Mich haben politische "Liedermacher" schon immer zutiefst abgestoßen. Erstens will ich nicht von klampfenden Gammlern belehrt werden.
Lieber schmickus,
das sei dir unbenommen! Warum so aggressiv ("klampfenden Gammlern")?
Zweitens ist der Einsatz von Musik zur Gehirnwäsche abzulehnen.
Dies jedoch ist aus meiner Sicht
Erstens der Gebrauch des Begriffs "Gehirnwäsche", dessen Definition gern
hier und
hier nachzulesen ist.
Zweitens die implizierte Meinung, dass Musik und Politik - so verstehe ich deine Aussage zumindest - nicht verknüpft werden sollten. Musik und Politik sind aber ein sehr
weites Feld, wie du sicher weißt. Oder ist das dann auch "Gehirnwäsche":
https://www.ardmediathek.de/video/a...-wdr/ard/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIwOTczMjc?
Zur Fragestellung, wie weit man ohne Klavierlehrer kommt:
Die Frage ist, was mit "weit" gemeint ist. Damit kann gemeint sein:
a) die Anzahl der Töne
Da kann man sehr weit kommen. Der Mensch hat 10 Finger und kann damit schon so einiges an Tasten "niederdrücken".
b) den richtigen Rhythmus:
Da wird es schon schwieriger. Auch wenn man sich jede Menge Aufnahmen anhören kann, ist Rhythmus, Metrum und Puls doch nur über die eigene körperliche Erfahrung erlebbar. Ich habe schon einmal erzählt, dass vor langer Zeit ein über 70jähriger zu mir kam, um den letzten Schliff bei einer Beethoven-Sonate zu erlernen. Er wolle nur ein paar Stunden, um zu lernen, wie man Triller spielt u.a., er wolle keinen richtigen Unterricht.
Leider war diese Sonate kaum zu erkennen. Die Töne waren größtenteils richtig, alles andere, auch in rhythmischer Hinsicht, war nicht vorhanden. Ich habe ihm seinen Wunsch erfüllt und seine Fragen beantwortet. Schließlich habe ich sehr vorsichtig und freundlich angefragt, ob er vielleicht auch noch in rhythmischer Hinsicht an ein paar Dingen arbeiten wollte. Er war so beleidigt, dass er sagte, solche Lehrer wie mich würden eben allen Leuten den Spaß verderben und Lehrer wie ich mit ihrem Perfektionismus wären dafür verantwortlich, dass nur noch so wenige Jugendliche Klavier spielten.
c) Dynamik, Phrasierung, Artikulation, Agogik, Tempo, Klangbalance, Klangdifferenzierung, die dazu erforderliche technische Umsetzung u.v.a.
Hier wird es sehr schwierig. Es gibt sehr, sehr selten Menschen, die einen natürlichen Zugang zu Musik haben und sich von Natur aus so bewegen am Klavier, dass etwas Schönes dabei herauskommt. Wenn jemand in diesen Dingen "weit" kommen will oder auf einem guten Niveau spielen möchte, ist ein guter Lehrer unerlässlich. Ein geschultes Ohr ist Grundvoraussetzung fürs Klavierspielen und macht auch die technische Arbeit erst möglich. Wie der Name schon sagt, muss es aber erst geschult werden.
Es ist aber überhaupt kein Problem, wenn jemand einfach nur für sich spielen möchte, sich erfreut an den Klängen und glücklich ist, ohne Lehrer sich auf die Entdeckungsreise zu machen! Das ist wunderbar! Nur fragen diese Klavierspieler in der Regel nicht, wie weit man ohne Lehrer kommt.
Liebe Grüße
chiarina