Spannender Üben

KAsper

KAsper

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Guten Abend,

hier kommt mal wieder eine Frage: Unter Klavierspielern kann es ja mal vorkommen, dass man damit beginnt, ein neues Stück einzustudieren...

Findet Ihr es spannender, ein bekanntes Stück zu lernen, das man quasi schon im Ohr hat, oder ein gänzlich unbekanntes herzunehmen und im Üben nur anhand der Noten das Stück, die Musik darin, zu entdecken?

Vom Erstkontakt bis zum Spielen vergehen ja ein paar Übestündchen. Gibt es Unterschiede beim Zeitaufwand, bis man beim Spielen ein gewisses Stadium erreicht hat? Geht es schneller in die Finger, wenn man ein Stück vom Hören kennt oder ist das ein anfänglicher Trugschluss? Wo ist die Motivation langfristig(!) größer, gibt es da überhaupt einen Unterschied?

Danke für Eure Aufmerksamkeit!
Nun bin ich neugierig auf Antworten,

Gruß
KAsper
 
B

buschinski

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oder ein gänzlich unbekanntes herzunehmen und im Üben nur anhand der Noten das Stück, die Musik darin, zu entdecken?

Mit der Argumentation bräuchstest Du auch nicht zur Schule gehen.

Schliesslich könntest Du allen Lernstoff ja auch selbst "entdecken".

Ne, für den Lernprozess am besten ist, das neue Stück in möglichst vielen, möglichst professionellen Variationen vorzuhören.
 
rolf

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...Kasper... wenn das das Krokodil spitzkriegt... :-D das ist doch ein ganzer Katalog von Fragen:
Findet Ihr es spannender, ein bekanntes Stück zu lernen, das man quasi schon im Ohr hat, oder ein gänzlich unbekanntes herzunehmen und im Üben nur anhand der Noten das Stück, die Musik darin, zu entdecken?
hier fragst du nach den jeweiligen subjektiven Eindrücken, wobei vorausgesetzt sein muss, dass derjenige, der darauf antwortet, beides schon kennengelernt hat --- was mich betrifft: ich finde beides gleichermaßen spannend.
Als Kind hatte ich vieles im Unterricht aufgekriegt, was ich vorher nicht kannte, das war zeiweilig der Normalzustand (und hat mir nicht geschadet, im Gegenteil) Als ich mit ca. 12-13 so weit war, dass ich auch Stücke üben durfte, die ich vom hören schon kannte (z.B. Chopins b-Moll Scherzo), musste ich von meinem Lehrer erstmal verschiedene Aufnahmen mitnehmen und anhören, damit sich mir nicht eine einzige Aufnahme zu sehr einprägte (eine vernünftige Maßnahme)

...heute allerdings ist YouTube etc. Fluch und Segen zugleich: mit 2-3 Klicks kann jeder Schüler sich mehrere Eindrücke von nahezu allen Klavierstücken verschaffen - als ich Klavierschüler war, gab es das noch nicht.

Gibt es Unterschiede beim Zeitaufwand, bis man beim Spielen ein gewisses Stadium erreicht hat?
Diese Frage kann man nicht eindeutig beantworten, denn das hängt vom jeweiligen musikalischen und manuellen Niveau ab. Für denjenigen, der technisch-musikalisch sehr fortgeschritten ist, macht es keinen Unterschied. (wer genügend Erfahrung angesammelt hat, kann ohne Musikkonserve allein beim notenlesen hören, wie es klingt)

Geht es schneller in die Finger, wenn man ein Stück vom Hören kennt oder ist das ein anfänglicher Trugschluss?
Das hängt davon ab, wie schwierig das ist, was man lernen will - salopp gesagt kann man die Chopinsche Oktaven- oder Terzenetüde vom hören allerbestens kennen, aber wenn man erstmals solche Massen von Oktaven und Terzen spielen will, dann wird das lange dauern.

Wo ist die Motivation langfristig(!) größer, gibt es da überhaupt einen Unterschied?
Ich weiß nicht, ob eine langfristige Motivation zum klavierspielen/musizieren davon abhängt, ob man vom hören kennt, was man übt - sagen wir so: wenn man manuell in den Bereich gekommen ist, in dem beliebte Klaviermusik überwiegend angesiedelt ist (mittel bis schwer), dann geht das ohne "die Sachen vom hören schon kennen" heutzutage ja gar nicht mehr. (Ein Klavierschüler, der Brahms g-Moll Rhapsodie lernen will: kann es den heute geben, ohne dass er schon einen Höreindruck von der Rhapsodie hat?)
 
Peter

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Bechsteinfan
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Als Kind hatte ich vieles im Unterricht aufgekriegt, was ich vorher nicht kannte, das war zeitweilig der Normalzustand...
So war das bei mir auch (allerdings mit der Geige), und ich fand das sehr aufregend und spannend. Mit dem Klavier hatte ich selbst als Kind niemals etwas Unbekanntes gespielt, da ich immer das übte, was auch mein Bruder übte.
Mittlerweile ist es nahezu unmöglich, etwas völlig Unbekanntes zu spielen. Sich vorher eine Aufnahme anzuhören, ist viel zu hilfreich, als dass ich darauf verzichten würde. Zumal die Entscheidung, etwas zu Üben, ja oft deswegen fällt, weil man es vorher gehört hat. Spannend ist es trotzdem, weil man beim Üben Neues entdeckt.
 
LankaDivore

LankaDivore

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Ich habe schon immer gern (mir) bekannte Stücke geübt, gern auch welche mit Text.
 
R

Rondo

Guest
Wenn ich ein Stück schon gehört habe bevor ich mich ans Klavier setze um es zu üben, dann weiß ich bestenfalls bereits etwas über seine Form, kenne die wichtigen Themen, habe eine ungefähre Vorstellung von der Dynamik, und so ungefähr den harmonischen Verlauf im Ohr. Das alles kann man sich, so mein Eindruck, durch sorgfältiges Durchsehen des Notentextes innerhalb relativ kurzer Zeit erschließen, auch wenn man das Stück noch nicht gehört hat. Ich würde deshalb nicht sagen, dass ich ein Stück merklich schneller lerne, wenn ich es schon gehört habe.

Spannend finde ich es, ein Stück beim Üben auseinanderzunehmen und die geübten Einzelheiten allmählich wieder zusammenzusetzen. Dabei entdecke ich oft Zusammenhänge, die mir beim Hören oder Lesen allein nicht aufgefallen sind, oder ich höre auf einmal Nebenstimmen heraus, die ich vorher "überhört" hatte. Ich denke, das vertiefte Verständnis eines Stücks, das sich beim Üben ergibt (und das oft mit dem Verstehen verbundene Glücksgefühl), macht für mich als Amateur sogar einen wesentlichen Anteil meiner (wie Du schreibst: langfristigen) Motivation für das Üben aus. Das ist aber völlig unabhängig davon, ob ich ein neues Stück schon vom Hören kenne oder nicht.
 
KAsper

KAsper

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Vielen Dank für Eure Gedanken. Viele Aspekte wurden beleuchtet. Es scheint so zu sein, dass die Bekanntheit eines Stückes keine große Rolle dabei spielt, wie man mit dem Üben desselben vorankommt. Meine Lehrerin verbietet(!) es ja geradezu ihren Schülern, ein neues Stück vorher anzuhören, das geht ja heutzutage kaum. Und deswegen muss ich mich immer ein bisschen ahnungslos stellen... :musik:
Vielleicht ist es ja sogar hemmend, ein vom Hören gut bekanntes Stück anzufangen, besonders, wenn man auf spieltechnische Schwierigkeiten stößt, die das (schnelle) Vergnügen stören...?

Wenn sich jetzt allerdings herausstellt, dass es letztlich vollkommen unerheblich ist, ob gekannt oder noch nie gehört, juckt mich das Gehabe meiner KL gar nicht mehr. Ich dachte ja, es muss was dahinter sein!

KAsper
 
fisherman

fisherman

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Na, die KL hat schon eine Absicht: Du sollst das Stück selbst erarbeiten und DEINE Version spielen und nicht jemandem nacheifern/imitieren. Ich weiß selbst nicht, ob das gut ist. Könnte ein böses Erwachen geben ;-)
 
rolf

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Na, die KL hat schon eine Absicht: Du sollst das Stück selbst erarbeiten und DEINE Version spielen und nicht jemandem nacheifern/imitieren. Ich weiß selbst nicht, ob das gut ist. Könnte ein böses Erwachen geben ;-)
warum?
@fisherman
schlimmstenfalls stellt man fest, dass man dies oder das nicht so klangschön und überzeugend wie die "Profis" hinkriegt --- aber ganz anders gedacht: wer Klaviermusik mag, der hat schon etliches im Ohr; irgendwann sind dann unweigerlich Sachen dran, die man vom hören schon kennt (Elise, Regentropfen, Träumerei und und und). Es ist sogar ohne YT realitätsfern, zu fordern, dass jede/r Schüler/in einzig und allein ihm/ihr noch unbekannte Sachen erarbeitet... warum? weil dann das ausgelassen wird, was man gerne hat und weshalb man sich mit dem Klavierzeugs überhaupt befasst.

normal ist, dass peu a peu beides gemacht wird (wobei heutzutage die Sachen, die man nicht voraushören/kennenlernen kann, sehr im schwinden sind - da wäre an den jeweiligen Schüler zu appellieren, dass er sich dies oder das halt nicht anhört)

das erarbeiten von leichten Musikstücken ohne vorherigen Höreindruck ist ein Test zum eigenen Musikverständnis, schummeln bringt da nix.
 

ChristineK

ChristineK

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Als nur mäßig fortgeschrittene Spielerin kann ich sagen: es ist für jemandem auf meinem Level ohnehin undenkbar, ansatzweise an die professionellen "Referenzaufnahmen" heranzukommen. Also warum sollte es dann verkehrt sein, sich verschiedene Profi-Interpretationen anzuhören, das Stück möglichst gut auch durch Aufnahmen kennenzulernen? Man wird es ohnehin - schon durch die eigenen technischen Grenzen - letztlich ganz anders interpretieren.

Abgesehen davon finde ich es auch interessant, sich hin und wieder andere Hobbyspieler anzuhören. Vor allem dann, wenn ich noch einigermaßen frustriert bin mit meiner eigenen Performance und dann sehe, dass es anderen mit dem Stück offenbar ähnlich geht... und sie es aber dennoch mutig bei Youtube reinstellen...
 
 

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