Da muss ich doch mal höchst erstaunt fragen, was für Hörer so eine differenzierte Rückmeldung geben (können)! Stimmführung? Transparenz? Sowas hören normalerweise nur Profis oder gut geschulte, informierte Laien-Konzertbesucher. Die meisten hören gar keinen Unterschied zwischen verschiedenen Instrumenten, außer evtl. wenn sie sehr stark verstimmt oder extrem knallig sind.
Was die wichtigere Frage ist: Was sagen denn die Pianisten? Kommen die mit dem Instrument zurecht? Wie viele haben denn darauf schon gespielt? Dass mal Töne wegbleiben, passiert auf jedem Instrument, und die Stimmführung hängt eher vom Hören und Können des Pianisten ab, weniger vom Instrument. Mich würde hier beschäftigen, ob das Instrument in Ordnung ist, d.h. mit seinen Möglichkeiten (die ich mir auch als sehr charmant und individuell vorstellen kann) gut eingestellt. Nix schadhaft oder kaputt. Das wäre mein Ziel mit diesem Flügel. Sprich: Ist er gut reguliert, klappert nichts, nichts kaputt, gut gestimmt? Eventuell kann man auch ans Intonieren denken. Das Beste aus der Patina herausholen
Das war der katholische Kantor!
Wie bereits geschrieben: Die Pianistenwelt spaltet sich in zwei Lager. Wir hatten kürzlich einen traumhaften Strauss-Liederabend mit dem kanadischen Pianisten Carson Becke. Mir blieb das Herz stehen vor Glück: So schön hatte das Instrument noch nie geklungen, ein ganz subtiler Begleiter.
Andere stehen eher im "Skandalös"-Lager, v.a. Korrepetitoren, die technisch einwandfreie, moderne Instrumente gewohnt sind.
Gestimmt wird er regelmäßig. Dies ist die Ansicht des Stimmens:
"Der Bechstein ist über 140 Jahre alt. Das kann man mit heutigen Maßstäben nicht vergleichen. Auch wenn der Klavierbau ein sehr altes, konservatives Handwerk ist, hat sich da so einiges an Art der Mechanik, Konstruktion und auch dem Klangverständnis geändert. Die heutigen "modernen"
Flügel* klingen viel heller, kraftvoller und nuancenreicher.
Kurz zusammen gefasst: reine "modere" Klavierkonzerte kann man auf dem
Flügel* eigentlich nicht machen. Auch eine größere Überarbeitung oder evtl. Austausch gewisser Teile würde erfahrungsgemäß nicht zum gewünschten Ergebnis führen.
Für wirklich gute gebrauchte Instrumente hast Du die Preisklasse schon richtig eingeordnet. Wenn man gebrauchte Instrumente sucht, sollten die nicht älter als ca. 1970 sein. Davor (zwischen 2. Weltkrieg und Ende der 60er Jahre) war die Qualität in der Regel nicht so doll. Bzw. sind so abgespielt, dass man was größeres dran machen müsste. Instrumente von vor dem 2. Weltkrieg sollten generalüberholt sein.
Man findet sehr gute Konzertinstrumente, also Bechstein,
Steinway*, Bösendorfer, momentan ab ca. 40-45 td. Euro. Wenn man deutlich günstigere irgendwo findet, dann kann eigentlich was nicht damit stimmen. Man sollte auch die Größe beachten. Bei Eurem großen Raum sollte der
Flügel* nicht kleiner als ca. 200 cm sein."