Mein Blüthner von 1885??? und meine Fragen dazu

axburg

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Ich habe ein Klavier dieser traditionsreichen Marke übernommen.
Wenn ich das richtig sehe und wie auf einem Bild gut zu erkennen ist, scheint die Seriennummer die 27510 zu sein. Eine Recherche im Internet ergab, dass es im Zeitraum 1885-1889 gefertigt wurde.
Abmessungen sind: Tiefe 70cm, Höhe 143cm und Breite 154cm.
Selbstverständlich sind die Tastenbeläge nicht aus Elfenbein, sondern von einem Säbelzahntiger der aus Versehen von einem Eselskarren überfahren wurde. ;-)


Eigentlich wollte ich ja, wie in einem anderen Thread hier zu lesen ist, ein Klavier der Marke Schimmel in Weiß poliert.
Aber wie so oft im Leben kommt es dann doch anders. Da meine Eltern wussten, dass ich ein Klavier suche, erzählten sie mir von einem alten Klavier welches bei einer guten Freundin im Flur steht und seit Jahrzehnten nicht gespielt wird. Diese hatten dass gute Stück vor vielen vielen Jahren von einem Verwandten aus Erfurt übernommen, aber selbst nie darauf gespielt.
Es wurde mal vor ca. 15 Jahren, so genau weiß das niemand mehr, gestimmt, in der Hoffnung, dass eine der Töchter darauf Klavier lernen würde. Nun, das ist zu meinem Glück nie passiert. :-)


Ich halte dieses sehr schöne Stück Zeitgeschichte für absolut erhaltenswert.
Es ist ein "verpönter" Oberdämpfer, klingt aber trotz jahrelangem ungestimmtem Dasein recht schön. Und Blüthner soll die Oberdämpfer-Thematik ja ganz gut im Griff gehabt haben.


Eine professionelle Klaviertransport-Firma hat es dann letzten Donnerstag zu uns gebracht und ein Klavierbauer und auch Restaurateur hat es dann hier "auseinandergenommen" und begutachtet.
Fazit: die größten Knackpunkte sind die Filze der Hämmer und Dämpfer. Sicher auch noch andere diverse Dinge. Der Klavierbauer hat die Mechanik mitgenommen und ich ein paar Wochen bekomme ich sie dann überholt zurück.
Der Rest des Klaviers wie Gussrahmen, Resonanzboden, beide ohne Risse, etc. macht für das hohe Alter noch einen guten Eindruck.


Ich möchte in der Zwischenzeit das Äußere aufhübschen und ein paar Optimierungen durchführen.
  1. Es waren wohl mal Lampen links und rechts, man sieht da noch jeweils 4 kleine Bohrungen, am Oberrahmen angebracht. Diese würde ich natürlich auch gerne wieder anbringen. Kann mir jemand sagen/zeigen wie diese mal ausgesehen haben und ob man so etwas irgendwo als Ersatz bekommt?
  2. Die Halterung für die Notenablage besteht nur noch aus einem Stift (auf einem der Bilder gut zu sehen), dadurch fällt die Notenablage beim schließen des Tastaturdeckels immer auf die Tastatur. Finde ich sehr unschön. Auch da bräuchte ich, wenn machbar, mal ein Bild wie das korrekt auszusehen hat. Gibt es so etwas als Ersatzteil?
  3. Messingteile abschrauben und wieder blank bekommen. Kann da jemand ein Mittel dafür empfehlen?
  4. Holz aufhübschen. Gibt es da eine brauchbare Möbelpolitur o.ä.?
  5. Die 4 Rollen auf vernünftige Untersetzer stellen. Gerne aus Holz - gibt es da empfehlenswertes? Z.B. gibt es bei amaz… diverse Angebote um die 20€ für 4 Stück, Frage ist halt, ob so etwas auch was taugt.
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Danke und Gruß,
Axel
 

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Tippe auf eine Schellackoberfläche und habe bei altem Schellack schon mehrfach sehr gute Erfahrungen mit 'Zweihorn HAS Hochglanz Antischleier' gemacht. Teuer aber lohnt sich...
 
Hallo "axburg"
Einige Tipps:
(Gut, dass Du Fachleute fürs Innenleben hast.
Was sagt denn Dein Klavierbauer zur 140 Jahre alten Besaitung, falls diese noch original ist?)

Der Möbelstil des Klavieres ist der "HISTORISMUS". Dem solltest Du die Lampen anpassen.
Betrachte Dir mal die beiden Schloßbeschläge unter dem Oberdeckel und auf der vorderen Klaviaturleiste.
Sowas findest Du auch auf Trödelmärkten, bei Ebay und diverse Nachbauten.
Ich habe auch schon ähnliche Formen aus dem viel späteren art-deco Stil gesehen, die sich eignen könnten.

Ich kenne Blüthner-Instrumente sehr genau. Hatte jahrelang engen Kontakt zu Leitung und Mitarbeitern der Firma in Leipzig.
Der Lack ist definitiv "Schellack" falls noch original. Möbelpflege für antikes Mobilar nehmen. Sollte am besten wachs-und ölhaltig sein.
Auf keinen Fall Wasser, Alkohol, oder lösungsmittelhaltiges verwenden. Die bereits erwähnte Hochglanzpolitur von Zweihorn ist auch ganz gut geeignet.

Messingbeschläge: Korrosion beseitigen und auf Hochglanz polieren. Geht gut mit 3-M Schleifpasten feiner Körnung
anschließend reinigen und entfetten. Dann Schutzlack auftragen ( war früher "Zaponlack") heute geht auch gut ein transparenter Autolack
oder auch Polyurethanlack

Das wackelnde Notenbrett sollte durch den Stift auf der Tastklappe klemmend gehalten werden.
Die Polsterung im ovalen Loch ist ausgeleiert, darum rutscht das durch.
Kann man mit zusätzlicher Filzlage wieder enger machen. Eine zuzuschneidende Leder -Auskleidung wäre verschleißfester.
Ich verwende gern Hirschleder, das man dann auch schwarz färben könnte.
Sowas könnte Dein Klavierbauer haben oder besorgen.

Für die Rollen brauchst Du sehr massive Untersetzer, da Dein Klavier sehr schwer ist (240-280 kg)
Die aus Plastik zerbrechen durch die Punktbelastung sehr schnell.
Es git auch welche aus massivem Messing.
Bedenke, dass dann das Klavier auch höher steht und dadurch auch die Pedale höher stehen.

Herzl. Gruß
Gundolf-G. Quast
Klavierbaumeister
 
Messingbeschläge und Messingpedale lassen sich prima nach dem Reinigen mit mikrokristalinem Wachs vor dem Anlaufen schützen. Es verändert den Oberflächencharakter nicht.
Mit Lack ist eine Schicht oben drauf, die auch nicht ewig haltbar ist, und abplatzen kann, vor allem, wenn es zu Temperaturunterschieden kommt.
 
  1. Die 4 Rollen auf vernünftige Untersetzer stellen. Gerne aus Holz - gibt es da empfehlenswertes? Z.B. gibt es bei amaz… diverse Angebote um die 20€ für 4 Stück, Frage ist halt, ob so etwas

Ich würd Teflongleiter empfehlen.

Die gibt es auch bei Amazon für recht günstige Preise.

Mit diesen ist es möglich, daß Instrument recht mühelos zu verrücken oder zu verstellen.

Für die Schellackpolitur würde ich Zweihorn Politur empfehlen - ansonsten einfach n Staublumpen ;-)

Kerzenleuchter passend zum Stil, wird eher schwierig - wie der Kollege schon bemerkte; es ist kein klassischer Gründerzeitler, sondern im Stile des Historismus.

Reine Gründerzeitleuchter wirken hier deplaziert.

Abgesehen da von, sind originale Leuchter auch arg teuer.

Es gibt zwar billigere Retroleuchter, aber die sehen zum Teil auch billig aus und passen auch kaum zum Stil.

Bezüglich der Notenpultverriegelung wäre es vielleicht nicht das verkehrteste einen Kunstschlosser zu Rate zu ziehen.

Die Messingteile kannst Du mit jeden handelsüblichen Messing und Kupferputzmittel blank kriegen, aber schraub sie vorher ab.

Anschließend - so Du sie blank geputzt hast - ist eine Versiegelung mit Zapponlack sinnvoll, da sie ansonsten des öfteren Deine Putzaufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

Edit:

Was sieht denn da gerade mein goldiger Silberblick?

An der Schloßleiste befindet sich ein Jugendstilbeschlag???

Jugendstil kam erst so ab zweite Hälfte 1901 auf - also entweder ist das Instrument jünger, oder der Beschlag wurd nachträglich angebracht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und die Tastatur könnt auch mal gerade gelegt werden - aber ich denke , des weiß Dein Klavierstimmer selber ;-)
 
(Gut, dass Du Fachleute fürs Innenleben hast.
Was sagt denn Dein Klavierbauer zur 140 Jahre alten Besaitung, falls diese noch original ist?)
Er ist sich nicht sicher, ob es noch die Originalbesaitung ist, schließt es aber nicht aus.

Ich hatte es im Netz so verstanden, dass man diese nimmt wenn das Klavier auf Teppichboden bewegt werden muss. Bei uns wird es noch von der Stelle wo es jetzt steht an die vorgesehene im Wohnzimmer bewegt - da wo jetzt im Hintergrund von Bild 3550 das weiße Kawai steht. Hier gibt es nur Fliesen und die Untersetzer, so war mein Gedanke, sollen das Gewicht besser verteilen.

Möbelpflege für antikes Mobilar nehmen. Sollte am besten wachs-und ölhaltig sein.
Auf keinen Fall Wasser, Alkohol, oder lösungsmittelhaltiges verwenden. Die bereits erwähnte Hochglanzpolitur von Zweihorn ist auch ganz gut geeignet.
Für die Schellackpolitur würde ich Zweihorn Politur empfehlen - ansonsten einfach n Staublumpen ;-)
Mal sehen wo ich Zweihorn her bekommen. Mein Klavierbauer meinte ich solle es erst mal mit einem nebelfeuchtem Tuch und Seife reinigen. Oder das hier verwenden: Schellackpolitur

Der Möbelstil des Klavieres ist der "HISTORISMUS". Dem solltest Du die Lampen anpassen.
Kerzenleuchter passend zum Stil, wird eher schwierig - wie der Kollege schon bemerkte; es ist kein klassischer Gründerzeitler, sondern im Stile des Historismus.
Ja, habe schon gemerkt, dass das nicht so einfach ist und ggf. teuer werden kann. Mein Klavierbauer meinte er sucht noch mal in seinem Fundus, er ist da zuversichtlich noch etwas zu finden.

Das wackelnde Notenbrett sollte durch den Stift auf der Tastklappe klemmend gehalten werden.
Die Polsterung im ovalen Loch ist ausgeleiert, darum rutscht das durch.
Kann man mit zusätzlicher Filzlage wieder enger machen. Eine zuzuschneidende Leder -Auskleidung wäre verschleißfester.
Das ist ein Versuch wert und könnte ich hinkriegen. Danke.

Danke an alle für eure wirklich hilfreichen Rückmeldungen. :super:
 

Unser Pianino rutscht mit den Teflon-Gleitern ganz passabel am Parkett herum.
 
Ich habe heute mal den Unterrahmen entfernt um unten ein wenig den Schmutz wegzusaugen. Dabei fiel mir eine Nummer unter der Tastatur auf: 14396
Kann mir jemand sagen was es mit dieser Nummer auf sich hat?

Danke, Axel
 

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… sagt mit dieser Nummer "Produktionsjahr: 1875"
 
Hm, an dieser Stelle die Seriennummer? Das beißt sich ja mit der Nummer auf der linken Innenseite oben. Sieht man oben auf dem Bild 3491.
Innen ist auch rechts oben eine Plakette auf der schon das Jahr 1883 erwähnt wird. Das würde dann ja auch nicht passen.
 

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1883 scheint es mir den I. Preis gegeben zu haben.

EDIT: Jetzte verstehe ich erst, die Plakette würde ja einen I. Preis nennen, den es zum Bauzeitpunkt noch gar nicht gab. Ergo grober Unfug.
 
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Ich habe heute mal den Unterrahmen entfernt um unten ein wenig den Schmutz wegzusaugen. Dabei fiel mir eine Nummer unter der Tastatur auf: 14396
Kann mir jemand sagen was es mit dieser Nummer auf sich hat?

Danke, Axel

Ist die Produktionsnummer des Stuhlbodens bzw. der Tastatur.

Die Seriennummer des Instrumentes selbst, müßte sich auf dem Stimmstock, Resonanzboden oder auf der Gußplatte befinden.

Mitunter auch auf der Innenseite des Gehäuses - und diesem zu folge, könnte das Instrument von 1887 stammen.
 
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Super, Danke. Wieder etwas schlauer geworden.
Jetzt nur noch: was ist der Stulhlboden? Das Gestell auf dem die Tastatur platziert ist?
 
Jain. Die Tastatur ist auf dem Waagebalken platziert; dieser ist auf dem Stuhlboden aufgeschraubt. Also der Stuhlboden ist das, wo sich Staub und sonstiger Dreck schichtet, der zwischen den Tasten durchrieselt und die Mäuse ihre Nester bauen. Also quasi die (beim Klavier nicht ausziehbare) Krümelkammer eines Toasters. :-)
 
Zu Deinen Fragen:

1. An einem Klavier diesen Baujahres waren keine Lampen (elektrisch) dran, sondern Kerzenhalter. Dein Glück, denn diese sind recht häufig und deshalb auch günstiger zu bekommen. Elektrische Lampen waren fast nur an pneumatischen, selbstspielenden Klavieren verbaut. Stichwort Pianola, Phonola etc.
Stilrichtung Historismus/ Klassizismus wurden ja schon genannt.
2. Lässt sich der abgebrochene Stumpf drehen? Dann war das möglicherweise nur ein gebogenes Stück. Ist aber nur eine Vermutung.
3. Autosol Edel-Chromglanz/ Metal polish
Aber Zaponlack drauf würde ich nicht empfehlen. Dieser wird meist unterwandert und dann ist es wieder unschön, ohne daß Du es polieren kannst.
4. Zweihorn HAS wurde ja schon genannt und ist genau das richtige. Früher hieß das Zweihorn 10099 noch früher Zweihorn Hochglanz Möbel Politur.
5. Keine Ahnung. Ist auch Geschmacksache.
Ich würde vielleicht hochwertige Messinguntersetzer nehmen.
 

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