Information ausblenden

Erfahrungen mit unseren Klavieren

Dieses Thema im Forum "Das Klavier: allgemeine Infos, Kauf, Reparatur" wurde erstellt von joeach, 18. Feb. 2016.

  1. 443hertz
    Offline

    443hertz

    Beiträge:
    76
    Friedrich,
    ich glaube ich weis wer der Kollege in Ansbach ist. Soviele Klavierbaumeister gibts da im Städchen ja nicht. Allerdings weis ich nicht was er im Schaufenster stehen hat. Aber wie dem auch sei, wichtig is ja letztendlich was drin ist.
    Ich freu mich heute immer noch tierisch wenn ich mal eins unter die Finger bekomme. Dann ist Heimspiel !
    Ich will nicht sagen das das Stimmen dann nebenher geht. Aber daneben hab ich dann ausser Tönen auch immer noch ne Menge Bilder im Kopf.
    Wer sich heute ein schönes Gebrauchtes schießen kann der braucht eigentlich nix anderes.....
    Ich war vor ungefähr 2 Jahren nochmal da. Alles abgeräumt. Da stand ich nun auf einer großen Lichtung die sich die Natur so langsam wieder zurückholt. Korrigiere mich wenn es da zwischzeitlich anders aussieht. Dann bin ich da rumgetigert auf der Suche nach irgendwas. Und tatsächlich hat sich was gefunden.
    Vorne am verschossenen Tor und dem großen Loch im Zaun daneben ist der alte Sicherungskasten für den Torantrieb. Und tatsächlich steckte da noch so ein großer weisser Sicherungsknopf im Gewinde so wie man das damals hatte. Den hab ich mir dann rausgedreht. Er steht neben dem PC auf dem Schreibtisch. Damit hab ich das Kapitel Langlau für mich endgültig abgeschossen.

    Gruß
    Martin
     
  2. fisherman
    Offline

    fisherman

    Beiträge:
    21.084
    Alb, Eibe bekommt durch Schellack oder Hochglanz - im Gegensatz zu fast allen Maserfurnieren - nicht soviel mehr Tiefe. Ich habe das seinerzeit beim erwähnten Herrenzimmer über ca. 10 Matt/Glanzgrade ausprobiert. Allerdings würde das Furnier von ein wenig (!!!) mehr Glanz schon etwas profitieren. Wenn man jedoch die Birnbaum-Tasten in das Gesamtbild mit einbezieht, hat 443 m.E. alles richtig gemacht.
     
    Henry gefällt das.
  3. Ambros_Langleb
    Offline

    Ambros_Langleb

    Beiträge:
    8.941
    (1) Achso, das ist gar kein Geheimnis, der hat das ja sogar im Netz stehen, zum Verkauf unter bestimmten Bedingungen. Ich fand es prima, auch die kunstvolle Furnierarbeit, aber farblich schlägt es ein bisserl arg ins Graue, da sieht Deines einfach "optimistischer" aus (blödes Wort, aber für mich ist es schon so, daß manche Instrumente ad hoc einladen, andere einen zunächst eher auf Distanz halten). Also, das ist es:
    http://pianova.com/Angebotsdetails-159-Hertlein--?Cr=EUR

    (ID=500 aufrufen).

    (2) Das lag seit dem Abräumen 2008 brach und war ewig und zum Ärger der Gemeinde blockiert, denn es gehört ja, als ehemalige Munitionsfabrik, dem Bund. Aber jetzt tut sich offenbar was - man baut ein Katastrophenschutzzentrum drauf (seh ich im Sommer, wenn ich da wieder zum Baden fahre). Hier kann man auf so einer Militär-Fanseite Photos sehen, wie es direkt vor dem Abriß ausgesehen hat:

    http://www.geschichtsspuren.de/forum/geratehauptdepot-langlau-pfofeld-t10909-20.html (runterscrollen zum Beitrag vom 21.11.2007)

    Weißt Du eigentlich noch wie das war, ob die Kündigung durch den Bund Grund für das Firmenende war oder weil die Müller-Erben verkaufen wollten? Mir tut die Feurich-Geschichte nicht nur wegen der schönen Klaviere leid, sondern auch für Feurich selber, der jetzt innerhalb von 20 Jahren zweimal so einen Schlag hinnehmen mußte.

    Grüße,

    Friedrich
     
  4. 443hertz
    Offline

    443hertz

    Beiträge:
    76
    Na da isse ja schon wieder die Klaviatur mit Birnbaumbelag...... und der Rest ist dann Eibe in Komination mit Palisander? Oder wie sehe ich das auf dem Foto? Die Kombination kannte ich jetzt auch noch nicht.
    Aber die Furnierarbeiten in Langlau waren in der Regel schon sehr fein.
    Zu dem anderen Forum: Ich hätte evtl. fast ein paar identische Fotos vom alten Gebäude posten können. Haben meine Eltern mal gemacht als sie vor Jahren mal da waren. Das zweite von Rechts im Beitag vom 21.11.2007 auf dem die kleinen Birken durch die Treppe wachsen war der "Haupteingang". Da bin ich am 1.9.1980 morgens so gegen 6:30 reinspaziert und hab den Leuten da gleich mal gesteckt das ich der neue Lehrling bin. Es waren aber auch noch fünf andere so ähnliche Gestalten da. Und so waren wir sechs Mann. In diesem Moment hat das ganze "Elend" mit den Klavieren angefangen.
    Und ich werd es nicht mehr los denke ich bis, ja bis......
    Zu dem Rest und warum verkauft und was der Auslöser kann ich dir rein gar nichts sagen. Im Februar 84war ich auch wieder weg. Dann 91 nochmal kurz da. Ich weiß nicht wie das alles gekommen ist. Der Eigentümer waren ja viele durch die komische Verrebung der Familie Müller auf fast! alle Abeilungsmeister. Ein schönes Kuddelmuddel.
    Einer blieb soweit ich weis aussen vor. Er war zwar Abteilungsmeister und der fähigste von allen, hatte aber keinen Meisterbrief. Ich glaube der war nicht böse darüber. Namen schreib ich keinen, für was auch. Der Kollege in Ansbach wüßte auch um wen es geht. Egal. Sorry ich weis es wirklich nicht.
    Wenn du da allerdings zum Baden hinfährst und ein bisschen Hunger hast geh mal im Ort ins Gasthaus Krokodil. War früher mal das Gasthaus Näpfel. Für mich historischer Boden !Der Wirst sein bester Kunde und wir Lehrlinge gern gesehen. Die Halbe 1,30 DM. Prost !

    Schön wars...

    Gruß
    Martin
     
    Leb, Peter, Henry und 2 anderen gefällt das.
  5. Ambros_Langleb
    Offline

    Ambros_Langleb

    Beiträge:
    8.941
    Ich habe in meinem letzten Feurich-Prospekt mir handschriftlich den Preis von 54700.-- vermerkt; das mit den 75000 kann nur ein Phantasiepreis sein. Bei meinem letzten Besuch in Gunzenhausen stand so einer einsam im Ausstellungsraum herum. Was für ein wundervolles Instrument ... Viel Freude mit Deinem!

    Friedrich
     
    Piano1956 und joeach gefällt das.
  6. PianoAmateur
    Offline

    PianoAmateur ehemals Ludwig69

    Beiträge:
    513
    Liebe Clavionisten.

    Ich möchte hier nun mein Kawai CA-67 beschreiben. Dabei versuche ich, mich an die Liste von Jörg zu halten.

    Das Digitalpiano wurde in Indonesien hergestellt und ist Baujahr 2015. Die Höhe ohne Notenständer beträgt 91 cm. Es hat eine Hersteller-UVP von 2.500 € und wird in den Geschäften für 2.400 € verkauft. Ich habe es ausgiebig bei JustMusic in Berlin getestet und es mir dann gegönnt.

    Es steht in meinem 18 Quadratmeter kleinen Wohnzimmer in einer Ecke. Das Zimmer ist mit Kleinmöbeln und Büchern eingerichtet, sodass der Pianosound eigentlich keine Chance hat, hallig zu wirken. Mittels eines Hygrometers versuche ich die Luftfeuchtigkeit in einem erträglichen Maße zu halten, damit sich nicht irgendwann die Tasten verbiegen oder gar spalten.

    Mein Repertoire, welches ich natürlich noch erheblich ausbauen will, besteht derzeit hauptsächlich aus Klavierminiaturen, etwa von Schumann, Beethoven, Satie, Tschaikowsky und in der Zukunft hoffentlich auch Bach und andere Komponisten. Ab und an wage ich mich auch an ein Adagio der großen Meister. Um nicht völlig in der Vergangenheit zu schwelgen, spiele ich auch Klassik-Pop-Miniaturen.

    Den Klang meines Kawais würde ich als eher warm bezeichnen. Für nicht allzu anspruchsvolle Profipianisten ist er für die klassische Literatur durchaus geeignet. Dazu kommt natürlich, dass mein Digitalpiano mehrere Flügelsamples inne hat, davon drei neue, sehr hochwertige. Es handelt sich um die Samples vom Shigeru Kawai EX, Kawai EX und Shigeru Kawai SK-5. Persönlich bevorzuge ich letzteres. Hinzu kommen noch diverse Rock- und Pop-Pianos, E-Pianos und ein Upright-Piano-Sound. Die Klangabstrahlung funktioniert mittels sechs Lautsprechern nach oben, nach vorn und nach unten.

    Das Kawi hat eine Waagebalken-Mechanik mit langen Holztasten, welche allesamt mit Gegengewichten versehen sind und obenliegende Hämmer. Die Tasten haben eine schöne Oberflächenstruktur, welche sich m.M.n. sehr gut anfühlt. Besonders die Maserung der schwarzen Tasten erinnert mich an mein Klavier mit Ebenholztasten aus Kindeszeiten. Die Dynamik der Tastatur würde ich als ausreichend beschreiben. Es ist durchaus möglich, ein ordentliches pp und ff hinzulegen. Was die Spielart der Tastatur betrifft, so würde ich sagen, dass sie für einen fortgeschrittenen Anfänger, wie mich, ausreichend ist. Sie ist m.M.n. mittelschwer, gleichmäßig und gut beherrschbar. Beim Repetieren wirkt die Tastatur etwas schwerfällig.

    Als eine wirklich prima Entwicklung bei den neuen hochwertigen Digitalpianos empfinde ich den Virtual Technician. Hiermit lassen sich Geräuscheffekte, wie beispielsweise die Stellung des Flügeldeckels, das Loslassgeräusch der Tasten, die Rückfallgeräusche der Hämmer oder auch die Schwingungen der Saiten, wenn man das Pedal tritt und sich die Dämpfer von den Saiten heben, auf vielfältige Weise einstellen. Wenn man wollte, könnte man am Piano auch jeden einzelnen Ton stimmen. Gesamtstimmung und Intonation lassen sich ebenfalls verändern.

    Bei aller Freude über mein Instrument, muss ich abschließend aber leider sagen, dass die Verarbeitungsqualität bei den Kawai-Digitalpianos nachgelassen hat. Das ist wohl dem Wechsel des Produktionsstandortes geschuldet. Mein erstes CA-67 wurde nach ewigem Hickhack wegen Mängeln an der Tastatur umgetauscht und auch das neue Modell hat erhebliche, mechanische Auffälligkeiten. Diese Erfahrungen werden mich bei einem Neukauf in vielleicht zehn Jahren stark beeinflussen, gerade jetzt, wo die Konkurrenz ein neues Hybridpiano auf den Markt gebracht hat, welches m.M.n. mein Kawai, vom Spielgefühl und den Ausdrucksmöglichkeiten her, um Längen schlägt.

    Meine kleine Klavierecke
    Klavierecke.jpg

    Andreas
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Mai 2016
    saugferkel, Hummeline, abschweb und 10 anderen gefällt das.
  7. PianoAmateur
    Offline

    PianoAmateur ehemals Ludwig69

    Beiträge:
    513
    Hallo liebe Leute.

    War es das jetzt eigentlich mit den Klavieren? Ich hatte mich auf viele, für mich wertvolle Berichte über Klaviere und Flügel gefreut, besonders von Modellen jenseits der Ausstattung unserer oberen Zehntausenden. Spielt hier keiner Yamaha oder Kawai oder vielleicht gute Hybriden? Oder was ist mit unserem Bechsteinfan?

    Andreas
     
    joeach gefällt das.
  8. pppfff
    Online

    pppfff Guest

    Interessante Geschichten zum ehemaligen W. Hoffmann-Betrieb. Ist denn wohl ein heutiges W. Hoffmann, das ja nun zu Bechstein gehört, mit einem W. Hoffmann aus den 80ern vergleichbar oder ändert sich so etwas grundlegend nach Übernahme durch eine andere Firma?
     
  9. pppfff
    Online

    pppfff Guest

    W. Hoffmann sind also eher nicht mehr so gute Klaviere?
     
  10. Chris L.
    Offline

    Chris L.

    Beiträge:
    9
    Da kann ich wirklich als sehr zufriedener Besitzer eines Seiler Ritmo 116 jedes Wort unterschreiben! Erstaunlich, wie gleich da unsere Eindrücke und Empfindungen sind.

    Wegen der doch recht hohen Lautstärke des Klaviers und der Gegebenheiten in meinem Wohnzimmer (Parkett und viel Resonanz von den Wänden) habe ich vor kurzem Noppenschaum zwischen Klavier und Wand platziert. Jetzt bin ich noch glücklicher mit dem tollen Sound des Seilers.
     
    sail67, Gernot und joeach gefällt das.
  11. St. Francois de Paola
    Offline

    St. Francois de Paola

    Beiträge:
    401

    So ich habe einen 116er Seiler Konsole Baujahr 2005, Schweizer Birnbaum Furnier. Kann ähnliches darüber berichten.

    Ich habe den mit der echten Renner Mechanik. Preis war inklusive kostenloser Finanzierung mit 60€-Raten 6500€ neu und die Miete vom vorherigen Billigklavier wurde angerechnet. Listenpreis zu der Zeit glaube ich 8700 oder sowas momentan 10800 oder sowas.
    Preis resultierte aus Sympathie meines Klavierhändlers, der mich fördern wollte und durch die Insolvenz eines Kollegen sehr günstig an das Instrument kam

    Ich lasse den einmal im Jahr stimmen. Die Luftfeuchtigkeit ist von November bis März meist 42-47%, sonst meist 55-60%.
    Das Instrument hält die Stimmung recht gut, März und November sind die Monate, in denen es sich gerne verstimmt.
    Meine Stimmerin ist immer begeistert vom Instrument. Meist bekommt sie nur chinesische Modelle und Vorkriegsklaviere zu Gesicht, als Highlight mal einen Yamaha oder Kawai.

    Intonierung ist härter als z.B. bei einem Sauter (der die gleich teure Alternative gewesen wäre) aber nicht so hart wie die meisten asiatischen Instrumente. Klang eher transparent als romantisch, für die Größe unglaublich voluminös und stark.
    Mechanik repetiert unglaublich gut, ist weder besonders leichtgängig, noch besonders schwergängig. Die Verarbeitung sehr hochwertig.
    Raum nicht sonderlich hallig, überlege für mehr Hall ein Couchelement rauszuwerfen. Finde das Instrument klingt bei etwas mehr Hall besser, das klingt sehr brilliant und transparent, da schadet ein wenig mehr Hall nicht.

    Es repetiert besser als manch Flügel, die Mechanik kann besser nicht sein. Schwächen sind am ehesten im Pianissimo vorhanden. Kann man mit guter Technik natürlich kompensieren.
    Virtuose Stücke von Liszt oder Chopin sind klanglich einfacher gut umzusetzen als empfindliche Stücke wie Schubert Op.142 Nr. 1, aber auch das ist mit der entsprechenden Technik gut möglich.
     
  12. sail67
    Offline

    sail67

    Beiträge:
    340
    @St. Francois de Paola Das Pianissimo kannst Du vom Klavierbauer verbessern lassen. Wenn Du die "Stummschaltung" nicht nutzt, kann man die Auslösung verringern, das verbessert das PP-Spiel enorm.
     
  13. Klavierbauermeister
    Offline

    Klavierbauermeister

    Beiträge:
    1.908
    @ St. Francois de Paola hat doch gar nichts von eine Stummschaltung geschrieben ?
     
  14. St. Francois de Paola
    Offline

    St. Francois de Paola

    Beiträge:
    401
    Ich habe diesen Moderator rausgenommen und den Hammerabstand zu den Seiten verringern lassen. Dadurch passiert es nicht mehr so schnell in pianissimo-Passagen, dass man Töne verschluckt. Trotzdem muss man sehr gefühlvoll beim Pianissimo-Spiel anschlagen, um keine einzelnen Töne rauszuknallen.
    Insgesamt hat der Seiler halt ein wenig mehr Härte als z.B. ein Sauter, dafür aber auch mehr Kraft.
     
  15. sail67
    Offline

    sail67

    Beiträge:
    340
  16. andreg
    Offline

    andreg

    Beiträge:
    142
    Nachdem ich aus Platz- und Budgetgründen jahrelang auf Keyboards gespielt hatte, habe ich mir vor ca. 2 Jahren das alte Klavier meiner Oma spielbar machen lassen. Zunächst etwas zum Hintergrund: Es ist das Klavier meines leiblichen Großvaters (den ich nie kennengelernt habe), Mein Vater hatte auch darauf gelernt, aber wohl mit der falschen Klavierlehrerin. Das Klavier stand jahrelang im Wohnzimmer meiner Großelter und als Kind hatte ich gerne darauf herumgeklimpert. Es wurde jahrelang nicht gestimmt und vorher - zu Zeiten meines Vaters - war es auch schon einen halben Ton tiefer gestimmt.
    Ende der 90iger hatte ich es einmal stimmen lassen und konnte so während eines Urlaubs etwas darauf spielen, die Stimmung einiger Tasten hielt aber nicht so gut, trotzdem war es ein Fortschritt gegenüber meinem damaligen DX7IID.


    - Hersteller, Modell
    Hupfer, wahrscheinlich 1929 gefertigt

    - Herstellungsland
    Deutschland, Zeitz

    - Höhe
    125cm mit Rollen

    - aktuelle UVP, bei älteren Modellen UVP vergleichbarer Modelle / Preisklasse, oder aktueller Gebrauchtpreis von Händler oder Privat
    Der Hersteller hat die wirtschaftliche Neuorganisation in der russischen Besatzungszone nicht überlebt. Gebrauchtmarktpreise von Hupfer Klavieren sind meist in der 600€ Region. Insofern sind die 2,3k€ Aufarbeitung plus 0,7k€ Transportkosten wirtschaftlich natürlich nicht zu rechtfertigen

    - Privat oder Händlerkauf, online, blind bestellt, wurde es begutachtet
    Überarbeitet ("spielbar machen") wurde es von der Firma Klavier Maercker in Halle Saale, was in erster Linie im damaligen Standort des Klaviers begründet war. Vorab Inspektion durch einen Mitarbeiter der Firma plus KVA.

    - wie ist der Raum beschaffen in dem es steht. kahl/hallig, voll/dämpfend
    Es steht im großen Wohnzimmer auf Steinboden mit Fußbodenheizung an einer Wand. Möbel sind vorhanden. Ich denke akustisch ist es Standard

    - wirkt es dort zu laut/leise/angemessen
    Die Lautstärke passt. Seit der letzten Stimmung ist es aber etwas leiser, da di Filze bearbeitet wurden.

    - wird die Luftfeuchtigkeit kontrolliert
    Ja, mittels Wasserschale. Ohne ginge es gar nicht. Wenn ich das Nachfüllen vergesse, krige ich das sofort um die Ohren gehauen. Unter dem Klavier ist eine Isomatte, um den Einfluss der Fußbodenheizung zu reduzieren.

    - welches Repertoir wird gespielt, wofür ist das Klavier besonders geeignet, und wofür eher nicht
    Ich bin und bleibe Anfänger und spiele eher Rock / Pop Piano.

    - wie würde man den Klang beschreiben
    Jeden Tag anders. Morgens meist besser, wegen der Nachtabschaltung der Fußbodenheizung. Das Klavier ist für diese Umgebung nicht wirklich gebaut. Es gibt Tage, an denen es großartig weich und warm klingt und am nächsten Tag schon wieder sehr rau.

    - ist der Klang gleichmäßig oder gibt es auffällige Übergänge
    Ich denke, ich mache da mehr Übergänge bei Läufen.

    - wie verändert sich der Klang mit der Anschlagstärke
    Ja. Er reagiert so, wie ich es erwarten würde.
    - wie ist die (empfundene) Lautstärke, läßt es sich ppp bis fff spielen?
    Seit der letzten Stimmung mehr. Vorher war es schwer, leise darauf zu spielen. Ich muss mich aber noch daran gewöhnen. Der Einfluss des linken Pedals auf die Lautstärke ist eher subtil. Ich mag aber den geringeren Tastenhub.

    - wie ist die Stimmhöhe
    einen halben Ton tiefer. Ich habe mich bislang nicht getraut, es hochziehen zu lassen. Bislang habe ich keine eindeutigen Hinweise, ob es im Original in 1929 auf 440Hz stand oder nicht. Der eine Stimmer sagt, ja (seit 1925), ein anderer nein.

    - wie oft wird es gestimmt
    Bislang 2x im Jahr. Es übersteht die heißen Sommer nicht so gut und ab und zu vergesse ich dann doch Wasser nachzufüllen....

    - wie ist die Intonation, eher hart/weich
    mir fehlt der Vergleich

    - ungewöhnliche Stimmung
    siehe oben

    - Hersteller der Mechanik
    keine Ahnung, Hupfer selbst?

    - wie schätzt ihr die Spielart ein, leicht/schwer, hakelig/gleichmäßig, leicht oder schwer beherrschbar..
    Ich liebe die Mechanik. Ich habe mich sofort wohl darauf gefühlt. Sie ist normal schwer gewichtet. Andere Klaviere sind mir oft zu schwer im Anschlag (komme ja vom Keyboard).

    - wie ist die Verarbeitung, gibt es Mängel, Risse, hakende oder wackelnde Tasten, Hämmer die Nebensaiten mit anschlagen etc.
    Ich hatte eine quietschende Taste. Das wurde beim letzten Termin behoben. Der Resonanzboden hat wohl einen Riss, soll aber unkritisch sein. Die Tasten haben ca, 1mm Spiel beim Niederdrücken.
     
  17. fisherman
    Offline

    fisherman

    Beiträge:
    21.084
    Wenn Dein Klavier tatsächlich so sensibel auf die Nachtabschaltung reagiert, wie Du es beschreibst, würde ich wirklich in einen DampChaser investieren. Auch deswegen >>>
     
  18. Klaus6
    Offline

    Klaus6

    Beiträge:
    419
    Na dann will ich mal auch die Instrumente beschreiben die ich besitze oder bis vor kurzem besaß:

    1. Ein Grotrian-Steinweg Flügel, 189cm, Bj. 1977. Dies ist ein echter "Power"-Flügel. Wahnsinn wieviel "Wumms" der bei der Länge hat. Tolle Spielart. Im Vergleich zu einem Premium-Flügel ist er nicht so präzise in der Spielart; ppp spielen ist nicht sehr einfach zu kontrollieren. Bei typischen Gebrauchtpreisen zwischen 10.000 und 13.000 Euro ein echtes Schnäppchen, meiner Meinung nach. Der bläst jeden neuen Yamaha C3X weg.

    2. Ein Kawai Klavier K-500, 130cm Höhe, Bj 2016. Ein tolles Klavier mit einem beeindruckenden Klang. Die Spielart ist vielleicht nicht so präzise wie bei einem deutschen 15.000 Euro Klavier, aber das Preis/Leistungsverhältnis ist schwer zu toppen, insbesondere angesichts der Größe. Der Bass macht richtig was her. Beim richtigen Händler kann man durchaus 25% Rabatt auf den Listenpreis bekommen.

    3. Einen Bösendorfer Flügel, 200cm Länge, Bj 2004. Tolle und präzise Spielart, aber den Klang muss man mögen. Ganz anders als Grotrian oder Steinway. Den Bass habe ich am meisten geschätzt; sehr klar. Allerdings ist dieser Flügel eher das Gegenteil eines "Power"-Flügels. Er hält sich eher dezent im Hintergrund. Für Kammermusik sicherlich bestens geeignet. Aktueller Listenpreis ist glaube ich etwa 86.000 Euro.

    4. Einen Yamaha Flügel CF-6, 212cm Länge, Bj 2016. Dies ist mein derzeitiges Hauptinstrument und die Erfüllung eines Traums. Der Klang im ff ist ein völlig anderer als im pp; es ist, als ob man mehrere Flügel in einem hätte. Die Präzision der Spielart ist meiner Meinung nach ohne Beispiel. Ich freue mich jeden Tag, auf diesem Instrument zu spielen und würde ihn für keinen Steinway B oder Fazioli 212 eintauschen wollen. Aktueller Listenpreis ist etwa 94.000 Euro. Bei dem Preis schluckt man erstmal ob man sich nicht doch ein Instrument kaufen soll, dessen Name ein höheres Prestige als Yamaha ausstrahlt, aber die Qualität hat mich einfach überzeugt. Ausserdem mag ich das Understatement welches dieses Instrument ausstrahlt ("Oh du hast einen Yamaha Flügel?" *probier aus* "Wow!").
     
    Barratt, pianochris66 und joeach gefällt das.
  19. J. S. Schwach
    Offline

    J. S. Schwach

    Beiträge:
    448
    Stephan Hain, 1902

    Die „Stephan Hain, Pianofabrik“ existierte von 1892 (?) bis 1972 in Krefeld. Hain warb mit „wohlfeil“ und „haltbar“. Das Klavier mit der Nummer 1428 verließ die Pianofabrik zwischen 1900 und 1903. Das Design ist extem ausgefallen und scheint sich an viktorianischen Top-Klavieren aus Amerika zu orientieren. Das Innere ist in geschmackvollem Steampunk gestaltet. Hammeroptik!

    Höhe:
    132 cm mit Rollen.

    Preis:
    Keine Ahnung. Ich habe das Klavier frisch restauriert umsonst bekommen. Mit dem Hinweis, dass es "einen richtig guten Klang" habe. Da sind sicherlich ein paar Tausender rein gesteckt worden. Aber da nicht Bechstein drauf steht, wird die wahrscheinlich keiner bezahlen wollen.

    Ein merkantiler Mangel sind die Risse im Resonanzboden. Die sind aber okay, der Restaurator hielt wohl nichts vom Ausspanen.

    Wie ist der Raum beschaffen
    Großes Wohnzimmer mit Teppichen und Möbeln. Unglücklicherweise steht das Klavier aus Platzgründen in einer Nische. Wenn ich es in vorziehe in den Raum, verbessert sich der Klang deutlich.

    Wird die Luftfeuchtigkeit kontrolliert
    Nein. Ungedämmter Altbau. Geheizt wird nur abends.

    Akustik und Mechanik
    Der Klang ist in hohen und mittleren Lagen gut bis sehr gut. Die Basssaiten sind unzureichend gedämpft und neigen zum Dröhnen. Der Klavierstimmer meinte, echte Spitzenklaviere hätten das nicht.
    Durch geschicktes Anspielen kann man das aber kontrollieren und dem Bass Töne entlocken, die viele andere Klaviere an die Wand drücken.
    Die Mechanik ist eine Eigenentwicklung mit bleibeschwerten Hämmern. Die Spielart ist freundlich ausgedrückt schwergängig. Man spürt keinen Auslösepunkt. Piano ist anstrengend und pianissimo geht gar nicht.
    Pedalfunktion (2 Stück) eher rustikal. Mit dem linken Pedal gehen die Tasten deutlich leichter, aber mir gefällt die Klangveränderung nicht.

    Elfenbeintasten halte ich für die dümmste Erfindung im Klavierbau. Ich kann nicht spielen, wenn im Sommer die Tasten an den Fingern kleben.

    Repertoire
    Gespielt werden Bach, Mozart, Händel, Ragtime, Boogie Woogie.

    Das Klavier wurde wohl für den Ragtime gebaut. Es hat den passenden Sound und die genannten Schwächen fallen nicht auf. Dafür ist echt schwer, einen Boogie sauber herauszuspielen. Auf einem Epiano kann ich unkompliziert drauf hauen, aber auf dem Oldtimer geht das dann mehr in Richtung Lärm. Da es 1902 noch keinen Boogie gab, fiel das niemandem auf. Macht man es aber richtig... :-D

    Stimmhöhe
    ¼ Ton zu tief. Der Stimmer meinte, das ist besser fürs Instrument und die Stimmung hält länger.

    Verarbeitung
    Was soll ich sagen? Seit der Restaurierung vor 25 Jahren wartungsfrei im Einsatz. Es gab nie den Hauch eines Problems. An dem Klavier ist alles original, selbst die Hammerköpfe. Was 120 Jahre hält, muss gut verarbeitet sein.

    Fazit
    Ein Klavier, wie man es heute niemals bauen würde, weder in Bezug auf die Optik noch auf die Akustik.

    EDIT: Sie Seriennummer findet sich auf der Rückseite unten, im Zweifel unter einer Staubschicht.

    StHain.JPG .
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Jan. 2018
    Ferdinand, Gernot, PianoAmateur und 5 anderen gefällt das.
  20. J. S. Schwach
    Offline

    J. S. Schwach

    Beiträge:
    448
    Das Kleben war mehr metaphorisch gemeint. Es ist einfach so, dass der Reibungskoeffizient von Elfenbein unter feuchten Fingern durch die Decke geht. Bei dem vorherigen Klavier von 1870 war das genauso.