Bach Goldberg Variationen (1-5)

Oi! Gleich mal mit Barenboim vergleichen!

Kommt drauf an, was Du mit "vergleichen" meinst.
Wenn man damit meint, sich vom Vergleich der eigenen Amateur-Versuche mit professionellen Einspielungen anregen zu lassen, dann ja.
Wenn man dagegen meint, "Vergleichen" bedeute, die eigenen Versuche abzuwerten und nur die besten Interpretationen überhaupt als wertvolle Musik durchgehen zu lassen, dann wollte ich das ausdrücklich nicht damit bezwecken!

Vor @motz-art ens Projekt habe ich selbstverständlich den höchsten Respekt und verfolge das mit großem Interesse!
 
Ja, die Verzierungen sind jetzt besser im Zeitmaß. Insgesamt wackelt das Ganze aber trotzdem immer noch. Da ist kein ruhiger Fluss drin.

Wundert mich, ehrlich gesagt, weil spieltechnisch ist die Aria ja eigentlich nicht schwer. Offensichtlich ist das langsame Tempo schwieriger zu gestalten als das flottere der nachfolgenden ersten Variation.

CW
 
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Nicht wirklich. Ich würde mir an deiner Stelle mal eine Fassung ohne Verzierungen und unter Auslassung aller Diminutionen erstellen und diese solange üben, bis sie vollkommen gleichmäßig und ruhig fließt. Erst dann nach und nach wieder die "Manieren" hinzufügen und ruhig mal überlegen, wie die Triller und Mordente genau rhythmisiert werden sollen. Im langsamen Tempo der Aria ist es überhaupt nicht notwendig (und meiner Meinung nach alles andere als gut), Verzierungen so schnell wie möglich zu spielen. Die sollten viel mehr gesangliches Element der Melodie sein als virtuoses Beiwerk. Von letzterem gibt es später noch genug in den Variationen.
 
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Oi! Gleich mal mit Barenboim vergleichen! :020:
massenweise Noten gefressen ohne je etwas richtig geübt zu haben.
Barenboim wird ja auch eine gewisse Übeunlustigkeit zugesprochen :lol:....
Und der hochbetagte Pianist Menahem Pressler sagte einmal: "Barenboim wäre ein besserer Pianist, wenn er üben würde."
https://www.dw.com/de/der-einflussreichste-klassikstar-daniel-barenboim-wird-75/a-41363704

Spezialist ist doch ein anderer der Bachinterpret:

View: https://youtu.be/1_sIdXTqXKU
 
Lieber motz-art,

das Problem ist nach meiner Erfahrung bei Stücken, die man lange schon gespielt, aber nie so richtig geübt hat, dass man sich daran gewöhnt hat, wie man's spielt und alte Gewohnheiten schlecht wieder los wird. Es anders zu hören, ist oft das Schwerste. :003: Manchmal ist es dann leichter, wenn man einfach ein neues Stück, das man schon immer spielen wollte, übt.

Wenn du aber dran bleiben willst und das willst du ja, müsstest du aus meiner Sicht versuchen, so zu üben, dass du das Stück anders hörst als bisher. Dass du also die alten Hörgewohnheiten und Übepfade verlässt und neue betrittst. Das schließt sich direkt an micks Empfehlung an, Verzierungen etc. wegzulassen.

Man kann z.B. versuchen, wirklich nur den roten Faden, das Melodiegerüst herauszufinden und zu spielen. Vielleicht auch nur das harmonische Gerüst spielen mit beiden Händen spielen und dazu die Melodie ohne Verzierungen singen. Mal in Zeitlupe spielen. Und wirklich alle Vorhalte, Dissonanzen etc. dabei hören. Alles auch mal transponieren und damit rumspielen. :D

Denn es wirkt abgesehen von den Verzierungen und dem Timing m.E. zu mechanisch und dynamisch gleichförmig, was auch für die Variationen gilt. Die Stimmen müssten transparenter und klarer geführt werden - ich empfinde alles als ziemlich gleich laut. Besonders lange Töne werden nicht weiter gehört und geführt. Man könnte z.B. Stimmen, die eigentlich mit einer Hand gespielt werden, wenigstens teilweise mit zwei Händen spielen, auch mal in zwei verschiedenen Lautstärken oder Artikulationen oder sogar Lagen probieren. Oder man spielt eine Stimme oder singt die andere dazu. So dass du alles Mechanische und Gewohnte aus deinem Üben wenigstens jetzt am Anfang streichst und alles so spielst, wie du es nie gespielt oder geübt hast. :003:

Dann könnte es echt schön werden! Es hat schon vielversprechende Ansätze! :) Toll, dass du dieses Stück immer wieder auch in deinem Unterricht vorgestellt hast!!! :011:

Liebe Grüße

chiarina
 
Denn es wirkt abgesehen von den Verzierungen und dem Timing m.E. zu mechanisch und dynamisch gleichförmig, was auch für die Variationen gilt. Die Stimmen müssten transparenter und klarer geführt werden - ich empfinde alles als ziemlich gleich laut.

(...)
Dann könnte es echt schön werden! Es hat schon vielversprechende Ansätze! :)

Da du ja sonst sehr behutsame Feedbacks gibst, wirkt das diesmal auf mich schon allzu kritisch. :001:
So ein bisschen wie die Rückmeldung, nachdem ein Schüler zum ersten Mal den Anfang der Goldberg Variationen im Unterricht vorspielt.
(Jedenfalls war das jetzt meine Assoziation.)


Deshalb möchte ich noch einmal sagen, dass sich meine deutlich geäußerte Kritik auf die Aria beschränkt. Alles andere gefällt mir schon sehr gut. (Verbessern kann man es natürlich immer. "Dynamische Gleichförmigkeit" empfinde ich hier nicht als Problem. Aber das kann man ja bei einem Stück, das für Cembalo komponiert wurde, vermutlich ohnehin sehr unterschiedlich wahrnehmen.)

@motz-art zeigt hier schon mehr als nur "vielversprechende Ansätze", meine ich.


Toll finde ich, dass es inzwischen ausführliche Rückmeldungen auf Einspielungen gibt!
@Klimperline hatte schon darauf hingewiesen: Das Forum "Einspielungen" verdient die Aufmerksamkeit!
 
@motz-art zeigt hier schon mehr als nur "vielversprechende Ansätze", meine ich.

Hoffentlich, er kann auf 30j Musikerfahrung als Lehrer/Pianist zurückgreifen. @chiarina und @mick haben recht, er muss das Stück musikalisch neu lernen … sonst dreht er im Kreis. Unrhythmisch und roboterhaft zu spielen sind Fehler, die darf man und muss man kritisieren. Und wie lernt man es richtig, einfach 1-2 Gänge zurückschalten. Dazu mitsingen, mitwippen, laut mitzählen einfach das übliche Zeug um den Rhythmus und die Melodie in Griff zu bekommen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Da du ja sonst sehr behutsame Feedbacks gibst, wirkt das diesmal auf mich schon allzu kritisch. :001:
So ein bisschen wie die Rückmeldung, nachdem ein Schüler zum ersten Mal den Anfang der Goldberg Variationen im Unterricht vorspielt.
(Jedenfalls war das jetzt meine Assoziation.)

Lieber Clavifilius,

danke für deine Rückmeldung! :) Du meinst, ich wäre zu kritisch und findest meine Kritik auch ungerecht gegenüber motz-art?

Nun, das kann sein. Ich nehme Kritik an meiner Kritik auch sehr gern entgegen! :003:

Aber ich sehe eben motz-art keineswegs als Schüler o.ä., sondern als Kollegen. Er ist Profi und ich setze da andere Maßstäbe. Klavierspielen kann der. :) Er selbst hat außerdem in seinem ersten Post und auch sonst hier schon eine Menge Humor bewiesen (köstlich die "kratertiefen Schlaglöcher" :004:) und ist ja selbst unzufrieden, so dass ich es eben so formuliert habe wie ich gedacht habe. :002: Wenn er selber sagt "Mensch chiarina, sei doch mal ein bisschen zurückhaltender/netter...., nehme ich alles zurück! :002:

Aber mir haben ausdrücklich auch die Variationen, besonders wenn sie dreistimmig sind/werden ..., nicht gut gefallen, außer in den vielversprechenden Ansätzen, die klar zu hören sind. :003: Es fällt mir schwer, die einzelnen Stimmen polyphon und transparent wahrzunehmen und das liegt eben auch daran, dass vieles dynamisch gleich laut gespielt wird. Ein langer übergebundener Ton wird z.B. leiser auf dem Klavier und dann müssen die nächsten Töne sich i.d.R. dynamisch anschließen.

Ich begegne jedenfalls motz-art gefühlsmäßig mit großem Respekt, auch was z.B. andere Einspielungen von ihm, seine Etüden etc. angeht, geschweige denn, einer Klasse die Goldberg-Variationen näher zu bringen! :) Ich denke, das weiß er und wird die Kritik, so hoffe ich, nicht als niedermachend einordnen! :002: Wenn doch, bin ich die letzte, die das nicht ändert! :)

Liebe Grüße

chiarina
 



Interessant. Weiß noch nicht, was ich davon halten soll.
Mir scheint, hier wird @mick s Einsicht und Hinweis, dass man die Verzierungen als Bestandteil der Melodie statt als virtuoses Beiwerk sehen sollte, auf die Spitze getrieben.

Was auch immer @motz-art aus dem umfangreichen kritischen Feedback macht - ich fand die Diskussion über die Einspielung heute spannend und lehrreich.
 
Es ist doch gewissermaßen tröstlich, zu erkennen, dass auch ein respektabler Pianist wie A. Sch. an der Gestaltung der Aria scheitert, von Herrn P. auf dem Blüthner mal ganz zu schweigen.
 

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