Warum macht ihr Musik?

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exhalethavile

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25. Mai 2015
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Warum spielt ihr Klavier? Ich hatte gestern eine angeregte Diskussion mit einem Freund der mich nach meinem Konzert fragte, wieso Musik der Sinn meines Lebens ist? Ich bin Hobby-Musiker und spiele eben regelmäßig private Konzerte. Mich würde nun interessieren wieso ihr Musik macht? Und wie man die Wirkung von Musik erklären kann?
Wir haben dann festgehalten, dass es biologisch keinen Sinn macht Musik zu machen, wie soll Musik evolutionsbiologisch das Überleben auf der Erde sichern? Tiere leben auch ohne der Musik. Was ist also die Ursache hinter allem, dass wir Musiker nicht mehr ohne ihr leben können? Wieso wirkt Musik auf einen Menschen so und auf den anderen ganz anders? Stichwort Strebetendenztheorie? Warum ist Dur fröhlich und Moll traurig? Warum können Schallwellen in unserem Ohr uns überhaupt emotional bewegen und berühren? Erinnern sie uns an irgendwas in der Evolution oder wieso ist Musik überhaupt emotional?

Wir konnten keine finalen Antworten finden. Ich konnte am Ende nur feststellen, dass für mich das entscheidende an Musik das TEILEN ist. Also ich liebe Klavierspielen und klar geht man in der Musik völlig auf wenn man ein Stück endlich beherrscht. Aber mir fehlt dann das Publikum, mit dem ich diese gewaltigen Emotionen, diesen musikalischen Rausch teilen kann. Das ist der Grund wieso ich Klavier übe, damit ich das alles eines Tages im Konzert einem Publikum präsentieren kann und zu sehen wie sie drauf reagieren. Ohne Menschen mit denen ich es teilen könnte, wäre die Musik für mich nicht mehr viel wert. So ist es bei mir, das ist mein persönlicher Antrieb hinter der Musik, wieso übt ihr Klavier? Wieso braucht ihr das? Was gibt es Euch? Ich freue mich auf Inspirationen zu diesen philosophischen Fragen.
 
Wenn man haufenweise Fragen stellt, die man nicht selber beantworten kann, hilft es unter anderem, sich zu informieren.
Es gibt viele Bücher und Reportagen zum Thema: Warum entwickelte sich Musik?

Vom Neandertal in die Philharmonie: Warum der Mensch ohne Musik nicht leben kann

Der genetische Notenschlüssel: Warum Musik zum Menschsein gehört

Tiere kochen nicht zum Spaß, sie malen nicht, sie tanzen kein Ballett und so weiter.


Da fehlt Text, Mist. Also nochmal:
Ich mache Nusik in erster Linie für mich. Es ist schön, wenn andere Menschen zuhören, aber es ist nicht mein Ziel, sie in "einen Rausch" zu versetzen, oder ihre Emotionen zu beobachten. Da wäre nämlich nicht die Musik, sondern mein Ego im Vordergrund, und das möchte ich nicht.
Wenn Du im Orchester spielst, oder im Chor, teilst Du die Musik mit Gleichgesinnten, sowas kann unglaublich bereichernd sein!
Jeder Mensch empfindet Musik anders, deswegen gibt es so viele unterschiedliche Stile, Genres, etc. Hängt natürlich mit dem Umfeld zusammen, wo/wie man aufwächst, uswusf.
Dass Dur = fröhlich und moll = traurig, stimmt so nicht. Es gibt getragene Stücke in Dur, oder positiv/temperamentvolle in moll.


Doppelmist, da fehlen auch noch zwei Tips, aaaaaalso

Der Musik-Instinkt: Die Wissenschaft einer menschlichen Leidenschaft

Die Mathematik der Musik: Rhythmus, Resonanz und Harmonie
 
Zuletzt bearbeitet:
Interessant. Ich spiele keine Konzerte und nur sehr selten Mal ein paar Stücke auf Geburtstagsfeiern oder an Weihnachten vor Familie, Freunden und Bekannten.
Zu 99% spiele ich demnach für mich alleine und nicht in der Absicht, das Erlernte dann zu einem dieser seltenen Anlässe anderen präsentieren zu können.
Für mich ist die Zeit am Klavier wie das Abtauchen in eine andere Welt, in der es um nichts anderes als die Musik bzw. das Erlernen dieser Musik geht. Ich empfinde diese Zeit als sehr erholsam und befriedigend, was möglicherweise daran liegt, dass mein Kopf dabei weitestgehend von allen anderen Alltagsgedanken befreit ist. Meinem Kopf tut das gut. Ich schlafe beispielsweise viel besser (ein) wenn ich abends Klavier gespielt und nicht z.B. TV geguckt oder am Handy gehangen habe.
Zu dieser fast therapeutischen Genugtuung gesellt sich dann bei Zeiten noch eine Art sportlicher Ehrgeiz, das Stück so zu Ende zu spielen, wie ich es mir vorgenommen habe. Quasi die Jagd nach dem "perfekten" Lauf, bei dem die Finger wie von selbst über Tasten gleiten und ohne zu Denken den eigenen Anspruch erfüllen. Schwer zu beschreiben.
Wobei sich eine innere Befriedigung auch einstellt, wenn z.B. bestimmte Stellen im Stück besser werden bzw. sitzen, die Impro grade gut läuft oder das Metronom schön "mitswingt".
Es gibt so viele erfüllende Momente, da ist es gar nicht so einfach, es an Einzelheiten auszumachen.
 
Ich habe das Gefühl, dass ich beim Klavierspielen, wenn es denn mal gut läuft, Zugang zu einem Teil von mir bekomme, zu dem ich selten Zugang habe. Es ist eine Möglichkeit, Gefühle auszudrücken.
 
Wenn ich mich eine Stunde lang in den Wald setze, und einfach die Ohren auf mache, dann bezweifle ich das ernsthaft.
Aber natürlich sitzt da ein menschlicher Geist, der alles gehörte in den ihm bekanten Kategorien wahrnimmt. Verschiedene Tonhöhen, Rhythmen ... für mich ist das Musik.
Aber ich habe halt keine Ahnung, ob das, was ich im Wald höre, auch für einen Spatzen oder ein Reh musikalische Qualitäten besitzt, denn ich bin eben kein Spatz oder Reh, sondern ein Mensch.

Mensch scheint ein angeborenes Bedürfnis zu haben, die Welt darzustellen ... Musik ist ein Weg, das zu tun .. genau wie unsere anderen künstlerischen Ausdrucksformen. Alles Weltdarstellung ... auch zur Reflexion des vom Menschen in dieser Welt erlebten ... allerdings verstanden auf sehr unterschedlichen Abstraktionsleveln. Bei Musik wird das besonders deutlich.

Warum ich Klavier spiele? Keine Ahnung ... vielleicht höre ich einfach nur gerne zu, und es gab halt keine Pianisten in meiner Kindheit, weswegen ich selbst zu einem werden musste, um diese Lücke in unserer Familie zu füllen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich lange zeit einfach jedes Instrument ausprobiert habe ... und Klaviere in meinem Umfeld ab ca.16 ständig vorhanden waren.
Vielleicht war es nur Zufall.
Der letzte Musker in meiner Familie war scheinbar mein Urgroßvater .. und den habe ich nicht erlebt.
 
Ich muss einfach.

Ich habe mir das nicht rational überlegt.

Ich muss mich einfach schon immer zu Musik bewegen, Singen, Musik machen.
Das erste Instrument, in das ich mich verliebt habe, ist das Schlagzeug, bzw. Percussions allgemein.

Musik und Tanz berührt mich einfach ganz anders, als Bildende Kunst, Fußball oder Modelleisenbahn.
 
Vielen, vielen Dank schon mal für die Antworten bisher. Das ist sehr spannend. Und auch die Literatur-Tipps!!! Wenn ich alleine Klavier spiele erfüllt es mich schon auch. Aber es fehlt mir dann immer etwas. Die Emotionen kann ich zwar auch ausdrücken bzw. erleben. Aber ich finde es ist nicht das gleich, wenn ich sie zusammen mit einem Publikum ausdrücken und erleben kann. Klar konzentriert man sich auf die Musik und nicht auf die Menschen die da sitzen, aber ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, diese Atmosphäre im Konzert ist was besonderes. Und für mich ist das auch eine zusätzliche Motivation zum Üben, wenn ich weiß, wann der nächste Konzerttermin ist. Aber Orchester stelle ich mir auch spannend vor, als Solist fehlt dieses Gefühl des gemeinsamen Musizieren.
 
“ Music gives us Hope”

“ Musik goes straight in our Souls”

“ The Music, the Music…….”

“ Musik is a Dream”

sagt Alice Herz-Sommer, Holocaust-Überlebende, im Alter von 109 Jahren, in diesem Video:



Ich hatte jahrelang nicht mehr Klavier gespielt, wollte meinen Flügel verkaufen.
Der seelenverwandte Mensch, mit dem ich die Liebe zur Musik teilte, war sehr krank und wieder drohte der Verlust.

In ihrer Biografie :
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schrieb sie, dass sie aufhörte Klavier zu spielen, als ihre Familie ins KZ deportiert wurde, als plötzlich der Gedanke in ihrem Kopf auftauchte: " Spiel die Chopin Etüden"

ich habe mich an meinen Flügel gesetzt und nur ein paar Akkorde gespielt und dem langsam ausklingenden Tönen gelauscht, " they went straihtly n my Soul and gave me Hope”

Da habe ich wieder angefangen Klavier zu spielen.

Heute Nachmittag wird meine beste Freundin und Mitmusikantin, die Schlagzeugerin und aus unserer damaligen Band Zum gemeinsamen Spielen kommen

" Stairway to Heaven"


Damals mit unserer Band haben wir uns oft in einen Flow gespielt. Davon werde ich mein ganzes Leben zehren.

Darum mache ich Musik!
 

Weil es ausser der Musik kaum etwas gibt, bei dem ich in diesen selbstvergessenen Zustand geraten kann (Neudeutsch gerne "Flow" genannt).
 
Warum Klaviermusik, das kann ich nicht sagen. Nachdem ich die ersten Klaviertöne gehört und gespielt hatte war mir klar, dass will ich. Und obwohl ich das Instrument lange Zeit nicht lernen konnte, blieb die Faszination.
Für mich ist es nicht so wichtig, ob ich für mich alleine oder vor Publikum spiele. Wichtiger ist es an welchem Instrument ich sitze. Wie dieses klingt und sich anfühlt.
Ich bezweifel, dass Tiere keine Musik machen und bei Musik nichts empfinden. Jede meiner Katzen hatte musikalisch andere Vorlieben.
 
Musik verbindet Menschen auf der gefühlsmässigen Ebene, eine, bei der der Verstand mal draußen bleibt und zuschaut. Jeder Chorsänger kennt dieses unglaubliche Gefühl der Einheit und des gleichen Empfindens mit vielen anderen. Selbst die Gröhler in Fussballstadien erleben ein solches Moment.

Wenn ich Konzerte spiele, dann ist es ähnlich. Im günstigen Fall verbinden sich alle Zuhörer miteinander und auch mit mir, bzw. mit dem, was die Musik ihnen vermittelt. Dieses Gefühl ist berückend.

Warum ich Musik mache: Weil es genau das ist, was ich tun muss, weil ich dort eine Botschaft habe, die raus will.
 
Ich empfehle noch "Wie Musik wirkt" von David Byrne. Gibts nicht nur beim grinsenden A...ch, sondern auch im darbenden Buchhandel.

Als Anfänger steht es mir nicht an, über das Thema zu referieren. Ich gleiche in der Beziehung dem Affen, der einen riesigen Quader from outer space berührt.
 
Liebe @Klein wild Vögelein ,
schön, dass Du wieder zur Musik zurückgef hast!

Wenn ich irgendwelche Sorgen habe, fällt es mir auch schwer mich an mein Flügelchen zu setzen. Meistens mache ich es trotzdem, spiele erst mal eins meiner Lieblingsstücke, dann einen lustigen Boogie, und schon hat mich das Klavier wieder gefangen, die Sorgen treten zurück.

Aber um auf die Frage zur zu kommen, Klaviermusik egal welches Genre hat mich schon immer fasziniert. Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht wenigstens kurz ans Klavier setze. Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht mehr vorstellen.
 
Um Musik geht es natürlich beim Klavierspielen, aber nicht nur. Man könnte dazu ja auch Musik hören oder irgendein anderes Instrument spielen. Bei mir ist das Klavierspielen an sich ein starkes sinnliches Gefühl. Wie sich die Tasten anfühlen, wie das Klavier, der Ton schwingt, wie das Klavier auf mich reagiert und ich auf das Klavier.
Das könnte ich nicht mit jedem Instrument fühlen, auch nicht mit denen, die ich gern höre, aber nicht gern spielen möchte.
Ich mag ja auch viele Männer, aber nicht mit jedem könnte ich mir ein sinnliches Erlebnis vorstellen.
Ich spiele Klavier, weil ich in das Instrument verliebt bin. Diese Liebe braucht keine Zuschauer bzw. Zuhörer, im Gegenteil, die stören manchmal eher die traute Zweisamkeit....
 
Es gibt haufenweise toll klingende Instrumente, aber mir ist noch nie eines begegnet, das so wunderbar klingt wie ein Klavier. Ich liebe diesen Klang und die Vielfältigkeit der Möglichkeiten, was man mit einem Klavier ausdrücken kann. Und ich liebe das Tastengefühl und die spürbaren Schwingungen. Ich spiele Klavier, weil es mich fasziniert, wenn ich selbst auch so einen Klang erzeugen kann.
Es ist das erste Hobby in meinem Leben, von dem ich weiß, dass es mich nie langweilen wird und deswegen wieder verebben wird. Ich habe leider viel zu spät damit begonnen, aber dafür bleibt es für immer :-)
Allerdings spiele ich am liebsten für mich alleine. Den Wunsch, andere zu beeindrucken habe ich schon allein deswegen nicht, weil ich vor Publikum um Welten schlechter spiele, als ich es alleine kann.
 

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