Bach Präludium - Haydnspaß

Dieses Thema im Forum "Interpretation Bach Präludium BWV 999" wurde erstellt von Haydnspaß, 26. Sep. 2007.

  1. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Bach Präludium BWV 999

    (1,5 MB)
     
  2. Ingrid20000
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    Ingrid20000

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    Gefällt mir gut deine Interpretation, klingt anders wie die meisten anderen Interpretationen die man so auf Youtube usw zu hören bekommt, obwohl ich glaube dass es Bach nicht so gespielt hätte.
     
  3. Christoph
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    Christoph

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    Gefällt mir auch ausgezeichnet und sehr kreativ! Glaube aber dass es durchaus möglich ist, dass das Bach so gespielt hat - "Stylus Fantastikus"? Kann mir kaum vorstellen dass Bach die gebrochenen Harmonien einfach so runtergedüdelt hat.
     
  4. Mindenblues
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    Mindenblues

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    Vom technischen Aspekt und auch vom dynamischen Spiel her finde ich deine Aufnahme super!

    Auch respektiere ich natürlich deine sehr individuelle Interpretation mit starker Verzögerung auf den Taktanfang. Das kann ja jeder so machen wie er will.

    Ich persönlich glaube nicht, dass man dieses Stück zum Typ des "Stylus Fantastikus" rechnen kann, dazu ist es viel zu fest und rhythmisch mit einheitlichem Muster versehen.
    Mir persönlich geht es bei deiner Aufnahme so, dass ich das Gefühl von einer Ellipse bekomme, die jeden Takt von neuem anfängt. Deine Aufnahme ist in dieser Hinsicht konsistent, wie gesagt, technisch hab ich nix zu deuteln und ich weiß, dass du es genau so gemeint hast. Aber irgendwie gefällt mir das Stück besser, wenn ich das Gefühl eines Kreises bekomme, ohne Rubato.

    Macht Spaß, Eure Aufnahmen vom Interpretationsworkshop anzuhören. Vielleicht klinke ich mich bei den nächsten irgendwann auch mal ein, leider bin ich ein wahnsinnig langsamer Lerner, und das Zeitbudget ist wegen einiger anderer Aktivitäten (Orgelunterricht, Chor, Gesangsunterricht, C-Kurs, Klavierunterricht) begrenzt.
     
  5. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Schön, das kommt doch schon in die Nähe von dem, was ich mir vorstelle. Ich denke an diieses unendlich-Zeichen (weiß garnicht, ob das einen speziellen Namen hat, sieht aus wie eine liegende 8 )

    Gerade die Stücke von Bach, die durchgängig dieselben Notenwerte haben, aber harmonisch äußerst abwechslungsreich komponiert sind, brauchen für mein Gefühl das Rubato am meisten. Aber davon wollen die Metronom-Freaks ja nichts wissen. Ich spiel jedenfalls so, wie ich spiele, und wem es nicht gefällt, muß es sich ja nicht anhören.
     
  6. killmymatrix
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    killmymatrix

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    Ich finde die Aufnahme wirklich sehr gelungen. Ich kannte das Stück vorher nicht (zumindest nicht bewusst) und habe mir testweise eine Youtube-Aufnahme angehört... beinahe grässlich, wie das da mit rasender Eile runtergespielt wurde.

    Deine Aufnahem finde ich sehr gefühlvoll und ergreifend! Gerade dein Rubato zeigt, wie man aus den Noten richtig viel Musik rausholen kann. Toll! :)
     
  7. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Vor der Aufnahme habe ich mir auch einige Youtube-Videos angehört. Die Klavierversionen haben mir insgesamt nicht so gut gefallen. Aber es gab dann auch noch einige Aufnahmen mit Gitarre, die mir schon viel besser gefallen haben, und die meine eigene Aufnahme wohl auch beeinflußt haben.
     
  8. Stilblüte
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    Stilblüte Super-Moderator Mod

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    Ich finde es sehr bemerkenswert, dass du so selbstbewusst über deine Interpretation reden kannst, ich glaube die meisten versuchen, sich irgedwie zu verteidigen.
    Das finde ich toll :)

    Was mir zu deiner Interpretation einfällt:
    Mein Klavierlehrer sagte in der letzten Klavierstunde zu mir sinngemäß, ich solle ihn doch für verrückt halten, er findet, Bach war der größte Romantiker des Barock, und wenn er zur Zeit der Romantik gelebt hätte, hätte er noch ganz andre Sachen geschrieben...

    Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass Bach dieses Stück auf dem Cembalo nach dem Metronom runtergedudelt hat.
    Das kann nicht sein.
    Wie schade, dass es von ihm keine Aufnahmen gibt...

    Stilblüte
     
  9. violapiano
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    violapiano

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    Hallo,
    hmh, ich meine, Bach hatte halt ein Clavichord bzw cembalo, Orgel.
    Folglich ist die Musik ja auch darauf abgestellt auf diesen Instrumenten gespielt zu werden.
    Das eine ist, Bach hätte sicher andere Musik geschrieben, wenn er einen Flügel gehbt hätte, wie die heute sind.

    Aber nun war da Cembalo und und Clavichord, was Bach übrigens sehr geliebt haben soll. Das Clavic. ist dynamisch viel reicher als das Cembalo, aber auch viel leiser.
    Am Cembalo wird Bach sicherlich viel über Rubatospiel/Artikulation gemacht haben, wie das viele Organisten auch tun.
    Aber ob er am Clavichord genauso artikuliert hätte/hat... wer weiß das schon.
    Man hat ja auch im Barock einfache Musik verziert.

    Für meinen Geschmack ist die Interpretation von Haydnspaß auch zu "rubato", wie mindenblues schon schrieb.
    Ich denke, der immer wieder kehrende Bass wirkt aus sich heraus und bedarf nicht unbedingt der Verstärkung, Hervorhebung.
    Aber- das ist meine subjektive Meinung.

    LG
    violapiano
     
  10. koelnklavier
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    koelnklavier

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    Das Präludium ist in der Tat ursprünglich für Laute geschrieben (g-moll) - was ja durchaus Hinweise auf die Interpretation erlaubt. Auch wenn mir der motorische Gestus sehr offensichtlich scheint, denke ich, daß eine Nähmaschinengewehr-Ausführung nicht im Sinne des Komponisten ist. Andererseits . Allerdings finde ich Dein Rubato zu einförmig: Es leiert auf Dauer ein wenig. - Ein technisch nicht allzu schweres, musikalisch aber ausgesprochen heikles Stück, für das ich auch noch keine befriedigende Lösung gefunden habe.
     
  11. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Ist schon interessant, wenn man eine Aufnahme aus der Distanz von einem Jahr wieder anhört, was ich eben getan habe. Ich finde, er spielt es super :p
     
  12. Bachopin
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    Bachopin

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    Hallo Haydnspaß,

    also nach meiner Kenntnis wurde Agogik in diesem Maße zur Zeit von Bach nicht eingesetzt, deswegen muss man aus meiner Sicht klar darauf hinweisen, dass das keine werktreue Interpretation ist und eine eigene künstlerische Neu-Interpretation von deiner Seite ist.
    Allerdings hab' ich nur Kenntnisse eines Musik-Liebhabers und wäre sehr daran interessiert, ob es Hinweise in der Forschung gibt, ob so eine Spielweise von Bach akzeptiert oder gewünscht wäre (bitte mit Quellenhinweis).

    Kann da jemand etwas beitragen?

    Danke für die ungewöhnliche Interpretation und Gruß
     
  13. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Hallo bachopin und herzlich willkommen im Forum!

    Zum Thema "Bach interpretieren" gibt es bereits einige umfangreiche Diskussions-Threads hier. Als Einstieg schau dir doch mal folgendes an:

    https://www.clavio.de/forum/klavierspielen-klavierueben/2257-wie-viel-agogik-und-rubato.html

    lg
    Haydnspaß
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Nov. 2008
  14. Bachopin
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    Bachopin

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    Hi,

    danke für den Link.

    Ich bin übrigens kein Metronom Fetischist ;-)
    Das ist ein Extrem in die andere Richtung.

    Ausserdem sind meiner Meinung natürlich eigene nicht werktreue Interpretationen immer erlaubt. Erlaubt ist was einem gefällt und die Technik des heutigen Klaviers lässt ja neue (bessere) Interpretationen zu.
    Warum sollte man das nicht tun?

    Gruß
     
  15. gubu
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    gubu Guest

    Das Anhören macht ja wirkllich einen Haydenspaß!!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Nov. 2008
  16. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Zum Glück gibts noch keine Musik-Interpretations-Überwachungspolizei :D

    Aber davon mal abgesehen: ich wüßte jetzt nicht, wieso meine Interpretation nicht "werktreu" sein sollte. In den Noten steht keine Dynamik - darf man deshalb keine Dynamik machen? In den Noten stehen keine Angaben zur Artikulation - darf man deshalb nicht legato (oder nicht staccato, oder nicht was weiß ich) spielen? In den Noten stehen keine Angaben zu Tempoänderungen - darf man deshalb keine machen? Dasselbe gilt übrigens auch für Bachs Solowerke für Violine oder Cello!

    Werktreue ist ein ganz scheinheiliger Begriff!

    Da wird die (lobenswerte!) Skrupelhaftigkeit bei den Notendrucken, dem sogenannten Urtext, unzulässigerweise auf die musikalische Interpretation übertragen. Natürlich dürfen dem Notentext keine Zusätze des Herausgebers hinzugefügt werden, jedenfalls nicht so, daß sie nicht als solche klar vom originalen Notentext unterscheidbar sind. Aber beim Interpetieren müssen sie hinzugefügt werden. Das ist der entscheidende Unterschied!
     
  17. Bachopin
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    Bachopin

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    Hi Haydnspaß,

    übrigens danke für die nette Begrüssung im Forum.

    ja, Richtung Musik-Interpretations-Überwachungspolizei soll es ja nicht gehen.

    Mit der Werktreue, das ist auch ganz schwierig.

    Aus meiner Sicht gibt es dafür die musikwissenschaftliche Forschung.
    Die kann durch gewisse "Beweise" zeigen, dass ein Komponist von dem es keine orginale ausführliche Anweisungen zu einem Stück gibt, das Stück mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Sinne interpretiert (gespielt) haben wollte.

    Es gibt bestimmt genauere Defintionen dazu, da kenn ich mich leider nicht gut genug aus.

    Und du hast absolut Recht, in den Noten steht nie alles, man muss immer auch selbst interpretieren. Bei Bach fehlt oft (immer?) Tempo, Artikulation, Dynamik (wahrscheinlich wg. Cembalo). Das muss man dann selbst interpretieren.

    Für die eignene Interpretation gibt es verschiedene Vorgehensweisen:
    z. B.
    1.) Mein eigener Geschmack ist mir wichtig
    2.) Versuch einer Interpretation im damaligen Sinne
    3.) Interpretation mit Beschränkung (Reduzierung) nur auf die erwiesenen bekannten Mitteln

    etc.

    Wird jetzt ein bischen stark OT, deswegen hör ich lieber auf ;-)

    Gruß
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Nov. 2008
  18. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Daß Bach keine Dynamik notiert, hat mit der fehlenden Dynamik des Cembalos ganz sicher nichts zu tun. Bach schreibt ja auch bei seinen Solowerken für Violine oder Cello nur äußerst selten eine Lautstärkeangabe hin. Und dann nur ganz pauschal f oder p. Das gibt dem Musiker allerdings auch viel mehr gestalterische Freiheit. Er muß allerdings auch wissen (oder intuitiv spüren) wie der Spannungsverlauf und der formale Aufbau einer Komposition ist, was die verschiedenen Charaktere in dem Stück sind etc. Erfordert sehr viel mehr aktives Mitarbeiten des Interpreten als z.B. eine Beethovensonate, wo es eigentlich reicht, wenn man alle Angaben des Komponisten sorgfältig beachtet.

    Und ich denke nicht, daß diese Überlegungen offtopic sind. Schließlich ist das hier ein Interpretations-Workshop :)
     
  19. violapiano
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    violapiano

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    Ich finde, die Interpretation von Haydnspaß ist doch stimmig und wirkungsvoll. Es ist eine Frage des Geschmacks.
    Wer weiß schon wirklich, was werktreu ist?
    Wenn man sich Bachs Orchesterwerke und Chorwerke ansieht, dann gab es dort stets Stellen die in Solobesetzung (oder zum Beispiel nur Streicher) oder in Tuttibesetzung gespielt wurden. Bei den Oratorien dann noch zwischendurch solistische Passagen wie die des Erzählers/Evangelisten, die mit Sicherheit frei gehandhabt und vom Sänger gestaltet wurden.

    Is sofern glaube ich bestimmt, dass man nicht davon ausgehen muss, dass alles in einer Dynamik erwünscht ist. Zumindest wird Bach schon eine Abstufung in der Dynamik gemeint haben.
    Auch die Solosuiten lassen viel gestalterische Freiheiten. Sicher kann man da das eine oder andere Rubato spielen. So wird zumindest eine Solosuite nicht statisch im Tempo wie eine Etüde dahergekommen sein, sondern im Geschmack des Spielers ausgespielt.

    Auch das itatienische Konzert ist doch ein Beispiel dafür.Lest mal hier: http://www.h-eike.net/leBachitalKonzert.htm

    Und außerdem: man stelle sich mal vor, jeder spielte es gleich, wär doch furchtbar langweilig?

    LG
    violapiano

    LG violapiano
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Nov. 2008
  20. ubik
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    ubik

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