker für 2,50 €.
 
Ich erwarte ja nicht, dass ich damit nun reich und berühmt werde und sich plötzlich die ganze Welt für mich interessiert.
Es genügt schon, wenn einige Interessenten erkennen, dass da durchaus eine Marktlücke gefüllt wird und es sich lohnt, die Noten zu ordern. Drei Euro sind zwei Bier im Stammlokal des Gesangsvereins. Zwei Gläser sind im Nu leergetrunken. Das ist doch Verschwendung. Dann lieber die Etüde spielen, davon hat man mehr. Und die Noten sind noch da, während man die Biere schon längst chemisch umgewandelt und entsorgt hat (siehe Witzseite).

LG von Rheinkultur
 
Was kostet denn ein zweiminütiges, klassisches Klavierstück der Gegenwardt?
Ganz alleine Dein Ding. Wenn es 10 € kosten würde, wäre es auch ok!
Wenn man es überhaupt mit "was kostet sowas" vergleichen will, hier mal ein Preisbeispiel:
Dieser Typ hier verkauft seine in Noten gesetzten Arrangements für 3 Dollar.
Schmidt verkauft seine Stücke einzeln im Pdf-Format für 6 Dollar (früher gab es das Beispielstück auch mal kostenlos).
Musicnotes.com verkauft den Kram, genreübergreifend, alt oder neu, pauschal für 5 Dollar (inkl. einer Printausgabe, auch Klassik der Gegenwart). Die Urheber bekommen vermutlich nur übriggebliebene Cents davon.
Also mach Dir keinen Kopf. Wenn 3 € für Dich passen, dann passt es. :-)
 
Zuletzt bearbeitet:
@Rheinkultur
Nein, man braucht doch keinen Notentext um eine Stelle in einem Youtube-Video zu addressieren. Dazu muss das Video nicht mal Musik enthalten. Vielleicht hat ja jemand so spät am Abend noch eine Idee, wie man das irgendwie anders bewerkstelligen könnte?
 
Sitz ich jetzt auf der Leitung, oder reicht's da, wenn man einfach eine Zeitangabe kommuniziert...?
 

ich wollte eigentlich, dass sich der gute Rheinkultur da mal ein bisschen aus seiner Komfortzone heraus begibt. Das hast Du jetzt zunichte gemacht, indem Du Dir selbst die 100 Punkte abgeholt hast:-)
 
Was denn für eine Komfortzone? Verstehe ich nicht.
 
Meine Komfortzone bzgl. Musik ist das Hören. Das reicht mir in aller Regel auch, um ein Werk, das hennemäßig etwas unter meinen pianistischen Möglichkeiten liegt, in diversen Tonarten spontan nachspielen zu können. Bei Dir scheint es eben der geschriebene Notentext zu sein.
 
Anstatt über den musikalischen Inhalt dieser Etüde zu reden wird hier über den Preis diskutiert. Kaum zu glauben! Ist das typisch deutsch?

Wer die harmonisch- melodischen Zusammenhänge diskutieren will und das ohne Noten nicht hinbekommt für den ist diese Etüde eh zu schwer, da er sie geistig abstrakt nicht erfassen kann.

Zeitangaben im YOUTUBE Video reichen übrigens absolut aus um bestimmte Stellen zu zitieren. Und wenn es um bestimmte Figurationen geht, kann man die auch kurz niederschreiben und als JPG zur Diskussion reinstellen.
 
Was Du übrigens "akustische Tonleiter" nennst (ich höre diesen Ausdruck zum ersten Mal, woher hast du den??), nennen wir Jazzmusiker "Mixo kreuz 11" (Mixolydisch mit erhöhter Quarte). Beispiel: Takte 3 und 4 von "Take The A-Train" oder "Desafinado". Typischer Einsatzbereich: Doppeldominanten wie in den genannten zwei Stücken; außerdem Tritonussubstitut-Akkorde: Wenn auf einer normalen Dominante Alteriert gespielt wird (z.B. A7b9b13 -> Dm), dann wird über deren Tritonussubstitut (in diesem Falle Eb7/9/#11) Mixo#11 gespielt, d.h. Mixo#11 hat die gleichen Töne wie Alteriert (beide sind Modi der melodischen Molltonleiter), man muss halt nur vom Tritonus aus anfangen. (Allerdings ist das keine zweckmäßige Denkweise - man sollte immer weiterhin von der "normalen" Dominante aus denken und nur wissen, dass eben ein anderer Basston da ist, siehe z. B. A-Teil von "Night In Tunisia", der harmonisch einfach 3mal V-I und dann 1mal II-V-I ist.)
 
Und Mixo#11 wird auch als Bartok-Skala bezeichnet. Verschiedene Kulturkreise verwenden das Gleiche, immer wieder interessant.
 
Was Du übrigens "akustische Tonleiter" nennst (ich höre diesen Ausdruck zum ersten Mal, woher hast du den??), nennen wir Jazzmusiker "Mixo kreuz 11"
Der Begriff "akustische Skala" erklärt sich durch der Ähnlichkeit dieser Tonleiter mit dem Ausschnitt der Partialtonreihe der Positionen 8 bis 14. Er wird unter anderem von Zsolt Gardonyi in seinem Buch "Harmonik" verwendet. Die aus dieser Materialtonleiter hervorgehenden Melodien und Harmonien bezeichnet er als akustische Tonalität.
Um einen Bezug zur ursprünglichen diatonischen Heptatonik herzustellen, bezeichnet Gardonyi diese auch als "heptatonia secunda" (oder auch zweite Siebenstufigkeit) aus der er auch wieder, gleich wie bei der diatonischen Heptatonik 7 Modi herleitet.
Ich habe das mal grafisch aufgearbeitet.

1601710077279.png
Ich bevorzuge MM4 als Bezeichnung wobei natürlich die Bezeichnungen Mixo #11 oder auch Lydian b7 weit verbreitet sind.


PS
Stilblüte setzt die Skala übrigens bei 0:26 nach dem chromatischen Aufstieg der Quartakkorde in der linken Hand ein.
Allerdings benutzt sie die Akustik Skala an dieser Stelle zum Teil nur auszugsweise in Form einer Verkürzung der Heptatonia Segunda zu einer hemitonischen Pentatonik. In diesem Fall die Kumoi (In-Sen wird sie in Mark Levins "Das Jazz Theorie Buch" Seite 187 genannt).

Diese Stelle gefällt mir sehr gut, Stilblüte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich hingegen halte es für kontraproduktiv, Skalen wie Mixo#11 oder Alteriert primär von der melodischen Molltonleiter her zu betrachten und zu bezeichnen, da dies eine nicht praxisrelevante sowie "von hinten durch die Brust ins Auge" Sichtweise ist.

Ähnlich wie es nicht zweckmäßig ist, Tonleitern anhand der "Lage der Halbtonschritte" zu lernen - wenn Schüler mir erzählen, so hätten sie es gerade in der Schule durchgenommen, sage ich ihnen: "Vergiss es, Du merkst ja selber, dass einen das nur verwirrt - ich bringe Dir jetzt die musikergerechte Sichtweise bei (welche Intervalle vom Grundton aus gesehen sind in der Skala enthalten)".
 

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