Komponieren für Anfänger

Dieses Thema im Forum "Forum für Anfängerfragen" wurde erstellt von Klein wild Vögelein, 24. Dez. 2017.

  1. Klein wild Vögelein
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    Klein wild Vögelein

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    Liebe Foris,

    ich habe den Anfang meines ersten eigenen Stückes komponiert. Begonnen hatte ich schon früher, es aber wieder zur Seite gelegt, da erst andere Projekte anstanden.

    Angefangen habe ich mit einer einstimmigen Melodie in der rechten Hand, dann die Basstöne links dazu genommen, dann links Akkorde gespielt.

    Es ist in A-Moll und im 4/4 Takt.

    Dann habe ich die Melodie weiter bearbeitet und teilweise zweistimmig gemacht, Notenwerte verändert und einen Triller und Pausen eingefügt. Dabei habe ich beachtet, dass der Grundtenor erhalten bleibt, es soll ein trauriges Stück werden und als nächstes Noten im Bass dazugefügt.

    Ich hab mich gefreut, dass ich die ersten Schritte rein vom Gehör komponiert habe. Gestern habe ich das Stück analysiert und festgestellt, dass ich harmonisch alles richtig gemacht habe.

    Nun habe ich viele Fragen:

    Wie geht ein Komponist meist vor?

    Sucht er sich zuerst eine Melodiefolge, die sein Hauptthema werden soll? Wendet er sich zunächst den Strophen oder den Refrains zu?

    Welche weiteren Möglichkeiten der Modifikation gibt es neben Bearbeitung der Notenwerte, Einbau von Verzierungen, Agogik, Dynamik gibt es?

    Gibt es eine sinnvolle Reihenfolge der Gestaltung?

    Gibt es ein Buch über Komposition für Anfänger?

    Bücher über Musiktheorie, inklusive Harmonielehre habe ich und weiß, dass die Kenntnis Grundlage für das Komponieren ist.

    Über hilfreiche Ratschläge würde ich mich freuen!

    Viele Grüße

    Marion
     
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  2. Klavirus
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    Klavirus

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    Ich bin ja kein Komponist und weiß deshalb auch nicht, wie diese üblicherweise herangehen. :blöd: Aber ein paar Stücke habe ich auch verzapft, wobei ich von derartiger "Verkopftheit", besonders zu Beginn einer Komposition, überhaupt nichts halte, es sei denn, das Vorgehen dient als "Werkzeug" zum Lernen.
    Das Wichtigste ist die Idee, aus der sich alles entwickelt. Im Grunde hast Du schon richtig begonnen. Allzuviel wurde ich jetzt nicht herumtheoretisieren, das tötet die Originalität der Komposition möglicherweise ab.
    Du siehst, ich kann Dir nicht helfen... nimms als weihnachtlichen Senf von mir!
    Schöne Komponierfeiertage!
     
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  3. Klein wild Vögelein
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    Klein wild Vögelein

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    Doch, geholfen hast du schon, indem du schreibst, dass du meinen Beginn für brauchbar hälst.

    Und eine Anregung zum Nachdenken hast du mir auch gegeben.
    Soll ich diese “spielerische“ Herangehensweise beibehalten oder meiner Neigung nachgehen, systematisch und mit Struktur lernen und arbeiten zu wollen.

    Ich wünsche dir ebenfalls musikalische und schöne Feiertage !

    Viele Grüße
    Marion
     
  4. Klavirus
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    Klavirus

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    Ja! :super:;-)
     
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  5. .marcus.
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    .marcus.

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    Wie wäre es damit: Versuche einfach spielerisch zu komponieren, ohne dir gezielt Theoriekenntnisse anzueignen. Ich fände es sehr schön, wenn ich das könnte, aber eine solche Unbefangenheit bzw. auch Unwissenheit (nicht böse gemeint!), lässt sich nicht mehr herstellen, wenn man zu viel Theoretisches gelernt hat.
    In der Regel ist es aber so – da sollte man sich auch nichts vormachen –, dass man Muster kopiert, Bekanntes reproduziert etc., auch wenn einem das begrifflich nicht fassbar wird. Viele, die hier Eigenkomponiertes eingestellt haben, hielten sich für außerordentlich originell und waren völlig außer Stande, das Konventionelle und Einfallslose ihrer Kompositionen zu sehen, bloß weil sie es intuitiv komponiert haben und sich ihrer jeweiligen Vorbilder/Methoden/"Maschen" nicht bewusst wurden.

    Ob das jetzt hilfreich ist, weiß ich nicht, aber vielleicht ist es auch ein Anstoß :)

    lg marcus
     
  6. Rheinkultur
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    Rheinkultur

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    Als Komponist mit Hochschuldiplom und einschlägiger Berufspraxis versuche ich eine Antwort. Es könnte allerdings passieren, dass sie Dir nicht zusagen wird, weil sie Dich nicht wirklich weiterbringt. Oder doch? Schauen wir mal.

    Auf jeden Fall NICHT so, dass er einen bestimmten Aufgabenkatalog abarbeitet, etwa erst Melodie schreiben, dann Harmonisierung oder Schreiben von Neben- oder Gegenstimmen, dann Spezifizierung von Lautstärke und Vortragseinweisungen. Originelle Musik entsteht nicht auf dem Reißbrett und nicht mit dem Rechenschieber - sie wäre leblos und überflüssig. Selbst die Komponisten "serieller" und "konstruktivistischer" Musik haben nicht so gearbeitet... .

    Nein. Die jeweiligen Komponenten greifen untrennbar ineinander. Ein Tonsatzschüler geht in so durchdachter und durchkalkulierter Weise vor, um das von ihm noch nicht beherrschte tonsetzerische Handwerkszeug beherrschen zu lernen.

    Würdest Du Dich in kreativer Manier eigenschöpferisch betätigen wollen, wäre ein solches Buch wertlos. Einfälle bekommen, Ideen entwickeln und verarbeiten? Die dazu notwendige Methodik ist in Kenntnis fremder Modelle individuell zu entwickeln. Das dazu taugende Buch müsstest Du selber schreiben - und niemand anderes außer Dir selber könnte damit seinen schöpferischen Ausdruckswillen kanalisieren.

    Deshalb läuft ein Kompositionsstudium nicht so ab, dass der Kandidat seine eigene Tonsprache und Stilistik vom Herrn Professor beigebracht bekommt. Vielmehr entwickelt er in Abstimmung mit fremden erfahrenen Persönlichkeiten (ist keineswegs nur der eigene Lehrer) seine eigene schöpferische Persönlichkeit. Weil er nicht nachschöpferisch (als Interpret), sondern schöpferisch tätig ist, begibt er sich auf ein besonders heikles Terrain.

    Aus dem vorab geäußerten Kontext ist die Antwort klar: beides! "Spielerisch" bedeutet nämlich, den Umgang mit dem Material nicht zu beherrschen und in der Beliebigkeit zu landen. Am unbefriedigendsten ist diese Erkenntnis für denjenigen, der selbst komponiert. Ein ganz entscheidender Ansatz ist überhaupt noch nicht thematisiert worden, nämlich das Hören und sinnliche Erfassen von vielem, das man gar nicht auf einem Notenblatt fixieren kann.

    Willst Du immer noch komponieren? Dann ran an die Arbeit und die ruhigen Tage "zwischen den Jahren" nutzen! Frohes Schaffen!

    LG von Rheinkultur
     
  7. Rheinkultur
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    Rheinkultur

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    Nachbemerkung: Kompositionslehre ist so gesehen mehr Moderation der eigenen schöpferischen Impulse durch erfahrenere Fachkollegen als Unterricht, wie ihn nachschöpfend tätige Interpreten mit Instrument oder Stimme in Anspruch nehmen können. Es fehlt ja die Vorlage des fertig geschriebenen Werkes, auf das man sich beziehen könnte - die muss ja der Komponist erst mal liefern! Dumm dabei, dass man selber der Komponist ist - oder etwa nicht?

    Übrigens sind auch verstehende interpretatorische Ansätze stets ganzheitlich angelegt und laufen nicht darauf heraus, etwa erst die Noten abzubuchstabieren und dann mit dem "Musik machen" anzufangen. Aber dazu gibt es hier schon unzählige Fäden.

    Klar ist also, dass gar nichts klar ist... .

    LG von Rheinkultur
     
  8. Klein wild Vögelein
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    Klein wild Vögelein

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    Ach, ihr seid klasse!

    Danke für eure Impulse, jetzt habe ich eine Vorstellung von einem möglichen und wirklichkeitsnahen Weg!

    Viele Grüße

    Marion
     
  9. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Mein Weihnachtssenf:

    Schon unter den "Großen" gibt es extrem unterschiedliche Kompositions-Weisen. Von Chopin ist überliefert, dass er am Klavier herumimprovisierte, seine Ideen spielte und veränderte, lange daran herumbastelte und manchmal sich tagelang zurückzog, um dann doch wieder eine der ersten Versionen zu nehmen. Es war also ein aktiver, klangvoller Entwicklungsprozess.
    Mozart hingegen hatte der Überlieferung nach alles im Kopf und brauchte es "nur noch" niederzuschreiben. Wie detailgenau das in seinem Kopf schon vorhanden war, kann man natürlich nicht wissen.

    Man kann von allen möglichen Seiten anfangen - vielleicht fällt einem nur ein schönes Motiv oder Thema ein, man spinnt daran herum, harmonisiert es verschieden, variiert es, überlegt sich ein zweites Thema oder eine Fortspinnung und so weiter (das ist wohl das, was du getan hast). Vielleicht fällt einem auch eine besondere Harmoniefolge ein und man erfindet verschiedene Melodien oder Rhythmen dazu. Oder ein kurzer Teil eines Stückes ist vorhanden, das in eine Form gebracht und verlängert werden muss. Vielleicht sind auch mehrere Bruchstücke in der Grundidee angelegt, es fehlen Verbindungen, Übergänge, Seitenthemen usw.
    Man kann sich sogar eine äußere Anregung holen: Ein fremdes Thema, ein zu vertonender Text, ein Gedicht oder Bild als Vorlage, eine Stimmung, bestimmte Dauer, Besetzung, Schwierigkeitsgrad...

    Ich habe ja wenig Erfahrung mit dem Komponieren, aber doch etwas recht Brauchbares hervorgebracht. Das lief immer so ab: Ich wusste die ungefähre Dauer der Stücke und den Charakter bzw. Ausdruck, den es haben sollte (Stimmung, evtl. Tempo usw.) Durch gelegentliches Improvisieren oder durch Kramen in der Gedankenkiste hatte ich Ideen für Anfänge und Motive. Durch Ausprobieren am Klavier habe ich die immer weiter entwickelt. Oft hat mir eine Art inneres Gehör einfach vorgegeben, was als nächstes kommen muss (nur ein paar Takte), und ich habe danach am Klavier gesucht. Das Stück ist also entstanden wie eine Geschichte, von vorne bis hinten. Grundzüge der gewünschten Form hatte ich im Hinterkopf.
    Harmonisches bzw. musiktheoretisches Denken habe ich dabei kaum bewusst angewendet, allerhöchstens die absoluten Basics (so dass ich wusste, ob ich gerade in der Tonika oder Dominante bin / sein will). Der Rest ging über das intuitive bzw. "wünschende" innere und äußere Gehör.
     
  10. abschweb
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    abschweb

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    Ich habe einige Klavierstücke geschrieben, ebenfalls einige Chorstücke und ganz wenige Stücke für eine vorgegebene kammermusikalische Besetzung.

    Wie gut kannst du improvisieren?
    Damit meine ich nicht wie virtuos, sondern wie interessant, wie strukturiert, wie zielstrebig auf einen Punkt.
    Das wäre schon mal eine gute Voraussetzung.

    Je nach Genre und Stil solltest du die Kompositionen, die du kennst und die dich begeistern, lernen zu durchschauen.
    Was hat der Komponist gewollt? Was hat er gemacht? Wie hat er es gemacht? Versetze dich in seine Gedankenwelt.

    Dann versuche deine eigenen Ideen zu strukturieren.
    Regeln kann man brechen, aber nur, wenn man sie kennt und sauber anwenden kann, wenn man das will.

    Grüße
    Manfred
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Dez. 2017
  11. Rheinkultur
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    Rheinkultur

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    Im Regelfall verfügen Komponisten über ein sehr gutes tonsetzerisches Handwerkszeug und sind in der Lage, auch in fremden Stilen und epochenübergreifend kompositorisch schlüssig und gekonnt zu agieren - oder wären es, wenn sie aus welchen Gründen auch immer dazu aufgefordert würden. Bei vielen Komponisten der jüngeren Vergangenheit ist das in Verbindung mit der eigenen Musiksprache und Stilistik unverkennbar, soweit sie Impulse früherer Epochen aufgreifen. Mitunter tauchen dann Titel wie "im alten Stil" auf - oder auch nicht... .

    LG von Rheinkultur
     
  12. Rheinkultur
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    Rheinkultur

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    Eine Präzisierung müsste ich dann doch noch nachtragen: Der Tonsetzer wird aus praktischen Gründen möglicherweise tatsächlich eine Melodielinie oder eine Begleitstimme ausnotieren, bevor er an anderer Stelle fortfährt. Auf dem Notenblatt von Einzelnote zu Einzelnote springen wird er nicht. Aber er ist imstande, beim Schreiben jeden Einzelton im jeweiligen Kontext zu betrachten - und dann kann er individuell entscheiden, in welcher Reihenfolge er die Zeichen einträgt. Das ist allerdings der verständlichen Tatsache geschuldet, dass er nicht beliebig viele Arbeitsschritte gleichzeitig erledigen und sich gleichzeitig auf allen Positionen des Notenblattes aufhalten kann. Sonst hätte Gott den Menschen mit mehr als nur zwei Händen ausgestattet...!

    Aufgrund derartiger praktischer Gesichtspunkte ist offensichtlich, dass es allgemein verbindliche Arbeitstechniken nicht geben kann und der Tonsetzer eine für ihn zweckmäßige Vorgehensweise selbständig entwickeln muss. Das individuelle Ringen mit der oftmals recht komplexen Materie kann einem keiner abnehmen. Die Entwicklung der Musikgeschichte belegt aber, dass es vielen gelungen ist, überzeugende Lösungen zu finden. Unmöglich ist das keineswegs.

    LG von Rheinkultur
     
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  13. HelmutHeinchen
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    HelmutHeinchen Guest

    Im Spiegel war mal ein interessanter Artikel, demzufolge das wohl eine Mär ist. Der überlieferte Spruch: "komponiert ist schon, jetzt muss nur noch geschrieben werden" (oder so ähnlich) bedeutete demnach etwas anderes: besonders häufig ist ja bei Mozart eine homophone Setzweise, also ein Melodie/Thema in einer Stimme und der rest schrammelt 16tel-Akkorde o.ä. Und Mozart hat wohl diese Themen/Motive etc. schonmal an der richtigen Stelle in der richtigen Stimme notiert. Es ergab sich eine lückenhafte Partitur, in der aber die wesentlichen Ideen schonmal drinstehen. Diesen Vorgang nannte er "komponieren". Das Auffüllen der Begleitstimmen mit 16teln o.ä. - reine Fleißarbeit - nannte er "schreiben". So stand es im Spiegel. Klingt m.E. plausibel.
     
  14. Monte
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    Monte

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    Na ja, bei Mozart geht es auch ziemlich häufig ganz schön polyphon zu - und das wird er schon im Kopf einigermassen fertig gehabt haben.
     
  15. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ob man auf diese Weise eine Opernouvertüre am Tag der Aufführung komponieren kann? :-D
     
  16. LuisiKK
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    LuisiKK

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    Hallo :)

    Ich "komponiere" auch ab und zu mal, auch wenn ich noch kein Stück beendet habe :D Deshalb kann ich dir auch keine professionellen Tipps geben. Außerdem hab ich ÜBERHAUPT KEIN theoretisches Wissen.

    Das was du beschreibst, klingt aber ganz gut.

    Bei mir ist es immer so: Ich habe ganz plötzlich eine Melodie im Kopf, nehme mein Handy, um sie aufzunehmen und singe sie oder spiele sie auf dem Klavier (wenn gerade eins in der Nähe ist). So geht sie mir immerhin nicht verloren ;)

    Dann gehe ich ran an mein Notenblatt und schreibe die Grundmelodie auf. Hierbei schaue ich direkt welche Taktart und welche Tonart das Stück hat.

    Wenn ich die Grundmelodie habe, entwerfe ich noch einige Variationen und schmücke es etwas aus.

    Um die linke Hand kümmere ich mich recht spät (außer wenn sie eine große Rolle spielt). Die passe ich dann einfach an und versuche auch hier etwas zu variieren. Manchmal klau ich auch einfach eine Idee von einem Stück, das ich zur Zeit übe ;)


    Ich selbst habe noch nie eins benutzt, aber das hier hab ich mal in der Stadtbibliothek gesehen https://www.amazon.de/Komponieren-Für-Dummies-Scott-Jarrett/dp/3527709797
    Weiß aber nicht, ob es gut ist.

    Lg LuisiKK
     
  17. Herr Toteninsel
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    Herr Toteninsel

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    Hallo ;)

    Quasi als Vorübung zu eigenen Werken Parodiekompositionen anzufertigen (hat nichts mit Humor zu tun...), kann - glaube ich - sehr hilfreich sein. Es wurde bereits vom Kennen der Muster gesprochen. Zum Aufbessern des Handwerkszeuges kann es gar nicht schaden, wenn du z. B. von dir erfundene Melodien nach klassischen Formschemata entwickelst.
    Kreativität und ein spielerischer Zugang sind wichtig, aber es schadet nicht, wenn du weißt, wie Satz und Periode aufgebaut sind, was ein Fortspinnungstypus ist etc und solche Grundlagen anwendest.

    Auch klassische Tänze zu komponieren kann viel Spaß machen und ein spielerischer Weg sein, Theoriewissen zu erwerben - zumindest ich habe die Erfahrung gemacht.
    Vllt. hast du ja Lust mal einen Walzer, eine Pavane oder eine Gavotte zu komponieren.

    Herzlichst,

    Herr T.
     
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  18. Barratt
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    Barratt Lernend Mod

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    Liebes @Klein wild Vögelein ,

    ich glaube zu ahnen, dass Du Musik nicht studiert hast und Dich einfach aus Spaß an der Freude ans Komponieren herantasten möchtest.

    Diesen Hinweis finde ich sehr wichtig. Vielleicht hilft Dir die Methode, mit der man Anfängern das Handwerkszeug des "Dichtens" (Lyrik) beibringt.

    Als erstes erstellt man ein Grundgerüst. Man plant zum Beispiel ein Sonett. Damit steht die äußere Form fest. Dann überlegt man sich eine Silbenzahl, ein Versmaß und ein Reimschema und schreibt das Skelett nieder, wobei jede Silbe ein "x" ist, eine betonte Silbe ein "´x" (x mit Akzent). Irgend einen Inhalt natürlich auch, aber der ist nicht so wichtig. :lol:

    Und dann legt man los und hält sich strikt an das zuvor ausgedachte Gerüst. Man variiert die Vorgaben (mehr Silben, weniger Silben, andere Strophenform, anderes Reimschema etc), hält sich aber immer diszipliniert an die Regeln.

    Mit den Ergebnissen wird man keinen Lyrikpreis erzielen. :teufel: Es geht zunächst darum, die Anwendung festgesetzter Regeln einzuüben. Man hat eine Struktur und wird nicht aus Verlegenheit in die Formlosigkeit abschweifen (weil heutzutage der formalen Beliebigkeit keine Grenzen mehr gesetzt sind).

    Hat man Übung darin, geht man zur nächsten handwerklichen Übung über. Man nimmt einen lyrischen Gedanken und dekliniert ihn durch alle möglichen Lyrikformen und -epochen, indem man – ganz platt – Lyrikstile und ihre Regeln kopiert.

    Je nach Geschick früher oder später, hat man das vollständig intus und geht fast automatisch vom rein Handwerklichen zum individuell-kreativen Prozess über. Wenn man ohne diese Vorarbeit an den Regeln der gebundenen Sprache einfach losstümpert, kommt fast immer peinlicher Murks dabei heraus.

    Könnte mir vorstellen, dass man das Schema auch auf Musik übertragen könnte: Erst rein handwerkliche Übungen, damit die Regeln in Fleisch und Blut übergehen.
     
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  19. Bassplayer
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    Bassplayer

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    Eine ähnliche Methode wird auch in einem Buch zu einer speziellen Form des Komponierens empfohlen: dem Songwriting. Man schaut sich Songs an, die einem gefallen und analysiert sie: z. B. wie ist der Song strukturiert, wie ist der harmonische Aufbau in den einzelnen Teilen des Songs, welche Motive hat die Melodie und wie korreliert sie mit Akkordtönen, was gefällt mir besonders am Song, welche Wirkung hat er und wie wird die erzielt?

    Anschließend schreibt man eigene Texte zu vorhandenen Songs, erfindet eigene Melodien zu vorhandenen Akkordabläufen oder reharmonisiert Songs. Mit der durchaus kreativen Beschäftigung erlernt man so, wie das ganze funktionieren kann.

    Ich denke, das lässt sich ebenfalls auf die Komposition vornehmlich einfacher Klavierstücke übertragen. Am besten sucht man sich hierzu insbesondere zu Anfang bevorzugt einfache Stücke, mit denen man arbeitet.

    Und wenn man Ideen für Melodien hat und eine Vorstellung einer Form, sucht man sich Kompositionen, die ähnlich sind und untersucht, wie sie funktionieren, um Ideen zur eigenen Ausarbeitung zu erhalten.

    Nur eine Idee von mir, die Beschäftigung mit Komposition sinnvoll zu gestalten. Natürlich führen verschiedene Wege nach Rom und jeder ist anders veranlagt, was Lernmethoden angeht.

    PS: auch die großen Komponisten studierten die Werke anderer Komponisten. Darüber hinaus liest man häufig, dass sie nicht nur Instrumentalunterricht bekamen, sondern auch in Komposition unterrichtet wurden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Dez. 2017
  20. Klein wild Vögelein
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    Klein wild Vögelein

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    Ich hab mir als Kind eine Melodie zum Text von Wilhelm Busch “Hund und Katze “ ausgedacht, nachdem ich meine erste Gitarre bekommen hatte.
    Später hab ich es immer für meine Tochter gesungen und sie hat es geliebt.

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    Der Zettel ist aus dem letzten Jahrhundert :lol: und ein wenig verlottert.

    Die Melodie ist trivial, aber “das“ war und ist für uns ohne Belang.



    Mit meinem Klavier zusammen möchte ich mehr Kreativität entfalten, ideenreich bin ich ja immer. :ballon:
     
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