Improvisation / Komposition / Komprovisation ???

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Felix Hack

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Hallo miteinander an diesem wunderschönen Frühlingssonntag!

Frisch erwacht aus dem musikalischen Winterschlaf gibt es diesmal gleich zwei Stücke von mir auf einen Schlag:-)

Beide schleichen sich erstmal ganz minimalistisch heran, das sollte aber niemanden am weiteren Zuhören hindern! Irgendwo gibt es dann auch einen Kreuzungspunkt, der die beiden Stücke miteinander verbindet.

Eines der beiden Stücke ist eine nachgespielte und etwas erweiterte Improvisation (zu 80% immer noch das frei improvisierte ursprüngliche Stück, nur ca 20% sind verändert bzw. dazugebastelt), das andere Stück ist sozusagen von Grund auf konstruiert, teilweise auch rückwärts.

Frage an Euch (da mir das leider ganz entfallen ist:-): Welches Stück ist nun welches? Lässt sich das (in einem archäologischen Sinne) rekonstruieren?

Beide Stücke möchte ich in Kürze mal wieder neu aufnehmen. Wo seht Ihr Schwachstellen, Verbesserungsmöglichkeiten kompositorischer oder auch pianistischer Art? Dass in beiden Stücken ein paar Stellen nicht optimal artikuliert sind, bin ich mir durchaus bewußt.




 
Demian

Demian

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Zwei Stücke, die ich mir gerne angehört habe. Sie klingen rund und wohlklingend, auch merkt man dir die Spielfreude dabei an. Du hast gute Ideen, allerdings nutzen die sich relativ schnell ab. Da du ja nach Schwachstellen gefragt hast, kommt hier ein ehrliches Feedback:

Vor allem im ersten Stück geht mir alles zu sehr ineinander über, d.h. die Musik plätschert vor sich hin, wodurch ich dazu tendiere, mit den Gedanken abzuschweifen. Das ist schade, denn es braucht eigentlich nur wenige Mittel, um für mehr Konturen zu sorgen, z.B. dynamische Entwicklungen, Pausen, Tempowechsel usw. Dies passiert im zweiten Stück, aber hier kreist die Musik teilweise ziellos um sich selbst und kommt nicht von der Stelle. Das Ende dann bricht merkwürdig unvermittelt ab.

Ein paar Stellen sind mir insbesondere aufgefallen:

„Delirium“:
- 1:45-1:55: An dieser Stelle beginnt die Musik plötzlich zu grooven, endlich etwas Abwechslung, aber leider verfolgst du diesen Gedanken nicht weiter und kehrst schnell wieder zum „Geplätscher“ (sorry) zurück.

„Fffff-Fantasy“:
0:50-1:30: Hier gefällt mir der Spaltklang zwischen dem sehr grummeligen Bass und den Akkorden nicht. Wäre im Bass zusätzlich die höhere Oktave sinnvoll?

Jetzt habe ich ganz viel kritisiert, aber im Großen und Ganzen wirkt deine Musik auf jeden Fall überzeugend, eben gerade wegen deiner Spielfreude, was sie authentisch macht.

Vielleicht kannst du mit meinen Tipps ja etwas anfangen.
 
Tastatula

Tastatula

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Mir gefällt Deine Musik sehr, vor allem, weil Du sie lebst und ich Dir alles abnehme, was Du spielst .:001:
Ganz manchmal finde ich es auch ein wenig zu beliebig, aber es ist schön, dass Du einen immer wieder nach Hause führst.
Die Bässe Deines Flügels klingen super und Du hast Freude, sie zum Klingen zu bringen! Kann ich verstehen!
Zum Thema Sitzen: Am Anfang des ersten Videos, dort, wo die Musik noch ruhig ist, kompensierst Du Deinen Musizierwillen mit Rührbewegungen Deines Körpers. Ich finde das nicht schlimm, aber doch etwas überflüssig. Solche Bewegungen nennt man Ausweichbewegung. Gut sind Ausgleichbewegungen - sie dienen dem Spiel.
Möglicherweise wird Dein Ton noch schöner, wenn Du am Anfang ruhiger bist - ich meine nicht starr!
Im weiteren Spielverlauf finde ich Deine Bewegungen sehr passend.
Die Melodik der FFFFF-fantasie klingt tatsächlich rückwärts gespielt. Das bringt mich etwas aus der Fassung ;-)
 
G

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Aus der Abteilung "Don't try this at home"...

Richtiggehend furchtbar sind seine gelegentlichen sehr schnellen Kopf-Zucker...
Ich kauf es ihm auch nicht ab. Die meisten Kommentatoren sehen darin seine divinität bestätigt. Kann auch Lang lang nicht lang angucken aufgrund dieser Spaßmen"".

Ich hätte gerne mal ein Henry Video um zu sehen wie das verlängerte Stuhlbein a tergo die Musik entschaukelt.

Also? Die Wahrheit ist nicht fürn Arsch sondern liegt irgendwo zwischen Konvulsion und (innerer) authentischer! Exaltation.

Gibt nichts schlimmeres als leeres Gehabe und Leute die auf sowas reinfallen.

(Schlimm genug auf so nen blöden Kommentar antworten zu müssen.)
 
hasenbein

hasenbein

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Glenn Gould ist 100% authentisch. Der macht das nicht aus "Show" oder Kalkül.

Das heißt dennoch nicht, dass eine solche Bewegungsweise zweckmäßig oder gar nachahmenswert wäre.
 
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Felix Hack

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Vielen Dank für Eure Kommentare! Ist für mich nachvollziehbar, was Ihr so an kritischen Anmerkungen geschrieben habt. Dass auch Lobendes dabei war, habe ich natürlich erfreut zur Kenntnis genommen!

Was ich von @Demian's Anmerkungen dankbar mitnehme: beim ersten Stück werde ich darüber nachdenken, ob ich die Verdichtung und Belebung, die dann im „groovigen“ Teil mündet, auch dynamisch vielleicht noch besser als solche erkennbar machen kann. Letztendlich geht es mir ja darum, ein Aufbäumen gegen ein Delirium darzustellen - bis hin zu dem Versuch, das einfach weg zu tanzen - was am Ende dann aber doch vergeblich ist. Ich möchte auch noch ausprobieren, das Stück eher freier zu spielen. Beim zweiten Stück kann ich mir vorstellen, dass ich die genannten großen Spalte zwischen Bass und Mittellage noch ausfülle, indem ich mit längeren Pedalphasen ausgehend von den tiefen Einzeltönen im Bass einfach mehr Töne zusammensammele. Das wäre durchaus möglich, ohne dass sich da irgendetwas beißen würde. Ja, genau, wie @Tastatula bemerkt hat, es ging mir darum, am Anfang des betreffenden Abschnittes den schönen Basstönen auch mal ein „Solo“ zu verschaffen.

@Tastatula: „rückwärts“ meinte ich nur in dem Sinne, dass sich der bisherige Takt 1 in der Entstehungsphase eines Stückes durch Voranstellen neuer Takte immer weiter nach hinten schiebt. Ja, so war das beim FFFF-Stück, während das „Delirium“ eine nachbearbeitete und etwas erweiterte Improvisation ist.

Betreffs Körpereinsatz: @Henry: Du hast völlig recht, ein Klavierstimmer sollte möglichst ruhig dasitzen, sonst gehen beim Stimmen zu viele Saiten dabei drauf😊 @hasenbein: 100% Zustimmung, @Tastatula: hab mich noch nie bewusst damit auseinandergesetzt, welche Bewegungen wann sinnvoll sind. Kann ich mir durchaus vorstellen, dass es da bei mir Optimierungsmöglichkeiten gibt.
 
hasenbein

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Ich möchte mal alle Einsteiger, Amateure und potentiellen Stücke-Hier-Reinsteller sowie insbesondere diejenigen, die immer buhuhuen, dass ich alle Amateure verschrecke, drauf hinweisen: SO wie es hier Felix vormacht, das ist es, was ich unter einem angemessenen Auftreten dem Forum gegenüber verstehe, und ich würde niemals auf die Idee kommen, darauf scharf kritisierend oder spöttisch zu reagieren!
 
Henry

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Betreffs Körpereinsatz: @Henry: Du hast völlig recht, ein Klavierstimmer sollte möglichst ruhig dasitzen, sonst gehen beim Stimmen zu viele Saiten dabei drauf😊

:lol: :lol: Ich weiß auch nicht wie lange bei solcherart Bewegungen eine Stimmung dauern würde - bis man da mal den Wirbel getroffen hat......

Aber diese ganzen unnötigen "Bewegungsabläufe" fand ich schon in den 80iger Jahren bei den ganzen Tanzmuckern nervig und unpassend, zu einer Band sagte ich mal "wenn ihr auf der Bühne unbedingt euren Frühsport nachholen wollt...bitte schön, aber ohne mich!

Hab dann einfach mal die Tasten stehen lassen und mich zum Bierchen an die Bar gesetzt.

Warum allerdings auch klassische Pianisten den Quatsch machen müssen erschließt sich mir nicht - ok, Glenn Gould hat vielleicht Parkinson, da kann er ja nix für.

Ich kann mich an eine russische Pianistin erinnern, die machte auch irgendwie seltsame Verrenkungen, gepaart mit komischen Gesichtsausdrücken, so nach dem Motto "Jetzt kommt eine sehr traurige Stelle" - schon klar, wenn man es musikalisch ned ausdrücken kann, kompensiert man es durch übertriebene Gesten.

Ganz fürchterlich LL - mei, wenn der die Bewegung braucht , soll er doch besser zum Ballett gehen - spielt zwar wie n Disk Piano aber bewegt sich wie Kasperle.

Ich denke man könnte aus einem Instrument sehr viel mehrrausholen, wenn man die Energie in die Finger statt in den Körper steckt.
 
hasenbein

hasenbein

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Henry, ehrlich gesagt ist Deine Ahnung von diesen Dingen... räusper... begrenzt.

Was aber stimmt, ist, dass es sehr wohl Leute gibt, die sich unzweckmäßig, übertrieben, affektiert, showmäßig, unauthentisch, einstudiert bewegen. Das lehne ich auch ab.

Mir fällt immer wieder auf, dass es insbesondere bei KlassikpianistINNEN eine bestimmte Art des aufgesetzten Bewegungschoreographierens gibt, die entweder tatsächlichen musikalischen Ausdruck hervorrufen oder vielleicht auch manchmal vortäuschen soll. Da kriege ich jedes Mal die Krätze, wenn ich das sehe. Auch gibt es so eine bestimmte Art, die Finger so komisch angespannt und überaktiv zu bewegen, die ich fast nur bei Frauen sehe; kein Mann spielt so.
 
Tastatula

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Es gibt bei jedem Instrument eine gewisse Choreographie, die dem Musiker dienlich sein kann.
Mir ist grundsätzlich zunächst jemand lieber, der tanzt, als jemand, der einen Stock verschluckt hat.
Die Musik nimmt uns mit und soll es ja auch.
Ich kenne einen Cellisten, der bei größeren Lagenwechseln oft hörbar die Luft einzieht. Ich kann das sehr nachvollziehen, wird so der Weg auf der Saite für den Körper fühlbar und die Vorstellung des Tones verstärkt.
Wir haben immer eine "Vor"stellung des folgenden Tones oder einer Phrase, das müssen wir haben, sonst können wir nicht schön spielen oder singen. Da sind alle Instrument gleich - auch die Triangel.
Auf dem Klavier gibt es Bewegungen, die, abhängig von der Anatomie des Spielenden, größer oder kleiner ausfallen können und unbedingt dem Klang, der Richtung der Musik, dem Erleben dienen.
Ich nenne ein Beispiel:
Eine Seufzerzweierbindung. Ok, wir wissen, der erste Ton soll schwerer sein als der zweite, wie das bei einem Seufzer nunmal so ist.
Der Klavierspieler, der denkt: Gut, den ersten spiele ich laut, den zweiten leise, hat den Seufzer nicht im Gefühl. Es wird sich holzig anhören.
Wer den ersten Ton mit Gewicht in die Tasten senkt und den zweiten mit herausgehobenem Gewicht aus den Tasten zieht, hat sich der Idee des Seufzers angepasst. Der zweite Ton wird leichter und ein wenig kürzer werden, automatisch und natürlich. Wie stark die Bewegungen sind, hängt wie oben gesagt von der Anatomie ab und natürlich vom musikalischen Kontext.
Oberkörperbewegungen können oft mehr stören als dienen. Da gilt es, sich genau zu beobachten, ob das Geschwanke denn nun wirklich sein muß. Habe ich große Lagenwechsel in beiden Händen von tief nach hoch und zurück, bewegt sich natürlich mein Oberkörper, da ich evtl. mit meiner ganzen Energie bei dem zu spielenden Akkord sein will.
Aber auch das ist wieder abhängig von Anatomie.
Menschen mit langen schweren Armen müssen fast nix machen, die haben alle Energie immer zur Verfügung.
Und ich bin jetzt nicht neidisch... ;-)
 
Tastatula

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Auch gibt es so eine bestimmte Art, die Finger so komisch angespannt und überaktiv zu bewegen, die ich fast nur bei Frauen sehe; kein Mann spielt so.
siehe mein letzter Post - wir haben uns überschnitten. Ja, diese Spezies kenne ich auch, oft haben sie schwarze Haare, und ihre erste Ausbildung im fernen Osten gehabt... Das finde ich auch gruselig.
Wenn man kleine Hände hat, fällt einem wirklich vieles viel schwerer.
 
Henry

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Menschen mit langen schweren Armen müssen fast nix machen, die haben alle Energie immer zur Verfügung.
Wäre ne Erklärung.....dann wird mir auch klar warum schwächliche Personen am Klavier immer so rumzappeln müssen. :-D

Andererseits frage ich mich allerdings auch - wo zu über ein Stück noch nachdenken welches man gerade spielt?

Das kommt in der Übungsphase sicherlich hin und wieder mal vor, aber wenn man es erst mal spielt, da spielen doch ganz andere Gedanken eine Rolle:

"Wie lange hat der Getränkemarkt noch auf?" "Hab ich noch genug Zigaretten?", "Was muß ich am Sonntag beim Lektorendienst beachten?" "Wie organisieren wir den nächsten Wahlkampf?" "Wie krieg ich den Stimmstockabriß möglichst kostengünstig gerichtet?" und so weiter.

Da mach ich mir doch während des Spielens keine Gedanken mehr über irgendwelche Phrasen, das sollen mal schön die Hände alleine tun, den Kopf brauch ich für wichtigere Dinge :rauchen:
 
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Felix Hack

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Ich möchte mal alle Einsteiger, Amateure und potentiellen Stücke-Hier-Reinsteller sowie insbesondere diejenigen, die immer buhuhuen, dass ich alle Amateure verschrecke, drauf hinweisen: SO wie es hier Felix vormacht, das ist es, was ich unter einem angemessenen Auftreten dem Forum gegenüber verstehe, und ich würde niemals auf die Idee kommen, darauf scharf kritisierend oder spöttisch zu reagieren!
Ei ei ei... ich bin jetzt wirklich unschlüßig, was ich schlimmer finden soll: von @hasenbein eins auf die Birne zu kriegen, oder hier als sein Musterschüler dazustehen "Verhalten Sehr gut", hab ich früher in der Schule nie geschafft:-) OK, mit beidem kann man notfalls irgendwie leben...
 
 

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