Stücke für Ein- und Auszug

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orgeljonny

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Hey Leute,

so bald stehen ja wieder die ganzen Weihnachtsgottesdienste an. Nun bräuchte ich ein paar Stücke für Ein- und Auszüge welche ca 2 min lang sind. Sie sollten, da ich erst seid ca 3 Monaten aktiv Gottesdienste begleite auch nicht zu schwierig sein, aber doch recht festlich.
Die Orgel ist relativ klein und besitzt eine pneumatische Traktur. Hier mal kurz die Disposition:

1. Manual:

Principal 8'
Gedeckt 8'
Quinte 2 2/3'
Octav 4'
Mixtur 2-fach 2/3'

2. Manual:

Salicional 8'
Flauto amabile 8'
Violflöte 4'
Waldflöte 2'

Pedal:

Subbass 16'

Vielen Dank im Voraus:D
 
P

PeterGiffon

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Spontan würden mir zur Disposition und Dauer die Weihnachtschoräle aus dem Orgelbüchlein einfallen. Die beginnen ab BWV 599.

Gruß
 
Axel

Axel

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Da wäre ich aber extrem skeptisch, ob Bach mit dieser Orgel eine gute Wahl ist. Ich würde eher an deutsche Romantik denken. Es gibt sowohl bei Carus wie bei Butz Sammelbände mit "Prä- und Postludien" bzw. "Freien Orgelstücken" aus der Zeit.

Grüße
Axel
 
P

PeterGiffon

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Da wäre ich aber extrem skeptisch, ob Bach mit dieser Orgel eine gute Wahl ist. Ich würde eher an deutsche Romantik denken. Es gibt sowohl bei Carus wie bei Butz Sammelbände mit "Prä- und Postludien" bzw. "Freien Orgelstücken" aus der Zeit.

Grüße
Axel
Ich hätte die Orgel weder besonders barock, noch romantisch eingeorgnet. Das Orgelbüchlein ist mir eingefallen, weil auch kleine Orgeln oft dafür "reichen". Da ich ein Neuling in Orgelbaukunde bin, bitte ich um Erklärung, was genau der Ausschlag für deine Einschätzung des Instruments ist. Das Salicional und das Flauto amabile sind meines Wissens nach typische romantische Register. Gibt es noch welche?

Gruß
 
Axel

Axel

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Hmm ja, wenn die Traktur pneumatisch ist, kann das Instrument nur aus der Zeit von 1890-1925 stammen. Damit also romantisch. Im 1. Manual ist das relativ unverbindlich, das kann tatsächlich alles mögliche sein. Im 2. Manual sehe ich das ähnlich. Damit scheidet ein barocker Hintergrund aus. Nicht passend ist die Waldflöte 2', bei der es mich nicht wundern würde, wenn sie später im Zuge der neobarocken Mode dazu gekommen wäre, evtl. kann man das sogar an den Registerschildchen erkennen.

Ich würde vermuten, dass Principal und Oktave sehr derb sind, der Rest eher leise. Den Orgeln aus der Zeit fehlt oft eine gesunde Mitte. Damit sind aber diese beiden Register für polyphone Musik fast nicht zu gebrauchen. Dazu kommt das Problem der pneumatischen Traktur, die bei Bach ebenfalls wenig Spaß macht. Nach meiner Erfahrung mit solchen Orgeln bleibt man besser im romantischen Bereich.

Grüße
Axel
 
Lisztomanie

Lisztomanie

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Naja, eine Orgel mit 40 % Achtfüßen, ein Hauptwerk, das abgesehen von einer Aliquote und einer erstaunlich tiefen Mixtur den Prinzipalchor nur bis 4' ausgebaut hat, viele Charakterstimmen im Oberwerk, dafür kein einziges Prinzipalregister (Werkprinzip!?) sowie keine einzige (noch nicht mal kurzbechrige) Zunge erscheinen mir nicht besonders barock...:D :D :D
 
Axel

Axel

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Na, eine 2/3' Mixtur wäre schon eine Zwergzimbel, aber ich glaube, das ist ein Schreibfehler. Könnte 2 2/3' sein, müsste auch, denn irgendwo muss der 2' dabei sein. Wenn sie wirklich 2-fach ist, ist es wohl mehr eine Rauschpfeife. Eine barocke Mixtur hätte mehr Chöre. Ich würde eher an eine in den 60-ern veränderte romantische Orgel denken. Im Barock hätte man die paar Register wohl auch auf einem Manual gelassen.
 
Lisztomanie

Lisztomanie

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@ Axel: Ich war auch davon ausgegangen, das es sich um eine 2 2/3 Mixtur handelt, 2/3 baut doch keiner, oder? :D Deswegen liegt sie ja tief und ist fast eine normale verdoppelte Aliquote - wobei ich eine zweichörige Mixtur schon etwas seltsam finde, aber ich bin wohl durch unsere Domorgel verwöhnt, da haben wir sogar eine "Aetherea IV 2 2/3′" :D

Erläuterung:

Harmonica aetheria – verschleierte Harmonien, aetherischer Zauber
Aether war bei den Griechen ein Medium oder eine Substanz des Kosmos, der in der Bewegung und Lichtflutung bestimmt wurde. Der Name “Harmonica aetheria” (auch Harmonia aetheria, aetheris, aetherica etc.) dürfte begrifflich aus dieser romantischen oder auch goetheschen Lichtsymbolik abgeleitet worden sein. Sicher ist, dass dieses Register an die Engmensurierung der Harmonica 8′ anschliesst, das in Lautstärke etwa zwischen Äoline und Salicional anzutreffen war (disponiert von EFW in Frankfurt-Paulskirche, Ulm Münster u.a.). (Harmonica 8′ in Schramberg C=oben 50/42, unten 42/42 also wie Dolce , oberer Durchmesser weiter zur Förderung ungeradzahliger Obertöne Terz und Quinte)

Die Harmonica aetheria 3 fach, 2 2/3′ – 2′ – 1′ im IV.Manual der Walckerorgel in Riga dürfte nach folgender 2′-Mensur aus dem “Mensurenbuch Oscar Walcker” gebaut worden sein. Bei Sauer gibt es eine Terz und bei Furtwängler & Hammer sogar Septimen in der Zusammensetzung.

harmonika.jpg

An Mixturen bzw. Hilfsstimmen wurden auch während der (Spät)Romantik klar und deutlich folgende Kriterien gestellt:

1. weite Mensur (die Labienweite war auf 1/4 begrenzt, weil sonst durch Stimmen der kleinen Pfeifen schnell Einknickungen erfolgt wären)

2. Der größte Chor auf C nicht größer als 2′

3. keine Terz, am wenigsten in enger Lage (das widerspricht bereits der frühen Romantik Eberhard Fr. Walckers)

4. Beginn möglichst immer mit Oktavchor

Hugo Riemann schreibt in seinem Orgellehrebuch, ideal wären etwa

3fache Mixtur C=c1 g1 c2

4fache Mixtur C=c1 g1 c2 g2 usw.

Und wir sehen, dass die Harmonia aetheria allen diesen “Kriterien” locker und leicht widerspricht.

Nun muss dazu gesagt werden, dass grundsätzlich alle Mixturen romantischer Orgeln wesentlich schwächer intoniert waren, als wir das heute kennen.

In der Walcker-Orgel in Bukarest, wo zwar eine schön angerichtete und orgelbewegte Disposition vorzufinden ist, hat aber, wie das in der orgelbewegten Zeit sehr oft der Fall war, ein an der Spätromantik geschultes Ohr intoniert, was sehr zurückhaltende Mixturen bewirkt hat. Und heutige Orgelbauer werden zu Recht sagen, “aber damit bekomme ich doch kein richtiges Tutti hin?!”. Dennoch ist das Tutti möglich. Denn das Geheimnis der zarten Aliquoten und Mixturen liegt in den Super-Koppeln begründet, die mit einem Schlag ein frisches Obertongeflecht im Tutti ausbreiten, dass der Orgel Helligkeit und Glanz gibt.

Meine Meinung ist, da ohnehin alle Obertöne des Grundtons mindestens eine Oktave weiter liegen , doch neben der Super-Koppel eine weitere Koppel als Super-Super-Koppel einzubauen, natürlich mit Ausbau der Aliquotstimmen, und damit die Kraft der Helligkeit, wenn gewünscht, weiter auszunutzen. Damit nämlich geben wir der ursprünglichen Intonation die Chance, weiterhin sehr differenziert bestehen bleiben zu können, und dennoch Kraft und Helligkeit an der Orgel realisieren zu können. Einen schönen runden Principal 8′ und darauf als schleierhafte Krone eine Harm.aetheria draufzusetzen, ohne den Principal zu erschrecken, das ist so möglich, selbst ein schwaches Gemshorn kann so die Obertonaufwertung durch eine Harmonica aetheria erfahren und wir haben wieder viel mehr Registriermöglichkeiten als vorher.

Für alle diejenigen, welche sich nicht direkt für Terzen und Quinten in den schwachen Mixturen entscheiden können, empfehle ich, diese Mixturen auf eine eigene Lade zu bauen und dort über Mixturensetzer programmierbar zu gestalten. Diese ist eine andere Idee als das einfache Konzept von Bares, ermöglicht nämlich die Gestaltung von differenzierten Mixturen, die eben durch Zuschalten von Terzen und Quinten unheimlich an Farbe und Kraft gewinnen können. Das kann man machen unter Zuschaltung einfach weiterer Chöre und Pfeifenreihen, oder indem man eben bei C das E als Terz oder das G als Quinte einfach mitspielt. Wir haben hier dann die Verstimmung der Temperatur mit in der Mixtur, was bei der Zuschaltung nur im Tutti aber kein ausgesprochenes Problem wäre.

Eine Harmonica aetheria kann bei solch einer technischen Einrichtung sehr leicht ohne Mixturenmaterial an einem einzigen Register Harmonica 8′ programmiert werden durch C – g – c1 – c2 . Wir haben hier nur die Schwebung der Duodezime. Dieser Mixturensetzer müsste über mindestens 2 Oktaven gehen und wir bräuchten nicht alle Möglichkeiten sondern nur Oktaven, Quinten und Terzen und eventuell Septimen.

Die Mixturen auf eine eigene Windlade zu machen hat in jedem Falle einen Vorteil durch bessere Gestaltung der Windzuführung und natürlich wollen wir bei Zuschaltung von Sub-Koppeln die Möglichkeit erhalten, hiervon die Mixturen auszuschliessen.
 
P

PeterGiffon

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Danke für die schnellen Antworten. Kennt jemand gute Internetseiten, Artikel oder Literatur zu dem Thema? Das interessiert mich jetzt wahnsinnig :D
 
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dussek

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Spontan würden mir zur Disposition und Dauer die Weihnachtschoräle aus dem Orgelbüchlein einfallen. Die beginnen ab BWV 599.
Ganz abgesehen von der Orgel: Die Weihnachtschoräle aus dem Orgelbüchlein (korrekt ab BWV 600 ;) ) finde ich weder besonders leicht noch besonders weihnachtlich (den c. f. wird Otto Normalkirchgänger nur selten erkennen) und nur einige davon festlich.

Die von Axel genannten Bände enthalten einige gut geeignete Stücke, die Präludien von Gustav Merkel (Butz-Verlag) wären, gerade für diese Orgel auch sehr passend und sind vom Aufwand-Wirkung-Verhältnis her sehr dankbar (teilweise in den genannten Sammelbänden enthalten).

Gruß
dussek
 

O

orgeljonny

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Hmm ja, wenn die Traktur pneumatisch ist, kann das Instrument nur aus der Zeit von 1890-1925 stammen. Damit also romantisch. Im 1. Manual ist das relativ unverbindlich, das kann tatsächlich alles mögliche sein. Im 2. Manual sehe ich das ähnlich. Damit scheidet ein barocker Hintergrund aus. Nicht passend ist die Waldflöte 2', bei der es mich nicht wundern würde, wenn sie später im Zuge der neobarocken Mode dazu gekommen wäre, evtl. kann man das sogar an den Registerschildchen erkennen.

Ich würde vermuten, dass Principal und Oktave sehr derb sind, der Rest eher leise. Den Orgeln aus der Zeit fehlt oft eine gesunde Mitte. Damit sind aber diese beiden Register für polyphone Musik fast nicht zu gebrauchen. Dazu kommt das Problem der pneumatischen Traktur, die bei Bach ebenfalls wenig Spaß macht. Nach meiner Erfahrung mit solchen Orgeln bleibt man besser im romantischen Bereich.

Grüße
Axel
Was die Dynamik der Orgel angeht hast du vollkommen recht :D Die Oktav 4' und das Principal 8' sind mit Abstand die lautesten Register. Alle Register des zweiten Manuals sind leise und zurückhaltend. Und das mit der Mixtur war natürlich ein Tippfehler, es handelt sich um ein 2 2/3' Register.
 
Axel

Axel

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Roland Eberlein: Geschichte der Orgel

Nicht ganz billig, vielleicht zu Weihnachten. Ältere Bücher zum Orgelbau ignorieren gerade die Romantik, das war vor 50 Jahren halt nicht "in".

Grüße
Axel
 
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PeterGiffon

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Weihnachtsgeschenk wird es nicht mehr, aber ich werde es mir noch kaufen. Man gönnt sich ja sonst nichts :D

Gruß
 
S

Stephan

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Hallo Orgeljonny, ja Weihnachten steht vor der Tür, und dann meint man wieder vor Festlichkeit nicht überbietbar sein zu müssen, auch wenn man an einer "Flötenkiste" und nicht an einer Orgel spielen muss. Ich habe mir das an den kleinen Orgeln einfach abgewöhnt. Wenn man sich einmal im "Tutti" von so einer Kiste schrill anschreien läßt, und das schöne Bach-Präludium klingt, als ob gerade ein Glascontainer auf der Straße in einen LKW hinein geleert wird, dann, ja dann hat man die falsche Wahl getroffen. Bei der Disposition Deiner Flötenkiste würde ich dem Instrument entgegenkommen: spiel doch die Weihnachtspastorellen von Valentin Rathgeber: flötige, flotte, heitere Hirtenmusik zu Weihnachten. Und dann spart man sich die "dicken Dinger" für richtige Orgeln auf, die dem Anspruch auch gewachsen sind. Frohe Weihnachten!
 
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