Musizieren als Katharsis

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DoctorGradus
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Hallo,

mir fällt immer wieder auf, dass ich bei klassischer Musik sehr gerne melancholische oder düstere Stücke höre, einige fröhliche Stücke hingegen, reizen mich dann weniger (ausgenommen dann wieder Tänze). Ein Spiegel meiner Persönlichkeit ist das nicht gerade, auch wenn ich auch mal grüble. Drum frag ich mich wie das bei euch ist, für mich hab ich den Eindruck, dass das Klavierspiel so eine Art Katharsis ist.

Also, damit meine ich eben nicht mit spaßiger Musik eine tiefe Stimmungslage zu übertönen, sondern mit entsprechender Musik die entsprechenden Gefühle zu verarbeiten.
 
Haydnspaß
Haydnspaß
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Katharsis? Kann ich mir jetzt nichts drunter vorstellen.

Man kann in Musik alle Arten von Gefühlen ausleben. Ob man von der Vorliebe für eine bestimmte (z.B. düstere) Musik direkt auf die Psyche eines Menschen schließen kann, weiß ich nicht. Ich würde aber schon vermuten, daß ein gewisser Zusammenhang besteht.
 
lavendel
lavendel
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mir fällt immer wieder auf, dass ich bei klassischer Musik sehr gerne melancholische oder düstere Stücke höre, einige fröhliche Stücke hingegen, reizen mich dann weniger (ausgenommen dann wieder Tänze). Ein Spiegel meiner Persönlichkeit ist das nicht gerade, auch wenn ich auch mal grüble. Drum frag ich mich wie das bei euch ist, für mich hab ich den Eindruck, dass das Klavierspiel so eine Art Katharsis ist.

Also, damit meine ich eben nicht mit spaßiger Musik eine tiefe Stimmungslage zu übertönen, sondern mit entsprechender Musik die entsprechenden Gefühle zu verarbeiten.

das geht mir genauso, und mein lehrer spricht auch oft davon, dass (nicht nur bei mir) klavierspiel eine katharsis sei. auch mit den "düsteren" stücken geht es mir so, wie dir, gradus. im alltag bin eher fröhlich, albern, frech, ausgelssen und übermütig, aber in der musik sprechen mich in erster linie die düsteren (?) ich weiss nicht, jedenfalls die langsamen, eher traurigen (?) stücke an. in meinem mahler-adagietto, bei meinem albinoni-adagio oder debussys schritten im schnee kann ich stundenlang versinken, während ich meine "fröhlicheren" stücke zwar alle "nett" finde und auch gerne spiele, aber sie berühren mich nicht im innern. merkwürdig widersprüchlich.

und wehe, jetzt kommt wieder jemand mit der esoterik-keule :mad:.

lavendel
 
A
andris_k.
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Meine Meinung dazu:
Die negativen Gefühle, die ein Mensch empfindet, sind in der Regel nicht nur viel intensiver und stärker als die positiven, sondern halten auch viel länger an. Ich denke, dass die Musik genau diese Ordnung spiegelt. Wenn jemand ein Stück hört, welches unendliches Leid ausdrückt, so erlebt man es intensiver als wenn man fröhliches Tänzchen hört.

Gruß
 
A
andris_k.
Guest
hört ihr traurige musik, wenn ihr traurig seid?

lavendel

Klar, warum nicht. Wenn Menschen traurig sind oder sich in einem nachdenklichen Zustand befinden, so ist es für sie ideal, wenn sie ihren Zustand mit jmdm. oder etwas teilen können. Und nicht unbedingt deswegen, weil sie dadurch entlastet werden, sondern weil das "mit jmdm. auf einer Wellenlänge sein" warcheinlich überhaupt das wichtigste und universelle Gefühl eines Menschen ist.
Ich denke, dass traurige Musik an dieser Stelle ideal ins Spiel kommt. Nicht nur kann man sie in so einem Zustand genießen, sondern man hat immer das Gefühl, dass man nicht alleine ist, der sie so verstehen kann und dass der Komponist, der Interpret und auch die anderen potenziellen Zuhörer, die diese Art von Musik mögen, wahrscheinlich gleiche Gefühle empfinden.
 
Angy
Angy
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Geht mir auch so

Das geht mir auch so - meine Umgebung versteht manchmal meine absolute Vorliebe für Moll-Stücke gar nicht so, weil ich als heiterer, optimistischer Mensch bekannt bin, der noch an jeder Situation irgendwie versucht, etwas Gutes zu finden... Aber vielleicht ist die traurige Seite dadurch ein bisschen vernachlässigt und sucht sich dort ihr Ventil?
 
Fips7
Fips7
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Das geht mir auch so - meine Umgebung versteht manchmal meine absolute Vorliebe für Moll-Stücke gar nicht so, weil ich als heiterer, optimistischer Mensch bekannt bin, der noch an jeder Situation irgendwie versucht, etwas Gutes zu finden... Aber vielleicht ist die traurige Seite dadurch ein bisschen vernachlässigt und sucht sich dort ihr Ventil?

Genau, du sagst es. Man kann das so verstehen, dass es in jedem Menschen (vereinfacht und plakativ gesagt) beide Anteile gibt: sowohl Dur als auch Moll. Wenn man nach außen hin vor allem den einen Persönlichkeitsanteil auslebt, gibt es den anderen trotzdem noch, quasi im Verborgenen. Und die Musik bietet diesem verborgenen Anteil die Möglichkeit, "genährt" bzw. ausgedrückt zu werden. Daher kann ein heiteres Dur-Gemüt sich musikalisch durchaus sehr zu Moll hingezogen fühlen.

Grüße von
Fips
 
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