Was muss ein Stück beinhalten um bei euch anzukommen?

Ein neuer Einfall in Bezug auf die Grundlagen der Musik: Melodie, Harmonie, Rhythmus.
Er sollte "die Seele zumindest ein wenig hüpfen lassen".
 
Ich versuche mal eine ehrliche Antwort.
Entweder, das Stück spricht mich emotional an (sowas kann unterschiedlichste Gründe haben, die ich nicht genauer benennen kann), oder ich höre Überraschungen (harmonisch, melodisch, rhythmisch).

Ich setze beim Komponieren meine Schwerpunkte auf die gleiche Weise, wie beim hören ... d.h. ich versuche beim Hörer für Überraschung zu sorgen ... aber ich spule auch durchaus mal taktelang standards ab, die eigentlich keiner Komposition bedürfen.
Im Grunde versuche ich immer vom Regelwerk abzuweichen ... und ich bin stolz,. wenn mir jemand sagt, dass dabei keine Katzenmusik herausgekommen ist ... obwohl mir natürlich klar ist, dass das immer Geschmackssache ist.

Natürlich habe ich manchmal auch Lust auf ein bisschen Schmalz ... aber auch dann bemühe ich mich, den nicht auf die gleiche Art und Weise zu produzieren, wie Chopin, Beethoven, Schubert, Schumann oder andere Klassiker das bereits getan haben.

Was ich für "gute Musik" halte, ist sehr wahrscheinlich nichtmal in einem freejazz-forum mehrheitsfähig.
Vielen Dank für deine Antwort ;) damit kann ich was anfangen.
 
Ich habe mal einen Artikel gelesen, in dem ein Musikwissenschaftler die in Deutschland weit verbreitete Affinität zu Marschmusik mitverantwortlich machte für den durchschlagenden Erfolg der Technobewegung hierzulande. Das wäre seiner Ansicht nach in den 1990ern mit kaum einem anderen Land auf der Erde vergleichbar gewesen.
Er führte das auf eine lange militaristische Tradition in Großpreußen zurück, welche Deutsche wohl irgendwie mit der Muttermilch aufsaugen.

Ich dachte mir damals schon "hmm ... kann man wohl so sehen ... muss man aber nicht".
 
Ich habe mal einen Artikel gelesen, in dem ein Musikwissenschaftler die in Deutschland weit verbreitete Affinität zu Marschmusik mitverantwortlich machte für den durchschlagenden Erfolg der Technobewegung hierzulande. Das wäre seiner Ansicht nach in den 1990ern mit kaum einem anderen Land auf der Erde vergleichbar gewesen.
Nicht erst in den 90iger Jahren - aber gut, ich muß gestehen, ich war in den 90igern auch ein absoluter Raver.

Und mit guten Techno könnt ich mich auch heut noch anfreunden.
 
Nochmal zum Thema:
Wer Musik komponiert zum Zwecke der Beeindruckung anderer wird nur Plattwerk erstellen können.
Effekthascherei kann so beeindrucken wie ein Salto mortale, aber nicht das Herz rühren und das ist die vorrangige Funktion von guter Musik.
Komponieren tut man, weil man es muss, nicht, weil man damit etwas bezwecken will.
Natürlich gibt es Gebrauchsmusik, das ist für mich eine andere Sorte Tonklang mit einem anderen Hintergrund.
Die Genies zaubern wunderbare Musik und beeindrucken mittelbar.
 
was braucht es bei euch bei einem Musikstück, damit es auf euch einen appeal hat bzw. euch beeindrucken kann? Wo würdet ihr eure Schwerpunkte setzen wenn ihr ein Stück komponieren wolltet ?
Was müsste ein Musikstück an sich haben?
Ganz klar, ob Jazz, Pop, Klassik oder Romantik usw.:
Musik bekommt eine ganz andere Tiefe, wenn sie einen Kontext hat. Jedes Gedicht liegt dem Erstreben zur Grunde, eine bestimmte Geschichte, Emotion o.Ä. dem Publikum/Leser zu vermitteln.
Ebenso die Musik...

Meinen Schwerpunkt setze ich mitlerweile darin, den Versuch zu starten eine (Fantasie-)Geschichte in Notenschrift aufs Blatt zu bringen. War bei mir mal ne ganz lange Zeit anders - war eher schlecht als recht, aber eine Geschichte im Kopf zu haben hilft dabei musikalisch beim Thema zu bleiben und nicht in das Thematische Nirvana der Weltlichen Notensprache abzudriften...

Zudem fange ich seit neulich auch an diese Geschichten als "Harmonischen Fahrplan" (i.e.S. Strukturplan) auf Papier zu bringen.
Das hilft nochmal zusätzlich am Ball zu bleiben😉

FG, Jan
 
Eine art Geschichte zu erzählen hilft natürlich, dem Stück zusammenhang zu geben. Das ist dann sozusagen ein roter Faden, dem man folgen kann, und zu dem man vor allem immer wieder zurückkehren kann.
Manchmal soll ein Musikstück aber auch einfach nur eine Szene einfangen. Ich übe gerade claire de lune ... und ich muss jedesmal an dieses Stück denken (und höre dann auch ein bisschen davon), wenn ich den Mond am Himmel sehe ... mit Wolken, ohne Wolken, einfach so ... sogar wenn er tagsüber mal zu sehen ist, höre ich dann ein paar Takte Debussy.
Manchmal reicht ein Bild, ein Gefühl, welches man mit disem Bild in Verbindung bringt.
Neulich habe ich ein Video von Lang Lang gesehen ... er spielte claire de lune und wurde dabei abends auf der Seine durch Paris geschippert. Und mein Gedanke war, dass das eine fast perfekte Kombination war ... ein Ambiente, dem ich auch zutrauen würde, dass es als Inspiration zu diesem Stück gedient haben könnte.
Es gibt sogar Werke, in denen es eine Geschichte gibt ... diese bietet aber lediglich den Rahmen. Bilder einer Ausstellung ist so ein Beispiel. Die Geschichte "jemand wandert durch eine Ausstellung". Die Stücke haben als Thema allerdings die Bilder, die dieser jemand betrachtet. Die Geschichte begegnet uns nur in Form der "Promenade" ... diese vertont den Weg zum nächsten Bild bis das Promenaden-Thema im großen Tor dann komplett übernimmt ... passend zum "Gehen" Thema ... denn auf dem Bild ist das alte Stadttor von Kiev zu sehen ... das erste oder auch letzte, was Reisende von Kiev sahen.

Was ich damit sagen will:
Musik muss "etwas" transportieren, dem Hörer "etwas" sagen ... egal, ob das nun eine Geschichte ist, oder lediglich ein Bild, ein Gefühl, eine "Zeit".
Wichtig ist nur, dass es etwas ist, zu dem man innerhalb des Stückes/Werkes immer wieder zurück findet.
Dieses "Zurückfinden" wird vom hörer als "Struktur" wahrgenommen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Auf dem Hauptschulklo in einem sozialen Brennpunkt
... ich weiß nicht, das wäre ein ein wirklich interessantes Sujet, die Hoffnungslosigkeit und die Gewalt in Tönen auszudrücken und daraus eine Musik zu entwickeln, die am Schluss in Optimismus und Freude und Licht aufgeht.

am Lagerfeuer springerstiefelige Geselligkeit
Wie wäre das? Ein orchestrales Musikstück beginnt mit einer Anspielung auf das Horst-Wessel-Lied, aber im Trauermarsch-Modus und entwickelt aus einem Meer von Traurigkeit (die in diesem Moment auch weh tun darf) langsam aber stetig eine Musik, die wie die strahlende Sonne auf einen trüben, grauen Herbsttag folgt, herausführt aus der Gewalt, aus dem Dunkel ins Licht, ins Paradies.

Wer Musik komponiert zum Zwecke der Beeindruckung anderer wird nur Plattwerk erstellen können.
Tausendfach dickes LIKE !
Komponieren tut man, weil man es muss, nicht, weil man damit etwas bezwecken will.
Aber sowas von !

Was ist besser: Wenn man eine Komposition oder eine Improvisation hört und sich fragt, was will der mir jetzt eigentlich damit sagen?, oder wenn man ein Stück pflichtgemäß, in kalter Professionalität perfettissimo roboterhaft und hirn- und herztot vorgetragen hört oder ...
... man eine bilderreiche Aufführung erlebt, die lebendig Geschichten erzählt, Witz und Trauer, Tragisches, Schlimmes Liebe, Hoffnung und Freude ausdrückt, so dass man sich vielleicht sogar ein Leben lang daran erinnern kann ?

Es gibt so viele Beispiele für das, was ich meine, vielleicht dieses:
Die 10. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch, der im 2. Satz, in nur wenigen Minuten Dauer Josef Stalin, seine Gewalt, seine Brutalität, die Angst und den Schrecken, der von diesem Mann ausging, in Tönen charakterisiert und dann, im Folgesatz erst ein zartes, zaghaftes Pflänzchen, dann als deutliches und immer mehr vordrängendes Statement das D-S -C -H (Dimitri Schostakowitsch) auftaucht, mit dem die Sinfonie schließlich endet.
Der Sieg des Guten über das Böse.
 
Meine Vorstellung, mit Material und anhand der Hochphase der Romantik ist, dass man dann die kleinen Mädchen mit Chopins Berceuse op 57 nach oben in die Bettchen geleitet - und zum Ende des Abends, nach Verschwindibus der buckligen Verwandtschaft, das große Mädchen, mit der Nocturne op 27-2.

Mit diesem Zusammenhang kann kein Jazz mit, kein Pop, kein Rock und auch Hardrock nicht mit. Allenfalls noch der Boogie Woogie, dessen tiefere Bedeutung ja ebenfalls das Einleiten von Aktivitäten zur Fortpflanzung der Menschheit ist. Was all denen neu sein dürfte, die noch nie erkannten, dass der Boogie das schärfste ist, das je für das Klavier geschrieben wurde. (Zit. Axel Zwingenberger, Blues- und Boogie-Pianist).
Puh…
 
Ich habe mir das - ohne Kenntnis - eh zu eigen gemacht in meinem Konsumverhalten gegenüber Ryanair und nunmehr allen Fluchgesellschaften - nachdem mich Ryanair mal auf einer Kurzdistanz Brüssel-Rhodos so transportierte, dass meine Knie knapp unter den Ohren saßen ...
Bei welcher Automarke vernahm man auf den Rücksitzen jahrzehntelang den niedrigsten Geräuschpegel? Zu Honeckers Zeiten im Trabant natürlich! Da war es so eng, dass man sich mit den Kniescheiben die Ohren zugehalten hat!!!
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LG von Rheinkultur
 

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