Wie viele Stücke habt Ihr im Repertoire ?

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Rubato

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Ich spreche hier mal alle die an, die nicht sehr gute Vom-Blatt-Spieler sind. Also, beim Lernen eines neuen Stücks entwickelt man eine Klangvorstellung, erarbeitet sich die Noten, übt das Stück langsam und taktweise, arbeitet parallel bereits am musikalischen Ausdruck, etc. Um das Stück sicher und im Tempo spielen zu können, ergeht es vielleicht dem einen oder anderen (Hobbyspieler) so wie mir, daß das Stück praktisch auswendig "sitzen" muß, wobei "auswendig" (bei mir) eine schwer zu definierende Kombination aus Klangvorstellung, Fingergedächtnis, Klaviatur-"Griffbild"-Gedächtnis, und nur noch sehr wenig Notengedächtnis ist. Dazu kommt, daß man, um sicher zu sein, auch an vielen (allen) Stellen im Stück jederzeit wieder einsetzen können sollte.

Ganz schön viel, eigentlich. Ich stelle fest, daß bei mir auch derart eingeübte Stücke relativ schnell wieder aus dem Gedächtnis entschwinden, wenn ich sie nicht regelmäßig spiele. Wobei gelegentliches Spielen eigentlich schon gar nicht reicht, weil sich dann mit der Zeit Fehler einschleichen, d.h. man muß schon auch mal wieder den Notentext hinzunehmen und kontrollieren, ob alles noch stimmt bzw. einiges nochmal gerade ziehen. Das kostet Zeit.

Frage: Sehe / mache ich da was falsch, bzw. wie viele Stücke habt Ihr so parallel und spielbar im Repertoire ?

Gruß
Rubato
 
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Du hast gar nicht geagt, wie viele Stücke DU denn parallel im Repertoire hast ;-)

Ich finde, das hängt einfach davon ab, wie viel Zeit man der Repertoirepflege widmet und ob man bestimmte Stücke im Repertoire lassen möchte oder nicht, soweit dieser Anspruch nicht durch begrenzte Übezeit oder Gedächtnisleistung unmöglich wird. Das Gedächtnis funktioniert je nach Training und Veranlagung individuell gut und allgemein so, dass Dinge, die einem wichtig sind, länger haften bleiben, als unwichtiges wie etwa die Frage, was man vor 10 Tagen mittags gegessen hat. Autisten bilden hier natürlich die Ausnahme. Sachen, die man abhakt, vergisst man relativ schnell. Ich habe vier Stücke, die ich, seit ich sie vor vielen Jahren gelernt habe, nicht mehr vergessen habe, weil ich sie immer wieder gespielt habe. Anonsten sind da nur neuere, die ich innerhalb von Monaten nicht mehr auswendig spielen könnte, wenn ich sie nicht bewusst mit der Absicht, sie im Reperoire zu lassen, wiederholen würde. Es gibt einige einfache Rock-Pop-Stücke oder Jazz-Standards, die ich nie auswendig gelernt habe, sondern mit Lead Sheet spiele, wenn sie z. B. bei jam-sessions gespielt werden sollen.

Mein Musiklehrer in der Schule sagte mal, dass ein klassischer Konzertpianist ein Repertoire haben muss, das mindestens 3 Std. füllt. Über Gould schrieb jemand, er habe Stücke unheimlich schnell erarbeitet, worauf seine hohe Zahl von Veröffentlichungen hinweist und dass er z. B. eine einmal gehörte Melodie nie mehr vergaß.

Gruß
Bassplayer
 
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Chrissi

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Ich habe immer so drei bis fünf komplette Weke abrufbar im Repertoire, wobei meine "Repertoirepflege" lediglich aus gelgentlichem Durchspielen in der Ferienzeit besteht. Klar nehme ich dafür auch meine Noten um keine dummen Fehler einzuüben und auch nichts zu übersehen.
Bei mir war es so, dass sich die Fähigkeit Werke im Repertoire zu halten kontinuierlich erweitert hat. Generell übe ich sehr oft mit Noten, muss aber in der Klavierstunde alles auswendig spielen, so dass ich erst alles ganz gründlich Stück für Stück einübe. Bei meinen vorherigen KLn war das nie so konsequent gefordert und die Werke von damals müsste ich etwas länger üben um sie wieder zu beherrschen. Ausnahmen sind Stücke, die ich mal gründlich und auswendig für einen Meisterkurs oder eine Prüfung geübt habe.
Meine Erfahrung vom Geigen ist, dass ich am besten alles von Anfang an auch auswendig lerne. Das scheint erst einmal länger zu dauern, geht aber mit der Zeit immer schneller. Nach Ende meines Studiums war ich in der Lage komplette Konzerte gleich beim Üben auch auswendig zu lernen, ohne dass es wesentlich länger als mit Noten gedauert hätte. Vor zwei Jahren oder so habe ich mich entschieden das auch beim Klavierspielen zu machen. Es hat mich nämlich geärgert, dass manche Stücke nach einem Jahr einfach "weg" waren. "Neu lernen" ging zwar schneller als beim ersten Versuch, aber für mein Gefühl zu lange.
Vor zwei Jahren hätte ich niemals gedacht, dass ich jemals auf dem Klavier so schnell auswendig und später auch abrufbar lernen könnte. Der entscheidende limitierende Faktor ist bei mir eindeutig die Zeit. Mein KL hat das mal in einer Frustphase meinerseits knallhart angesprochen. Ich habe mich geärgert und darüber geschimpft, dass es doch unmöglich und peinlich ist, dass ich ein ganzes Jahr für eine einzige mittelschwere Beethoven Sonate (Pathetique) brauche und ihm dann gesagt, dass ich diese Sonate als zu schwer für meine technischen Möglichkeiten empfinde wenn es so lange dauert um sie zu lernen. Er hat mich daraufhin gefragt wie lange ich denn beim Geigen für eine komplette romant. Sonate bräuchte. Max. zwei Wochen zum Erarbeiten... Und wie lange ich dann dafür üben würde? Jeden Tag etwas eine Stunde pro Satz und alle Sätze natürlich gleichzeitig. Hmmmmm...... Der Rest ist einfache Mathematik. Würde ich jeden Tag vier Stunden Klavier üben, bräuchte ich sicher auch kein Jahr für die Pathetique. Bei 30 Min. und das auch noch im Zweitinstrument wo Technik nicht einfach problemlos abrufbar zu rverfgung steht ist es kein Wunder wenn ansruchsvollere Werke länger dauern.
Ich vermute das ist bei vielen Hobbyklavierspielern ähnlich. Bei einer limitierten Übezeit komme ich nicht so schnell vorwärts, die Technik nicht nicht so sicher wie wenn ich deutlich mehr spielen würde und als Folge davon ist das Repertoire natürlich begrenzt.
 
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sita

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Ich fühle mich einmal angesprochen, weil es mir genau so geht und ich wohl auch auf ähnlichem Level bin. Von selbst bleibt bei mir gar nichts im Gedächtnis. Ich übe meine Repertoire Stücke regelmäßig. Dies geschieht so, dass ich einen Stapel mit Karteikarten habe, auf jeder Karte steht ein Stück. Alle zwei Übetage nehme ich ein Stück oben vom Stapel lege es offen aus. Alle Stücke, welche offen ausliegen, werden an jedem Übetag bearbeitet. Was ich genau mache, kommt drauf an, wie gut es noch läuft. In der Regel verbringe ich vielleicht 10-15 Minuten mit den Stücken. Sobald eines davon wieder gut sitzt, wird es unter den Stapel geschoben. Gut sitzen bedeutet mindestens auswendig, fehlerfrei durchgespielt, und nicht zu viele Unschönheiten. Es ist in der Regel dann nicht im engeren Sinne vorspielreif. Normalerweise habe ich so 1-3 Stücke offen liegen.

Hin und wieder kommt es natürlich vor, das ich ein Stück herunternehme und wirklich gar keine Lust habe, mich mit ihm zu beschäftigen. Dann frage ich mich, ob ich es noch im Repertoire behalten soll. Wenn ich zum Schluss komme, dass ich es nicht weiter pflegen will, dann wird die Karte weggeworfen.

Ich habe einmal gezählt, aktuell habe ich 10 Karten.
 
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Ich finde die Idee mit den Karteikarten interessant. Ich arbeite momentan mit Listen. Irgendwann sind die aber durch Streichungen etc. unübersichtlich und ich denke, auf Karteikarten könnte man noch besser Anmerkungen machen, wie z. B. Tempoangaben, ob man einen bestimmten Begleitrhythmus dazu laufen lässt oder einen einen anderen Klang am Digi wählt (beides trifft bei mir für das Stück Axel F. zu) oder zu einem Jazzstück ein Improvisationskonzept und muss die Noten nicht raussuchen, um so etwas nachzuschauen.
 
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Rubato

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Du hast gar nicht geagt, wie viele Stücke DU denn parallel im Repertoire hast ;-)
Ja stimmt. Schwer zu sagen, hängt natürlich immer von der verfügbaren Zeit und den Stücken selbst ab. Derzeit sind es gerade mal 4 Stücke, zusammengenommen komme ich da auf nicht mehr als vielleicht 15bis 20 Minuten Vorspielzeit. Nach einiger Zeit werfe ich meistens ein oder zwei Stücke raus, und es kommen wieder neue herein.

Schade finde ich, daß trotz der vielen und intensiven Übezeit die Stücke wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Sicher kann man sie schneller wieder erarbeiten als beim ersten Einüben, aber man muß trotzdem genau das tun: erarbeiten :(, eben nicht: einfach mal spielen.

Mir ist das "Patentrezept" nicht klar, mit der Leute, die schon lange (Jahrzehnte) spielen, einfach viele verschiedenste Dinge adhoc spielen können: Entweder wird das Gedächtnis besser (glaube ich nicht :confused:), oder es reicht der Notentext zur Erinnerung und die Gedächtnislücken werden eben "vom Blatt" gefüllt, oder ...

Vielleicht kann ja jemand hier zur Aufklärung beitragen, der in der glücklichen Lage ist, sich "einfach so" ans Klavier zu setzen und verschiedenste Dinge mühelos zu spielen ?

Gruß
Rubato
 
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Chrissi

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Mir ist das "Patentrezept" nicht klar, mit der Leute, die schon lange (Jahrzehnte) spielen, einfach viele verschiedenste Dinge adhoc spielen können: Entweder wird das Gedächtnis besser (glaube ich nicht :confused:), oder es reicht der Notentext zur Erinnerung und die Gedächtnislücken werden eben "vom Blatt" gefüllt, oder ...
Vielleicht kann ja jemand hier zur Aufklärung beitragen, der in der glücklichen Lage ist, sich "einfach so" ans Klavier zu setzen und verschiedenste Dinge mühelos zu spielen?
Ein Patentrezept gibt es sicher nicht. Begabungen können ja auch sehr verschieden liegen. Ich behaupte allerdings auch, dass die Übungszeit ein entscheidender Faktor ist. Zudem glaube ich schon, dass das Gedächtnis besser wird und trainiert werden kann.
Auswendig spielen lernt man dadurch, dass man es regelmäßig macht und nicht nur in Ausnahmesituationen. Bei der Suzuki-Methode ist es selbstverständlich dass alles erst einmal übers Gehör gelernt wird. So lernt man ja auch seine Muttersprache. Suzuki hat das erfolgreich aufs Lernen eines Musikinstrumentes für kleine Kinder übertragen.
Mir hat es sehr geholfen viel auswendig zu spielen. Auch in der Klavierstunde. Anfangs hat es mich bei neueren Stücken oft rausgeschmissen, inzwischen passieren nicht wesentlich mehr Fehler als auch mit Noten passieren würden. Für mich ist es auch hilfreich mich auf die Musik zu konzentrieren und weniger daran zu denken dass ich jetzt auswendig spielen muss. Ich will Musik machen und das geht am besten indem ich einfach spiele und nicht an den Noten "klebe".
Leider gehöre ich immer noch nicht zu denen, die einfach alles mal Gelernte ohne Vorbereitung halbwegs ordentlich auswendig spielen können. Ich hoffe allerdings irgendwann die "10.000 Stunden-Grenze" zu überschreiten... ;)
 
dilettant

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Hallo Rubato,
Vielleicht kann ja jemand hier zur Aufklärung beitragen, der in der glücklichen Lage ist, sich "einfach so" ans Klavier zu setzen und verschiedenste Dinge mühelos zu spielen ?
tja, ich kann das nicht. Mir geht es wie Dir, eingeübte Stücke liegen im "Fingergedächtnis" und die Noten verblassen und mit der Zeit geraten sie in Vergessenheit. Und für mich ist es schwierig, mit dem Zeitumfang eines Amateurs ein größeres Repertoire "warm" zu halten. Man muss anfangs schon regelmäßig das Stück wieder hervorholen, und das geht auf Kosten neuer Stücke. Die Methode mit den Karteikarten werde ich mal ausprobieren, die klingt vielversprechend.

Irgendwo im Chang steht, man solle bis zum Alter von 20 Jahren ein möglichst großes Repertoire aufbauen, weil sich das am besten im Gedächtnis einbrennt. Vielleicht ist das der Trick von Leuten, die sich einfach so ans Klavier setzen. Für mich gilt das auch: Einige Stücke, die ich als Schüler einstudiert habe, haben sich dann doch so tief eingebrannt, dass sie nach fast 30 Jahren noch zu geschätzten 70 Prozent abrufbar sind. Aber die habe ich schon als Jugendlicher über mehrere Jahre als Repertoirestücke gepflegt.

Außerdem vermute ich, dass manche Leute leichter vom Klanggedächtnis auf die richtigen Tasten (oder zumindest eine ausreichende Annäherung) schließen können, als das bei mir der Fall ist. Hier hilft vielleicht ein Training in Improvisiation, um über Gedächtnislücken hinwegspielen zu können. Das ist jedenfalls der Weg, den ich etwas im Auge habe.

Ciao und gute Nacht :-)
- Karsten
 
fisherman

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Ich denke, wir Anfänger müssen uns für einen Weg entscheiden.

Entweder ein Repertoire über stetes Rekapitulieren aufbauen oder aber möglichst viel und möglichst schnell Neues zu lernen. Im letzteren Fall werden sich Technik und v.a. Blattspielfähigkeit verbessern - im ersteren Fall hoffentlich die klangliche Gestaltung. Beiedes zugleich ist leider nicht. Ich habe mich (vorläufig) für Variante 1 entschieden, wobei ich feststellen muss, dass ab 12-14 Stückchen immer mal ein weniger geliebtes rausfliegen muss. Meine Hoffnung ist, diese momentane Schallgrenze ohne Kolateralschäden nach oben zu drücken... ;-)
 
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pianochris66

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Das Sprichwort "Übung macht den Meister" kommt sicherlich nicht von ungefähr. Dennoch glaube ich, dass viele Pianisten, die schon in jungen Jahren ein riesiges Repertoire haben/hatten (z.B.Gould, Horowitz, Rubinstein) über so etwas wie ein fotografisches Gedächtnis verfügen. Anders ist für mich nicht zu erklären, dass z.B. auswendig mitten in einem Stück eingesetzt werden kann. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass man Stücke, die man vor 20 Jahren oder mehr zuletzt gespielt hat, immer noch in den Fingern hat wenn man nach Noten spielt, auswendig gelingt mir dies leider nicht.
Auswendig spielen ist ja im Konzertleben Pflicht wobei der große Svjatoslav Richter, der ja auch über ein riesiges Repertoire verfügte, in den letzten Jahren seiner Karriere nur nach Noten gespielt hat. Er begründete dies mit dem Hinweis auf noch größere Werktreue (ob das die ehrliche Begründung war oder er sich doch nicht mehr so auf sein Gedächtnis verlassen konnte kann man als Aussenstehender nicht beurteilen).
Es gibt bestimmt gewisse Techniken zum Auswendiglernen die mir als Amateur leider unbekannt sind und eine umfassende Kenntnis der Musiktheorie sind wohl auch zwingend erforderlich. Es wäre schön, wenn sich diesbzgl. hier die Profis äußern würden.

Gruß
Christian
 
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Nica

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Mir ist das "Patentrezept" nicht klar, mit der Leute, die schon lange (Jahrzehnte) spielen, einfach viele verschiedenste Dinge adhoc spielen können
Ich bin zwar Anfängerin und gehöre zu denen, die alles wieder vergessen, so dass ich meistens gar nichts spielen kann (das aktuelle Stück übe ich ja erst und die anderen hab ich schon wieder vergessen). Zu diesem Thema fällt mir aber das hier ein:

Im Pianostreet-Forum beschrieb der Nutzer Bernhard öfter die Methode, die er seinen Schülern beibringt. Zur Methode gehört unter anderem ein sehr systematisches Erarbeiten des Stücks. Er schreibt, wenn man ein Stück mit dieser Methode komplett eingeübt hat und es dauerhaft ins Repertoire übernehmen will, dann soll man es 1-2 Monate weglegen und dann erneut erarbeiten, und zwar mit exakt derselben systematischen Methode (die ist zu detailliert, um sie hier aufzuschreiben). Danach wieder weglegen (vermutlich für länger, jedenfalls bis man es einigermaßen vergessen hat) und dann später wieder mit exakt derselben Methode einarbeiten (also ohne Schludrigkeiten ganz genauso gründlich Takt für Takt erarbeiten). Natürlich geht es bei jedem Mal schneller, wichtig ist seiner Beschreibung nach aber, dass man keine Schritte überspringt. Er schreibt, wenn man das drei- bis viermal gemacht hat, sitzt das Stück für die nächsten 30 Jahre.

Ich kann mir vorstellen, dass das stimmt. Die Alternative, die er angibt, ist: Ein Stück 10 Jahre lang alle paar Tage wiederholen. Letztere Methode führt seiner Meinung nach häufig dazu, dass man das Stück nicht mehr leiden kann. Die Vergessen-und-neu-Lernen-Methode führt dazu, dass man während der "Pausen" eine bessere Technik und ein besseres Verständnis entwickelt, so dass man es bei jedem Neu-Lernen deutlich verbessert. Er schreibt, dass seine Methode viel Zeit spart, auch wenn es nicht so wirkt (man vergleiche 10 Jahre ständig spielen mit 3-4 Mal komplett erarbeiten, wobei jedes Mal schneller geht).

Bisher hab ich es noch nicht ausprobiert - unter anderem deshalb, weil ich Stücke nicht mit seiner Methode erarbeite. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch seine Methode, Stücke zu erarbeiten, sehr effizient ist. Ich hab sie aber mal ausprobiert und bin dabei innerhalb kürzester Zeit die Wände hochgegangen. Ich übe nicht gerne mit Struktur - für mich sind Freiheit und Spontaneität beim Üben wichtig. Dass ich dadurch etwas schlechter und langsamer lerne, ist mir egal.

Er hat mal eine Übersicht über eine ganze Reihe Beiträge zusammengestellt, hier der Link zum Stöbern: Piano Forum
 
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Guten Morgen,
Er schreibt, wenn man ein Stück mit dieser Methode komplett eingeübt hat und es dauerhaft ins Repertoire übernehmen will, dann soll man es 1-2 Monate weglegen und dann erneut erarbeiten, und zwar mit exakt derselben systematischen Methode (die ist zu detailliert, um sie hier aufzuschreiben).
Das "Weglegen und wieder aufwärmen" ist glaub ich eine bewährte Methode. Mit den Karteikarten kommt man ja grob auch da hin, wenn man genügend Stücke hat.

(also ohne Schludrigkeiten ganz genauso gründlich Takt für Takt erarbeiten)
Das halte ich für sehr wichtig und es macht den großen Unterschied aus zu "immer wieder mal durchspielen". Bei letzterem schleichen sich Fehler und Ungehauigkeiten ein. Man muss, wenn man das Stück auffrischen will, schon auch mal langsam und nach Noten spielen und kritische Stellen im Detail üben.

Bin mir jetzt gar nicht so sicher, ob diese spezielle Methode dabei so wichtig ist.

Ciao
- Karsten
 
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Das "Weglegen und wieder aufwärmen" ist glaub ich eine bewährte Methode. Mit den Karteikarten kommt man ja grob auch da hin, wenn man genügend Stücke hat.
Die Karteikarten entsprechen wegen ihrer Regelmäßigkeit eher der Methode "10 Jahre lang regelmäßig spielen". Bei der anderen Methode ist es glaub ich wichtig, dass man es zwischendrin wieder weitgehend vergessen hat und tatsächlich neu lernt. Falls ich da falsch liege und man auch mit der Karteikartenmethode nach 3-4 Mal das Stück für lange Jahre komplett beherrscht, korrigiert mich bitte. Kann ich mir aber kaum vorstellen.

Das halte ich für sehr wichtig und es macht den großen Unterschied aus zu "immer wieder mal durchspielen". Bei letzterem schleichen sich Fehler und Ungehauigkeiten ein. Man muss, wenn man das Stück auffrischen will, schon auch mal langsam und nach Noten spielen und kritische Stellen im Detail üben.

Bin mir jetzt gar nicht so sicher, ob diese spezielle Methode dabei so wichtig ist.
Also, so wie ich es verstanden habe, geht es nicht um "auffrischen", und er würde sagen, dass es nicht reicht, "auch mal" langsam zu spielen und kritische Stellen zu üben. Er schreibt, dass es wirklich drauf ankommt, es genauso zu üben wie beim ersten Mal, also wieder viel Hände getrennt, kleine überlappende Abschnitte auswendig usw. (bloß nicht nach Noten ganz durchspielen!) Er hat dort im Forum irgendwo auch mal geschrieben, worauf bei den Wiederholungen besonders zu achten ist. Wer also sowieso gern strukturiert übt (für mich wären schon Karteikarten nichts) und gerne ein größeres Repertoire hätte, kann ja mal dort nachlesen, es lohnt sich bestimmt.
 
Walter

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Hallo Rubato und alle auf diesem Faden Mitlesenden,

die Frage nach dem Repertoire hatten wir schon einmal. - Ich finde den alten Faden nicht, weil es mir zu dumm ist, ihn zu suchen.
Damals war die Frage: was gehört zum Repertoire und was nicht?

Das Repertoire z.B. eines Opernhauses umfasst Opern, die schon einmal gespielt wurden, von denen Bühnenmaterial, Deko, Regieanweisungen usw. vorliegen. Da sind auch Opern dabei, die in der aktuellen Spielzeit nicht auf dem Plan stehen.

Da hattest allerdings die Einschränkung auf die sofort vorspielbaren Stücke vorgenommen.
Da ich bestrebt bin, hier hilfreiche Beiträge zu verfassen, beschränke ich mich hier mit dem Hinweis auf meine Blogeinträge:

Klavier Forum - Walter - Blogs

Hier die Teile "Auswendig lernen" und "Meine Arbeitsweise als Amateurpianist".

Gleichzeitig "vorspielbar" hatte ich schon die Stücke von maximal 2 Klavierabenden. Nach dem Vortrag lasse ich sie immer wieder versinken.

Im Moment bin ich am Vorbereiten eines Klavierabends, evtl. im Frühjahr. Die Stücke konnte ich schon im Sommer des letzten Jahres.
Gleichzeitig ist Moszkowski dran: ein Walzer, zwei Etüden und das Stück "Aus aller Herren Länder: 4. Polen".
Das wird vielleicht übernächstes Jahr zusammen mit 2XScharwenka, Paderewski und natürlich Chopin ein Programm mit Klaviermusik aus Polen.

Irgendwann habe ich mal gezählt: vor Publikum habe ich über 300 Stücke gespielt, kleine und große (ich bin auch schon ein alter Knacker! :D )

Viel Erfolg beim Üben!

Walter

P.s.: das Zusammenstellen und Anordnen von Vorspielstücken zu Gruppen zählt für mich zu den befriedigendsten Momenten des ganzen Klavierspielgeschäfts.
 
Rheinkultur

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Das Repertoire z.B. eines Opernhauses umfasst Opern, die schon einmal gespielt wurden, von denen Bühnenmaterial, Deko, Regieanweisungen usw. vorliegen. Da sind auch Opern dabei, die in der aktuellen Spielzeit nicht auf dem Plan stehen.

Da hattest allerdings die Einschränkung auf die sofort vorspielbaren Stücke vorgenommen.
Wird ein Stück aus dem Repertoire wieder aufgenommen, sind trotzdem zur Auffrischung und Integration neuer Ensemblemitglieder Bühnen-Orchesterproben und weitere Vorbereitungstermine (mit Repetitor) anzusetzen. Sofort vorspielbar oder zeitnah vortragsreif? Die meisten Klavier-, Lieder- und Kammermusikabende sind langfristig terminiert, so dass der Einsatz als Einspringer (z.B. nächste Woche) eher die Ausnahme sein dürfte.

Ein anderes Stichwort wäre allerdings von Interesse, nämlich das auswendige Spiel, das zwar gängige Praxis ist - aber nicht in jedem Falle. Bis ein sicherer notenfreier Vortrag gelingt, ist ein großer Teil der Vorbereitungsarbeit auf das Auswendiglernen an sich ausgerichtet (Auswendiglernen). Diese Zeit steht dann nicht für die Beschäftigung mit weiteren Stücken zur Verfügung. Wenn das Notenmaterial zweckmäßig eingerichtet ist und der auf dem Pult befindliche Notentext den eigentlichen Vortrag nicht beeinträchtigt (z.B. durch Umblätterprobleme), ist gegen das Spiel nach Noten wohl nichts einzuwenden. Auch große Solisten teilten bzw. teilen diese Sichtweise: Swjatoslaw Richter spielt in Ludwigsburg: Einsiedler am Klavier | DIE ZEIT | DIE ZEIT Archiv | Ausgabe 44/1991

Wird das Klavierspiel zum Entertainment, beispielsweise beim professionellen Unterhaltungspianisten ("Barpianist" klingt irgendwie halbseiden/anrüchig), sieht die Sache ganz anders aus: Den Kopf hinter einem hochgeklappten Notenpult verstecken und keinen Kontakt zum Publikum an der Hotelbar, im Restaurant oder wo auch immer zu haben - das geht natürlich gar nicht. Aber an derartigen Orten konzertiert ja auch keiner aufdringlich, sondern vielmehr bringt man sich in akustisch bereichernder Weise in eine angenehme Raumatmosphäre ein, in der sich möglichst jeder wohl und niemand gestört fühlen darf. Völlig souveränes, entspanntes und notenfreies Agieren gehört dort zu den Grundvoraussetzungen - das kann man aber mit der Situation eines Konzertsolisten nicht vergleichen.

Zur Ausgangsfrage: Das auswendig verfügbare Repertoire wird immer viel kleiner sein als das, was man unter Hinzunahme des Notentextes abrufen kann. Wenn ich von mir selbst ausgehe: Im Unterhaltungsbereich komme ich beim Überschlagen auf satte Zahlen im vierstelligen Bereich. Den ganzen Abend noten-, wiederholungsfrei und spontan agieren, auf jede Stimmungslage einfühlsam eingehen - kein Problem und eine spannende Aufgabe. Im klassisch-konzertanten Bereich nehme ich schon einmal die Noten mit auf das Podium und es dürfte niemanden wirklich stören. Freilich konzertiere ich häufiger gemeinsam mit Solisten und Ensembles und spiele Sololiteratur eher mal als Einlage bei einem Chorkonzert, wenn zur Auflockerung ein Solobeitrag am Platze ist. Wenn der Dirigent obendrein auch an den Tasten souverän agiert - das kommt natürlich gut an, ebenso, wenn eine Chorleiterin als Gesangssolistin oder Soloinstrumentalistin brilliert. Wenn zwei oder mehr Chöre gemeinsam auftreten und die musikalischen Leiter treten auch mal als Duo o.ä. auf - das kommt immer wieder vor und bei den Besuchern gut an. Natürlich vergrößert sich durch solche Betätigungsfelder auch die Anzahl der im Repertoire befindlichen Stücke...

meint Rheinkultur
 
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Rubato

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... Zur Ausgangsfrage: Das auswendig verfügbare Repertoire wird immer viel kleiner sein als das, was man unter Hinzunahme des Notentextes abrufen kann. Wenn ich von mir selbst ausgehe: Im Unterhaltungsbereich komme ich beim Überschlagen auf satte Zahlen im vierstelligen Bereich. Den ganzen Abend noten-, wiederholungsfrei und spontan agieren, auf jede Stimmungslage einfühlsam eingehen - kein Problem und eine spannende Aufgabe. ...
Ja, das trifft jetzt am ehesten meine Frage. Daß man als Berufspianist mit einer gewissen Vorbereitungszeit und täglich mehrstündigem Üben ein Konzert perfekt vorbereiten und spielen kann, leuchtet mir ein (und nötigt mir den angemessenen Respekt ab).

Aber wie hält man Stücke "im vierstelligen Bereich" jederzeit vorspielbereit, bzw. wie unterscheidet sich die Art des Gedächtnisses oder des Abrufs in dieser Situation ? Sind die Stücke im Klang- und Fingergedächtnis, oder erscheinen "im Geiste" die Noten und werden "abgespielt", oder ist das Vorspiel eher ein Mix aus Erinnerungsbruchstücken und dazu passenden Improvisationselementen im schnellen Wechsel ?

Gruß
Rubato
 
Rheinkultur

Rheinkultur

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Aber wie hält man Stücke "im vierstelligen Bereich" jederzeit vorspielbereit, bzw. wie unterscheidet sich die Art des Gedächtnisses oder des Abrufs in dieser Situation? Sind die Stücke im Klang- und Fingergedächtnis, oder erscheinen "im Geiste" die Noten und werden "abgespielt", oder ist das Vorspiel eher ein Mix aus Erinnerungsbruchstücken und dazu passenden Improvisationselementen im schnellen Wechsel?
Eher letzteres - und das hängt zusammen mit der zu diesem Anlass obligatorischen Literatur und ihrer Ausführungspraxis. In der Regel ist klassische Sololiteratur nicht gefragt, zumal sie mit ihren dynamischen Kontrasten den Rahmen sprengt. Im Hotelfoyer oder beim Candle-Light-Dinner absolviert man keinen Klavierabend, sondern trägt meist dezent und unaufdringlich Angemessenes aus dem Jazz- und Popularmusik-Bereich vor: Jazz-Standards, Balladen, Bluesiges, softe Popsongs, Film- und Musical-Melodien, Evergreens internationaler Prägung sind angesagt - wenn an der Hotelbar die Stimmung gut ist, darf's auch etwas flotter und/oder rockiger zur Sache gehen, da kann auch schon mal eine Boogie-Einlage angebracht sein. Diese Literatur wird nicht textkonform auswendig gelernt, sondern improvisatorisches Können, Kenntnisse von Jazzharmonik und Beherrschung verschiedener Stilistiken sind erforderlich. Wenn an einem Abend zum dritten Mal "As Time Goes By", "New York, New York" oder "Moon River" von Gästen gewünscht werden, sollte man diese auch dreimal anders spielen können - natürlich in allen Tonarten. Und wer dann noch internationales Publikum mit Klängen aus der Heimat erfreuen möchte, kommt schnell auf tausend und noch viel mehr Titel, wobei das Repertoire ständig aktualisiert werden sollte - selbst aktuelle Titel von Lena Meyer-Landrut oder Adele können in Frage kommen. Von Hans Rahner ist überliefert, dass er auch die neuesten Hits von Whitney Houston und Michael Jackson in den Fingern hatte. Auf Nachfrage pflegte er zu versichern, dass für ihn die Zeit des Zufriedenseins am Piano noch lange nicht gekommen sei - er wolle nicht zum alten Eisen zählen, obwohl er damals bereits weit über neunzig Jahre alt war. Eine imponierende Einstellung - das nenne ich wahre Liebe zum Berufsstand des Pianisten,

meint Rheinkultur
 
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Chrissi

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Der Trick liegt nicht darin, irgendwann die 10.000 Stunden geübt zu haben, sonder diese Grenze in kurzer Zeit, sagen wir in einem Jahr (:D), zu erreichen.
Damit wird es wohl nichts, nicht nur bei mir. Bei einem Jahr müsste man tägl. über 27 Std. üben, in 8 Jahren sind es nur noch 3,4 Std. und in 15 Jahren nur noch 2 Std. täglich. Ich hoffe einfach weiter.... ein paar Tausend Stündchen habe ich immerhin schon zusammen. ;)
Zitat von dilletant:
Irgendwo im Chang steht, man solle bis zum Alter von 20 Jahren ein möglichst großes Repertoire aufbauen, weil sich das am besten im Gedächtnis einbrennt. Vielleicht ist das der Trick von Leuten, die sich einfach so ans Klavier setzen. Für mich gilt das auch: Einige Stücke, die ich als Schüler einstudiert habe, haben sich dann doch so tief eingebrannt, dass sie nach fast 30 Jahren noch zu geschätzten 70 Prozent abrufbar sind. Aber die habe ich schon als Jugendlicher über mehrere Jahre als Repertoirestücke gepflegt.
Da ist sicher was Wahres dran, nur hilft es einem nicht, wenn man eben schon älter als 20 ist...
Ich lerne meine Stücke mit mentalem Üben auswendig. Wenn ich mir ein Stück ganz genau (Klang, wie fühlt es sich beim Spielen an, wie sieht der Notentext aus, welche Bewegung, was erklingt gleichzeitig im Orchester usw.) vorstellen kann und auch jederzeit weiß wie der Fingersatz usw. ist, dann kann ich es sicher auswendig spielen. Das Schöne dabei ist, man braucht kein Instrument, stört keinen und kann dadurch immer und überall üben. Der einzige Haken dabei ist, dass es enorme Konzentration braucht, vor allem wenn z.b. im Zug Sitznachbarn laut telefonieren usw.
Zitat von rubato:
Aber wie hält man Stücke "im vierstelligen Bereich" jederzeit vorspielbereit, bzw. wie unterscheidet sich die Art des Gedächtnisses oder des Abrufs in dieser Situation ? Sind die Stücke im Klang- und Fingergedächtnis, oder erscheinen "im Geiste" die Noten und werden "abgespielt", oder ist das Vorspiel eher ein Mix aus Erinnerungsbruchstücken und dazu passenden Improvisationselementen im schnellen Wechsel ?
Stücke im vierstelligen Bereich habe ich nicht abrufbar, dafür aber immer ein paar komplette Violinkonzerte. Die "Klassiker" eben. Seit Kindertagen zigmal gespielt und geübt, irgendwann kann man sie einfach wie Hänschen klein oder so abrufen. Genauso wie bei Hänschen klein spiele ich sie einfach. Ich kann mir die Noten visuell, inklusive der Eintragungen meiner Profs, die Fingersätze und Bogenstriche aus einem Bewegungsgefühl heraus vorstellen, verlasse mich aber meist im Ernstfall auf die Klangvorstellung. Ich weiß ganz genau wie es klingen soll, schalte alles aus und spiele nur noch. Dabei ist es dann nicht so schlimm wenn der Strich mal falsch herum ankommt, oder der Fingersatz nicht stimmt. Die Finger wissen ganz von alleine wo der gewünschte Ton ist und ich muss mich dann einfach darauf verlassen.
Ich glaube tatsächlich, dass die Übung der entscheidende Faktor ist. Beim KLavier ist bei mir die Verbindung von der Klangvorstellung zu Finger und Tasten usw. nicht so direkt da. Da darf kein Fingersatzfehler passieren oder so. Oft denke ich auch in harmonischen Verbindungen...
 
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