Langsam üben, schnell spielen

  • Ersteller des Themas Annaklena
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A
Alter Tastendrücker
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@rolf : Da hatten wir wohl zur gleichen Zeit ähnliche Gedanken!
 
Triangulum
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Nach Beendigung des Klavierunterrichts habe ich diese Technik des Einstudierens kaum noch verwendet. Schon beim ersten Durchspielen nehme ich das Originaltempo. Langsam fange ich nur an bei Notenbildern mit 3 Systemen (Iberia, Feuervogel/Agosti), modernen anspruchsvollen Kompositionen mit mehr Schwierigkeiten in der Vertikalen und drei und vierstimmigen Fugen von Bach. Beim Rest geht's mit Allegro los und die Party beginnt. :coolguy: Auch wenn es anders mitunter schneller gegangen wäre, das Spiel-Vergnügen ist der größte Motivator und befreit mich davon, gegen jedwede Unlust ein Stück fertig stellen zu müssen. Das geht so wie von selbst. Denn das Leben ist ein Fest!
 
Annaklena
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Das Entscheidende hier ist wohl "nach Beendigung des Klavierunterrichts". :-)Also nach zehn oder zwölf oder fünfzehn Jahren? Da bin ich leider noch lange nicht. Wenn man allerdings gut genug ist, um sogar schwierige Stücke, wie Du sie erwähnst, gleich von Anfang an so spielen zu können, sehe ich den Motivationsfaktor da auch. Wäre schön. Geht aber nur, wenn man schon richtig gut spielen kann. Oder man nimmt so einfache Stücke, dass man sie gleich im Tempo spielen kann. Aber kommt man dann überhaupt voran? Weil man dann ja nie etwas spielen kann, das schwieriger ist. Das ginge dann ja nicht im Tempo. :denken:

Mir macht es ehrlich gesagt nichts aus, langsam zu spielen. Ich finde das oft sehr befriedigend. Ich spiele manchmal auch Stücke langsamer, bei denen das Originaltempo etwas anderes vorgibt, und empfinde das als das richtige Tempo, mit dem ich völlig zufrieden bin. Da will ich dann gar nicht das Originaltempo erreichen. Und doch bin ich oft - im Rahmen meiner Möglichkeiten - zu schnell. Was ich daran sehe, dass ich das entsprechende Stück nicht fehlerfrei spielen kann. Also es geht anscheinend eher darum, den richtigen Grad der Langsamkeit oder Schnelligkeit einschätzen zu können. An den eigenen Fähigkeiten gemessen. Ich glaube, daran hapert es bei mir.

Und natürlich an den technischen Fähigkeiten selbst. Das braucht eben noch ein paar Jahre. Vor allem, wenn man nicht jeden Tag stundenlang am Klavier sitzen kann. Nicht aus Zeitmangel, sondern weil es die Gesundheit nicht zulässt.
 
F
Flieger
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Oder man nimmt so einfache Stücke, dass man sie gleich im Tempo spielen kann. Aber kommt man dann überhaupt voran? Weil man dann ja nie etwas spielen kann, das schwieriger ist. Das ginge dann ja nicht im Tempo. :denken:
In dem Fall trainiert man vorrangig das vom Blatt Spielen und festigt bestehende Fähigkeiten. Neue Techniken wird man so eher nicht lernen, aber es ist für den Fortschritt trotzdem auf seine eigene Art nützlich.
 
Annaklena
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Man kommt sich nur nicht so vor, als ob man etwas lernt bzw. Fortschritte macht. :-) Das ist wohl eher ein psychologisches Problem. Wie das Langsamspielen generell, wenn man meint, es doch auch schon schneller zu können (was aber nicht stimmt, solange man Fehler macht). Wenn man nur sehr langsam fehlerfrei spielen kann, hat man einfach das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Obwohl ich an sich gar nichts dagegen habe, langsam zu spielen (wenn ich das selbst entscheiden kann und es nicht deshalb ist, weil ich das technisch einfach nicht schneller kann), ist das manchmal doch frustrierend.

Klavierspielen zu lernen ist in erster Linie eine Herausforderung an die Geduld, scheint mir. Wenn man dranbleibt, lernt man und macht auch Fortschritte. Aber es dauert so lange, dass man die gar nicht wahrnimmt.

Weshalb ich immer wieder Audio- und auch Videoaufnahmen mache. Denn das ist die einzige Möglichkeit, seine Fortschritte zu sehen. Und doch kommt auch da immer wieder die Frustration auf. "Wie, jetzt mache ich das schon ein halbes Jahr und bin immer noch nicht weiter? Immer noch bei irgendwelchen Anfängerstücken?" Aber das muss man eben akzeptieren. Geht nicht anders. Da hilft auch das langsame Üben nichts.
 
Vanessa
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Das Entscheidende hier ist wohl "nach Beendigung des Klavierunterrichts". :-)Also nach zehn oder zwölf oder fünfzehn Jahren? Da bin ich leider noch lange nicht.

Warum "leider"? Auf das Niveau von Triangulum wird kaum einer von uns Späteinsteigern je kommen. Ist das schlimm? Kann man nicht auch auf einem niedrigeren Niveau mit Freude und Erfüllung musizieren? Sich einfach am eigenen Fortschritt freuen, der ja da ist?

Auch Leute, die "richtig gut" spielen können, sind gelegentlich frustriert. Ich glaube, dieses Gefühl ist uns allen, egal wie gut oder schlecht wir sind, wohlbekannt.
 
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Viva la musica
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Immer noch bei irgendwelchen Anfängerstücken?"
Also momentan übst du doch an der Mondscheinsonate oder? Das ist doch - egal wie gut es am Ende wird - doch ein tolles Stück und kein Anfängergedöns mehr! Sobald man über die allererste "Alle meine Entchen-Phase" hinaus ist, werden beim Klavier die Stücke doch ziemlich schnell recht cool. Da finde ich es gar nicht schlimm, auf einem (bescheidenen) Schwierigkeitslevel lange oder auch für immer zu verweilen.
Ich glaube, meine Lebenszeit (die ich fürs Klavier erübrigen kann) würde nicht ausreichen, um alle schönen Stücke auf meinem aktuellen Schwierigkeits-Level aus Klassik, Rock, Pop, Jazz, Blues, Film.... jemals zu spielen.
 
Triangulum
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Das Entscheidende hier ist wohl "nach Beendigung des Klavierunterrichts". :-)Also nach zehn oder zwölf oder fünfzehn Jahren? Da bin ich leider noch lange nicht. Wenn man allerdings gut genug ist, um sogar schwierige Stücke, wie Du sie erwähnst, gleich von Anfang an so spielen zu können, sehe ich den Motivationsfaktor da auch. Wäre schön. Geht aber nur, wenn man schon richtig gut spielen kann. Oder man nimmt so einfache Stücke, dass man sie gleich im Tempo spielen kann. Aber kommt man dann überhaupt voran?
Wenn dich ein Stück fesselt, geht das wie von selbst. Wenn man gleich mit höherem Tempo anfängt, ist es unter Umständen erforderlich, eingeübte Unsauberkeiten im Verlauf wieder abzutrainieren. Je schneller man zu Beginn spielt, desto mehr Fehler macht man. Das heißt, durch Wiederholung verschwinden die Fehler. Wenn man sehr langsam spielt, macht man keine oder wenig Fehler und wird durch Üben schneller. Man orientiert sich dann in der Wahl der Geschwindigkeit an der Fehlerhäufigkeit. Wenn man schneller anfängt, sollte man die musikalischen Zusammenhänge (Phrasen, etc.) schnell erfassen können oder besser schon vorher erfasst haben. Da man dieses Verständnis erst entwickelt, ist es nicht sinnvoll, schnell anzufangen, wenn man noch nicht so weit ist. Natürlich kann niemand eine Liszt Etude vom Blatt konzertreif spielen, wenn er sie zum ersten mal sieht. In dem Fall kann man das auch phrasenweise abarbeiten, nicht taktweise - das ist bis auf Ausnahmen wenig spannend und eigentlich nur eine Notlösung. Ich weiß, das mein Weg nicht zur Nachahmung empfohlen wird, er führt bei mir aber immer zum Erfolg, da ich ein gestecktes Ziel immer erreiche, weil die Länge des Weges dahin für mich keine Rolle spielt. Da der Weg so viel Freude macht, sehe ich den Aspekt des ''mühseligen'', den andere häufig zur Sprache bringen, schon lange nicht mehr. Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich heute erheblich viel mehr Zeit für ein Stück aufwende als zu Klavierunterrichtszeiten. Es ist mir allerdings klar, dass ich beispielsweise mit den Czerny-Etuden oder den Kreutzer-Etuden (Violine) Durststrecken und Geduldsprüfungen überwinden musste, um später die gesegneten Weihen der Beherrschung komplexerer Musikausübung genießen zu können. Neulich habe ich die Prelude-Etuden von Arthur Foote gefunden und da ist mir aufgefallen, dass man eigentlich gar nicht auf Czerny angewiesen gewesen wäre und der Spaßfaktor niemals zu kurz kommen muss. Ich bin allerdings kein Musikpädagoge. Daher sind meine Ausführungen rein subjektiv.
 
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