Jochen Pöhlert Das Ohrenbuch: was haltet Ihr davon?

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brennbaer
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Hallo zusammen,
gestern bin in unserer Bibliothek über "Das Ohren-Buch" von Jochen Pöhlert gestolpert und habe es mir direkt ausgeliehen.
In dem Buch bemängelt der Autor genau die Punkte, die von @hasenbein und @Viola bspw. hier kritisiert werden:
das Fehlen eines ohr-orientierten Ansatzes (Fingerfolgen ohne Klang und sogar ohne Klavier merken ist sogar eine ganz besonders malen-nach-zahlen-mäßige Vorgehensweise...) .

Erst einmal muss man Hören lernen, dann muss man lernen, sich einen Ton vor zu stellen (inneres Gehör) um dann die passende Bewegung dazu zu entwickeln (Klangschönheit). Und natürlich verbinden sich aufsteigende Tonfolgen irgendwann "automatisch" nach Gehör mit den entsprechenden Fingern:
.
.
Irgend wann "liest" man Noten innerlich und kann sie innerlich "hören" - bis zu einer gewissen Komplexheit.

... Mangel an "Führung durch das Ohr / den Klangwillen" zu,
Pöhlert kritisiert, dass in den vergangenen Jahrzehnten in der Musikausbildung eine Entwicklung weg von einem gehörbasierten Modell hin zu einem nicht-auditiven Spiel nach Noten und mechanisierter und verkopfter "Malen-nach-Zahlen" - Handwerklichkeit mit mininmalster Ausbildung auditiver Fähigkeiten stattgefunden hat.
Dieser Fehlentwicklung möchte Pöhlert mit seinem Ohren-Buch entgegenwirken.

Kurz gefasst geht es im Buch darum, dass man auf 2 CDs ca. 180 kurze Stücke in steigendem Schwierigkeitsgrad vorfindet, die man ohne Zuhilfenahme der Noten im Buch hören, mitsummen/-singen und auf seinem Imstrument (ohne Noten) nachspielen soll.
Im Buch sind zusätzlich zu den Noten (die man allerdings nicht nutzen soll) auch immer kurze Anmerkungen zu den Akkorden und harmonischen Besonderheiten der Stücke aufgeführt.

Ich habe hier mal die Grundzüge der "Gebrauchsanleitung" abgetippt:
Die Melodien auf den CDs und ihre Harmonisierungen sind der Arbeits-Stoff, um den es hier eigentlich geht.
Die Melodien sollen:
1. gehört,
2. auditiv erfaßt (d.h. mitgesummt oder nachgesungen) und schließlich
3. auf dem Instrument fehlerfrei wiedergegeben werden.
Auf diese Weise finden Intervalle, Wendungen, Tonleiter-Teile, Akkorde oder Akkordverbindungen Eingang in die auditiven und instrumentalen Fähigkeiten des Anwenders.

Zur praktischen auditiven Nutzung der CDs:

1. CD auflegen und das gewünschte Lied anwählen...
2. die Melodie so oft hören, wie nötig ist, um die nächsten Schritte zu bewerkstelligen:
3. versuchen, die Melodie (möglichst ohne Zuhilfenahme der Noten) auditiv zu erfassen, d.h. mitzusingen* bzw. zu summen...
4. die Melodie aus dem Gedächtnis nachsingen bzw. -summen (ohne Zuhilfenahme der CD)
5. die Melodie aus dem Gedächtnis (z auditiv) auf dem Instrument »(re)konstruieren« (ebenfalls ohne Zuhilfenahme der Noten! )
6. sobald eine Melodie auditiv auf dem Instrument beherrscht wird, sollte sie in korrektem »timing« mit der CD mitgespielt werden können.

*Anmerkung: da die hier aufgeführten Beispiele zum Zwecke besserer Vergleichbarkeit ausschließlich in C-Dur resp. A-Moll notiert und aufgenommen wurden, mag das eine oder andere Beispiel nicht in der für jeden Anwender günstigsten Gesangs-Lage stehen. Da das vorliegende Buch jedoch primär auf die Entwicklung relativer auditiver Fähigkeiten zielt, sollte eine Transposition in gesangsfreundlichere Tonarten kein Problem sein.

Die Noten
Die Noten dienen hier allenfalls als eventuelle Kontrollmöglichkeit, zu etwaigen eigenen Analyseversuchen resp. Experimenten, oder als Gedächtnisstütze bei späteren »Wiederholungsrunden«. Sie sind jedoch ausdrücklich nicht dafür gedacht. in konventioneller Manier »vom-Blatt-gespielt-zu-werden«, da dieser doch eher »automatistische« Vorgang (»Noten-Lesen-und-Abspielen«) zumindest unter auditivem Aspekt fragwürdig ist.
Vor wenigen Wochen habe ich ja den "Reset-Knopf" bezüglich meiner Übesystematik gedrückt.

Angefangen beim Thema "Rhythmusgefühl", wo mich diese Anmerkungen und Ratschläge hasenbeins:
Ja, das passiert halt - wo ist das Problem?

Übst Du das halt so lange, bis Du das kannst, ganz einfach. Hast ja die Dinge, die ungewollt passieren und die vermieden werden sollen, klar benannt.

Man muss geduldig immer wieder in verschiedensten Kontexten üben, dass der Puls der "Bestimmer" ist, der also in der inneren Wahrnehmung mehr im Vordergrund ist, und das Gespielte dem "gehorcht".

Das ist mit ein Grund dafür, dass ich immer sage, man soll nicht mit dem Zeh wackeln, sondern deutlich hörbar mit dem Fuß klopfen. Weil sonst all zu leicht genau das passiert, was Du beschreibst.

Neinneinnein, diese Dinge keinesfalls machen! (Auch sonst nicht.) Hier ist das zu Übende ja gerade, dass Du einen Viertelpuls hast und Noten immer genau zwischen den Pulsschlägen spielst (Off Beats). Vorübungen mit Klatschen oder Nur-auf-einem-Ton-Spielen machen und dann so lange üben, bis man es drin hat.
und das konsequente Befolgen derselbigen innerhalb von 4 Wochen bezüglich Rhythmus und Taktgefühl sehr viel weiter gebracht haben, als alle anderen bisherigen Tipps und Tricks mit Metronom, laut zählen, etc., wollte ich parallel dazu auch den Weg zu einer Entwicklung weg von der reinen "malen nach Zahlen"-Methodik hin zum gehör-orientierten Spiel einschlagen.
Nun gibt es hier im Forum einige Threads zu diesem Thema, allerdings konnte ich für mich keine richtige Herangehensweise an das Thema herausziehen.
Mit "Das Ohrenbuch" meine ich jedoch, etwas mit passender Systematik gefunden zu haben, was mich auf diesem Weg ein sehr gutes Stück voranbringen könnte.

Langer Rede kurzer Sinn:
Ist Euch dieses Buch geläufig, falls ja, was haltet Ihr davon?
Lohnt es sich, sich intensiv damit zu befassen, oder würdet Ihr mir zu anderen Methoden raten?
Wie gesagt, auf mich persönlich als Laien macht es den Eindruck, dass es mich deutlich voranbringen könnte.

Danke schon mal im Voraus :)


EDIT: habe eben gesehen, dass ich mich mit dem Titel vertan habe: richtigerweise muss es "Das Ohren-Buch" heißen, nicht Ohrenbuch
 
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HelmutHeinchen
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Mit "Das Ohrenbuch" meine ich jedoch, etwas mit passender Systematik gefunden zu haben ... was haltet Ihr davon?

Das Buch hat keine Systematik, sondern einen Haufen von Liedern.

Vorteil: sie sind einigermaßen nach Schwierigkeit geordnet und abwechslungsreich, wenn auch etwas bieder, eingespielt.
Nachteil: alles in C-Dur. Da kannst Du dich immer nur mit einem Lied befassen und brauchst eine längere Pause, um die Tonart zu vergessen, sonst lernst Du das relative Hören nicht.

Was Du gleichzeitig üben musst, ist der umgekehrte Weg, also das Blattsingen.
 
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stoni99
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Hallo zusammen,
gestern bin in unserer Bibliothek über "Das Ohrenbuch" von Jochen Pöhlert gestolpert und habe es mir direkt ausgeliehen.
In dem Buch bemängelt der Autor genau die Punkte, die von @hasenbein und @Viola bspw. hier kritisiert werden:





Pöhlert kritisiert, dass in den vergangenen Jahrzehnten in der Musikausbildung eine Entwicklung weg von einem gehörbasierten Modell hin zu einem nicht-auditiven Spiel nach Noten und mechanisierter und verkopfter "Malen-nach-Zahlen" - Handwerklichkeit mit mininmalster Ausbildung auditiver Fähigkeiten stattgefunden hat.
Dieser Fehlentwicklung möchte Pöhlert mit seinem Ohrenbuch entgegenwirken.

Kurz gefasst geht es im Buch darum, dass man auf 2 CDs ca. 180 kurze Stücke in steigendem Schwierigkeitsgrad vorfindet, die man ohne Zuhilfenahme der Noten im Buch hören, mitsummen/-singen und auf seinem Imstrument (ohne Noten) nachspielen soll.
Im Buch sind zusätzlich zu den Noten (die man allerdings nicht nutzen soll) auch immer kurze Anmerkungen zu den Akkorden und harmonischen Besonderheiten der Stücke aufgeführt.

Ich habe hier mal die Grundzüge der "Gebrauchsanleitung" abgetippt:

Vor wenigen Wochen habe ich ja den "Reset-Knopf" bezüglich meiner Übesystematik gedrückt.

Angefangen beim Thema "Rhythmusgefühl", wo mich diese Anmerkungen und Ratschläge hasenbeins:

und das konsequente Befolgen derselbigen innerhalb von 4 Wochen bezüglich Rhythmus und Taktgefühl sehr viel weiter gebracht haben, als alle anderen bisherigen Tipps und Tricks mit Metronom, laut zählen, etc., wollte ich parallel dazu auch den Weg zu einer Entwicklung weg von der reinen "malen nach Zahlen"-Methodik hin zum gehör-orientierten Spiel einschlagen.
Nun gibt es hier im Forum einige Threads zu diesem Thema, allerdings konnte ich für mich keine richtige Herangehensweise an das Thema herausziehen.
Mit "Das Ohrenbuch" meine ich jedoch, etwas mit passender Systematik gefunden zu haben, was mich auf diesem Weg ein sehr gutes Stück voranbringen könnte.

Langer Rede kurzer Sinn:
Ist Euch dieses Buch geläufig, falls ja, was haltet Ihr davon?
Lohnt es sich, sich intensiv damit zu befassen, oder würdet Ihr mir zu anderen Methoden raten?
Wie gesagt, auf mich persönlich als Laien macht es den Eindruck, dass es mich deutlich voranbringen könnte.

Danke schon mal im Voraus :)

Ist etwas vergleichbar mit der Suzuki Methode. :denken:
 
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HelmutHeinchen
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Suzuki ist keine Methode, sondern ein Geschäftsmodell. Da werden Binsenweisheiten für teures Geld verkauft.
 
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HelmutHeinchen
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Blödsinn, das hat keiner behauptet. Außerdem ist Suzuki keine "neue Methode" im von dir suggerierten Unterschied zur angeblich "altbekannten Methode". Das Spielen bzw. Singen nach Gehör ist älter als jede Notenschrift.
 
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HelmutHeinchen
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nein, Du unterstellst hier schlicht deine dümmlichen Gedanken anderen.
 
hasenbein
hasenbein
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Angefangen beim Thema "Rhythmusgefühl", wo mich diese Anmerkungen und Ratschläge hasenbeins:

und das konsequente Befolgen derselbigen innerhalb von 4 Wochen bezüglich Rhythmus und Taktgefühl sehr viel weiter gebracht haben, als alle anderen bisherigen Tipps und Tricks mit Metronom, laut zählen, etc., wollte ich parallel dazu auch den Weg zu einer Entwicklung weg von der reinen "malen nach Zahlen"-Methodik hin zum gehör-orientierten Spiel einschlagen.
Super! Weiter so!

Das ist eben das Ding: Nicht nur raten viel zu viele KL den Schülern die falschen Dinge; die Schüler üben auch viel zu selten tatsächlich a) tatsächlich so, wie der KL es ihnen gesagt hat und b) dies konsequent über einen längeren Zeitraum.

Und dann wird gejammert, dass man irgendwie nicht weiter käme oder das man in irgendeinem Bereich "unbegabt" sei oder "Legastheniker" oder so was. Dabei ist es, wie Du nun ja sehr deutlich siehst, eigentlich ganz einfach.

Das Buch kenne ich nicht, kann also da jetzt nix zu sagen.
 
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brennbaer
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Das Buch hat keine Systematik, sondern einen Haufen von Liedern.

Vorteil: sie sind einigermaßen nach Schwierigkeit geordnet und abwechslungsreich, wenn auch etwas bieder, eingespielt.
Nachteil: alles in C-Dur. Da kannst Du dich immer nur mit einem Lied befassen und brauchst eine längere Pause, um die Tonart zu vergessen, sonst lernst Du das relative Hören nicht.

Was Du gleichzeitig üben musst, ist der umgekehrte Weg, also das Blattsingen.
Naja, vielleicht keine Systematik im Sinne eines Lehrbuches oder Lernkonzeptes, aber ich denke, dass für Leute mit "audiomotorischem Entwicklungspotenzial" wie meinereiner, alleine schon so eine Sammlung von nach Schwierigkeitsgrad sortierten Stücken eine gewisse Systematik beinhaltet. :schweigen:Ich habe den Eindruck, dass das Buch helfen könnte, die Hemmschwelle zum Gehörtraining zu überwinden und den Einstieg zum Thema zu finden.
Außerdem dürften auch die musiktheoretischen Anmerkungen zu den einzelnen Stücken dazu beitragen, ein bißchen mehr "hinter die Kulissen" zu blicken.
Vermutlich könnte man auch wahllos irgendwelche Stücke aus dem Radio oder von der CD versuchen, nach der gleichen Methode zu verarbeiten, aber da würde mir sicherlich der theoretische Unterbau, der im Buch zu den Stücken mitgeliefert wird, fehlen.

Wegen der Sache mit dem C-Dur bin ich nun etwas irritiert. Du sagst, dass dadurch das relative Hören nicht erlernt wird, Pöhlert schreibt dazu: "in C-Dur resp. A-Moll notiert und aufgenommen wurden, mag das eine oder andere Beispiel nicht in der für jeden Anwender günstigsten Gesangs-Lage stehen. Da das vorliegende Buch jedoch primär auf die Entwicklung relativer auditiver Fähigkeiten zielt, sollte eine Transposition in gesangsfreundlichere Tonarten kein Problem sein."
Trägt denn nicht gerade das Transponieren in andere Tonarten zur Entwicklung des relativen Hörens bei? Wobei ich da auch eingestehen muss, dass bei meiner tiefen Brummstimme die diesbezüglichen Transponierungsmöglichkeiten recht eingeschränkt sein dürften...
 

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brennbaer
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Aber hallo! :bomb::cake::drink:
Das war der Ritterschlag für brennbaer! :-D
:-)Jo, das werde ich mir zum Ansporn nehmen, den neu eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Da habe ich dann, vor allem mit dem Gehörtraining, erst mal vielleicht etwas weniger Zeit, an den Tasten zu üben, aber auf längere Sicht sollte es mich deutlich weiter und vor allem besser weiter bringen, als der bisherige Weg.

Das Spielen nach Gehörtem habe ich auch schon gemacht. :super: Habe wohl tatsächlich mal unbewusst was richtig gemacht.:coolguy: Bin dann aber wieder davon abgewichen da ich das Notenspielen erst mal als wichtiger eingestuft habe. :geheim:
Spielen nach Gehörtem war für mich immer ein Graus. Habe das ja nie gelernt. Bei meinem Klavierunterricht, den ich als Kind hatte, war so etwas jedenfalls nie ein Thema. Immer nur stur vom Notenblatt, Metronom Tack-Tack-Tack..., usw., so wie man sich halt richtig trockenen Klavierunterricht vorstellt.
Entsprechend hatte ich meinen Wiedereinstieg an diesem falsch Erlernten orientiert, bis ich dann doch auf den Trichter kam, dass das so irgendwie nicht richtig was wird.
 
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HelmutHeinchen
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Trägt denn nicht gerade das Transponieren in andere Tonarten zur Entwicklung des relativen Hörens bei?

Das auf jeden Fall. Deshalb müssen Absoluthörer das auch in entsprechend vernünftiger Gehörbildung viel machen. Aber bevor Du transponierst, musst Du die Melodie ja erstmal hörend erkennen: also, hier ein sol, dort ein mi usw...

Wenn Du das länger hintereinander weg in einer Tonart machst, kennst Du die einzelnen Töne quasi auswendig. Das ist dann für den Moment so ähnlich wie absoluthören. Nach einer Zeit ist die Erinnerung aber wieder weg und was vorher so gut zu funktionieren schien, geht nicht mehr. Wenn Du in unterschiedlichen Tonarten hörst, musst du hingegen immer wieder die Stufen als Stufen erkennen (also relativ zur Tonart) und nicht einzelne Töne wiedererkennen. Deshalb sind für sowas MIDI-Dateien ganz sinnvoll, weil man im Abspielprogramm die Tonart beliebig verändern kann. Kann man bei Sounddateien zwar auch, aber das klingt scheiße.
 
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Viola
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Habe meine Diplomarbeit u.a. über die Suzuki-Methode geschrieben. Das Buch "Erziehung ist Liebe" ist lesenswert. Ich habe seinerzeit ERST lesen lernen sollen und DANN Musik machen sollen... Suzuki hat da einen anderen Ansatz, was damals auf große Ablehnung seitens der Musikpädagogen stieß. "Drill" war der Vorwurf ... aber das ist bei näherem Hinsehen quatsch. Alles ist relativ. Drill gibt es überall. Das kann man der Methode nicht vorwerfen.
 
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HelmutHeinchen
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Ich habe seinerzeit ERST lesen lernen sollen und DANN Musik machen sollen...

...und das war nicht gut, gell? Aber das ist doch eine Binsenweisheit und keine Erfindung des Herrn Suzuki. Daß es oft immer noch so gemacht wird, ist eine ganz andere Sache. Ist aber auch schlicht der fehlenden Mitwirkung der Eltern geschuldet. Bei Suzuki müssen die Eltern täglich mit dem Kind üben. Das geht soweit, daß sie selbst die Anfangsgründe des Instruments lernen müssen. Klar bringt das viel, aber die Erfolge basieren auf dem Einsatz der Eltern. Die Suzuki-Lehrer greifen die Lorbeeren aber für sich ab und schwadronieren was von einer "revolutionären Methode". Diese Lehrer suchen sich die passenden Eltern aus, die anderen fliegen raus *, weil bei deren Kindern mit dieser "genialen Methode" nämlich nichts, aber auch gar nichts zu erreichen ist.
 
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brennbaer
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Super! Weiter so!

Das ist eben das Ding: Nicht nur raten viel zu viele KL den Schülern die falschen Dinge; die Schüler üben auch viel zu selten tatsächlich a) tatsächlich so, wie der KL es ihnen gesagt hat und b) dies konsequent über einen längeren Zeitraum.

Und dann wird gejammert, dass man irgendwie nicht weiter käme oder das man in irgendeinem Bereich "unbegabt" sei oder "Legastheniker" oder so was. Dabei ist es, wie Du nun ja sehr deutlich siehst, eigentlich ganz einfach.

Das Buch kenne ich nicht, kann also da jetzt nix zu sagen.
Vielen Dank für das Lob :-)
Wie Du sagst, man muss konsequent an der Sache bleiben und sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht gleich klappt.
Das mit dem Rhythmus hatte ich ja früher auch schon probiert, nur war ich dann immer nach wenigen Versuchen nach dem Motto "zu alt", "Rhythmusgefühl lern ich eh nicht mehr richtig", "das Metronom tut's doch auch" ganz schnell wieder auf den alten Pfaden. Hatte es einfach im Verhältnis zum Üben der Finger als weniger wichtig erachtet. Wie gesagt, man hat ja ein Metronom, und noch "viel viel toller", in Zeiten von iPhone und Co. auch noch ganz ausgefeilte Metronom-Apps, die man ganz einfach auf die vermeintlichen Bedürfnisse zuschneiden kann, um die vorhandenen rhythmischen Defizite zu umschiffen, ohne sie im Kern anzugehen.

Da hat's, zumindest bei mir, wirklich jemanden gebraucht, der mal trocken sagt, wie es ist: "Ja, das passiert halt - wo ist das Problem?" :super:

PS: Falls es dich interessiert, hier findet man eine Leseprobe sowie ein paar Klangbeispiele zum Buch:
https://www.stretta-music.com/joche...er-musikalischen-gehoerbildung-nr-167880.html
 
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brennbaer
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Das auf jeden Fall. Deshalb müssen Absoluthörer das auch in entsprechend vernünftiger Gehörbildung viel machen. Aber bevor Du transponierst, musst Du die Melodie ja erstmal hörend erkennen: also, hier ein sol, dort ein mi usw...

Wenn Du das länger hintereinander weg in einer Tonart machst, kennst Du die einzelnen Töne quasi auswendig. Das ist dann für den Moment so ähnlich wie absoluthören. Nach einer Zeit ist die Erinnerung aber wieder weg und was vorher so gut zu funktionieren schien, geht nicht mehr. Wenn Du in unterschiedlichen Tonarten hörst, musst du hingegen immer wieder die Stufen als Stufen erkennen (also relativ zur Tonart) und nicht einzelne Töne wiedererkennen. Deshalb sind für sowas MIDI-Dateien ganz sinnvoll, weil man im Abspielprogramm die Tonart beliebig verändern kann. Kann man bei Sounddateien zwar auch, aber das klingt scheiße.
danke, das klingt einleuchtend.
Dennoch vermute ich, dass man zumindest am Anfang mit dem Buch nichts grundlegend falsches machen kann.:denken:
Auf der Suche nach einer Leseprobe habe ich einen älteren Beitrag eines Sax-und Bassspielers in einem anderen Forum entdeckt. Hier schreibt der Verfasser folgendes: "Komisches Phänomen ist zB. dass ich ein Lied, sofern ich es wirklich verinnerlicht habe, relativ problemlos in einer anderen Tonart spielen kann. Ich dachte immer, man muß beim Transponieren die Tone umrechenen, also immer ein bestimmtes Interval dazuaddieren. Nein, man stellt sich die Melodie einfach etwas höher vor und spielt sie dann."
Also scheint es ja, dass sich trotz der Übungen in der immergleichen Tonart im Laufe derZeit Fähigkeiten entwickeln, die gehörten Sachen in andere Tonarten zu transponieren.
Wobei hier zugegebenermaßen nicht klar ist, ob mit den verinnerlichten Liedern auschließlich die C-Dur-Lieder aus dem Buch oder ob auch andere Lieder in unterschiedlichen Tonarten gemeint sind.
 
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HelmutHeinchen
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Dennoch vermute ich, dass man zumindest am Anfang mit dem Buch nichts grundlegend falsches machen kann.

nö. Anfangen ist immer gut. Ich finde ganz gut, daß man hier halt eine große Sammlung schonmal hat und sich einer nicht vor Volxliedern gefürchtet hat. Da wird man ja immer so schnell in die rechte Ecke gestellt.

Ich dachte immer, man muß beim Transponieren die Tone umrechenen, also immer ein bestimmtes Interval dazuaddieren. Nein, man stellt sich die Melodie einfach etwas höher vor und spielt sie dann."

öh..., kann ich für mich nicht bestätigen. Wobei auch das einzelne Hinzuaddieren natürlich Käse ist. Man denkt in der neuen Tonart. Ein bischen wissen muss ich schon, wenn ich eine Melodie von C-Dur nach D-Dur transponieren will, z.B. daß ich plötzlich schwarze Tasten benötige. Auf dem Baß muss er natürlich nur die Hand verschieben...
 
stoni99
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Spielen nach Gehörtem war für mich immer ein Graus. Habe das ja nie gelernt. Bei meinem Klavierunterricht, den ich als Kind hatte, war so etwas jedenfalls nie ein Thema. Immer nur stur vom Notenblatt,

Bei mir ganz anders:
Als Kind habe ich mal Fagott gespielt - nur stur nach Noten in der Musikschule. Obwohl ich dann schon in das Jugendorchester gesetzt wurde habe ich es nach einigen Jahren hingeschmissen - hat keinen Spaß mehr gemacht. Meine Mutter meinte jetzt dazu: Eigentlich wolltest du damals Klavier spielen lernen - wurdest aber "überredet" - aha!:konfus:

Vor meiner Zeit als Balkendingsdaspieler habe ich sehr gerne an Lieblingssongs nach Gehör rumgeklimpert. Z.B den Anfang von Evanescence - My Immortal - ich fand das toll selber die richtigen Tasten zu finden - ging auch schneller & besser als ich dachte.

View: https://www.youtube.com/watch?v=5anLPw0Efmo


Und dann habe ich die bösen Balken entdeckt und dachte: Hoppla, es geht ja auch einfacher! :-D

View: https://www.youtube.com/watch?v=VFz8Ul4QqyM


Nachdem dann der Clavio-Exorzist mit mir fertig war hab ich mir ein Notenbuch gekauft.;-)
Deine Anregung brennbaer gibt mir einen Schubs in Richtung "back to basics - gehe mal wieder deinem Bauchgefühl nach"...
 

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