Warum nur sind uns Rhythmusübungen so peinlich?

Dieses Thema im Forum "Forum für Anfängerfragen" wurde erstellt von Tetra, 25. Jan. 2018.

  1. Klafina
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    Klafina

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    Für mich ist der Unterschied zwischen @Stephan und @hasenbein schlicht einer von Stil, Freundlichkeit und Höflichkeit.

    Stephan hat den Sachverhalt insbesondere im Punkt 3 (und Punkt 2) ja ganz klar und sachlich beschrieben.
    Warum dafür Wörter wie "narzisstisch", "sich anstellen", "Pipifax" und "Staatsaffäre" notwendig sein sollten, erschließt sich mir nicht. Weder bei meinen eigenen (jetzt erwachsenen) Kindern noch bei meinen (Nicht-Klavier)-Schülern kann ich mir vorstellen, dass ich diese Wörter in den Mund nehme.

    @Tetra , es hat ganz sicherlich auch mit Gewöhnung zu tun. Ungewohntes fällt allen Menschen zunächst einmal schwer.

    Ich selbst hatte diese Probleme im Klavierunterricht nicht, weil ich schon einiges an Rhythmusgefühl mitbrachte.
    Aber im Querflötenunterricht fand ich die eine oder andere Übung zum Ansatz, zur Atmung etc ... auch zunächst ein wenig merkwürdig und gewöhnungsbedürftig, und das, obwohl ich von früher her auch viele Atemübungen aus dem Chorsingen gewöhnt war (und auch die eine oder andere Fortbildung im Bereich "Theaterpädagogik" gemacht habe, wo all diese Dinge auch eine große Rolle spielen).

    Abschließend eine kleine Bemerkung zum Thema Männer und Frauen: Ich finde es immer wohltuend, wenn es Männern gelingt, zu ihren Gefühlen zu stehen oder sie zumindest einmal zu benennen, auch wenn es ihnen schwerfällt. Es ist dann auch gar nicht nötig, viel zu sagen. Ein kleiner Satz genügt oft. ;-)
     
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  2. Pi Ano
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    Pi Ano

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    Das ist dir ja auch unbenommen, aber bedenke, dass andere nicht zwingend daran interessiert sind, ein geklontes Hasenbein zu sein.
     
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  3. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    :lol:;-)
     
  4. hasenbein
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    hasenbein

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    Und ich finde es immer wohltuend, wenn es Frauen mal ausnahmsweise gelingt, ihre Umwelt NICHT permanent mit ihren Gefühlen vollzuquaken. (Tipp: In der eingesparten Zeit schafft man dann auch mehr!)

    Und GANZ genial finde ich Frauen, die dann auf die ihnen gegebenen praktischen Lösungsvorschläge zu ihren Problemen sogar HÖREN, diese gar UMSETZEN. Die sind aber ausgesprochen selten.

    Typisches Beispiel aus dem Unterricht:
    Erwachsene Schülerin klagt jedes Mal, dass sie doch schon so alt sei, dieses und jenes Gebrechen habe, zu wenig Zeit etc.pp., und das sei mit Sicherheit der Grund, dass dieses Stück hier, an dem sie gerade übt, für sie eigentlich nicht schaffbar sei.

    Daraufhin Hasenbein: Pass auf, übe einfach mal folgendermaßen (es folgen Technik- und/oder Übeweisen-Tipps). In der Stunde wird zusammen probiert, klappt alles bestens.

    Schülerin setzt jedoch zu Hause Tipps nicht oder viel zu wenig um, was Schülerin auf Nachfrage auch vorsichtig-verschämt gesteht.

    Die Monate gehen dahin, immer wieder Stunden mit Klageliedern seitens der Schülerin (die teilweise nicht unerhebliche Teile der von ihr bezahlten Stunde verballern...), Tipps werden weiterhin allenfalls äußerst mangelhaft umgesetzt.

    Dann plötzlich im Unterricht: Schülerin spielt vor, es klappt gut. Sie: "Ja, ich habe mal gemacht, was du letztes Mal zu mir gesagt hast! Das funktioniert ja echt gut!"

    Hasenbein (denkt): "Äh, jaaa, habe ich Dir seit Monaten immer wieder eingetrichtert, aber Du hast es ja vorgezogen, das zu Hause nicht zu machen und mir stattdessen immer wieder in den Ohren zu liegen, wie schwierig das alles sei...
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Jan. 2018
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  5. Stephan
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    Stephan

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    ..schöner Praxisbericht aus dem Leben. Nur erlebt man das bei Frauen und Männern, Jungen und Mädchen so. Ich kann da keine signifikante Häufung beim weiblichen Geschlecht ausmachen.
     
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  6. hasenbein
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    hasenbein

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    Dann schau noch mal genau hin bzw. rekapituliere frühere Schüler.

    Selbstverständlich: Das Nicht-Üben und Nicht-Befolgen, das machen Schüler jeden Geschlechts gleichermaßen, da hast Du Recht.

    Aber der entscheidende Punkt, weswegen ich Obiges auch gepostet habe, ist das dauernde Emotionalisieren und Jammern und Problematisieren im Unterricht! Und da sind die Frauen SEHR klar vorne.
     
  7. Monique.
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    Monique.

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    @hasenbein , stimmt ! Ich jammere auch viel :cry2:. :lol:Weil ich viel zu ungeduldig bin mit meiner „ Klavierkunst „
    Du mögest uns Frauen verzeihen ;-)
     
  8. hasenbein
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    hasenbein

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    Hört einfach auf, dieses dauernde Nach-Außen-Tragen von Gefühlen (und somit oft genug Anderen-auf-den-Wecker-Gehen) als Tugend anzusehen bzw. als etwas, "wie man eigentlich sein sollte", und zu versuchen, die Männer quasi zu Frauen umzuerziehen. Das würde mir vollkommen reichen.

    In Wirklichkeit schätzt Ihr ja gerade das bei Männern: wenn sie sich in schwierigen Situationen (oder wenn Ihr wieder Eure 5 Minuten habt) eben nicht von Emotionen fortreißen lassen, sondern als "Stabilitätsanker" zur Verfügung stehen.
     
  9. Barratt
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    Barratt Lernend Mod

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    Diese Eigenschaft schätzt wohl jeder an Menschen, unabhängig vom Geschlecht. Ich gebe Dir recht, dass es öfter so ist wie von Dir dargestellt als anders. Das ist ein Übel. Keine Ahnung, warum man es nicht einfach ändert.

    Du hast mal wieder eine großartige Metapher gesetzt.

    :super:
     
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  10. ad lib.
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    ad lib.

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    Sehe ich auch so. Ich (weiblich ;)) sehe es als letzte Option und Notlösung an, meine Probleme (vor allem die kleineren!) nach außen zu tragen und mit anderen darüber zu sprechen. Einzige Ausnahme sind vielleicht Partnerschaft und Familie, wo ich mir hin und wieder auch mal gestatte, zu "jammern" - das ist dann aber meist nur eine kurze Tirade und ich möchte dann selbst gar nicht länger über entsprechende Themen diskutieren.

    Selbstmitleid kenne ich leider auch (obwohl ich es nicht ausstehen kann) und kann es nicht immer vermeiden; das ist mir dann aber so peinlich, dass ich versuche, still vor mich hin zu leiden und mich wieder im Griff zu haben, wenn ich mich mit anderen Menschen treffe. Sollte das nicht klappen, sage ich Termine lieber ab.

    All´ das ist zu einem Großteil wohl Veranlagungssache und ich verurteile Menschen nicht, die da anders ticken! Im Freundeskreis habe ich davon aber keine (und ja, er besteht großteils aus männlichen Individuen, wenn ich mal genauer darüber nachdenke).
     
  11. Fiffine
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    Fiffine

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    Aber das ist jetzt hier schon irgendwie sehr lustig zu lesen...:-D
     
  12. ehenkes
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    ehenkes

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    Der Rhythmus ist sehr wichtig. Eigentlich kann das (fast) jeder, der eine besser, der andere "stellt sich an". Wenn das zwischen KL und Schüler problemlos abläuft, dann stimmt alles. Übrigens: auch KL machen Fehler, sind also auch nur Menschen aus Fleisch und Blut. :party:
     
  13. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Theoretisch kann es jeder, praktisch leider nicht. Viele Menschen können nicht (einfach so) doppelt so schnell klatschen wie ich, zb entsprechend Vierteln und Achten.
     
  14. hasenbein
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    hasenbein

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    Ich bin erstaunt ob dieses aus der Reihe fallend schwachen Beitrages, Stilblüte!

    Selbstverständlich kriegen das viele AM ANFANG erstmal nicht hin. Normal!

    Manchen zeigt man das 1-2 Male, dann haben sie es gepeilt und können es ab da mit hinreichender Zuverlässigkeit abrufen. Mit manchen muss man es über längere Zeit immer wieder machen.

    Auch das ist normal - bei allen Tätigkeiten, die gelernt und geübt werden müssen, haben einige es "schnell raus", und einige brauchen eine Weile.

    Ehenkes (so komische Sachen er sonst manchmal schreibt) hat ja nirgends behauptet, dass jeder das sofort oder sehr schnell könnte.

    Wichtig ist immer (um mal auf konkrete Methodik-Hinweise zu kommen), dass der Schüler, bevor er beginnt, tatsächlich in die Hände zu klatschen, sich, während Du die Viertel klatscht, die Achtel dazu klanglich innerlich VORSTELLT. (Das heißt auch, dass es eminent wichtig ist, dass Ihr keinesfalls gleichzeitig anfangt zu klatschen, sondern immer Du beginnst und der Schüler sich da "draufsetzt" - Gleiches gilt auch, wenn der Schüler Fußklopfen beim Üben einsetzt, man muss ihm einschärfen, dass das nur sinnvoll und hilfreich ist, wenn er erstmal ein paar Takte vorweg mit dem Fuß klopft, sich dabei den Beginn des Stücks vorstellt und dann erst anfängt zu spielen.) Das Falschklatschen hat sehr oft damit zu tun, dass dieses Sich-Vorstellen nicht oder nicht deutlich genug erfolgt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Jan. 2018
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  15. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Kommt drauf an, wie man meinen Beitrag deutet - dass viele es nicht können, entspricht ganz klar den reinen Tatsachen. Dass sie es nicht lernen und üben könnten, davon hab ich gar nichts geschrieben. Klar, wenn man es ausprobiert und sie irgendwann verstehen und fühlen, worum es geht, kriegen die meisten es ganz gut hin.

    Was ich so frappierend finde ist gerade dieses - dass so etwas (scheinbar..!!) absolut Primitives nicht jeder auf Anhieb kann.
     
  16. walsroderpianist
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    walsroderpianist

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    Ich denke, dass es im Grunde so ist: das rhythmische Klatschen, Stampfen, Tanzen, oder was sonst noch an entsprechenden Exerzitien denkbar und machbar ist, stellt letztlich eine körperliche Ent- äußerung psychischer Prozesse dar. Damit tun sich viele Menschen schwer; es ist eine unmittelbare Manifestation ihres inneren Zustands. Daraus kann eben das Gefühl der Peinlichkeit oder des Bloßgestelltseins entstehen. Aus dem gleichen Grunde haben manche, übrigens auch Musiker, mit dem Singen Probleme . ( Meine Schwiegermama, eine begnadete Gesangslehrerein, wusste nach den ersten Tönen eines Schülers, was mit ihm "los" war. Ich bilde mir ein, bis zu einem gewissen geringeren Grad dieses auch mithilfe von Rhythmusübungen erkennen zu können).
    Ich glaube nicht, dass es Unbegabtheit in rhythmischer Hinsicht gibt; es sind seelische Blockaden. Die zu lösen ist allerdings mitunter eine gewaltige Aufgabe für Schüler und Lehrer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Jan. 2018
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  17. méchant village
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    méchant village

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    Genau DAS ist die Antwort auf die Eingangsfrage.
    Mir wurde früher immer das Gefühl gegeben, ich müßte das schon können. Daß man Rhythmus erst erlernen darf und kann, wurde nicht vermittelt.
    LG Barbara
     
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  18. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ich erinnere mich gerade daran, was meine Mutter mir mal erzählt hat: Als Kleinkind hat sie mir oft ein kleines Liedchen vorgesungen, an dessen Ende irgendein Ausruf stand (sowas wie "Hui" oder "Hey",...). Den hab ich stets begeistert mitgerufen - allerdings meistens zu früh. Das zeigt wohl, dass ich Rhythmusgefühl zumindest zu einem Teil erlernt habe.

    Allerdings sind Erwachsene gleichmäßigen Rhythmen ständig ausgesetzt: Beim Gehen, Radfahren, durch tickende Uhren, beim Bahnfahren, beim hören von primitiven Radiohits. Aktiv reproduzieren können das trotzdem nicht alle sofort (obwohl sie aktiv gehen können) und manchen fällt es auch mit Übung und Anleitung unglaublich schwer, nur regelmäßig zu Klatschen. Ich frage mich da durchaus, ganz frei von Vorwurf oder ähnlichem - Warum?
     
  19. méchant village
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    méchant village

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    Beobachte mal in der Fußgängerzone, ob da wirklich jemand dabei ist, der rhythmisch gleichmäßig geht..das gilt auch fürs Radfahren.
    Wir bekommen zwar ab und zu gleichmäßige Rhythmen mit, aber von mir behaupte ich, daß ich bei allen Tätigkeiten wie Gehen etc keinen festen Rhythmus habe, ja nicht mal immer „geradeaus“ gehe. Das beobachte ich auch bei anderen. Es wird eigentlich immer etwas „ausgeglichen“. Und diese innere Erwartung auf etwas reagieren zu müssen könnte den Grundrhythmus schon stören.
    Hieße: selbst beim reinen Rhythmusüben spielen kleinste äußere Einflüsse, Erwartungen usw. schon unkontrollierbar hinein. Je mehr man lernt, das auszublenden, desto präziser könnte der Rhythmus werden.
     
  20. Fou Lou
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    Fou Lou

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    Was gehen betrifft hab ich da andere erfahrungen gemacht. Wenn man mal frauen mit hochhackigen schuhen hört ist das nach meiner erfahrung recht rhytmisch. Solange die situation gleichmäßiges gehen erlaubt. Wenn man sich durch ne menschenmenge schlängelt ist das natürlich etwas anderes.
     
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