So hier kommt das angedrohte Kleinepos zu meinem Feurich, Höhe 123cm (oder so), Herstellungsland Mittelfranken im Jahre 7518 nach Erschaffung der Welt, gleich 2009 u.Z.
Ich hatte ein paar Jahre überhaupt kein Klavier, weil ich berufsbedingt extrem wenig Zeit zum Spielen hatte, und wenn ich welche hatte, lieber an einer der Uni-Orgeln hockte, sodaß eine meiner Töchter eines Tages mit 4 Kerlen, einem Transporter und den Worten »das brauchst Du ja eh nicht mehr« anrückte und mein väterliches Vorkriegs-Feurich usurpierte. Aber die Vorstellung, daß die Geschichte mit dem Orgeln in ein paar Jahren vorbei sein würde samt der erzreaktionären Vermutung, daß ein Haus ohne Klavier gar kein richtiges sei, ließen in mir sachte sachte den Wunsch nach einem neuen wachsen, und eines Tages trat ich zu diesem Thema in Koalitionsverhandlungen mit meiner Kassenwartin ein, deren Resultat ein - mühsam errungener - Preisrahmen von 12000 E. und die Einschränkung »aber so ein schwarzer Sarg kommt mir nicht ins Haus« war. Nun, ich lernte schnell, daß in den Preisrahmen Dinge wie ein U1/3 mühelos, deutsche Klaviere über 120cm aber weniger leicht paßten, vor allem aber, daß meine Auswahl durch die »Furnier-Auflage« heftig eingeschränkt war. Und ich machte noch eine überraschende Erfahrung, nämlich, daß Klaviere deutscher Hersteller nicht gleich im nächsten Laden stehen - dort führte man
Yamaha und
Kawai und noch eine, allenfalls zwei heimische Marken, sodaß das ganze zu einer herbstfüllenden Freizeitbeschäftigung auswuchs. Dabei lernte ich viel, u.a. über Marken, von denen ich noch nie gehört hatte (Wilh. Steinberg; Rönisch ...), wurde oft gut beraten, gelegentlich aber auch, von den Menschenkennern unter den Verkäufern, unverholen als der Idiot behandelt, den man mit dem ärgsten Ladenhüter auf den Heimweg schicken könne. Ich bekam auch von einem bekannten (hihi) Händler ein sehr günstiges Angebot für ein U1, aber der Klang war leider nichts für meine unfolgsamen Ohren.
An einem Freitag nachmittag Mitte Dezember 2009 passierte ich auf der Heimreise das Ortsschild von Gunzenhausen, und während die freundliche Langeweile dieser Ansiedlung sonst einen Nix-wie-weg-hier-Impetus bei mir auszulösen pflegte, stieg diesmal jäh der Name »Feurich« in mir auf. Und so stand ich wenig später in dessen für einen großen Namen überraschend kleinen Werkstatt. Nun, die »Produktion« war überaus überschaubar - ein 227er
Flügel für über 50000 E. und ein bezogenes Klaviergehäuse, das abgedeckt in der Ecke stand. Letzteres sei, erklärte mir der Chef, aus einem England-Auftrag übriggeblieben, und wenn ich ernstes Interesse daran hätte, könne er es binnen 10 Tagen fertigstellen; und natürlich solle ich mich erst nach einem Probespiel entscheiden. Also rückte ich fristgerecht mit Noten wieder an, holte aus und - da war er wieder, der romantisch-warme Klang meines alten Feurich! Wie ich im anderen Faden sagte: As-Dur-Akkord anschlagen, ausklingen lassen - wen das nicht packt, der muß zum Trommelfellwechsel. J.F. erklärte mir alles mit großer Geduld, zeigte mir die Herkunft der ganzen Komponenten (eine Heuss-Klaviatur kannte ich bis dahin nur vom Orgelbau) und verschwieg auch die asiatische Mechanik nicht. Auf meine Frage nach einer Renner-Mechanik antwortete er ausweichend - würde ein paar Monate dauern, würde einen Aufpreis von mind. 3000 E. kosten, überdies sei die eingebaute eine 100% Renner-Kopie etc. - also, es war klar, daß er nicht auf der alten sitzenbleiben wollte. Auch auf meine Frage nach dem Preis gab es zunächst nur eine indirekte Auskunft - in der Art werde das Klavier gar nicht mehr gebaut, er mache jetzt nur noch die Standardversion und eine abgespeckte mit einfachem Gehäuse und asiatischer Klaviatur, das vorhandene aber entspreche eins zu eins der Standardversion bis auf die Mechanik. Er drückte mir eine Preisliste in die Hand, in der die beiden Versionen mit 12500 bzw. 8200 ausgezeichnet waren, und sah mich erwartungsvoll und stumm an. Ich erklärte ihm, daß ich kein Händler sei, er mir bitte ein für uns beide akzeptables Angebot machen möge, und fuhr meiner Wege. Tatsächlich erhielt ich ein paar Tage später einen Brief mit einem Angebot, das zu meiner Überraschung ein gutes Stück unter den 8200 lag. Und da überlegte ich nicht lange, griff zum Telefon und kaufte es; farblich paßte es ja in die Vorgaben, da Mahagoni poliert (gefällt mir inzwischen gut). Am darauffolgenden Wochenende rückte Julius Feurich samt Sohn (Julius VII., wenn ich richtig gezählt habe) an und stellte es an seinen Platz.
Da stand - und steht - es nun, auf bescheidenen 15 qm, zusammen nur mit dem Notenregal und dem »Klaviermacherbett« auf einem dicken, raumdeckenden Teppich. Und bald merkte ich beim Spielen, daß da irgendwie noch der letzte Tick fehlte. Der herbeigerufene Micha, der glücklicherweise nach Weihnachten im Raum München unterwegs war, tauchte eines späten abends auf, griff in die Tasten, daß der Nachbarshund aufschrie, und sagte nach 5 Minuten: »da hob i eh an halben Tag zu tun«, was denn auch der Fall war - nachintonieren, nachregulieren, da und dort herumbosseln: bis sich schließlich der »Tick« einstellte, war der ganze nächste Vormittag verstrichen. Dann war es gut - fast: denn da war und wäre noch das e' mit all seiner Tücke. Einmal angeschlagen ist es friedfertig, aber bei mehrfachem Anschlag schlägt es zurück - es bekommt einen unangenehm metallischen Nebenklang. Intonieren (wenigstens 3-4 mal) half nicht mehr als ein wenig. Bei seim letzten Besuch vor Weihnachten sagte Michael »im Frühjahr kriegen wir das, und wenn wir die ganze Kiste zerlegen«. Nun wird die Kiste leider unzerlegt bleiben.
Es stand bei Lieferung auf 443hz und da hat Micha es immer belassen; die Stimmung hält es sehr gut, da hatte Micha bei seinen regelmäßigen Besuchen nicht arg viel zu tun; Luftfeuchtigkeit wird zwar kontrolliert, aber der Einsatz irgendwelcher Dampfschnauber, Wasserspeier oder gar der Feuerwehr hat sich als unnötig erwiesen. Der Klang ist - absolut ohrenschmeichlerisch, bis auf das tückische e'. Man kann auch ordentlich Wums damit machen. Weniger gut sieht es auf der pp-Seite aus; da hat die kürzliche Reduzierung des Spielgewichts von 54g durch Micha zwar viel gebracht, aber ein richtig zartschmelzendes ppp geht trotzdem nicht. Micha meinte, es sei ein gutes, aber halt kein sehr gutes Klavier, und da sei eben mehr nicht zu erwarten. Er hat es im übrigen auch abgelehnt, die Mechanik auszutauschen; die Abel-Hämmer seien gut, die Federn - bei asiatischer Ware gelegentlich ein rechtes Problem - auch, und deswegen sei von einem Austausch neben großen Kosten allenfalls ein geringer Effekt zu erwarten. An der Verarbeitung insgesamt gibt es lt. Micha überhaupt nichts auszusetzen.
Insgesamt, würde ich sagen, erreicht es nicht das Niveau meines alten Vorkriegs-Feurich, aber ich bin damit zufrieden. Auch die Langlauer, von denen ich ein paar kenne, halte ich für besser, ohne aber einen konkreten Grund dafür namhaft machen zu können. Vielleicht hat es damit zu tun, daß die Gunzenhausener Instrumente ja nicht mehr sozusagen vom Baumstamm an im eigenen Haus hergestellt wurden.
Letzter Satz: jedem der auf der Suche nach einem tollen, aber erschwinglichen Klavier ist, kann ich nur ans Herz legen, die Langlauer Feurichs beim Probespiel nicht auszulassen.