Jazz zu Klassik

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swchrissw

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Hallo zusammen,

das hier ist mein erster Post in diesem Forum, ich stell mich kurz vor, ich heisse Christian, bin 27 Jahre alt und wohne in Paris.

Mich wuerde sehr interessieren wie ihr meine Situation beurteilt. Ich spiele Klavier seit langer Zeit und die letzten wohl 10 Jahre habe ich eigentlich ausschliesslich Jazz gespielt, d.h. viel Improvisation. Ich habe vor ca. einem halben Jahr allerdings die Musik von Bach fuer mich wiederentdeckt und wollte Bach selbst spielen. Die Musik hat mich dermassen verzaubert, dass ich seit einiger Zeit fast ausschliesslich nur Bach spiele.

Konkret spiele ich die Goldberg Variationen von Bach. Dazu habe ich allerdings einige Fragen. Ich hatte nie eine grosse "Klassik" Kultur, ich habe zwar durchaus viel von Blatt gespielt und geuebt, aber selten etwas von diesem Charakter, d.h. ich habe auch keine grosse "Uebekultur". Beispielsweise brauchte ich fuer die ersten 3 Goldberg Variationen von Bach etwa 2 Monate (gut, ich spiele auch nicht jeden Tag) um Sie sauber und sicher interpretieren zu koennen, daher wuerde ich gleich gerne mal wissen wie ihr das beurteilt. Wenn ich mich an ein neues Stueck mache, dann kommt mir das zu Beginn oft vor, als ob ich ein ziemlicher Anfaenger bin, vor allem wenn ich das erste Mal linke und rechte Hand zusammen spiele. Aus dem Jazz habe ich eine sehr sichere rechte Hand, es reicht mir eigentlich 1 bis 2 Einheiten ueben um die rechte Hand sauber spielen zu koennen, allerdings hat der Jazz meine linke Hand etwas vernachlaessigt (viele Voicings, mal einen Walkingbass und sowas, aber wenig unabhaengiges Spiel von der rechten Hand), vor allem fuehle ich mich bei grossen Lagenspruengen oft unsicher mit der linken Hand und ich muss viel auf die Finger schauen.

Wie dem auch sei, ein Paar konkrete Fragen:

- Wie kann man denn die Schwierigkeit der Goldberg Variationen einstufen?
- Was haltet ihr von der Dauer meines Uebens fuer die Variationen?
- Sollte ich lieber einfachere Dinge spielen zuerst oder ist das voellig ok?
- Ich wollte nun beginnen das wohltemperierte Klavier zu spielen, wie ist das vom Schwierigkeitsgrad verglichen mit den Goldberg Variationen?

Vielen Dank und viele liebe Gruesse,
Christian
 
rolf

rolf

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Wie dem auch sei, ein Paar konkrete Fragen:
(1)
- Wie kann man denn die Schwierigkeit der Goldberg Variationen einstufen?
(2)
- Was haltet ihr von der Dauer meines Uebens fuer die Variationen?
(3)
- Sollte ich lieber einfachere Dinge spielen zuerst oder ist das voellig ok?
(4)
- Ich wollte nun beginnen das wohltemperierte Klavier zu spielen, wie ist das vom Schwierigkeitsgrad verglichen mit den Goldberg Variationen?
Hallo,

erst mal Grüße in die ehemalige Hauptstadt der Merowinger :)

(1)
sehr sehr hoch!
diese Variationen sind der Gipfel der barocken "Clavier"musik, und das auch in technischer Hinsicht.
(2)
du solltest viel mehr üben
(3)
besser wäre, erst mal die zwei- und dreistimmigen Inventionen von Bach zu spielen, dazu zahlreiche Scarlatti-Sonaten - - - nicht aus Bosheit, sondern um Deine linke Hand nach und nach daran zu gewöhnen, dass sie genauso viel können muss, wie die rechte
(4)
du kannst hier sicher verschiedene der Praeludien spielen, die Fugen solltest Du erst angehen, wenn Du die dreistimmigen Inventionen (auch Sinfonien/Sinfonias genannt) kannst

Ich empfehle Dir, dass Du in dem Bereich, wo Du fit bist, mal mit der linken Hand zu spielen versuchst, was die rechte Hand sonst macht!!! Das wird interessant!!!

Gruß, Rolf
 
S

swchrissw

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Danke

Hallo Rolf,

danke fuer deine Antwort und Entschuldigung fuer mein langes Nicht-Beantworten.

Durch das Ueben der Goldbergvariationen merke ich, dass ich unheimliche Forschritte mache, vor allem bezueglich der Sicherheit der linken Hand. Sehr schwer fand ich zu Beginn Variation 3, da sie eine relativ schnelle linke Hand benoetigt, mittelerweile ist das meine Lieblingsvariation und sie laeuft auch sehr gut, da sie so viele Details beinhaltet und man bei der Interpretation durch feine Nuencen die Variation ganz anders erklingen lassen kann.
Zu Beginn musste ich viel auf die Hand schauen, das ist nun ueberhaupt nicht mehr der Fall und ich kann schoen bei der Partition mit den Augen bleiben. Danke fuer den Tipp, ich habe nun nebenbei einiges des Wohltemperierten Klaviers gespielt. Das ist aber wirklich ein ganz ganz anderes Niveau. Ich moechte nicht sagen, dass ich da unterfordert bin, man ist wohl nie unterfordert ein Stueck angemessen zu interpretieren, aber eine Herausforderung ist das sicher nicht.

Ich werde weiterhin die Goldbachvariationen ueben, der Traum waere es alle Variationen sauber spielen zu koennen. Nebenbei spiele ich auch das Wohltemperierte Klavier.

Ich habe Gelegenheit mein Klavierspiel per Video aufzunehmen, das werde ich bald einmal machen um zu sehen, was ihr davon haltet. Ich habe hier in Paris bisher nur Jazz-Musiker-Freunde und keinen Austausch bezueglich klassischer Klaviermusik.

Eine letzte Frage: wieviel uebt ihr denn so taeglich? Bei mir ist das wirklich sehr sehr unterschiedlich, mal packt mich es und ich spiele am Wochenende quasi den ganzen Tag, oft finde ich unter der Woche nicht eine Minute am Tag, manchmal ist es eine halbe Stunde, manchmal unter der Woche auch 1-2 Stunden.

Viele Gruesse aus dem grauen, verregneten Paris.
 
 

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