Also ich finde das in der Tat etwas zu schwarz gesehen.
Die Märkte für Flügel sind doch recht übersichtlich und verteilt. Jede kurzfristige Gewinnorientierung würde den Wert der Marke schwächen und damit Paulsons größtes Asset schwächen.
Im übrigen habe ich selbst Unternehmen für amerikanische Hedgefonds als CEO saniert - deren größte Sorge war immer, dass man den Wert der Beteiligung durch falsche -sprich: zu ruppige - Managemententscheidungen zerstören könnte. Da sind die amerikanischen Investoren m.E. Profis.
Danke für diese IMO wertvolle Insidersicht.
Das es trotzdem schwarze Schafe gibt, die Unternehmen locker vor die Wand gefahren haben , bleibt unwidersprochen. Gerade diese Fälle bleiben im Gedächtnis, sind aber nicht der Regelfall, weil sonst die Investoren längst pleite wären.
Ich hatte damals das sehr lehrreiche „Vergnügen“, an halbwegs hochrangiger Stelle bei der Übernahme eines großen hessischen Automobilzulieferers durch Amerikaner an Bord zu sein. Erst hörte man Sirenengesänge, wie toll doch das Unternehmen aufgestellt sei. Dann krempelten sie mit Hilfe eines BWL-Typen als Vorstand den Laden von rechts auf links um. In der Folge wurde jeder Pfennig von links auf rechts gedreht. Da kam die Ansage: Budgetkosten auf 90% runterzuquetschen, quasi koste es, was es wolle, bzw. Androhung der Entlassung der zuständigen Bereichsverantwortlichen, wenn das nicht gelinge. Der Vertriebskollege verzweifelte: in seinem Budget fast reine Personalkosten. Sollte er 10% seiner Leute rausschmeißen? Sollte er allen die Gehälter um 10% kürzen..?.. Brutal-Maßnahmen einer fehlverstandenen Betriebswirtschaft. Da wurde NUR die Kostenbremse getreten, inhaltlich (Produktivitätsverbesserung, Abläufe optimieren etc.) jedoch nichts beigetragen.
Ich musste sicherheitstechnische Umbaumaßnahmen, die schon das Gewerbeaufsichtsamt angemahnt hatte, durchführen. Der BWLer wollte das „einsparen“, um bei den Eignern zu glänzen. Ich sagte ihm, dass ich – zur eigenen Absicherung als Betriebsverantwortlicher – ihm dann einen Brief schreiben müsse. Er gab dann das Investbudget zum Sicherheitsumbau frei. Anschließend lief er durch das Unternehmen - und sagte anderen, ich hätte ihn erpresst. Ausgrenzung. Ranküne. Machtspiele. Das hatte dem nicht geschmeckt: gezwungen zu sein, Geld auszugeben. Der hätte mich aber eiskalt - als Verantwortlicher - in den Knast gehen lassen, wenn da was passiert wäre. Mit einem Brief von mir wäre er dann allerdings MIT in den Knast gegangen - DAS wollte er dann doch nicht. Für den Mann war das: Erpressung... Er betrieb dann, als er CEO wurde, meine Entlassung. Wenn an diesen Maschinen etwas passiert wäre, Personenschaden, wäre ICH in den Knast gegangen, weil ich einen amtsbekannten, angeforderten, notwendigen Umbau auf den Stand der Sicherheitstechnik als Betriebsverantwortlicher nicht durchgeführt gehabt hätte. Ich tat das - und wurde dafür entlassen. Weil es einem Pfennigfuchser, einem Mittäter von finanzgesteuerten Amerikanern, nicht in den Kram passte. Was müssen das für Menschen sein? Ethos? Moral? Fragezeichen. Sowelche gehen über Leichen. Der ist heute Boss von 90.000 Mann... Und wird als Exponent einer moralischen, jedenfalls skandalfreien Wirtschaft angesehen. Ist hoch angesehen in Berlin. Dabei hat der Mann auf seinem Weg wohl außer mir einen guten Keller voller „Leichen“ angesammelt… Wer am Wochenende CDU wählen will, kann mal die Frau von der Leyen befragen, ob ihr diese Zusammenhänge bei einem ihrer wichtigsten Mitarbeiter bekannt seien. Sie hält sehr große Stücke auf ihn.
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Eine Lehre fürs Leben. ICH traue Amerikanern im weißen Kragen nicht mehr über den Weg. NO WAY. Ich hoffe, dass mir im Rest meines kleinen Arbeitslebens erspart bleiben wird, nochmal in einem Unternehmen zu sein, das dann von Amerikanern übernommen wird. Geschähe eine solche Übernahme, würde ich mich sofort um andere Arbeit bemühen.
Außerdem steht in einem der zahlreichen Veröffentlichungen von Steinway im Rahmen der Übernahme, dass sie selbst einige -zig (ich meine es waren zwischen 40 und 60) Investoren zum Zwecke der Abgabe eines Angebotes angesprochen haben. Da darf und wird meines Wissens mehr als der letzte Geschäftsbericht über den Tisch gereicht werden. Auch das habe ich persönlich bei potentiellen Übernahmen börsennotierter Unternehmen mitgemacht.
Außerdem hat Paulson mit der Abgabe seines Angebots zur - von Steinway akzeptierten - Bedingung gemacht, dass für den Fall, das Steinway doch an einen anderen verkauft wird, ihm (Paulson) 13 Millionen US$ zu zahlen sind. Das ist ab einem bestimmten Punkt in den Verhandlungen nicht unüblich, da hiermit die dann vergeblich investierten due dilligence-Kosten kompensiert werden sollen. Der Betrag wäre auch für eine due dilligence im üblichen Rahmen von Übernahmen dieser Größe.
Nun – damit sicherte sich Paulson lediglich dagegen ab, dass sein eigener hoher Aufwand u.U. – bei einem noch höheren Angebot – für die Katz gewesen wäre.
Was er mit dieser Klausel NICHT erreicht, was aber eine Due Diligence in sachlicher Hinsicht, per Betriebsbegehungen etc., per Einsichtnahme z.B. auch in die Unterlagen der Sicherheitsbeauftragten, der Umweltschutzbeauftragten, mit ergeben könnte, ob z.B. von den Grundstücken und der Betriebsweise
Steinway in der Vergangenheit Umweltrisiken (Bodenverseuchung? Lackieranlagen, Handhabung von Kohlenwasserstoffen..) oder Arbeitssicherheitsriksiken (Schriftverkehr mit Behörden über u.U. beanstandete, gefährdende Arbeitsverfahren, Gehörschutz, Pressen, Kräne, Aufzüge… ) mitbestünden.
Da kann Paulson, wenn er ein in dieser Hinsicht evtl. schlecht geführt gewesenes Unternehmen aufkaufte, im Rahmen der Übernahme-Verhandlungen wohl kaum Einblick genommen haben. Ich denke absolut nicht, dass da bei Steinway irgendetwas zu Beanstandes wäre - aber wenn, casus potentialis, hätte Paulsons Mannschaft so etwas kaum im Vorfeld in Erfahrung bringen können.
Solche Erkenntnisse erbringt erst eine faktische Due Diligence, bei der nicht nur Kaufleute die Bücher flöhen, sondern auch erfahrene Techniker sich die Fertigungen und deren Umfeld genau ansehen.
Auch ein kurzfristiger Weiterverkauf erscheint mir deshalb unwahrscheinlich, da alle potentiellen Interessenten für Steinway die Bücher zumindest ein Stück weit offen gestanden haben dürften.
Es kann auch sein, dass bzgl. der Komplexität amerikanischen Börsenrechts ein Koreaner nicht mal eben schnell in die Abläufe einkontern kann. … Es kann weiter sein, dass da ein hohes Interesse besteht, das Unternehmen bzw. den Klavierbauteil zu erwerben.
Der bei Paulson nun liegende Anteil vom über 80% konnte nur kommen, indem auch Mr. Kim ihm gemäß Angebot viele Anteile verkauft hatte - vermutlich alle.
Was für mich nicht unbedingt heißt, dass er nicht doch noch Interesse haben könnte, das Teilpaket Klavierbau zu erwerben. D.h. dass, wenn, Mr. Kim quasi Paulson als Kapitalanteil-Einsammelstelle dann genutzt hätte - und ihm diesen "Service" dann allerdings wohl fürstlich entlohnen müsste, wenn er ihm den Klavierbau abkaufen wollte.
Man darf ja weiterhin nicht vergessen, dass in dem Paketdeal der Klavierbau nur einen Teil ausmacht, wenn auch vermutlich den wertvollsten. Darüber hinaus gibt es noch Flöten, Gitarren, Schlagzeuge, Blechblasinstrumente etc. etc., ein Sammelsurium von etlichen Firmen, an denen Mr Kim gewiss nicht interessiert ist.
Kann also sein, dass Paulson den Blechbläserkram etc. an Messina, Kirkland verkauft, und den Klavieranteil dann an Mr Kim.
Warten wir das ab.
Aber es gibt nichts, was es nicht gibt. Man darf gespannt sein, wie es mit Steinway weitergeht.
In jedem Falle.
