Auf dem Holzweg

.marcus.

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Ich denke, die Frage ist durchaus berechtigt, ob man in dieser Situation nicht in der Pflicht ist etwas zu sagen.

Je nachdem welcher Argumentation man folgt, ist die Situation entweder harmlos
Zitat von megahoschi:
dass man sich einige Schleifen im Leben hätte ersparen können, wenn man auf Eltern/Freunde/etc. gehört hätte
Zitat von Peter:
Mit jungen 22 Jahren darf man sich noch verrennen
oder ziemlich bedenklich
Zitat von kreisleriana:
Adoleszenz Krisen dieser Art können auch mal in eine Katastrophe führen
Zitat von Rheinkultur:
Gescheiterte Existenzen mit fehlgeleiteter Selbstwahrnehmung gehören vermutlich in der Peripherie aller Berufsgruppen zur traurigen Realität

Nach Stilblütes Schilderung hört es sich für mich eher nach Kategorie "bedenklich" an. Wenn der Student tatsächlich so ungeeignet ist für das Studium und sich total verrennt, dann würde ich auf jeden Fall versuchen ihm das zu sagen. Manche haben hier argumentiert, dass man ja niemandem seinen Lebensweg vorschreiben sollte oder jemandem Entscheidungen abnehmen kann. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Stilblüte kann ihn ja weder von seinem Klavierunterricht abmelden noch seine Teilnahme an der Aufnahmeprüfung verhindern. Die Entscheidung trifft er sowieso selbst. Aber wenn alle einfach zuschauen und niemand etwas sagt, fände ich das viel schlimmer als ein offenes Wort. Gerade seine Lehrer wären hier in der Pflicht.

lg marcus
 
rolf

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es kommt in allen Studiengängen und Ausbildungsarten vor, dass sich jemand auf ein unerreichbares Ziel verbeisst - meistens aber genügen ein paar Semester, um das (und sei es erzwungenermassen durch katastrophale Zwischenergebnisse) zu bemerken --- und ein paar Semester das falsche gemacht zu haben, ist kein unheilbarer Beinbruch: dann macht man halt was, wofür man geeigneter ist.
 
G

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Adoleszenz Krisen dieser Art können auch mal in eine Katastrophe führen

Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht - also, falls er latent suizidgefährdet ist, dann wird alles noch komplizierter, denn dann musst Du bei dem, was Du tust, auch einkalkulieren, wie Du Dich fühlst, wenns geschehen ist. In dem Fall kann ich auch gut nachvollziehen, dass es Dich aufregt. Ich selbst hatte einen Kommilitonen, der während des Studiums Selbstmord begangen hat, was bei den meisten seiner Freunde - auch bei mir - natürlich zu der Frage geführt hat, was wir versäumt haben. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass wir wahrscheinlich nichts hätten ändern können, aber damals war mir das alles andere als klar. Also, langer Rede kurzer Sinn: Ich würde ihm signalisieren, dass ich ein offenes Ohr für ihn habe, wenn er es braucht, und ansonsten, auch wenn das hart klingt, gut überlegen, wie viele Emotionen ich investiere.
 
Walter

Walter

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Hallo Stilblüte,

schreibe Deinem Mitbewohner doch einen Brief, in dem Du Dich klar dazu bekennst, ihm das nicht persönlich ins Gesicht sagen zu können. Aber dass Du das eigentlich nicht mit ansehen kannst.
Und dann folgt Dein Inhalt - etwa das, was Du in Deinem ersten Posting geschrieben hast.

Wir haben ähnliche "Fälle" in unserer Schule. Als Lehrer kann und darf ich dem einen oder anderen nicht ganz klar sagen: Du schaffst das nie! Aber ich fühle mich hie und da moralisch gezwungen, den Leuten zu sagen, sie sollten einen Plan B entwickeln: was wirst Du machen, wenn es mit der Schule nicht klappt? Ich erzähle ganzen Klassen von verschiedenen Schülerkarrieren, von gelungenen, von mit Hilfe gelungenen und auch von total in den Sand gesetzten Karrieren. Von 5 Jahren, gefüllt mit Misserfolgen und einem Abgang von der Schule "mit nichts". 5 Jahre in den Sand gesetzt, eigentlich traurige Schicksale. Meist waren es aber auch beratungsresistente junge Leute.

Vielleicht tust Du Dich als Nicht-Lehrerin da leichter, vor einem Total-Ausfall zu warnen.

Ich wünsche Dir weise Worte! Hänge Dich vor allem emotional nicht zu sehr rein.

Walter
 
hasenbein

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Was meint Ihr denn?

Warum ist jemand "beratungsresistent"? Warum ist jemand "merkbefreit"? Was kann es Eurer Meinung nach für Gründe dafür geben, daß jemand (zumindest in einem Teilbereich seines Lebens) so wird?

Rolf kritisierte in einem anderen Thread, daß ich dies (zumindest auf einen Teil der Fälle bezogen) mit unguten narzißtischen Anteilen in der Persönlichkeitsstruktur in Verbindung brachte, und bezeichnete das als (unzulässige) "psychiatrische Ferndiagnose"...

LG,
Hasenbein
 
rolf

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Rolf kritisierte in einem anderen Thread, daß ich dies (zumindest auf einen Teil der Fälle bezogen) mit unguten narzißtischen Anteilen in der Persönlichkeitsstruktur in Verbindung brachte, und bezeichnete das als (unzulässige) "psychiatrische Ferndiagnose"...
na ja, so aus der Ferne gleich auf Persönlichkeitsstrukturen UND evt. psych.Krankheitsbilder zu schließen, ist schon ein wenig vorschnell: nicht jeder, der sich zeitweilig falsch entscheidet, muss deswegen gleich psych. Defizite haben
 
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Destenay

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Ich denke, die Frage ist durchaus berechtigt, ob man in dieser Situation nicht in der Pflicht ist etwas zu sagen.

Je nachdem welcher Argumentation man folgt, ist die Situation entweder harmlos


oder ziemlich bedenklich



Nach Stilblütes Schilderung hört es sich für mich eher nach Kategorie "bedenklich" an. Wenn der Student tatsächlich so ungeeignet ist für das Studium und sich total verrennt, dann würde ich auf jeden Fall versuchen ihm das zu sagen. Manche haben hier argumentiert, dass man ja niemandem seinen Lebensweg vorschreiben sollte oder jemandem Entscheidungen abnehmen kann. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Stilblüte kann ihn ja weder von seinem Klavierunterricht abmelden noch seine Teilnahme an der Aufnahmeprüfung verhindern. Die Entscheidung trifft er sowieso selbst. Aber wenn alle einfach zuschauen und niemand etwas sagt, fände ich das viel schlimmer als ein offenes Wort. Gerade seine Lehrer wären hier in der Pflicht.

lg marcus

Dies bringt alles nichts ! der junge Mann muss seine eigene Erfahrung sammeln. Ihm abzuraten währe sehr ungeschickt sogar riskant. Auch wird er sich mit absoluter Sicherheit sich nichts sagen lassen, er wird mit Aggressionen reagieren was Stilblüte ja schon zu spüren bekamm ( er mag anscheinend keine Frauen). Ich würde versuchen ihn zu motivieren antreiben.
Auch darf ruhig mal gesagt werden mit 22 Jahren hat er noch etliche andere Möglichkeiten. Ich kenne einige Menschen die ab 35 Jahren ihr Abitur nachgeholt und studiert haben, dass sind heute sehr gute Ärzte und Anwälte.

Cordialement

Destenay
 
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Rheinkultur

Rheinkultur

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Auch darf ruhig mal gesagt werden mit 22 Jahren hat er noch etliche andere Möglichkeiten. Ich kenne einige Menschen die ab 35 Jahren ihr Abitur nachgeholt und studiert haben, dass sind heute sehr gute Ärzte und Anwälte.
Dazu muss man aber sagen, dass es von Lebensjahr zu Lebensjahr immer schwieriger wird, sich am Markt durchzusetzen und zu behaupten. Gerade das Missverhältnis zwischen Bewerberzahlen und tatsächlichen Arbeitsmöglichkeiten macht künstlerische Berufe zu einem besonders unsicheren Terrain.

Des weiteren spielt das Vorleben eine große Rolle: Wer sein Abitur auf dem II. Bildungsweg nachholt, nachdem er in einem qualifizierten Ausbildungsberuf durchaus erfolgreich tätig war, steht anders da als jemand, der auf früheren Lebensstationen im Prinzip immer nur gescheitert ist. Es ist völlig richtig, dass der Lebenslauf von heute weniger geradlinig und karrierespezifisch überschaubar aussieht als in früheren Zeiten und man somit niemals nie sagen darf. Andererseits müssen dem jungen Mann ganz andere Personen klar machen, dass die Pianistenkarriere einfach zu unwahrscheinlich ist: Nicht Mitstudierende, sondern das Lehrpersonal der Hochschule, das im Rahmen der Prüfungsverfahren nichts weniger als die Voraussetzungen des Kandidaten feststellt, sich im angestrebten Berufsfeld behaupten zu können. Der Traumberuf eines professionellen Musikers kann zu einem grauenhaften Alptraum werden, wenn sich der ersehnte berufliche Erfolg nicht einstellt. Und die Ausweichmöglichkeiten in andere qualifizierte Berufe sind denkbar ungünstig. Aber das habe ich an anderer Stelle schon gesagt.

LG von Rheinkultur
 
 

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