Braucht man das Absolute Gehör?

Ohne räumliches Hören (das übrigens auch im Laufe der Humanevolution unabdingbar war) würde man die Welt in etwa so hören, als hätte man Sinustöne auf einem Kopfhörer.
Wir reden etwas aneinander vorbei - ein räumliches Gehör bedeutet, sofort zu wissen woher welches Geräusch kommt - und zwar präzise.

Ob ein Ton von rechts, links oder hinten kommt, des ist koa Kunst ned des zu hören.

Und ich denke auf den Zentimeter genau des Geräusch zu orten, des kriegt wohl koaner von uns so leicht hin.
 
Nun ja. Wenn du räumliches Gehör oder nicht räumliches Gehör an der Genauigkeit festmachen willst, wird es schwierig mit der Diskussion. Das ist ja recht analog zum Sehsinn. Nur weil ich nicht unterscheiden kann, ob sich eine Sternschnuppe auf die Erde zubewegt oder von ihr weg, kann ich nicht räumlich sehen oder wie? Okay, das ist jetzt übertrieben, aber es ist doch unsinnig, siehs ein, Kontinuen mit absoluten Kategorien zu bewerten.
 
Warum machen sich Yamaha und andere Hersteller eigentlich die Mühe, die Referenzinstrumente mit Stereo- oder vielleicht gar Kunstkopfmikrophone abzusampeln für simple E-Pianos, wenn räumliches Hören so unwichtig ist? Meine Idee: räumliche Klänge, bei denen man jeden Ton dem emittierenden Saitenchor zuordnen kann, helfen dabei, Schwierigkeiten des relativen Hörens zunächst mit dem räumlichen Hören zu kompensieren. So klingen Akkorde gleich transparenter, auch in engen Lagen.
 
Nein, das machst nur Du.
Räumliches Hören ist räumliches Hören, erst mal unabhängig davon, wie gut oder schlecht im Vergleich zu Katzen, Hunden, Delphinen oder Nasenbären. Und ja, wir brauchen das auch ständig. Kannst ja mal versuchen, mit nem "Monosignal" in Berlin Fahrrad zu fahren. Überlebenschancen: Gering. :-D
 
Ich fürchte ich kann da was ich mit räumlichen Gehör meine nicht so recht definieren.

Ich meine damit jedenfalls nicht Effekte wie Dolby Sourround usw.

Ich versuch es mal an einem anderem Beispiel:

Wennst in einer stockfinsteren Umgebung, die genauen Koordinaten einer Fledermaus in sekundenschnelle ermittelst, wäre dies so etwas.

Und damit meine ich nicht mal die Wahrnehmung extrem hoher Schallwellen, sondern einfach nur die Bewegung der Viecherl.
 

Jeder von uns, der nicht auf einem Ohr taub ist, wird im Straßenverkehr bei geschlossenen Augen hören, ob ein Auto von links oder von rechts kommt. Das ist räumliches hören. Und das kann man beliebig verfeinern. Beim Klavierspiel höre ich dann, dass die Basstöne von weiter links kommen. Ob das nun wichtig ist...

Edit: Hören ohne 2. h... *ist mir latent peinlich...*
 
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Braucht man das absolute Gehör? - Braucht man einen einen dritten Wohnsitz in Übersee, einen Doktortitel, einen Rolls Royce oder eine Stradivari? - Natürlich nicht, aber es fühlt sich einfach verdammt gut an, wenn man es hat. :coolguy: :super:
 
Für einen Musiker ist das absolute Gehör sicher nützlich. Bekommt man doch als Absoluthörer den eigentlichen Kern der Musik. d.h. sinnvolle Tonfolgen, Harmonien, Kadenzen usw. sozusagen ohne eigenes Zutun stets auf dem Silbertablett serviert. Und das auch im Alltag, ganz nebenbei, also eigentlich überall, wo eben Musik ist. Ein Absoluthörer kann das alles mühelos auf direktem Wege wahrnehmungstechnisch geschärft (vielleicht auch dabei schon gedanklich oder auch mal in Echtzeit tatsächlich auf sein Instrument transferierend) konsumieren, und sich ggf. auch merken, ohne sich irgendwelche abstrakten Gedanken über Intervalle usw. machen zu müßen. Würde mich doch sehr wundern. wenn das menschliche Gehirn, wenn es auf solche Art stets auf semantisch angereicherte Weise gefüttert wird, keinen Gewinn daraus zöge. Wenn nicht bewußt, dann eben doch unbewußt werden sich solche "Erfahrungen" irgendwo niederschlagen und auch wieder abrufbar sein. Wenn ein absolutes Gehör allerdings soweit geht, dass Schwebungen Spreizungen, leicht verstimmte Instrumete usw. zur Qual werden können, ist das natürlich lästig.
 
Absolutes Gehör in einem Labor - das ist Spitze. Man hört ohne aufstehen und auf die Anzeige schauen zu müssen von seinem Platz aus, dass die Zentrifuge mit der falschen Drehzahl läuft.
:lol::lol:
Hab mal gehört, dass Absoluthörer die besseren Autofahrer sind, liegt wohl daran, dass sie ihren Blick immer auf der Straße lassen können, der Blick auf den Tacho ist da eigentlich überflüssig*

* OK, sollte ein Verbrenner mit Handschaltung sein:-)
 
* OK, sollte ein Verbrenner mit Handschaltung sein
Also in den Wasserstoffbussen, in denen ich mich manchmal zur Arbeit kutschieren lasse, geht das auch.
Da läuft ne Turbine, und alles, was man als Fahrgast davon mitbekommt, ist das mit steigender Geschwindigkeit immer schriller werdende Pfeifen dieser Turbine).
Mit ein bisschen Übung sollte man auch annäherungsweise hören können, wie schnell der Bus gerade fährt.
Sowas hat aber mit einem absoluten Gehör wenig zu tun.

Ich spiele gerne Rennsimulationen (vor allem GT-Legends wegen der schönen alten Autos). Nach 2 oder 3 Runden mit einem neuen Auto schalte ich nur noch nach Gehör ... und meines ist keinesfalls absolut. Ich merke mir einfach nur den Motorklang am idealen Schaltpunkt. Einige dieser Wagen besitzen nichtmal einen Tacho ... nur einen Drehzahlmesser ... da muss man dann wissen, ob das Auto mit 4.000 touren im 3. Gang für die nächste Kurve noch zu schnell ist ... nach etwa 15 Runden erkenne ich auch das am Motorgeräusch.

Für mich macht auch ohne absolutes Gehör die ganze Welt Musik ... ich kann es nur nicht direkt auf ein Instrument übertragen, sondern muss mir vorher ein paar Gedanken drüber machen (was ich nicht schlimm finde ... ich habe gerne musikalische Gedanken).
Dafür wirft es mich auch nicht aus der Bahn, wenn in einem A-Dur das Cis ein paar cent daneben liegt. Das wird eben registriert (oh, da passt was nicht -> bei nächster Gelegenheit mal stimmen) und ansonsten versuche ich es mit meiner Griefhand zu kompensieren (was bei Gitarren und Bässen ja zum Glück geht).

Ich denke, dass ich kein absolutes Gehör habe ... wirf mir einen Ton hin, behaupte das sei ein A, und ohne verlässliche A-Quelle glaube ich das dann.
Ich höre relativ ... also höre ich, wenn etwas nicht passt. Durch übung höre ich eventuell noch, WAS nicht passt, und ob es zu hoch oder zu tief ist. Aber wenn ein Instrument/Ensemble in sich stimmt, höre ich eben nicht, ob es insgesamt einen Viertelton daneben liegt. Das empfände ich aber auch als eher störend, da es mir den Musikgenuß verhageln könnte.
 
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Wisst ihr eigentlich von etwaigen unterschiedlichen Graden des absoluten Gehörs?

So wie "absolutes Gehör", Klavier oder ein anderes bestimmtes Instrument betreffend, gegenüber generalistischen absoluten Hörern, die auch sagen können, in welcher Tonlage der Staubsauger brummt?
 

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