Wie schwer sollten die Stücke sein, die man übt?

Wenn man nicht in der Lage ist, sie zu spielen, dann sind sie "schwierig".
oder frei nach Nathan Milstein: "Entweder kannst du spielen oder nicht..."

Spaß beiseite: Immer wenn diese Frage aufkommt frage ich mich "Was heißt schwierig ?". Auch manuell einfache Stücke können sehr schwierig sein, oft werden gerade diese sogar schwieriger je länger man dran übt, weil man viel mehr eigene Kapazität hat auf die Musik zu achten, als wenn man dauernd am persönlichen technischen Anschlag herumwerkelt.

Trotzdem finde ich, man muss sich nach der Decke strecken, wenn man weiterkommen will. Wenn ich meine Liste der (wg. technischer Unfähigkeit/Mängel) nicht gut gespielten Stücke anschaue, ist die zwar lang, aber gelernt habe ich an jedem einzelnen etwas.
 
Eben noch eine kleine Klugscheisserei: Wie @hasenbein in einem früheren Beitrag sinngemäß erwähnte:
Schwer sind Stücke nur, wenn sie in dicken Sammelbänden notiert sind.
Wenn man nicht in der Lage ist, sie zu spielen, dann sind sie "schwierig".
Mich hat mal vor Jahren eine Schülerin darauf aufmerksam gemacht.
So lernt man auch von Schülern...
Klgscheissermodus aus.
Der Einwand widerspricht den Ausführungen im Duden. Der Duden sieht für "schwer" unter Punkt 2.b) auch eine Bedeutung im Sinne von "schwierig" bzw. "einen hohen Schwierigkeitsgrad aufweisend" vor.
schwer
 
Wenn man nicht in der Lage ist, sie zu spielen, dann sind sie zu schwierig.
Und wenn man nur NOCH nicht in der Lage ist, sie zu spielen und nach einem gewissen Übeaufwand geht es?

Der Einwand widerspricht den Ausführungen im Duden. Der Duden sieht für "schwer" unter Punkt 2.b) auch eine Bedeutung im Sinne von "schwierig" bzw. "einen hohen Schwierigkeitsgrad aufweisend" vor.
Ja und nein. Der Duden sieht schwer in erster Linie bzgl. Gewicht und vor allem übernimmt er auch die Bedeutungen aus dem schlampigen Sprachgebrauch. Es ist jedenfalls eine schönere Ausdrucksweise, wenn man schwer für gewichtsbezogen und schwierig für kompliziert verwendet.
 
Ja und nein. Der Duden sieht schwer in erster Linie bzgl. Gewicht und vor allem übernimmt er auch die Bedeutungen aus dem schlampigen Sprachgebrauch. Es ist jedenfalls eine schönere Ausdrucksweise, wenn man schwer für gewichtsbezogen und schwierig für kompliziert verwendet.
Dass "schwierig" die schönere Ausdrucksweise ist, finde ich auch. Ich bin kein Sprachwissenschaftler und weiß nicht, ob die weitere Bedeutung von "schwer" im Sinne von "schwierig" korrekt, nur umgangssprachlich oder sogar falsch ist und wollte nur darauf hinweisen, dass die Bedeutung im Duden enthalten ist.

Das von dir verwendete "schlampig" ist lt. Duden übrigens auch eine nur umgangssprachliche Verwendung und anders als bei "schwer" im Sinne von "schwierig" sogar als solche gekennzeichnet. Analog müsste deine Aussage also ebenfalls die Reaktion einer Korrektur hervorrufen. Ich würde aber allenfalls den Duden kritisieren, dass er "schwer" an der Stelle nicht als umgangssprachlich gekennzeichnet hat, falls deine These zutreffend ist, denn er dient vielen als Referenz.
 
Die Verwendung des Adjektivs „schwer“ in Kombination mit einem Verb ist korrekt, z.B. „schwer zu bewältigen“. Verwendet man das Adjektiv „schwer“ ohne Verb, so wird dieses Verb aber in der Regel mitgedacht. Es gibt auch viele weitere Äußerungen, die aus pragmatischen Gründen funktionieren, z.B. „Zwei Brötchen, bitte“. Sie Aussage an sich ist nicht vollständig, aber verständlich.
 
Schülerin mit Sprachgefühl? Die muß jenseits der 60 gewesen sein!
nein, interessanterweise war sie so ca 15 Jahre alt, ist aber unserer Sprache sehr verbunden.

Noch ein Gedanke zu unserem Thema schwer und schwierig.
Ich finde auch, dass man sagen kann: etwas ist schwer zu spielen.
Es ist eine Last, weil man sich so mühsam damit abgibt.
Aber das Stück selbst ist nicht schwer, sondern schwierig, weil eben kompliziert. Ich sehe da einen Unterschied.

@Marlene , ein Stück ist ja nur dann schwierig, wenn man es noch nicht ganz erfasst hat. Wenn ich ein Stück spielen kann, dann verliert es seine Schwierigkeit. Die Möglichkeit des Scheiterns wohnt dem Schwierigsein inne.

Unsere Sprache ist so enorm vielseitig, dass es wert ist, sich zu überlegen, welche der 20 Vokabeln man nun nutzt.
Beispielsweise gefällt mir der Begriff: "Taste" unglaublich gut. Sagt er uns doch, dass wir vorrangig fühlen sollen. Herrrlisch!
 
@Marlene , ein Stück ist ja nur dann schwierig, wenn man es noch nicht ganz erfasst hat. Wenn ich ein Stück spielen kann, dann verliert es seine Schwierigkeit.

@Tastatula, für mich ist ein Stück auf alle Fälle zu schwierig, wenn mein neurologisch und rheumatisch belasteter Bewegungsapparat nicht damit klarkommt. Da könnte ich das Stück noch so gut erfasst haben.

Es gibt leider mehrere Stücke, die ich nach einer Weile des Übens weglegen musste. Rachmaninovs Romanze hätte fast das gleiche Schicksal ereilt, aber ich habe an zwei oder drei Stellen Anpassungen vorgenommen (was klanglich hinnehmbar ist).
 
Es gibt keine schwierigen Stücke. Entweder man kann sie - dann sind sie leicht. Oder man kann sie nicht - dann sind sie nicht schwierig, sondern unmöglich.
 

Es gibt keine schwierigen Stücke. Entweder man kann sie - dann sind sie leicht. Oder man kann sie nicht - dann sind sie nicht schwierig, sondern unmöglich.
...und dazwischen gibt es eben diesen wundersamen Prozess, der sich Üben nennt, der aus Schwierigen einfache Werke zaubert.
Wenn das nicht gelingt, dann werden sie vielleicht unmöglich, jedenfalls für den Moment.
 
Vor einigen Monaten habe ich @rolf gefragt, ob er mir Tipps geben kann, wie ich es schaffen könnte, nach weiteren 8 Jahren fleißigen Übens die eine oder andere Ligeti-Etuede zu spielen. Da hat er mich erbarmungslos abgewatscht und mir empfohlen, in einen Jungbrunnen zu springen, ohne zu sagen, wo ich einen solchen finden kann.:cry2:
Das hat mich in tiefe Depressionen gestürzt. Aus Trotz habe ich beschlossen, weiter langweilige Barock-Musik zu spielen. Jetzt finde ich die Fantasia chromatica und die dazugehörige Fuge eines gewissen JSB doch nicht so langweilig und akzeptiere, dass mir viele interessante Stücke in diesem Leben verwehrt bleiben.
 
Tipps geben kann, wie ich es schaffen könnte, nach weiteren 8 Jahren fleißigen Übens die eine oder andere Ligeti-Etuede zu spielen
Was hindert dich daran es aus Jux trotzdem zu versuchen? Mehr als dass du selbst draufkommst, dass es nicht geht kann nicht passieren. Vielleicht lernst zumindest irgendwas dabei? Und wenn’s „geht nicht“ ist, ist auch was gelernt. So wie es klingt, lässt dich die Etüde nicht los, sonst würdest du sie nicht wieder ansprechen. Also warum nicht mal im stillen Kämmerlein drin herumpfuschen und das „verlangen“ abbrennen lassen?😁
 
Es gibt keine schwierigen Stücke. Entweder man kann sie - dann sind sie leicht. Oder man kann sie nicht - dann sind sie nicht schwierig, sondern unmöglich.
Hey, versteht ihr keine Satire? Es ist doch genau so! Eigenes Können erkennt man daran, dass einem etwas leicht fällt, was andere schwer finden. So wie mathematisch Begabte sagen "ist doch klar", während andere "es einfach nicht sehen". Ebenso beim Hören und Spielen und auf-die-Bäume-klettern. Und was meine Kräfte übersteigt, erscheint mir unmöglich.

Mir geht dieses schwierig-schwer-Gedöns auf die Nerven. "Schwer" heißt nicht nur "über 100 kg" oder ähnlich, sondern wird auch im Sinn von "anstrengend", "belastend" etc. benutzt. Jemand ist nicht schwierig erkrankt, sondern schwer erkrankt. Und ein Stück ist (für mich) schwer, wenn es mich fordert, schwierig (für mich), wenn es (für mich) kompliziert ist. Gerade fällt es mir schwierig - äh, schwer - das gemütliche Bett zu verlassen und mich ans Klavier zu setzen, um all diese schwierigen und schweren Srücke zu üben, von denen ich immer viel zu viele im Anbruch habe.
 

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