Klassik und freies Klavierspielen - Geht das überhaupt?

Wenn man sich über "Melodie" unterhalten will, sollte man sich einig sein, was darunter zu verstehen ist. Das ist eigentlich ganz einfach und benötigt kein Gezicke mit "üblichen Verdächtigen" und ähnlich entbehrlichem Quark.

Hier wurde die steile These aufgestellt, dass es ganz einfach sei, eine "einfache Melodie" zu "komponieren", um diese dann zum improvisieren zu verwenden.
 
...und es wurde um eine Erklärung gebeten, warum das eine steile These ist. Da aber zu dieser Frage immer noch nichts verwertbares kommt, stattdessen Versuche unternommen werden sich darüber lustig zu machen (das Katzenmusik-Video) oder mir 'Belästigung' zu unterstellen, halte ich mein 'Gezicke' für gerechtfertigt.
 
und es wurde um eine Erklärung gebeten, warum das eine steile These ist.
(eine mögliche Erklärung) die Welt kennt keine prägnanten Melodien, die in Erinnerung bleiben, von Olfen, Deschians, Mirons, rolfs, Hasenbeinen usw, obwohl das doch angeblich so einfach ist (und es müsste ja auch mordsmäßig Kohle damit generiert werden können*)) - stattdessen kennt die Welt Schlaubergereien a la "Freude Götterdings" ist ne total einfache Allerweltsmelodie.
Muss das weiter ausgeführt werden? Offenbar ist es doch nicht ganz so easy, dergleichen innerhalb eines begrenzten (singbar) Tonumfangs hinzukriegen...

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*) wäre doch toll, wenn man dank 2-3 unsterblichen Melodien in der Miami-Villa prassen könnte, statt öden Brotberufen nachzugehen...
 
Wenn ich mir Themen von Mozart-Sinfonien (oder jenen von seinen Zeitgenossen) anhöre, halte ich mich durchaus für in der Lage, mir etwas Ähnliches auszudenken. Wohlgemerkt nur das Thema, nicht den ganzen Satz, nicht einmal die Exposition. Aber diese Themen haben doch oftmals eine ganz simple Struktur, die sich an Dreiklangstönen auf metrischen Schwerpunkten als Gerüst orientieren. Außerdem haben sie eine sehr prägnante Rhythmik, die den Kadenzverlauf unterstützt bzw. zu diesem passt.

Das würde ich nicht als hohe Kunst bezeichnen. Hohe Kunst ist erst die Weiterverarbeitung dieser Themen.
 
Das wurde doch schon geschrieben: Eine eingängige Melodie, ein Thema ist schnell einmal gefunden. Erfolgreich / großartig wird es erst durch das Gesamtwerk. Und das kann nicht jeder.

Es gibt ja nicht umsonst Stücke wie "Variationen über ein Thema von X" und die Größe des Werks ist nicht das Thema sondern was daraus gemacht wurde. Deswegen ist es auch kein Plagiat.
 
Wenn ich mir Themen von Mozart-Sinfonien (oder jenen von seinen Zeitgenossen) anhöre, halte ich mich durchaus für in der Lage, mir etwas Ähnliches auszudenken. Wohlgemerkt nur das Thema, nicht den ganzen Satz, nicht einmal die Exposition. Aber diese Themen haben doch oftmals eine ganz simple Struktur, die sich an Dreiklangstönen auf metrischen Schwerpunkten als Gerüst orientieren. Außerdem haben sie eine sehr prägnante Rhythmik, die den Kadenzverlauf unterstützt bzw. zu diesem passt.

Das würde ich nicht als hohe Kunst bezeichnen. Hohe Kunst ist erst die Weiterverarbeitung dieser Themen.
Das gilt doch mehr oder weniger für die gesamte Musik von z. B. Bachinventionen bis zu den Leitthemen bei Wagner usw. Das Motiv ist (auf den ersten Blick) oft erstaunlich simpel, entscheidend ist, was mit dem Motiv geschieht. Schon vier Noten mit nur zwei unterschiedlichen Tonhöhen können für einen der berühmtesten Symphoniesätze genügen.
 
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@Jsp
Ich hatte @rolf so verstanden, dass es schwer ist, eine solche Melodie zu finden. Dem widerspreche ich.
 

(eine mögliche Erklärung) die Welt kennt keine prägnanten Melodien, die in Erinnerung bleiben, von Olfen, Deschians, Mirons, rolfs, Hasenbeinen usw, obwohl das doch angeblich so einfach ist (und es müsste ja auch mordsmäßig Kohle damit generiert werden können*)) - stattdessen kennt die Welt Schlaubergereien a la "Freude Götterdings" ist ne total einfache Allerweltsmelodie.
Und an dieser "total einfachen Allerweltsmelodie" hat er an die dreißig Jahre herumlaboriert.
 
Hier mal eine von mir schnell entworfene einfache Melodie, eine achttaktige Periode mit Vorder- und Nachsatz. Wie gesagt, das ist leicht. Wie es anschließend sinnvoll weitergehen könnte, wäre dagegen jedoch eine Herausforderung.Thema.png
 
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Interessant, wie dieser Thread wiederspiegelt, wie wir uns den Zugang zum spontanen Tun stets verbauen:
Wir fangen an zu analysieren, versuchen, bevor wir überhaupt angefangen haben, das Ziel zu definieren und die Ansprüche, die damit verbunden sind.
Ich gebe @Demian 100% recht. Eine Melodie ist schnell gefunden, sie liegt uns im genetischen Blut. Jeder kann Melodien.
Wie gut sie sind, ob man sich nach Jahrhunderten noch daran erinnern möchte, steht auf einem anderen Blatt.
Unsere Hörerfahrung prägt uns. Jederes kann auf dem Fahrrad eine Melodie summen, vielleicht ganz schlicht, vielleicht opernhaft turbulent.
Für die Improvisation ist es wichtig, dass man sich dieser archaischen Fähigkeit bedient und keine Bewertung vornimmt.
Sonst spielt man besser ausschliesslich den guten Ludwig van und Freunde.
 
Hier mal eine von mir schnell entworfene einfache Melodie, eine achttaktige Periode mit Vorder- und Nachsatz. Wie gesagt, das ist leicht. Wie es anschließend sinnvoll weitergehen könnte, wäre eine Herausforderung.Den Anhang 64610 betrachten
Ich fürchte, das wäre auch für Mozart oder Haydn eine große Herausforderung gewesen. Natürlich ist es nicht besonders schwer, ein solches abgezirkeltes Thema zu erfinden, eine gewisse Musikalität und Bildung vorausgesetzt.
 
Hier mal eine von mir schnell entworfene einfache Melodie, eine achttaktige Periode mit Vorder- und Nachsatz. Wie gesagt, das ist leicht. Wie es anschließend sinnvoll weitergehen könnte, wäre dagegen jedoch eine Herausforderung.
Eine Melodie ist das, allerdings auch eine, an der man so einiges kritisieren könnte. Eine wirklich gute Melodie zu erfinden, ist eben leider nicht so einfach. Das wusste auch schon Johannes Brahms, der seinen Kollegen Johann Strauß (Sohn) sehr um dessen Geschick in dieser Hinsicht beneidet hat.
 
Eine Melodie besteht aus Tonschritten, Tonsprüngen und/oder Tonwiederholungen. Sie weist häufig irgendeine Art von Wiederholung auf, sei es rhythmisch oder in Bezug auf die Tonhöhe, und steuert meist irgendeine Art von Höhepunkt und/ oder Schluss an (oft, aber nicht immer, eine Kadenz). Für gewöhnlich beinhaltet sie verschiedene Notenwerte, also einen Rhythmus. Es gibt viele Formen, die oft verwendet werden, z.B. die klassische Periode.
Ausnahmen bestätigen die Regel, allerdings:

Hat sie das alles nicht, wirkt sie leicht beliebig, zufällig, langweilig, unkantabel oder rahmenlos.
Eine Melodie ist außerdem nach meinem Verständnis stets einstimmig.
 
Jetzt kommen wir der Sache aber endlich näher.
Ich gehe da zu 100% mit den Überlegungen von Tastatula mit.
Meine Aufforderung an den TE war lediglich, zu versuchen, eine einfache Melodie zu erfinden.
Die ganze Diskussion um Schaffenshöhe, Prägnanz, Wertigkeit etc. kam erst später dazu, wurde unnötig aufgebauscht und bringt den TE überhaupt nicht weiter.
Der Vergleich eines Anfängers bei seinen ersten Improvisations-Versuchen mit den grossen Meistern ist nunmal unsinnig.
 
Das sehe ich auch so. Man muss ja am Anfang auch nicht Mozart als Maßstab nehmen, sondern vielleicht eher Dittersdorf.
 

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