Digitales und so weiter...
Das Problem mit digitalen Instrumenten und der Konvertierung zu Midi ist vielfältig und führt leider zu manchmal hörbaren Effekten. Dann kommt noch die menschliche Eitelkeit dazu... aber der Reihe nach:
Das Instrument: Das CA91 hat eine echte Klaviertastatur, kein Plastik, und ist daher auch (fast) so gut spielbar wie ein echtes Klavier. Das Problem dieses und fast aller anderen digitalen Pianos ist das der Anschlag als MIDI-Datum mit einer Auflösung von 7 bit, d.h. 128 Schritten ausgegeben wird, unabhängig vom Feingefühl des Spielers. Die einzige Ausnahme hier ist zur Zeit Yamahas AvantGrand das intern mit 10 bit Auflösung arbeitet (1024 Schritte). Diese extreme Reduzierung auf nur 128 Werte zwischen ppp und fff ist einer der Gründe für die schlechte Dynamik digitaler Instrumente. Der zweite Grund für die schlechte 'digitale' Qualität liegt in der Tatsache begründet das MIDI eine serielle Datenübertragung benutzt bei der jedes Ereignis 1ms dauert. Schlägt man einen Akkord an so werden alle Noten nacheinander ausgegeben. Lässt man die Tasten wieder los gibt es wieder eine Sequenz von Notenende-Kommandos. Das ist alles recht und schön für Popmusik aber für klassische Musik wird's manchmal schwierig. Ich merke es wenn ich in beiden Händen zugleich Akkorde anchlage, d.h. 8 oder sogar 10 Noten zugleich, man hört dann das die Elektronik damit überfordert ist. Dazu kommt das die Reihenfolge der Noten dem Zufall überlassen bleibt, da man ausserdem von der Abtastrate und -sequenz der MIDI-Software im Piano abhängig ist.
Cubase: Cubase ist sicherlich eine der besten Plattformen zur digitalen Musikbearbeitung. Aber: Cubase zeichnet die Töne auf in der Reihenfolge in der sie über die MIDI-Verbindung beim Computer ankommen. Da Cubase - wie jedes dieser Programme - natürlich auch eine begrenzte zeitliche Abtastrate besitzt werden nun die eingespielten MIDI-Ereignisse erneut quantisiert und einem weiteren starren Raster (der minimalen zeitlichen Auflösung der Software) unterworfen.
VST-Instrument: Das VST-Instrument das ich auswähle um einen bestimmten Sound zu erzeugen, in diesem Falle ein gesampleter
Yamaha C7
Flügel, bekommt nun die MIDI-Daten von Cubase zugeschickt und addiert eine weitere zeitliche Unsicherheit dazu. Hinzu kommt dass eine Softwarelösung natürlich nicht den gleichen Dynamikumfang eines echten Flügels hat. Viele Softwareinstrumente arbeiten mit nur 8 Layern and aufgezeichneter Dynamik, Steinbergs 'The Grand' VST benutzt immerhin 20 Layer. Trotzdem müssen jetzt 128 MIDI-Laustärken auf 20 aufgezeichnete Dynamikwerte abgebildet warden, d.h. es wird kräftig interpoliert um den endgültigen Sound zu berechnen.
Alle diese Schritte führen notgedrungen zu einer gewissen Sterilität des Sounds und einer manchmal hörbaren 'Computerisierung'. Warum wir heutzutage immer noch auf den im Jahre 1983 ins Leben gerufenen MIDI-Standard angewiesen sind kann ich nicht beantworten.
Nun kommt die Eitelkeit ;)
Wenn man das Stück schon mal in digitaler Form aufgezeichnet hat kann man es natürlich auch editieren und schwupps sind alle falschen Noten verschwunden. Ist eine ganze Passage schlecht gespielt nimmt man sie halt am nächsten Tag noch einmal auf (und am nächsten und nächsten...) bis sie gut im Kasten ist und dann tauscht man sie aus. Man darf es nur nicht übertreiben...
Viele Grüsse!
Michael
PS: Im nächsten Frühjahr werde ich mir wieder einen richtigen Flügel kaufen, dann wird's interessant...