Klassik vs Pop

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MegaChip

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Hallo,
Immer wieder höre ich (hier), dass klassische, bzw. damalige Musik viel Anspruchsvoller ist als die heutige Mainstreammusik.
Auf dasselbe Thema kam ich letztens mit meinem Klavierlehrer zu sprechen, er erklärte, heutzutage würde man beispielsweise einen Kompressor benutzen damit alles in etwa gleich laut sei, es also kaum noch feine Nuancen gäbe und dann noch, dass es ja alles nur einzelnd aufgenommen und vermixt wird.

Ich würde mich über andere Erläuterungen/Ansichten freuen
Lg Chip
 
Sven

Sven

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In der Popmusik selbst hat auch eine Verflachung stattgefunden.

The Who und The Beatles (und wahrscheinlich noch andere zu der Zeit) haben of in einem Stück mehr musikalische Einfälle verarbeitet, als heute für ein ganzes Album reichen müssen.

Heute werden auch gute Texte, Ausdruck, musikalische Finesse etc. gerne durch Show-Effekte, Technikeinsatz (Vocoder, Vocalist, Chorus, Kompressor etc.) ersetzt.
Ältere Popularmusik (und die gute aktuelle) ist meistens viel roher / "naturbelassener".
 
Ludwig

Ludwig

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Vergleiche mal eine Popdudelei und eine Beethoven Symphonie.
Was fällt Dir auf hinsichtlich

  1. Entstehungsdauer
  2. Dauer des Stückes
  3. thematische Arbeit
  4. Harmonie
  5. Stimmen innerhalb des Stücks?
Jetzt solltest Du sofort sehen, warum Klassik anspruchsvoller ist als das was heut produziert wird :-)

_______
Man könnte natürlich sagen, dass es unfair wäre diese 2 Gattungen zu vergleichen - aber darauf zielt die Fragestellung ja nicht ab
 
cwtoons

cwtoons

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Weiß nicht, wohin so ein abstruser Vergleich führen soll.

Die Kompositionskünste von, sagen wir 'mal Mozart, mit denen von Jagger/Richards zu vergleichen, ist absoluter Unsinn. Das sind zwei unterschiedliche Dinger. Sie sind so weit unterschiedlich und so weit voneinander entfernt wie ein Golfspieler und ein Schwimmer. Sie haben, bis auf das verwendete Material - Töne - nichts miteinander zu tun.

Sie haben allerdings etwas anderes gemeinsam: Die Kompositionskünste und deren Ergebnisse - die Musik - ist bei Mozart und bei Jagger/Richards gleich. Sie sind beide Spitze und sie sind von Weltrang.

Ich bedauere also folgerichtig die eingefleischten Klassiker, dass sie keinen Zugang zu Rock/Pop haben. Ihnen entgeht etwas und sie bemerken ihre Lücke nicht einmal. Die Schranken sind geschlossen.

Ich bedauere natürlich genauso den beschränkten Popmusikkonsumenten. Der wird es nie lernen, was für ein genialer Musiker Beethoven war. Für so einen ist LvB nur eine taubenbeschissene Bronzefigur. Seine Schranken sind auch zu und er weiß noch nicht einmal, dass er diese Schranken hat.

CW

P. S.:
Wenn das für Deinen Klavierlehrer Teufelszeugs ist, macht er besser 'ne Umschulung.
 
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Peter

Peter

Bechsteinfan
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Ich finde es grundsätzlich blöd, überhaupt in diese zwei Schubladen zu trennen.* Musik ist Musik.
Anspruchsvolle Musik gibt es in allen Genren. Aber ein 10-Minuten-Stück hat halt keine Chance, populär und damit Popmusik zu werden. Da muss man schon zu anderen Quellen als dem Radio oder den üblichen Chartlisten greifen. Das gilt auch für die Klassik.

*Ich sehe z.B. nur sehr wenig Unterschiede zwischen klassischer Minimalmusik und Techno. Lediglich die eingesetzten Werkzeuge und Stilmittel sind andere. Anspruchsvoll oder anspruchslos kann beides sein.

...und dann noch, dass es ja alles nur einzelnd aufgenommen und vermixt wird.
Das gibt´s in der Klassik ebenso. Bestes Beispiel ist Glenn Gould, der einen Takt bis zu 40x eingespielt hat.

... heutzutage würde man beispielsweise einen Kompressor benutzen
Auch der wird gerade in der Klassik benutzt. Der Dynamikumfang lässt sich nunmal nicht auf CD pressen.
 
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Sven

Sven

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Nicht ganz 10 Minuten lang, aber "Child in Time" von Deep Purple möchte ich als Beispiel für ein ganz passables Werk der Popularmusik erwähnen.

Man vergleiche dessen Schöpfungshöhe mal mit der von typischen 3:30 Nummern :-)
 
Tastenjunkie

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Klein wild Vögelein

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Ich finde es grundsätzlich blöd, überhaupt in diese zwei Schubladen zu trennen.* Musik ist Musik.
Anspruchsvolle Musik gibt es in allen Genren. Aber ein 10-Minuten-Stück hat halt keine Chance, populär und damit Popmusik zu werden.

.

In-A-Gadda-Da-Vida 17 Minuten

Echoes mehr als 20 Minuten

Okay, es sind Rockstücke ( alte Erinnerungen werden wach, war eine tolle Zeit damals).:-)

Autobahn von der Band Kraftwerk war , meine ich, auch länger als 10 Minuten. Elektropop war und ist allerdings nicht so mein Ding .
 
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Peter

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Bechsteinfan
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Ich wurde wohl missverstanden. :)
"Aber ein 10-Minuten-Stück hat halt heutzutage keine Chance mehr, populär und damit Popmusik zu werden."
 
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gastspiel

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Ob die Länge etwas über die Qualität aussagt?

Das Problem der heutigen Popmusik liegt in der hausgemachten Krise der Musikindustrie. Wenn man nicht gerade Taylor Swift ist oder - das sagt viel über Deutschland aus - Helene Fischer kann man im Moment von Verkäufen nicht leben.
Der Musikmarkt ist eigentlich Tod. Kaum einer kauft mehr Musik, über 90% sind Piraterie.
Das tägliche "Überleben" wird nur noch durch Konzerte gewährleistet, was natürlich auch sehr risikobehaftet ist, selbst für namhafte Musiker, wenn eine große und teure Tournee plötzlich floppt.
Also wird der heutige Mainstreampop kostengünstig, zielgruppenorientiert produziert. Erfolgreiches wird bis zum Überdruss kopiert, nachgeahmt.
Kaum einer kann sich doch noch eine richtige Studioproduktion mit guten Musikern leisten.
Ein Großteil ensteht heute am Computer, oft von Menschen produziert, die von Musik eigentlich keine Ahnung haben.

Ich war letzte Tage geschockt, als sich Nikki Yanofsky mal im Dancefloor Bereich ausprobierte.

https://soundcloud.com/felixcartal/something-to-live-for-ft-nikki-yanofsky

hier zum Vergleich eine LiveStudioaufnahme ihre letzten Albums im berühmten Capitol Studio LA


Unsere letzte deutsche Eurovisionsgewinnerin setzte beim letzten Album auf den Produzenten von Ellie Goulding, Musik auf die bis 14jährigen ausgerichtet. DasProblem ist nur, die kaufen nichts, sondern streamen.

Meistens werden alle Stimmen bearbeitet.

Popmusik unter den heutigen Bedingungen kann eigentlich meistens nur Müll produzieren.

Hoffentlich ändert sich das wieder. Denn eigentlich gibt es keinen Grund klassische Musik höher zu bewerten.
 
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MegaChip

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Ich kaufe kaum CDs weil dir heutige Musik mMn zu kurzlebig ist.
Die meisten lieder sind 2-4 Wochen in den Charts und dann hört man sie nie wieder.

Die einzige CD die ich mir in den letzen Jahren gekauft hatte war von Last Dinosaurs, einer eher unbekannten Band.

Sonst gibt es aber für mich leider kaum Musiker die konstant gute (in meinen Augen) Lieder bringen.

Könnte man sich im Laden beispielsweise 20 Lieder aussuchen und die dann für 10-20€ auf eine CD ziehen in sehr guter Qualität würde ich hingegen nicht nein sagen :)
 
Sven

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Zu @gastspiel :
Ist das nicht ein Henne-Ei-Problem?

Wenn keine gute Musik mehr produziert wird, kann auch keine gute Musik mehr konsumiert werden.
Was wäre z.B., wenn "Die fabelhafte Welt der Amelie", "Ziemlich beste Freunde" und Twilight etc.
mit Mozart, Beehthoven oder Bach unterlegt wären? Oder meinetwegen Astor Piazolla?

Ich kaufe mir meine Musik auf CDs.
Von nach Mitte der 90er gibt's da eigentlich nichts mehr, das für mich kaufwürdig wäre.
Außer es klingt so, wie von vor 90 ;-)
 
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gastspiel

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Bei ,,Ziemlich beste Freunde'' kam doch sogar die Chopin-Nocturne Op. 9, Nr. 1. (hab ich damals auch gerade gespielt) vor :)

Oft passt aber neue Musik besser

Der Student verwendete für seine Abschlussarbeit Beethoven, 2. Klavierkonzert.


Irgendwie passt der Rescore besser, auch wenn Teile davon später für eine US Weight Watchers Kampagne verwendet wurden.




Klassische Musik zu verwenden ist natürlich kostengünstiger, als Musik in Auftrag zu geben ;)

Es kaufen heute kaum noch Menschen weltweit Musik. Wenn man dann die Kosten für ein Album, Promotion etc. dagegen rechnet...
 
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SaWa

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Ich kaufe kaum CDs weil dir heutige Musik mMn zu kurzlebig ist.
Die meisten lieder sind 2-4 Wochen in den Charts und dann hört man sie nie wieder.

Die einzige CD die ich mir in den letzen Jahren gekauft hatte war von Last Dinosaurs, einer eher unbekannten Band.

Sonst gibt es aber für mich leider kaum Musiker die konstant gute (in meinen Augen) Lieder bringen.

Könnte man sich im Laden beispielsweise 20 Lieder aussuchen und die dann für 10-20€ auf eine CD ziehen in sehr guter Qualität würde ich hingegen nicht nein sagen :)

Kennst du Puscifer? Die haben mit Conditions Of My Parole eine CD rausgebracht bei der man keinen Titel überspringen möchte.

Was im Radio läuft kenne ich nicht, höre ich nicht. Charts interessieren mich nur die Leser/Redaktion vom Rolling Stone. Da ist manchmal noch was dabei.

Ich kaufe die CDs tatsächlich ; ) Aber auch erst wenn ich im Netz reinhören konnte, weil zu oft nur 2 oder 3 Titel gut sind/meinem Geschmack entsprechen.
Wenn ich mehr Zeit habe höre ich mich auf Soundcloud um - habe dort schon einige Bands entdeckt die mir gefallen und die mp3 dann via Bandcamp gekauft. (Dafür gebe ich auch lieber Geld aus, als für etablierte Bands).

Liebe Grüße
Sabine
 
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gastspiel

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Kleiner Tip vom weisen Mann an die vielen verwirrten Seelen in dieser schnelllebigen modernen Welt:

“My advice is, don’t spend money on therapy. Spend it in a record store.
– Director Wim Wenders

Quelle: http://www.popmatters.com/column/157286-in-celebration-of-record-stores/


Aber würdest du 10 Euro oder mehr ausgeben, für ein neues Album, vom dem du weißt, dass es einen guten Song/ Hit hat und der Rest Füllmasse.
Ansonsten ist das Zitat von Wim Wenders das verzweifelte Rufen im Walde und hat mit der Realität nichts mehr zu tun.

Wenn du heute doch schon 50.000 Einheiten verkauft bist du der Burner.
 
Tastenjunkie

Tastenjunkie

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Aber würdest du 10 Euro oder mehr ausgeben, für ein neues Album, vom dem du weißt, dass es einen guten Song/ Hit hat und der Rest Füllmasse.
Ansonsten ist das Zitat von Wim Wenders das verzweifelte Rufen im Walde und hat mit der Realität nichts mehr zu tun.

Wenn du heute doch schon 50.000 Einheiten verkauft bist du der Burner.
...CDs finde ich obsolet. Ich höre viel Probe auf Spotify und wenn auf einem Album mindestens 2/3 richtig gut finde, kaufe ich es auf Vinyl auch wenn es 30 oder 40 Euro kostet. Wenns kein Vinyl gibt kaufe ich es digital. ... Was Wenders meint ist das komplette Ritual aus im Laden Stöbern, mit dem kauzigen Inhaber quatschen, die Vinylplatte heil und ohne Knicke im Cover nachhause bringen, auspacken, feierlich auflegen, entstauben, anhören und dabei andächtig das Cover anschauen (letzteres kann beliebig oft wiederholt werden). Dieses Gesamtpacket ist eine tolle Investition in Lebensqualität und wirkt mindestens genauso gut wie, Ritalin, Seroquel oder Prozac und Konsorten ....:musik:
 
 

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