Brauche Hilfe beim Studium...eure Ratschläge?

  • Ersteller des Themas minoumergune
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Der erscheint mir jetzt nicht wirklich introvertiert, eher so Durchschnitt. Aber das kann täuschen.
 
@minoumergune wenn du dir nach dem Abitur noch nicht ganz sicher bist, was du möchtest, wie wäre es, wenn du dir noch ein Jahr Entscheidungszeit gibst (freiwilliges soziales Jahr oder ähnliches). In der Zeit solltest du halt mit so vielen Menschen wie möglich (die deinen Wunschberuf oder ähnliches ausüben) in Kontakt treten. Hör dir einfach viele Meinungen an, schau eventuell mal im Berufsalltag mit rein (begleite jemanden einfach mal einen Tag), geh ggf. mal in eine Vorlesung zum Reinhören (manche Unis bieten das ja an). Kurz versuch soviel wie möglich aus deinen Wunschberufen zu erleben. Eventuell merkst du dann schon, dass du eher das eine oder andere möchtest.
 
@Orgeltante
Ja, mal sehen. Es gibt so viele Möglichkeiten, haha, es ist zum Verrücktwerden!! Aber das ist auf jeden Fall auch eine nette Idee. :)
 
@minoumergune wenn du dir nach dem Abitur noch nicht ganz sicher bist, was du möchtest, wie wäre es, wenn du dir noch ein Jahr Entscheidungszeit gibst (freiwilliges soziales Jahr oder ähnliches). In der Zeit solltest du halt mit so vielen Menschen wie möglich (die deinen Wunschberuf oder ähnliches ausüben) in Kontakt treten. Hör dir einfach viele Meinungen an, schau eventuell mal im Berufsalltag mit rein (begleite jemanden einfach mal einen Tag), geh ggf. mal in eine Vorlesung zum Reinhören (manche Unis bieten das ja an). Kurz versuch soviel wie möglich aus deinen Wunschberufen zu erleben. Eventuell merkst du dann schon, dass du eher das eine oder andere möchtest.
Die zumindest vielversprechend eine Musikerkarriere anstreben, wissen mit 16 schon ganz genau, dass sie das wollen und müssen nicht noch ein freiwilliges Jahr machen. Die Konzertknaller sind eh mit 16 längst zuhause in großen Sälen und studieren nur noch für die Sahne obenauf. Derjenige, der glaubt, ein Hochschulstudium im Konzertfach sei eine Ausbildung für die Bühne, hat keine Ahnung - regelmäßig schlagen 16jährige zurecht bei Wettbewerben gestandene Endzwanziger mit voller Ausbildung.

Wer Künstler ist, ist das mit Leib und Seele schon spätestens als Jugendlicher.
 
Das Problem ist, dass ich in solchen Sachen nicht gerade talentiert bin..ich bin in Deutsch, Kunst, Musik, Latein und Altgriechisch am besten - alles Fächer, bei denen die Aussichten auf einen anständigen Beruf eher schlecht sind. Es sei denn, man studiert sie auf Lehramt.

Als Kind der No-Future-Generation hatte ich es einfach: Es gab für NICHTS gute Aussichten und NICHTS deutete darauf hin, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern würde. In der Begrüßungsveranstaltung an der Universität sagte der diensthabende Begrüßungsprofessor zu uns Erstis: "Sie sind sich dessen bewusst, dass Sie so gut wie gar keine Chance haben? Lernen Sie, gut Auto zu fahren, denn Sie werden vermutlich später Taxifahrer." Das muss man sich mal vorstellen. :teufel:

Aber so war die Stimmung damals!

Das hatte auch etwas Befreiendes: Wenn ÜBERALL die Chancen gleich schlecht sind, hat man das gemacht, woran einem wirklich gelegen war. Wenige Jahre später sah die Welt plötzlich und unerwartet wieder ganz anders aus. Niemand aus meinem schulischen Umfeld (Abiturjahrgang) hat es nicht "geschafft". Mir sind einige unerwartete Werdegänge bekannt.

- Nicht immer verdienen Leute, die XYZ studiert haben, ihren Lebensunterhalt mit XYZ . ;-) Einen guten Job haben sie gleichwohl. Gerade im attraktiven ÖD (;-)) gibt es Stellenausschreibungen, die ein "abgeschlossenes Hochschulstudium" voraussetzen. Fachrichtung: egal.
- Mitte der 80er wurde jeder schlankweg für bekloppt erklärt, der das Lehramt an Gymnasien anstrebte. Aufgrund des Generationenwechsels der Nachkriegslehrerschaft und den minimal älteren Babyboomern redete man uns glaubhaft ein, dass auf Jahrzehnte keine Nachwuchslehrer "gebraucht" würden. Ha, ha, ha!!!
- Eine Mitschülerin war grottig in allen Fächern. Irgendjemand überredete sie, Physik-LK zu wählen (da sie eh keine konkrete Vorstellung hatte, was sie als LK nehmen sollte, da allenthalben gleich grottig). Was passierte? Sie studierte Physik, promovierte als allererste von uns und hat heute einen Lehrstuhl!!!
- Meine erste Klavierlehrerin (damals frisch mit dem Studium fertig) betreibt heute ein gutgehendes Geschäft in der Innenstadt. Vollkommen andere Branche. Na und? Sie ist happy und erfolgreich.
- Ich bin promovierte Historikerin. Habe immer spannende und erfüllende Tätigkeiten ausgeübt - aber nie als Historikerin. Derzeit habe ich zwei (!) neue Projekte in Planung, die auch nichts mit "Geschichte" zu tun haben. Na und? So kann ich immerhin ohne jede Verpflichtung ausschließlich das erforschen, was mich interessiert (aber leider niemanden sonst hierzulande). Als Geisteswissenschaftler ist man universal einsatzfähig (solange es sich nicht um dezidiert naturwissenschaftliche oder technische Bereiche handelt).
- Meine Schul- und Studienfreundin (Magister/1. Staatsexamen in Latein, Griechisch und Alter Geschichte[M.A.]/Allg. Geschichte [S.E.]) ist mit noch nicht ganz getrockneter Urkunde ins Verlagswesen gegangen. Heute betreut sie eigenverantwortlich eine Fachzeitschrift für ... Finanzwesen.
- Ein guter Freund studierte Jura. Er ist heute mit Leib und Seele Journalist und Dozent für Internetjournalismus an der FH.
- Eine alte Freundin studierte Informatik. Sie ist heute Steuerberaterin.
- Eine Bekannte meines Alters studierte katholische Theologie. Sie hat sich als Vermögensberaterin selbständig gemacht (man könnte unken, dass himmlischer Beistand in dieser Branche angebracht ist).
- Mein Bruder wollte Musik studieren, hatte auch schon die Aufnahmeprüfung (Klavier) geschafft und bekam plötzlich die dröge Idee, dass er eine Familie gründen wollte. Er ist einer der Wenigen in meinem Umfeld (außer den Medizinern), die wirklich das machen, was sie studiert haben: BWL (Controlling). Zum Sterben langweilig, aber er verdient sehr gut. Manchmal denkt er darüber nach, wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn...

Fazit:

1. Es gibt keine Garantie.
2. Es gibt längst keine "vorgezeichneten" Erwerbskarrieren mehr.
3. Das Leben (und somit auch die Ausbildung) ist vor allem das, was man draus macht.
4. Das Leben verläuft oft vollkommen anders als geplant. Solange man offen bleibt und Chancen ergreift (auch welche, die man nie auf dem Schirm hatte), ist doch alles prima. :super:

Also, nur Mut. Was Du auch tust - mach es gut. Dann wirst Du Deinen Platz finden.
 
@Barratt
Danke für deine wirklich ausführliche Antwort!! Das ist irgendwie motivierend. :)
 
Der erscheint mir jetzt nicht wirklich introvertiert, eher so Durchschnitt. Aber das kann täuschen.

Ich denke auch, dass man es generell schwerer hat, wenn man als Musiker introvertiert, weil stille, zurückhaltende Charaktere nicht so schnell andere einnehmen können, ihnen also oft erwünschte Entertainer-Qualitäten fehlen und weil sie nach Auftritten ausgelaugter sind und mehr Zeit für sich brauchen als extrovertierte Menschen. Aber anders als bei einer/einem Rock-/Pop-Sänger(in) würde ich es so einschätzen, dass es für das Publikum bei einem Pianisten weniger eine Rolle spielt, denn da spielt die Show weniger eine Rolle, weil der Pianist/die Pianistin auch nicht dem Publikum zugewendet ist, sondern dem Instrument und die Bewegungen in erster Linie dem Spiel dienen und nicht etwa einer tänzerischen Darbietung, durch die das Publikum zusätzlich zur Musik begeistert werden soll. Lang Lang ist da natürlich eine Ausnahme. ;-)

Und so würde ich z. B. Kit Armstrong eher als introvertierten Menschen einschätzen, bei dem aber u. a. extremes musikalisches Verständnis und beeindruckende Technik neben einem privilegierten Mentor für den sich einstellenden Erfolg sorgen.
 
Auch in meiner Klasse gab es eine Kameradin, die sich unheimlich schwer mit Chemie tat. Hatte auch Drogenprobleme etc.. Heute ist sie Diplomchemikerin mit Doktortitel in sehr guter Position.
 

Meine Deutschlehrerin in der 9. klasse schreib mir mal unter eine Klassenarbeit, ob mich alle guten Geister verlassen hätten.... Und zwar wortwörtlich! Sie meinte wir suchen mir nach der 10. klasse besser eine Lehrstelle.... Ich solle auf keinen Fall etwas machen, was mit Sprache und Formulierungen zu tun hätte.... Meine Examina hätte ich ihr gerne unter die Nase gehalten, aber es hat sie dahin gerafft..... Wenn sie wüsste, was ich heute schreibe, wie ich heute schreibe in meinem Job, manchmal bin ich selber stolz auf meine Formulierungen ;)
 
@jannis
Auch macht es mir nichts aus, bestimmte Stücke wieder und wieder zu spielen. Das mache ich auch so schon ab und zu - wobei das jedoch sicher nicht mit dem späteren Wiederholen und Wiederauffrischen von Stücken zu tun hat.

Ob ich ein Werk mit sogenannten "Komponistenaugen" sehe und verstehe, kann ich schwer beurteilen, da ich mir nicht wirklich sicher bin, welche Kriterien es ausmachen. Allerdings habe ich das Gefühl, zumindest die Stücke, die ich spiele, zu verstehen - ohne selbst zu komponieren.

Ich glaube, dasz man eher, "ja, ich will ein Stueck oft spielen, da ich mit ihm lebe, es jedes Mal neu sehe, alle Aspekte in meinem Leben beleuchten will", sagen sollte. Also: "Es treibt mich dazu, mich immer wieder mit z.B. der Appassionata zu beschaeftigen", sollte man wahrscheinlich idealer Weise sagen koennen.

Ich glaube man sieht mit "Komponistenaugen", wenn man sich sagt: "Hier haette ich das und jenes erwartet, aber der Komponist schreibt etwas anderes, das ist genial." Liszt soll z.B. beim Finale am Schlusz von Griegs a-moll Konzert voll Begeisterung eine Pause eingelegt haben (er spielte das Konzert offenbar vom Blatt!) und ausgerufen haben "g, nicht gis!!". Es gehoert sicher zu den erstaunlichen Momenten des Konzertes, dasz das lyrische F-Dur Thema in der terzverwandten Grundtonart A-Dur "in Apotheose" am Schlusz auftaucht und eben ploetzlich der Leitton gis durch g ersetzt wird. Liszt hat sofort die Wirkung erkannt und sich dafuer begeistert.
Man musz verstehen wollen, warum eine Komposition genial ist.

"Introvertiert" vs. "extrovertiert": Kann es nicht sein, dasz Menschen im "normalen Umgang" eher introvertiert sind, beim Musizieren aber durchaus extrovertiert im Sinne von mitteilsam? Ich waere sehr vorsichtig, da irgendeine Regel aufzustellen, vielleicht noch mit einem "online-Fragebogen" den Introvertiertheitsgrad herausfinden und davon eine Studienwahl abhaengig machen zu wollen.

Meiner Meinung nach sollte man studieren, wofuer man eine Leidenschaft entwickelt. Diese darf und soll sich bei Klavier meiner Ansicht nach aber nicht auf reines Klavierspielen beschraenken. Ich glaube auch fest, dasz sich dann auch immer Moeglichkeiten auftun werden, Geld zu verdienen, selbst wenn es nicht durch Klavierspielen sein sollte. Wenn man sich aber von vornherein nur darauf versteift, international konzertierender Pianist zu werden, steht das Unterfangen unter keinem gluecklichen Stern.
Man sollte wahrscheinlich Musik in einer Art holistischem Ansatz aufzusaugen das Beduerfnis haben, wobei man sich selbst durch das Klavier ausdrueckt und diesen Ausdruck anstrebt, perfektionieren zu wollen.
Jannis
 

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