Wie weit kommt man ohne Klavierlehrer

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  • #61
Instrumentenkarussell, Schulkooperationen, Früherziehung
Über sowas meckern, sich dann aber drüber beklagen, dass es zu wenig Nachwuchs gibt.
Bei diesem "Firlefanz" geht es genau um den Nachwuchs.
Sind dir Schüler lieber, die wegen eines Videotutorials zu "river flows in you" zu dir kommen?
Lustlose Schüler, die nicht üben und zum Unterricht "müssen"?

Ich glaube du bevorzugst die Sorte, die tatsächlich Klavier spielen lernen möchte (Viele wollen das nur können ... die meine ich nicht).

Ich hatte zwar keine musikalische Früherziehung (es sei denn, Beatles und Stones hören zählt da auch), aber ich kenne viele gute Musiker, die mit Leib und Seele dabei sind, und welche hatten.
Für jemanden, der lieber die Pianistik an sich unterrichten möchte, ist sowas natürlich langweilig und sicherlich auch nervig, wenn man das öfter machen muss.
Trotzdem halte ich den "Firlefanz" für wichtige Nachwuchsarbeit.

@Debösi
Ich finde den Gedanken tröstlich, dass sehr wahrscheinlich unsere eigenen Lehrmeister und Führungskäfte, uns und die Welt, die wir uns derzeit erschufen, recht ähnlich abschätzig betrachtet haben dürften.

Es ist halt eine kosmische (und historische) Konstante, dass "die Welt" und "die Jugend" verkommen.

Das sollte man mit einem tiefen "Omm" einfach akzeptieren ... oder was dagegen unternehmen (das ist aber viel anstrengender und weniger erfolgversprechend).
 
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  • #62
Trotzdem halte ich den "Firlefanz" für wichtige Nachwuchsarbeit.
Ja, die ersten paar Monate vielleicht. Aber wenn dann der Nachwuchs "rekrutiert" ist, muss es auch aufbauende, spezialisierte Folgeangebote geben. Gewöhnlichen Instrumentalunterricht eben.

Es ist halt eine kosmische (und historische) Konstante, dass "die Welt" und "die Jugend" verkommen.
Mach es dir nicht zu leicht! Abgesehen von dem Generationenkonflikt, der seit den alten Griechen dokumentiert ist, ist der Niveauverfall in den letzten Jahrzehnten objektiv messbar. ZB der wachsende Analphabetismus ist ein ernstzunehmendes Problem, das nicht übersehen werden sollte, nur weil die Alten immer wieder mal über die Jungen meckern.
 
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  • #63
Musikalische Früherziehung ist kein Blödsinn.

Wer es allerdings nicht gelernt hat, tut sich mit gutem Unterricht schwer. Wie das halt so ist.
 
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  • #64
Firlefanz mit kleinen Kindern in Gruppen zu machen (Instrumentenkarussell, Schulkooperationen, Früherziehung,
Einmal ganz sachlich betrachtet: Früherziehung ist keinesfalls ein neuer "Firlefanz" der Musikschulen, sondern existiert seit mindestens 60 Jahren. Ich habe als Kind in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts daran teilgenommen (und kann mich bis heute noch an einiges erinnern!).
Schulkooperationen in Form von Bläser- und Streicherklassen halte ich im Gegensatz zu Dir für einen Segen. Dadurch bekommt die Musik in der Grundschule und Unterstufe der weiterführenden Schulen etwas mehr Gewicht, als sie sonst hätte. Dazu kommt das Musizieren mit anderen zusammen, was ich als sehr wertvoll ansehe.

Lediglich das Instrumentenkarussell ist neu. Ich habe selbst keine Erfahrungen damit, finde jedoch die Idee sehr gut. Als ich ein Kind war, gab es im Grunde drei Instrumente, die man lernen konnte: Klavier, Geige und Cello.
Es lohnt sich zu zeigen, dass es im Bereich der Musik vielfältiger zugeht!
Ob einer wirklich gut spielen kann oder wirklich gut Pianistik vermittelt, ist eigentlich nicht mehr relevant bei den Musikschulen.
Kann ich nicht bestätigen.
Die müssen, um zu überleben und die notwendigen Fördergelder zu bekommen, zunehmend nur noch so Blödsinn machen. Der "normale Klavierunterricht" stört da eher.
Es gibt für jedes Kind Fördergeld; das ist der Betrag, den wir als Erwachsene dann zusätzlich zahlen müssen. (zumindest in BaWü ist das so).
 
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  • #65
Ich vermute, diese Ansichten und Diskussionen gibt es schon, solange Menschen älter werden und Lust haben, sich über die Jugend zu beklagen :007:
 
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  • #66
Firlefanz mit kleinen Kindern in Gruppen zu machen (Instrumentenkarussell, Schulkooperationen, Früherziehung
Diese Aussage meint: Musik ist nicht wichtig genug, als dass alle Menschen mit ihr in Berührung kommen sollen. Könnte man übrigens auch auf den Sportunterricht ausweiten. Wozu Sportunterricht, wenn sowieso die Spitzensportler ihr eigenes Training neben der Schule haben?
 
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  • #68
Mich bringen so Äußerungen wie die von @hasenbein ja ab und an zum neugierigen Recherchieren.

Und was finde ich da? Ein Konzept zur Förderung von begabten Kindern/Jugendlichen in baden-württembergischen Musikschulen mit dem Titel SVA (Studienvorbereitende Ausbildung). Ich kannte es noch nicht, bei uns existiert es nicht.

Als Beispiel möge die Musikschule Biberach in Oberschwaben dienen. Die Regelungen für die verschiedenen Förderungen klingen reichlich kompliziert, aber ich denke, wenn das für ein Kind in Frage kommt, fuchst man sich schon rein. Die Förderung kann bereits in Klasse 3 beginnen.


Um an @Demian und seinem Beispiel mit dem Sport anzuknüpfen: Begabten- und Breitenförderung sollten sich nie ausschließen, sondern ergänzen.
 
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  • #69
Um an @Demian und seinem Beispiel mit dem Sport anzuknüpfen: Begabten- und Breitenförderung sollten sich nie ausschließen, sondern ergänzen.

Mich beschäftigt dieses Thema schon lange.
Auch im Ballett gibt es außerhalb der Großstädte (und selbst in diesen) hauptsächlich sogenannte Dolly-Dinkle-Studios, wo man es schafft Grundlagen zu vermitteln, die Kinder zu beschäftigen und an diese Kunst heranzuführen.
Um es auf die Bühne (im Ballett, für sonstigen Bühnentanz ist es leichter) zu schaffen, müssen sie dann aber möglichst früh an eine der Schulen wechseln, die man nur in Großstädten findet.

Da scheinen sich darstellende Kunst (wie ist das mit der bildenden?) und Sport kaum zu unterscheiden.

Für die Lehrer/Trainer gilt dann das Gleiche: Willst du angehende Profis unterrichten, musst du umziehen.

In Summe geht, wer Ambitionen hat, in die Stadt.

Was auf dem Land bleibt, außer Kirchenchor/Kirchenorgel, freiwilliger Feuerwehr und Schützenverein, ist die kaum zu findende Ausnahme.

Das ist zumindest mein enttäuschendes Fazit, weshalb ich in der Stadt bleiben muss.

Würde sich eine Sammlung der Ausnahmen lohnen? Gibt es Dörfer (oder Kleinstädte), die ein Klavier- oder Tanz-Hotspot sind?
 
  • #70
Wenn ich die Listen der Jumu-Preisträger anschaue, bin ich immer überrascht, wie schwach die Großstädte/Kulturzentren im Vergleich zu ländlichen Regionen vertreten sind. Liegt es daran, daß es auf dem Land weniger Abwechslung gibt?
 
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  • #71
Es ist doch normal, dass nicht in jedem Kaff eine große Eissporthalle mit täglichem Kindertraining vorhanden sein kann. Es muss Fachzentren geben, alles andere ist weder finanzierbar, noch gibt es dafür einen echten Markt. Dass man Opfer bringe muss, wenn man in die Extreme geht, finde ich auch normal. Das sind zeitliche, finanzielle, körperliche und auch örtliche. Wenn in der Nähe des eigenen Wohnorts das angeboten wird, was man sucht, sofern es über den Hobbystatus hinausgeht, hat man Glück. Teilweise ist es natürlich auch andersherum: Gelegenheit schafft Interesse. Mit der Musik dürfte man da noch mehr Glück haben, als im Sport, wo man oft noch eine größere Infrastruktur zusätzlich zum Trainer / Lehrer braucht.
 
  • #72
in baden-württembergischen Musikschulen mit dem Titel SVA (Studienvorbereitende Ausbildung). Ich kannte es noch nicht, bei uns existiert es nicht.

An Berliner Musikschulen schon lange Standard!
 
  • #73
Dass man Opfer bringe muss, wenn man in die Extreme geht, finde ich auch normal. Das sind zeitliche, finanzielle, körperliche und auch örtliche.

Die Tochter eines Kantors ist auch regelmäßig zum Geigenunterricht nach New York geflogen.
Selbige hat damals, als sie 14 war, für 5000 DM einen neuen Geigenbogen bekommen.

Grüße
Häretiker
 
  • #74
Wir waren zu 56 Kindern in der Grundschule, um 1965. Da gab es nix mit Musikunterricht.
Zwei Kurzschuljahre, eines davon dann die Sexta des Gymnasiums. Ein Musiklehrer, übergebliebener Alt-Nazi, der vorrangig ein Schulorchester bebaggern sollte, und der einem Musiklehrer im Nebenerwerb Kunden zutrieb.

So gelangte ich ans Geigenspiel. Klavier war nicht drin, Ellies zu arm, oder andere Prios. Aber 270 DM für die Fiedloline. Auch dafür ein Dank an meine Erzeuger.
Der Violinunterricht begann zu viert in der Gruppe - schnell blieben drei andere weg, ich blieb dabei. Sechs Jahre lang.

Dann die Chance, ein abgeranztes Kleinklavier zu ergattern. Aber da war ich schon 16, fast 17. das erste Musikstück der Erde mit mehr als einer Million Kopien - Scott Joplins "Maple Leaf Rag".

Walzernoten auf des Schwagerherzens Klavier … mal angespielt, klang gut, irgendwie bekannt … für machbar befunden, das Notenbuch umgedreht, Herzklabaster: ich hatte unwissentlich CHOPIN gespielt … hammer. Die Autodidaktik am Ragtime hatte mich über ca. 20 Jahre dann befähigt, mich an Chopins Musik heranwagen zu dürfen.
Das hast du auch nicht alle Tage …
Sozusagen Musikalische Späterziehung.

Kurz bevor ich das Klavier schnappen konnte, war mein Violinen- und dann Klavierlehrer aus dem Italienurlaub mit einer Guarneri gekommen. Cremonenser Violine von hohen Gnaden.
Seither klangsüchtig.
 
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  • #75
So sind die kleinen Ungerechtigkeiten in der familiären Konstellation, wenn du der älteste von vier Kindern bist. Das weißt du auch noch 60 Jahre später.
Wohl wahr! Nur noch etwas verschärft als Ältester von Fünfen!!
Assi-Familie!
 
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  • #76
Wir waren zu 56 Kindern in der Grundschule, um 1965. Da gab es nix mit Musikunterricht.
Zwei Kurzschuljahre, eines davon dann die Sexta des Gymnasiums. Ein Musiklehrer, übergebliebener Alt-Nazi, der vorrangig ein Schulorchester bebaggern sollte, und der einem Musiklehrer im Nebenerwerb Kunden zutrieb.

So gelangte ich ans Geigenspiel. Klavier war nicht drin, Ellies zu arm, oder andere Prios. Aber 270 DM für die Fiedloline. Auch dafür ein Dank an meine Erzeuger.
Der Violinunterricht begann zu viert in der Gruppe - schnell blieben drei andere weg, ich blieb dabei. Sechs Jahre lang.

Dann die Chance, ein abgeranztes Kleinklavier zu ergattern. Aber da war ich schon 16, fast 17. das erste Musikstück der Erde mit mehr als einer Million Kopien - Scott Joplins "Maple Leaf Rag".

Walzernoten auf des Schwagerherzens Klavier … mal angespielt, klang gut, irgendwie bekannt … für machbar befunden, das Notenbuch umgedreht, Herzklabaster: ich hatte unwissentlich CHOPIN gespielt … hammer. Die Autodidaktik am Ragtime hatte mich über ca. 20 Jahre dann befähigt, mich an Chopins Musik heranwagen zu dürfen.
Das hast du auch nicht alle Tage …
Sozusagen Musikalische Späterziehung.

Kurz bevor ich das Klavier schnappen konnte, war mein Violinen- und dann Klavierlehrer aus dem Italienurlaub mit einer Guarneri gekommen. Cremonenser Violine von hohen Gnaden.
Seither klangsüchtig.
Das war bei uns in den Sechzigerjahren anders.

Vor Unterrichtsbeginn oder -ende in der Volksschule haben wir ein gesungen. Wer wollte, bekam Blockflötenunterricht. Dazu gehörte ich auch und ich hab so Noten gelernt. Wenn wir geflötet haben, haben die anderen dazu gesungen.

Auf dem Gymnasium hatten wir eine sehr gute Musiklehrerin, die mit uns verschiedene Musikrichtungen besprochen hat (Klassik, Rock, Pop usw).

Ich hab mir auch ein Klavier gewünscht, aber das konnten sich meine Eltern nicht leisten und so habe ich ein Akkordeon bekommen und auch Unterricht.
Das war aber nie mein Instrument.

Später kam die Gitarre dazu. Wir waren eine Clique in unserer Klasse, die Gitarre gespielt hat und wir konnten unsere Instrumente mit in den Unterricht bringen, im Französisch-Unterricht haben wir Moustaki gespielt und gesungen, im Englisch-Unterricht Donovan, Cohen usw. und anschließend diskutiert in der jeweiligen Sprache.

Hannes Wader, Reinhard Mey, Degenhardt waren natürlich auch dabei.

Unvergesslich:

IMG_5116.jpeg

IMG_5117.jpeg

Dieses Lied und viele andere singe und spiele ich heute noch.
 
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  • #77
Das war bei uns in den Sechzigerjahren anders.
Bei uns auch. Meine drei Jahre ältere Schwester bekam irgendwann für den Volksschulunterricht eine Blocktröte, und natürlich hab ich da halt auch reingespuckt. Als ich selbst Schüler war, bin ich auch zu dem Blasunterricht geschlappt, obwohl, gelernt hab ich da nix, Noten kannte ich vom Klavierunterricht. Dafür haben wir (also die anderen Lauser) uns gegenseitig die Tröte über die Rübe gezogen. Meine hatte hinterher einen Sprung (die Tröte, nicht die Rübe), und klang ab da so wie Jahre später Ian Anderson. Das war dann das Ende meiner hoffnungsvollen Flötenkarriere.
 
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  • #80
Leider ist HW wohl immer mehr letztlich ein einsamer Rufer geblieben/geworden.
Das liegt wohl auch am Imätsch. Typ "einsamer Wolf mit Gitarre auf Wanderschaft" (immer noch ein beliebtes Motiv der Liedermacherszene) ... und natürlich daran, dass er seit den 1970ern bekennender Kommunist war (Parteimitglied der DKP ab 1977) und seine Wohnung versehentlich Gudrun Enslin (unter falschem Namen) und damit der RAF überlassen hatte.
Wader gehört zu den Liedermachern, die aufgrund ihrer politischen Überzeugungen lange Zeit nur selten bis garnicht im Radio gespielt wurden.
 

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