Frage zur Fingerfertigkeit

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Bluete

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Ich spiele jetzt schon seit mehrern Jahren Klavier, aber ich habe immer noch ziemliche Probleme damit, meine Finger (v.a. Mittelfinger und Ringfinger) gleichmäßig zu bewegen. Besonders in Tonleitern oder bei kurzen Vorschlägen schaffe ich es einfach nicht einen schönen gleichmäßigen Ablauf zu spielen. Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie ich meine Fingerfertigkeit verbessern kann? Hilft es evtl. die Finger z.B. mithilfe eines Fingertrainers zu kräftigen? Oder bringt das in dieser Hinsicht nicht viel? Manchmal denke ich auch, ich bin vielleicht mit meinen 24 Jahre schon zu alt, um überhaupt nochmal richtig das Klavierspiel zu erlernen.
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Ich spiele jetzt schon seit mehrern Jahren Klavier, aber ich habe immer noch ziemliche Probleme damit, meine Finger (v.a. Mittelfinger und Ringfinger) gleichmäßig zu bewegen.
Hallo Blüte,

das ist ein ganz normales anatomisches Problem. Mittel- und Ringfinger hängen verdrahtungstechnisch sehr eng miteinander zusammen und alle Versuche, sie voneinander unabhängig zu machen, sind von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Das berühmteste abschreckende Beispiel ist Robert Schumann.

Das heißt nun allerdings nicht, daß man keine gleichmäßigen Läufe und Verzierungen spielen kann. Man muß nur die richtige Technik anwenden. Man kann z.B. die Fingerfolge 3-4-3 mit einem anderen Fingersatz umgehen (z.B. 2-3-2 oder 1-4-3 oder 3-4-1). Eine andere Möglichkeit ist, den Anschlag durch ein leichtes Drehen der Hand (genauer gesagt des Unterarms) und eine Gewichtsverlagerung zu bewerkstelligen - die Finger werden dabei nur als passive "Klöppel" benutzt.

Wahrscheinlich werden jetzt auch noch einige Vorschläge kommen, die Fingermuskeln mit Hanon-Übungen zu trainieren. :floet:
 
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Franz

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Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie ich meine Fingerfertigkeit verbessern kann? Hilft es evtl. die Finger z.B. mithilfe eines Fingertrainers zu kräftigen? Oder bringt das in dieser Hinsicht nicht viel? Manchmal denke ich auch, ich bin vielleicht mit meinen 24 Jahre schon zu alt, um überhaupt nochmal richtig das Klavierspiel zu erlernen.
Zu alt bist Du sicher nicht.
"Fingerfertigkeit" hat viel mehr mit Entspannung und Loslassen zu tun als mit Kraft. Ich benutze "Kraft" oder "Kräftigung" im Zusammenhang mit Klavierspielen gar nicht mehr, da es zu falschen Vorstellungen führt.

Schau mal hier:
https://www.clavio.de/forum/klavierspielen-klavierueben/4865-wer-spielt-da-eigentlich.html#post63845
 
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Bluete

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@ Haydnspaß

Ja, das mit den anderen Fingersätzen hab ich auch schon probiert, aber das klappt leider nicht immer so gut :(. Und bei Tonleiterpassagen, muss ich ja auch den Mittelfinger und Ringfinger möglichst gleichmäßig nacheinander bewegen und das schaffe ich einfach nicht. Manchmal denk ich echt, das lern ich nie mehr :(
 
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Bluete

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@ Haydnspaß

Ja und wie spielst Du dann Tonleitern? Etwa nur mit Daumen und Zeigefinger?:confused:
 
Frédéric Chopin

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Ich spiele jetzt schon seit mehrern Jahren Klavier, aber ich habe immer noch ziemliche Probleme damit, meine Finger (v.a. Mittelfinger und Ringfinger) gleichmäßig zu bewegen.
Hallo Bluete,

mach mal folgende Übung:

Gehe mal in eine Fünftonlage z. B. C, D, E, F, G; oder G, A, H, C , D usw.

Dann drückst Du den ersten, zweiten und fünften Finger nach unten und läßt diese gedrückt. Zur Vorübung schlägst Du nur den 3. Finger an und läßt ihn wieder los, dabei achten, daß der 1. 2. und 5. Finger immer gedrückt bleiben. Anschließend machst Du dasselbe mit dem 4. Finger.

Danach versuchst Du langsam den 3. und 4. Finger abwechselnd zu spielen, achte dabei, daß der 3. und 4. Finger sich schön ablösen und der 3. oder 4. Finger immer losläßt, sobald der 4. oder 3. Finger anschlägt.

Später wenn Du die Übung besser beherrschst, kannst Du mit triolischen Betonungen üben, also 123123123. Dadurch wird der 3. und 4. Finger immer abwechslungsreich betont und verlangen eine größere Konzentration in der Übung, da nicht nur die Finger trainiert werden müssen, sondern auch die Steuerung der Finger, die im Gehirn stattfindet.

Wichtig: Achte immer darauf daß zweiter, dritter, vierter und fünfter Finger rund sind, vor allem der dritte und vierte Finger. Auch der fünfte Finger sollte rund sein, und nicht flach angeschlagen werden, daß bei vielen ja immer das größte Problem ist.

Diese Übung empfiehlt sich für beide Hände. Übe die Hände separat und denke daran immer die linke Hand genauso viel zu üben, wie die rechte Hand.

Die Übung müßte eigentlich für Dein Problem sehr hilfreich sein.

P. S.: Tonleiter würde ich mit sehr lockeren Fingern üben und die Tasten nur leicht anschlagen, aber trotzdem darauf achten, daß dritter und vierter Finger gleichmäßig sind. Beim Unter- bzw. Übersetzen darf das Handgelenk nicht gedreht werden, sondern muß gerade bleiben. Diese Arbeit macht nur der Daumen. Somit ist der Daumen das Wichtigste Element, wenn man gute und sehr schnelle Tonleiterläufe spielen will. Der Daumen sollte bereits beim Anschlag des zweiten Fingers untersetzt werden(beim Aufwärtsspielen der rechten Hand) und nicht erst, wenn der dritte oder vierte Finger anschlägt. Beim Runterspielen sollte der Daumen nach dem Übersetzen sofort zur Zieltaste gehen und nicht im Hand- Inneren bleiben. Auch hier darauf achten, daß das Handgelenk gerade bleibt und sich nicht mitdreht.

Fals Du es noch nicht schaffst dritter und vierter Finger in Tonleitern gleichmäßig zu spielen, kannst Du diese auch mal zwischendurch noch etwas kräftiger anschlagen, um diese besser zu kontrolieren und später wieder leichter. Die Gleichmäßigkeit ist nämlich auch sehr wichtig.

Liebe Grüße, Mario
 
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Haydnspaß

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@ Haydnspaß

Ja und wie spielst Du dann Tonleitern? Etwa nur mit Daumen und Zeigefinger?:confused:
Ich habs doch oben erklärt:

Eine andere Möglichkeit ist, den Anschlag durch ein leichtes Drehen der Hand (genauer gesagt des Unterarms) und eine Gewichtsverlagerung zu bewerkstelligen - die Finger werden dabei nur als passive "Klöppel" benutzt.
 

Haydnspaß

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und ob ich die kippe :p

in alle Richtungen!
 
Frédéric Chopin

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und ob ich die kippe :p

in alle Richtungen!

Ich kenne diese falsche Technik. Viele nennen sie auch die Zahnrad- Technik.
Diese finde ich alllerdings absoluten Quatsch und bin ein absoluter Feind dieser Spielweise.

Es gibt auch Klavierleher, die sie unterrichten. Weiß gar nicht, von wem diese Technik stammt.
Vielleicht eine erfundene Technik von schlechten Klavierlehrern, die mangelnde Technik besitzen und mit dieser Technik Erfolg bei sich bemerkten. Ab einem gewissen Tempo ist allerdings Schluß!!!!

So glaube ich gibt es keinen großen Pianisten, der bei schnellen Leggiero- Tonleitern eines Franz Liszt auf die Idee käme, das Handgelenk zu kippen. Diese Leggiero- Tonleitern müssen aus den Fingern gespielt werden.

Ich verbiete jedem Schüler bei Tonleiter, auch bei Läufen usw., das Handgelenk zu kippen (Richtung fünften Finger und Daumen), da es falsch ist.

Natürlich darf das Handgelenk in kreisenden Bewegungen bei Tonfolgen wie "c1, e1, g1, c2, c1, e1, g1, c2" sich mitbegewegen, hier begegt sich aber das Handgeklenk in kreisenden Bewegungen von unten nach oben.

Aber es darf nicht gekippt (Richtung fünften Finger usw.) werden.


Liebe Grüße, Mario
 
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andreas.kumm

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Wahrscheinlich werden jetzt auch noch einige Vorschläge kommen, die Fingermuskeln mit Hanon-Übungen zu trainieren.
 
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"Fingerfertigkeit" hat viel mehr mit Entspannung und Loslassen zu tun als mit Kraft. Ich benutze "Kraft" oder "Kräftigung" im Zusammenhang mit Klavierspielen gar nicht mehr, da es zu falschen Vorstellungen führt.

Schau mal hier:
https://www.clavio.de/forum/klavierspielen-klavierueben/4865-wer-spielt-da-eigentlich.html#post63845
Dass Fingerfertigkeit viel mehr mit Entspannung und Loslassen statt Kraft zu tun hat, sehe ich ganz genauso, und Franz hat dazu auch in dem anderen verlinkten Faden sehr sachdienliche Tips gegeben. Einen Muskel schnell loszulassen ist der schwierigere Part, einen Muskel schnell anzuspannen der leichtere Part.

Ich finde, dass dieses schnelle Loslassen z.B. durch leises Staccatospiel gut geübt werden kann - z.B. mit einem geeigneten Bach-Präludium aus den WTKs, wie z.B. D-Dur oder d-moll aus WTK1 (Beispiele für rechte Hand).

Natürlich kann man versuchen, schwierige Bewegungen wie 3-4-3 durch andere Fingersätze zu umgehen, wie es Haydnspaß vorgeschlagen hat. Stattdessen gerade sowas wie 3-4-3 zu üben, und zwar ohne Handverdrehung, bringt einen aber auch in der Technik weiter. Gerade bei Bach, insbesondere den Fugen, kann man sich oft nicht die Finger aussuchen, sondern muss auch ggfs. mit ungünstigen Fingern trillern oder schnell spielen können.

@Mario: Jede Technik, wie z.B. auch die der Handverdrehung, hat seine Daseinsberechtigung. Zwar sehe ich den Punkt, dass je schneller es gehen soll, umso weniger bewegte Masse im Spiel sein sollte, und dass da Handverdrehugen mglw. nicht so viel bringen wie schnellle Fingerbewegungen. Aber Handverdrehungen pauschal zu verdammen, sehe ich auch nicht ein.
 
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Haydnspaß

Haydnspaß

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Jede Technik, wie z.B. auch die der Handverdrehung, hat seine Daseinsberechtigung.
Na Handverdrehung würde ich das aber nicht nennen, was ich hier vorschlage und was ich auch selbst praktiziere.
Es ist eine Bewegung vergleichbar dem in-die-Knie-gehen des Skifahrers beim Wenden. Beim Klavierspielen ist diese Bewegung so klein, daß man sie nicht sieht, daher kann ich leider auch nicht mit Beispielvideos dienen.
 
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Franz

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Na Handverdrehung würde ich das aber nicht nennen, was ich hier vorschlage und was ich auch selbst praktiziere.
Es ist eine Bewegung vergleichbar dem in-die-Knie-gehen des Skifahrers beim Wenden. Beim Klavierspielen ist diese Bewegung so klein, daß man sie nicht sieht, daher kann ich leider auch nicht mit Beispielvideos dienen.
Würd' mich aber interessieren. Du kannst ja ein Beispiel zweimal spielen, einmal mit übertriebenen Bewegungen so dass man sehen kann, was Du meinst.

Ich hab hier ja auch etwas übertrieben:
http://de.youtube.com/watch?v=f4UxLbkuwbA&feature=user
 
killmymatrix

killmymatrix

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Also nur ums das zu klären: Hier gehts um den Kampf Armgewicht gegen Fingerspiel, oder?
 
 

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