Wie seid Ihr zum Klavierspielen gekommen?

  • Ersteller des Themas Romantikfreak98
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Schon mit 20 fand ich Klavierspieler beneidenswert. Zack, hingesetzt, losgeklimpert und schon waren sie DER Mittelpunkt. Mangels Kohle (zunächst bei den Eltern, dann bei mir) wurde jeder Gedanke daran ad hoc unterdrückt. Später dann lags an der Zeit - somit: aus den Augen, aus dem Sinn.

Tochter Nr. #2 sollte es besser haben. Als sie mit 7 Jahren den großen Wunsch äußerte, wurde flugs ein Klavier gekauft (Yamaha U1, gebraucht aus den 70ern). Natürlich habe ich da im Suff auch mal "improvisiert", aber ansonsten war das Thema überhaupt nicht im Focus. Je mehr sich jedoch das kindliche Tastendrücken in Richtung Musik verlagerte (was so nach 3, 4 Jahren mit dem "Pink Panther" erstmals der Fall war), desto häufiger hörte man mich seufzen: "Ach hätte ich... usw." Pures Gelaber, denn ich hatte ja keinesfalls die Zeit "für sowas".

Meiner Frau schien aber ein klavierspielender Ehemann auch "sexy & erstrebenswert" zu sein, denn beim nächsten Geburtstag war unter den Geschenken auch ein kleiner Bleistiftspitzer in Flügelform. Nun mag ein Bleistiftspitzer für einen Designer ja durchaus ein Geschenk sein, aber doch bitte nicht so ein Plastik-China-Hobel ;-). Doch innen drinnen lag noch was: Ein Gutschein für ein Jahr Klavierunterricht. "Was, um Himmels willen, ich hab doch keine Zeit!". "Probiers einfach mal aus, ich kann das jederzeit canceln und bekomme auch das Geld zurück", grinste meine Frau.

Keine Chance also, dem zu entkommen, ohne die noble Schenkerin zu beleidigen. Was soll ich sagen? Nach der ersten Stunde war ich "angefixt" - nach einem halben Jahr musste das treue U1 weichen und ein neues Altherrenspielzeug kam unter heftigstem Tochterprotest ins Haus. Eine rothaarige, wilde Hexe, die ich unentwegt streicheln musste. Meine Frau hat milde gelächelt, innerlich gegrinst und sich selbst auf die Schulter geklopft, ihren Ollen solchermaßen von gefährlicheren Altherrenverrücktheiten (Motorräder! Fallschirme!! Boote!!! Frauen!!!!) ferngehalten zu haben.

Den Rest kennt Ihr.
 
Das ist übrigens endlich mal eine schöne Umfrage !!! :p


Als ich 7 war sollten meine Schwester und ich anfangen ein Instrument zu lernen. Meine Schwester wusste genau, dass sie Geige spielen wollte. Ich hatte bis dahin keine Präferenzen. Ein Klavier war vorhanden, meine Mutter spielte hier und da, meine Oma konnte es auch ein wenig. "Na, kleiner TJ, wäre das Klavier nichts für Dich?"

(Wenn das Klavier schon da steht, solls doch am besten auch genutzt werden. Ein einziges zusätzliches Instrument zu leihen und später vielleicht zu kaufen sollte doch reichen... So ungefähr werden meine Eltern gedacht haben und haben mich deshalb sanft in Richtung Klavier manipuliert)

"Och ja!", habe ich gesagt, und damit wars passiert. Die ersten Jahre waren hart, ich habe oft beim Üben Wutanfälle bekommen, geheult, wenns nicht geklappt hat, wollte aufhören. Meine Eltern (beide Lehrer an bürgerlichen Kleinstadtschulen) haben immer wieder gesagt: Bis Ostern, Weihnachten, bis Du 10 bist (oder so) machst Du weiter, und wenn es Dir bis dahin ganz und gar keinen Spass gemacht hat, dann hörste halt auf (wobei in den letzten Halbsatz immer schon der dann drohende Liebesentzug rethorisch eingebaut war, soweit ich mich erinnere). Über weite Strecken habe ich es gehasst, aber ich fand es immer schon geil, wenn ich ein Stück dann drauf hatte und es "vom Stapel lassen" konnte.

Irgendwann fing das dann an, dass die klavierspielenden Kinder sich auf Feiern wo ein Klavier stand oder in der Schule am Schul-Flügel bei Gelegenheit zusammenrotteten und jeder das abdrückte, was er gerade konnte. Da war ich dann immer ganz gut dabei und wurde bewundert, so habe ich langsam doch Blut geleckt und immer mehr Spass daran gefunden. Dann kam JuMu (Achtungserfolg, aber nicht der große Durchbruch) und zwei Lehrerwechsel. Außerdem neue Motivation durch Pop-/Rock/-Jazz. Vor allem Jazz! Als ich zum ersten mal eine Oscar Peterson Aufnahme hörte, tat sich der Himmel auf. Aber damals war ich noch nicht so weit mich in diese Richtung zu orientieren, das sollte dann erst viel später kommen.

Ich hing in meiner Jugend überwiegend mit Nachwuchs-Hippies rum, da wurde auf Parties geklampft und gesungen und wenn ein Klavier rumstand hab ich es singend und klimpernd belagert. Dann Musik-Abi. In den Jahren davor habe ich den Großteil meiner Freizeit der Musik geopfert (Klavier, Band, Gitarre, Chor), allerdings ohne das als Opfer zu empfinden. Trotzdem war mir klar, dass ich danach von zuhause ausziehend und studierend erstmal anderen Reizen, die das Leben so bietet, Priorität geben würde. Habe ich auch gemacht... Es folgten ein paar Jahre Pause, dann wieder Keyboard in Rockbands und vor 5 Jahren habe ich wieder systematisch angefangen mit fast täglichem Üben. Klassik spiele ich nur noch wenig und fast nichts neues, dafür habe ich mich jetzt endlich dem Jazz verschrieben, den ich seither irgendwie als Lebensaufgabe betrachte.

Richtig aufgehört habe ich in den mittlerweile 30 Jahren eigentlich nie, ich hatte in meinen Buden immer mindestens ein E-Piano stehen, hatte fast durchgehend irgendwelche Band-Projekte laufen und seit den erwähnten 5 Jahren bin ich in einem Maße wieder "dabei", das mich extrem befriedigt und mir den perfekten Ausgleich zur Arbeit bietet. So kann's bleiben! :cool:

Vor 2 Jahren kam das erste Kind, da dachte ich, das würde es erstmal wieder gewesen sein. Es geht aber munter weiter... :p
 
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Schon mit 20 fand ich Klavierspieler beneidenswert. Zack, hingesetzt, losgeklimpert und schon waren sie DER Mittelpunkt. Mangels Kohle (zunächst bei den Eltern, dann bei mir) wurde jeder Gedanke daran ad hoc unterdrückt. Später dann lags an der Zeit - somit: aus den Augen, aus dem Sinn.

Tochter Nr. #2 sollte es besser haben. Als sie mit 7 Jahren den großen Wunsch äußerte, wurde flugs ein Klavier gekauft (Yamaha U1, gebraucht aus den 70ern). Natürlich habe ich da im Suff auch mal "improvisiert", aber ansonsten war das Thema überhaupt nicht im Focus. Je mehr sich jedoch das kindliche Tastendrücken in Richtung Musik verlagerte (was so nach 3, 4 Jahren mit dem "Pink Panther" erstmals der Fall war), desto häufiger hörte man mich seufzen: "Ach hätte ich... usw." Pures Gelaber, denn ich hatte ja keinesfalls die Zeit "für sowas".

Meiner Frau schien aber ein klavierspielender Ehemann auch "sexy & erstrebenswert" zu sein, denn beim nächsten Geburtstag war unter den Geschenken auch ein kleiner Bleistiftspitzer in Flügelform. Nun mag ein Bleistiftspitzer für einen Designer ja durchaus ein Geschenk sein, aber doch bitte nicht so ein Plastik-China-Hobel ;-). Doch innen drinnen lag noch was: Ein Gutschein für ein Jahr Klavierunterricht. "Was, um Himmels willen, ich hab doch keine Zeit!". "Probiers einfach mal aus, ich kann das jederzeit canceln und bekomme auch das Geld zurück", grinste meine Frau.

Keine Chance also, dem zu entkommen, ohne die noble Schenkerin zu beleidigen. Was soll ich sagen? Nach der ersten Stunde war ich "angefixt" - nach einem halben Jahr musste das treue U1 weichen und ein neues Altherrenspielzeug kam unter heftigstem Tochterprotest ins Haus. Eine rothaarige, wilde Hexe, die ich unentwegt streicheln musste. Meine Frau hat milde gelächelt, innerlich gegrinst und sich selbst auf die Schulter geklopft, ihren Ollen solchermaßen von gefährlicheren Altherrenverrücktheiten (Motorräder! Fallschirme!! Boote!!! Frauen!!!!) ferngehalten zu haben.

Den Rest kennt Ihr.

" gefährlicheren Altherrenverrücktheiten !" Fallschirme !
 
Destenay, Du glaubst gar nicht, wieviele Freunde/Bekannte von mir mit 50 anfingen, Fallschirm zu springen und/oder so Gleitdingsbummszeugs zu machen. Nein, nicht das, was Du jetzt wieder meinst ;-). Übrigens: Ich habe natürlich das Zureiten wilder Hengste vergessen. Auch sehr beliebt.
 
Tja, meine Eltern dachten sich irgendwann, ich müsse wohl musikalisch sein, weil ich morgens auf dem Weg zum Klo immer die Tonleiter sang... Auf dem Hinweg die Leiter rauf, auf dem Rückweg die Leiter runter... :)

Sie versuchten es mit "musikalischer Früherziehung", was für mich aber eine üble Zwangsveranstaltung war.
Als ich sieben war, wurde ein altes Klavier angeschafft, und ich zu einer fast noch älteren Dame geschickt, die sich jahrelang an meiner Faulheit abmühte...
So ein bisschen Ehrgeiz entwickelte ich erst mit Anfang 20.

Es grüßt
Die Drahtkommode
 
Einen echten Grund, mit dem Klavierspiel anzufangen, gab es eigentlich gar nicht.

Zwar hatte sich meine Mutter im Laufe der Zeit selbst etwas Klavierspiel beigebracht,
aber das war vollkommen uninteressant für mich.

Im Alter von ca.18 Jahren verschob sich der Musikgeschmack in Richtung "ernsthafterer"
Musik, und ich kam auf die Idee: Probier das doch mal selbst, kann nicht so schwer sein.

Das (nur klavierähnliche) Instrument meiner Mutter war inzwischen für mich verfügbar.
Als ich dann Geld verdiente, kaufte ich mir ein echtes Klavier, und klavierte so
vor mich hin.
Im Rückblick: Glenn Gould auf WDR3 hatte deutliche Mitschuld !

Dann kamen Familie und Kinder, und die Musik fiel hinten runter; schließlich
wollte ich auch noch Schach spielen und Motorrad fahren.....

Über die Jahre hat sich mein Musikgeschmack etwas normalisiert.
Ausgangspunkt war: Alles nach Bach ist Schund!
Na gut, Beethoven...
Später merkte ich, daß doch nicht _alles_ nach Bach Schund ist,
und daß andererseits die Erfindung der Schrottmusik deutlich _vor_ Bach datiert.

Vor 3 Jahren dann stellte ich überrascht fest, daß ich doch eigentlich auch
wieder mit dem Klavier anfangen könnte; die Zeit wäre mit dem Abbau familiärer
Verpflichtungen inzwischen wieder verfügbar.
Die o.g. Bewußtseinserweiterung und ein Klavierupgrade trugen zum Erfolg bei.

Und jetzt auch noch Clavio.

Gruß
thmek
 
Ich wollte als Kind immer Ballerina werden .Meine Mutter total amusisch mein Vater hatte mal Geige gespielt .In den 50igern war aber die Lebenserhaltung nach Flucht
und wieder Aufbau wichtiger .
Irgendwann bekam ich von jemanden , ich weiss nicht mehr von wem,ein elektrisches "Tischklavier"mit ich glaube 2 Oktaven . Da habe ich bis ich 28 J alt war immer drauf rumgeklimpert . Meine Mutter hat das bemerkt und eines Tages ging sie mit mir in ein Klaviergeschäft. Ich durfte mir ein Klavier aussuchen . Nicht zu teuer !
Also suchte ich mir ein Geyer Klavier aus . Und nahm dann 2 Jahre richtigen Klavierunterricht . Dann starb mein Kl. Ich konnte von da an nicht mehr ans Klavier gehen .
Es stand in unserem Wohnzimmer ( inzw.verheiratet ) und es schaute mich tgl.an Erst als meine Kinder da waren und diese Blockflöte spielten , hab ich mich zu Weihnachten mal wieder dran gesetzt und mit den Kindern Weihnachtsmusik gemacht . Dann wurden die Kinder grösser und hatten aufs Flöten auch keine Lust mehr . Also verwaiste das arme Geyer wieder.
Dann kam meine Enkelin auf die Welt. Als diese 5 oder 6 war wollte sie unbedingt Klavier lernen weil sie als Kleinkind immer auf meinem Klavier rumgeklimpert hatte Sie hatte dann 2 Jahre Unterricht bei einer Lehrerin , die ihr aber dann nicht mehr genug beibringen konnte . Nach ihrer Meinung . Nun haben wir einen KL gesucht ,möglichst nahe am Wohnort , der ins Haus kam .
Na ,dann kamen die Sommerferien , Enkelin im Urlaub .Also nahm Oma die Stunden für sie , nur mal so !
Ja und Oma hatte die Droge Klavier geschluckt mit samt Klavierlehrer .Das ist jetzt fast 3 Jahre her . Süchtig bin ich immer noch ! Meinen KL verehre ich und werde
das Klavierspielen nie mehr aufhören . Auch wenn es viel Zeit kostet und Stücke lernen lange dauert bis es heilwegs klappt bin ich ,wenn ich am Klavier sitze der glücklichste Mensch auf dieser Welt .Das Gefühl kann ich nicht beschreiben , was ich dabei empfinde . Einfach nur Glück ! Meine Enkelin hat sich dann mehr den Pferden zugewandt und hat keine grossen Ambitionen mehr fürs Klavier .Schade !
Und so bin ich nun endgültig richtig zum Klavierspiel gekommen .

Nun habe ich mir noch ein neues Klavier voriges Jahr zugelegt .Hab auch schon mal mit einem Flügel geliebäugelt .Aber ich glaube ich sollte sehr mit meinem Yamaha
zufrieden sein , das nach der Stimmung von unserem lieben Micha , klingt, wieGlockenklang .
Ja so bin ich endlich angekommen mit dem Wunsch ein Instrument zu lernen oder Ballett zu tanzen ( was ich mit 28 J .auch gemacht habe , Es gab eine klassische Ballettschule für Erwachsene )Ich bin sehr glücklich darüber ,wenn auch spät ,Klavierspielen zu dürfen.
 
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Als ich etwa acht Jahre alt war, kam ich eines Tages nach Hause. Da stand ein großes, braunes Klavier - Fritz Ohm, Braunschweig - im Flur und am nächsten Tag stand auch noch Fräulein Hofmeister im Flur. Das war die Klavierlehrerin.

CW
 
Als ich 14 war, wollte ich mit 2 Freunden eine Band gründen. Leider spielte keiner von uns ein Instrument. Wir hatten dann zusammen einen Termin bei einem coolen Gitarrenlehrer. Als wir unser Anliegen vortrugen schlug er vor, dass einer Gitarre und einer Bass lernt (beides bei ihm) und der dritte besser Klavier. Der dritte war ich.

Übrigens: ich lese hier öfters, dass früher oft mit Akkordeon "gedroht" wurde. Was habt ihr alle gegen Akkordeon? Ich fand es früher auch total uncool und unsexy, aber seit einigen Jahren spiele ich es selber. Klasse, macht Spaß. Und bitte nichts gegen Gleitdingsbumszeugs, das fliege ich nämlich auch sehr gerne.
 
Meine eltern und beide Familien sind sehr sehr musikbegeistert, meine Eltern haben sich auch hierüber kennengelernt, beide haben sie früher Klavier gespielt (mehr schlecht als recht). Mein Vater hatte aus Studienzeiten ein Schimmel-Klavier, das ich als 2-jähriger schon benutzt habe. Zudem konnte ich wohl schon damals all meine Schallplatten auseinander halten (jetzt weiss ich, warum ich zwischenzeitlich mehr als 4.000,- € gehortet habe ;) )... ich wollte immer Klavier spielen aber sie sagten mir, ich sei noch zu klein... erst ging es in die Früherziehung, die ich schrecklich langweilig fand... ich wollte Klavier spielen... dann haben sie irgendwann nachgegeben und im biblischen Alter von 4 1/2 Jahren durfte ich dann endlich :)
 

Tja. N Kumpel sagte mal zu mir, du ich hab hier son Keyboard rumliegen. Willst du das haben, umsonst? Sonst schmeiss ich das weg.
Klar, gib mal her!
So fing alles an.
 
Als Kind immer die Verwandten in Soest und am Möhnesee besucht. Von der Oma schmaler Rente immer Kirmesgeld bekommen, einen Heiermann, Fünfer. Mit sieben oder acht Jahren dann diesen Oma-Fünfer mitsamt paar gesparter Taschengeldgroschen bei Spielwaren Hochherz in Soest am Potsdamer Platz in eine Hohner Melodica investiert. Oma freute sich. Mein erstes Musikinstrument kaufte ich mir also selber. Das war als Stöpsel mein eigener Plan. Die Ellies wussten von nixx. Ich hab das einfach getan…

Mit zehn ins Gymnasium. Der Musiklehrer dort keulte Nachwuchs fürs Schulorchester. Klavier? Zu teuer, und spielte der Lehrer selber: Also Violine. Von 11 bis 17 Violinenunterricht bekommen, bei einem Mann, dessen Begabung ich erst heute so richtig schätzenlernte: ein Genius der Musik. Einer dieser wenigen und sehr verdienstvollen Menschen, die „dedicated“ sind – die das Leuchten der Liebe und totalen Identifikation in ihren Augen haben und teils weiterzugeben befähigt waren. Somit hier auch mal eine späte Eloge auf Hans Pluta, Konzertmeister und Erster Geiger an den Städtischen Bühnen Oberhausen. Der auch mal aus Italien mit einer Guarneri heimkam, 32.000 DM, damals das halbe Geld für ein Haus. Wahnsinnig toll, dieses feine Stück Klangholz…

Dann ein denkwürdiger Nachmittag, Schularbeiten beim Klassenkameraden Klaus aus Essen-Geschede… Er: „Du, heute können wir nicht so lange machen.“ Ich:“ Wieso?“ Er: Da kommen gleich welche, die bringen uns das neue Klavier. Ich: was macht ihr mit dem alten? Er: Keine Ahnung, das nehmen die mit. Ich: ich bleib hier und frage die.

Dann kamen sie, ein nagelneues schwarzes hohes Klaver, das kleine braune nahmen sie auf den Wagen. Ich zum Vorarbeiter: Was machen Sie mit dem alten Klavier? Er: keine Ahnung, das schmeißt der Chef wohl weg. Ich: Hätten Sie was dagegen, das Klavier gleich 4 Kilometer weiter abzuladen? Er: Kein Ding, das machen wir.

Da kam der Sohn zurück, wie erwartet. Brachte aber gleich mal ein Klavier mit – was dann –peinlich, peinlich - nichtmal durchs enge Treppenhaus passte. Zum Glück ließ sich der Spieltisch abschrauben. So zerlegten mein Papa und ich das angelieferte Klavier, der Rahmen blieb eine Nacht lang im „Affenkäfig“, dem Vorbau stehen.

Anderentags, samstags, stell ich mir meinen Papa vor, großes Frühstück mit den Meisterkollegen in der Druckerei…

Er: Wisst ihr, was mein Jaust gestern machte? Kam der doch mit einem Klavier an…

<großesmeistergegröhle>…

Er: und das schärfste: das passte nichtmal im Treppenhaus rauf…

<nochgrößeres meistergegröhle>

Er: das passt jetzt, hab ich zerlegt. Kommt einer mit, den Rest raufholen? Gibt auch eine Platte Streuselkuchen und Kiste Bier.

Meisterkollegen: Au jaa, Bännatt, datt kuckn wir uns gezz ma an, wat da deinen Jaust verbrochen hat.

Um eins war Feierabend. Rheinischwestfälische Kleintransporte: vier Mann vier Ecken. Drei Minuten später, wupp, war das Klavier oben. Die Herren ließen es sich dann bei Kaffee und Kuchen wohlsein. Kiste Bier eben mal leergezogen. Als sie dann fröhlich abzogen, verabschiedete ich sie mit dem Flohwalzer. Das Klavier spielte schon wieder.

Noch 18 Monate Klavierunterricht weiter bei Hans Pluta. Dann 25 Jahre autodidaktischen Ragtime. Eines Tages Schwagers Klavier geerbt, Profi, Orgel, Folkwang. Er spielte gelegentlich noch auf seinem alten Klavier Chopin: wunderbar, aber für mich unerreichbar.

25 jahre später, auf Schwagers Klavier Noten. Sehen beherrschbar aus, Befingert. Ah, ein Walzer, ok, Das geht. Irgendwann mal den Band umgedreht, geguckt, was das denn überhaupt war… Walzer, Edition Henle, ….

CHOPIN…

Ich hab beinah einen Herzinfarkt gehabt, bin fast vor Glück vom Hocker gefallen: ICH spiele Chopin…

25 Jahre Ragtimes befingert zu haben als Autodidakt brachte mich heran an die Befähigung, kleine Sachen von Chopin machen zu dürfen – nee was für ein Glück. Anderen Tags sofort den Henle-Band selber gekauft.

Chopins Nocturnes. Das ist es. Die feinste, innigste, gerade für den doppeltlinkswurstfingrigen Amateur so eben noch machbare, dennoch sehr tricky, clever gemachte Musik.

Die Dedication hat bis heute angehalten. Ich hoffe mitunter, dass man auch in meinen Augen das Glück, den Glanz sehen möge, wenn mir die Musik das Leben unendlich bereicherte.
 
Mensch, das sind ja richtige Lebensschicksale, die das Klavier da verursacht hat !

Danke, dass IHr so offen aus Eurem Leben erzählt habt!

Ich hatte sehr viel Trubel in den letzten Tagen und war eine Woche nicht im Forum.

Bei mir war es so: Meine Mutter hat mir den ersten Klavierunterricht gegeben, als ich ca. 8 Jahre
alt war. Da sie bei weitem keine Pädagogin ist, hat sie den Unterricht schnell wieder aufgegeben,
als sie feststellte, dass ich kein Wunderkind bin. Ich meinerseits hatte jedoch Feuer gefangen und
habe dann für mich weitergespielt und sozusagen mich autodidaktisch fortbewegt (auf den Tasten).
Später als Jugendlicher hatte ich nochmal kurz Unterricht in der Jugendmusikschule - hat nicht
all zu viel gebracht.

Als ich dann mit dem Musikwissenschaftsstudium begonnen habe, haben die Kenntnisse, die ich
dort errungen habe, auch auf das Klavierspielen abgefärbt. Später hat meine Teilnahme in unserem
fantastischen Kirchenchor (ev) dann noch mal sehr "musikalische" Auswirkungen auf mein Klavier-
spiel gehabt.

soweit Gruß Romantikfreak
 
Bekannte meiner Eltern hatten ein Klavier im Zimmer ihres Sohnes stehen und immer wenn ich mitdurfte (es war nicht allzu oft), war ich nicht von diesem faszinierenden Klimperkasten wegzubekommen. Ich dachte mir Geschichten aus, die ich in Klänge umsetzte, z.B. eine Wanderung durch den Urwald mit Regenfällen, Gewitter, Vogelgesang, schwerem Boden... Dabei soll ich auch schon richtige Melodien gespielt haben und eines Tages empfahlen die Bekannten, die professionelle Musiker waren, meinen Eltern, mir Klavierunterricht geben zu lassen. Ich war zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre alt.

Leider hatte meine Mutter keine Lust auf stundenlanges, tägliches Geklimper. So bekam ich nur einen Flügel in Puppenhausgröße, der zwar funktionierte, aber natürlich nicht zum Klavierlernen geeignet war.

Ich musste bis zu meinem 13. Weihnachten warten bis ich nach langem Betteln endlich ein "Instrument" bekam, das wenigstens normal große Tasten besaß. Sie hatten es ausgewählt, weil man daran Kopfhörer anschließen konnte, die Umwelt also nicht mit unerträglichen Geräuschen verseuchte.:twisted: Hier ein Bild:

images


Dazu gab es ein paar Notenhefte mit leichten Stücken sowie die ersten zwei Bände einer Klavierschule, die ich autodidaktisch durchgearbeitet habe, obwohl ich die Hälfte der Stücke nur in der Luft spielen konnte, da man mit 2 Oktaven nicht sehr weit kommt. Die Bassknöpfe haben mich nie interessiert. Immerhin habe ich in den ca. 2 Jahren, in denen ich das Harmonium ertragen konnte, Noten lesen gelernt - auch den Bassschlüssel.

Nach einer langen Pause habe ich mir mit 31 Jahren eines der ersten Digis gekauft, das auf den Markt kam. Mit diesem "Casio-Piano" befriedigte ich zunächst meine Neugierde auf Klaviermusik, indem ich mir aus der Musikbibliothek alle vier Wochen neue Notenhefte auslieh und 'runterspielte, was sich ohne Unterricht und Üben einigermaßen erkennbar spielen ließ. Mehr als 2 Vorzeichen durften nicht dabei sein.

Nach Umzug in eine Eigentumswohnung bot mir dann eine Freundin ihr altes akustisches Klavier zu einem geringen Preis an und ich konnte nicht widerstehen. Kurz darauf folgten die Anmeldung bei Clavio und mit dem wenige Monate später begonnenen Klavierunterricht auch regelmäßiges Üben. Mittlerweile mag ich überhaupt nicht mehr nach Noten spielen, lerne alle Stücke auswendig.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Mein Vater hat eine umfassende Klavierausbildung genossen mit Privatlehrer und extra angefertigtem Flügel (passend zur Einrichtung des Hauses seiner Eltern). Er hat sich dann für ein Medizinstudium entschieden. (schockierend für die Eltern :D)

Ich bin durch sein Klavierspiel in meiner Kindheit zur Musik gekommen. Blues und Mozart, beides war dabei. Was ich von ihm gelernt habe ist, dass Klaviermusik nur dann Glück bedeutet, wenn man sie lernt weil man sie liebt. Nicht, weil es von anderen gewünscht wird.

Aber leider hab ich mich aus dieser Geschichte heraus erst seit kurzem mit der suche nach einem professionellen Lehrer gemacht, weshalb mir jetzt ein wenig die Zeit verloren gegangen ist :) was solls - ich liebe mein geklimper, es macht mich froh.
 
Meine Mutter (Jahrgang 1920) war sportlich und wollte in der Jugend Handball spielen. Dies wurde ihr von Ihren Eltern verboten, stattdessen musste sie Klavier lernen. Das war für sie so traumatisch, dass sie bis ins hohe Alter nachts schreiend aus Klavieralpträumen, oft in Kombination mit Kriegsalpträumen, erwachte.

Sie schwor daraufhin, dass ihre Kinder niemals ein solches Leid erfahren sollten.

Ich war unsportlich, trommelte auf allem, was Klang erzeugte, aber meine Mutter meldete mich gnadenlos zum Handball an.
Ich wehrte mich mit Händen und Füßen, kam heulend vom Training nach Hause. Meine sportlichen Eltern ignorierten das, ebenso wie meinen Wunsch nach Musikunterricht, für den kein Geld dagewesen wäre.
Das war traumatisch; Ballsport-Alpträume verfolgen mich noch heute.

Trotz „Musikverbot“ spielte ich, anfangs ohne Wissen der Eltern Schlagzeug, später Gitarre/Bass in einer Schulband.
Klavier blieb mein unerfüllter Traum.

Endlich volljährig, fehlte es während des Studiums an Zeit und Geld für Klavierunterricht.
Später in Arbeit, hatte ich Geld - und vor allem Zeit - im Überfluss, …. aber ich fühlte mich zu alt, um mit 25 Jahren noch Unterricht zu nehmen.

Ich habe dann 30 Jahre Zeit gebraucht um endlich Mut zu fassen.

…. Mit Glück bleiben mir noch weitere 30 Jahre....

Es ist nie zu spät.

Lieber Gruß, NewOldie
 
Hi NewOldie,
das ist ja eine spannende Geschichte! Hätte ich nicht gedacht, dass man gegen soviele Widerstände ankämpfen muss, um zum Klavierspielen zu kommen. Mutmaßlich bist Du jetzt 55 Jahre alt, dann lege mal los! Ich hingegen muss gegen die Zeit ankämpfen, um mir Freiraum zum Spielen zu schaffen.

Viel Glück!
Tom
 
Hi NewOldie,
das ist ja eine spannende Geschichte! Hätte ich nicht gedacht, dass man gegen soviele Widerstände ankämpfen muss, um zum Klavierspielen zu kommen. Mutmaßlich bist Du jetzt 55 Jahre alt, dann lege mal los! Ich hingegen muss gegen die Zeit ankämpfen, um mir Freiraum zum Spielen zu schaffen.

Viel Glück!
Tom


danke Tom,

viele externe Widerstände waren das eigentlich nicht. Die längste Zeit habe ich selbst den Hintern nicht hochbekommen.
Ich fürchte sogar, dass ich bei falscher musikalischer Frühförderung=Zwangssteuerung die Lust an der Musik verloren hätte.
Knappe Ressourcen (Zeit) sind insofern nicht schlecht, weil man dann ihren Wert erst zu schätzen lernt und feierlich damit umgeht.
Insofern bergen sie mehr Potenzial, als der Überfluss.

... ich wünsch dir eine feierliche Überzeit.

Lieber Gruß, NewOldie
 
Ich bin durch meinen Bruder ans Keyboard Spielen gekommen und Später versuchte ich es am Klavier was mir erst lange Zeit immer schwer fiel,weil ich nur Kleintastatur PSS gewohnt war. Doch nun seit dem ich das Klavier Spielen entdeckte fasse ich mein Keyboard NICHT mehr an. LG

/Akribius:coolguy:
 

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