Bei dieser Diskussion habe ich den Eindruck, dass viele Leute im Bezug auf das Klavierstudium unbedingt eine Solokarriere mit auftritten in Carnegie und
Steinway Hall meinen. Ich habe aber das Thema viel breiter verstanden: Klavierstudium mit einem beliebigen musikalischen Endergebnis. Wenn man Inspiration für eigene Kunst hat, bedeutet das nicht, dass mann unbedingt eine explosive Karriere mit fetten Plattenverträgen als Ziel setzt. Jeder von uns kennt sicherlich in seiner Umgebung ein Paar tolle Musiker die mit genauso viel Leidenschaft in der lokalen Gemeinde auftreten.
Und das bringt uns allen genau so viel wie legendäre auftritte genialsten Musiker. Wenn das nicht gestimmt hätte, gäbe es so viel Begeisterung nach dem Würzburg nicht.
Eine begeisterte Lehrerin aus irgendeiner Provinz ohne große musikalische Begabung kann viel mehr dem Schüler geben, als ein großer Maestro ohne Herzen. Und wenn von 2000 ihrer dummen, unmotivierten und uninterresierten Schüler einer oder zwei sich davon begeistern lassen, ist das total super! Man muss nicht als Künstler, Wissenschaftler oder Handwerker zu einer ppm der Genies gehören und undbedint Ebola besiegen oder Kernfusion erfinden.
Das was Herzton über Enttäuschungen und zu hohe Erwartungen schreibt, hat nach meiner Erfahrung nichts mit der Begeisterung und Leidenschaft zu tun. Das ist einfach ein Zeichen für eine Unreife: Solche Personen träumen einfach zu viel, sind total unflexibel und können mit natürlichen Herausforderungen des Lebens nicht umgehen. Ich (und alle anderen Forumsmitglieder auch) habe bereits viele Akademiker getroffen, die irgendwas ohne ein besonderes Interesse mal studiert haben und dann nach 50 oder 500 Bewerbungsabsagen frustriert waren. Und die waren nicht mal Leidenschaftlich verliebt in ihren Beruf! Niederlagen sind ein unerlässlicher Teil unserer persönlichen Entwicklung. Am besten ist es, wenn diese Krise in den Teenies oder 20ern kommt.
Und noch eine Frage: Hier wird häufig von "sicheren Berufen" geschrieben.
Gibt es wirklich solche? Ich meine das im ernst! Abgesehen von meinen persönlichen Erfahrungen, treffe ich die ganze Zeit nur die Leute, die von einem Job zum anderen wechseln, oder immer wieder zugeben, dass sich die Situation mit der gegenwärtigem Job immer ändern kann und man muss auf alles vorbereitet sein.