Freies Klavierspiel–das etwas andere Klavierspiel


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PISA
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Wenn du aus dem Fenster schaust, was siehst du? Vielleicht einen Garten, ein paar Pferde oder eine belebte Strasse. Nimm es in dich auf, was du siehst, setz dich an dein Klavier und versuche das, was du gesehen hast und das, was du dabei empfunden hast, in Töne umzusetzen. Lass es einfach durch deine Finger raus auf die Tastatur. Lass ES spielen.
Das verstehe ich unter „freiem Klavierspiel“. Im Gegensatz zum Spiel nach Noten ist dies ein kreativer Akt.
Ich möchte fragen, ob sich jemand schonmal mit dieser Art des Klavierspiels beschäftigt hat und möchte zur Diskussion über dieses Thema anregen.
Zum leichteren Einstieg in die Diskussion vielleicht ein provokativer Satz:
Ich habe grösste Hochachtung vor dem technischen Können guter Pianisten. Dennoch bleibt jedes Spiel nach Noten für mich lediglich die Kopie von Musik, zu vergleichen mit dem Abschreiben von Gedichten, ohne selbst eines zu verfassen. Die Schrift kann dabei noch so kunstvoll sein – es bleibt immer eine Kopie. Mit Kreativität hat das nichts zu tun.
Das Klavierspielen nach Noten ist somit kein kreativer Akt.
Erst wenn die Töne aus mir, aus meinem Geist kommen, kann ich von kreativem Klavierspiel reden.
Ich bedanke mich schon im voraus für Anmerkungen zu diesem Thema.
PISA
 
Tastenfreund
Tastenfreund
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Netter Thread, da kommt einiges zusammen...Ich persönlich kann nichts dazu schreiben.... übrigens: Willkommen im Forum....:p
 
tapirnase
tapirnase
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Das Klavierspielen nach Noten ist somit kein kreativer Akt.
Erst wenn die Töne aus mir, aus meinem Geist kommen, kann ich von kreativem Klavierspiel reden.
Ich bedanke mich schon im voraus für Anmerkungen zu diesem Thema.
PISA

Aha, und Musikkann nicht aus seinem Geist kommen, wenn man nach NOten spielt?
IMmer diese Esotheriker....
Ich glaube ich nehme jetzt erstmal ein paar Bachblüten zu mir und räume meine kompletten Möbel um!
Oder ist etwa bald Vollmond?
 
Klavirus
Klavirus
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Tapirnase, stell Dir den kreativen Klavierunterricht vor:

Noten lernen ist verboten.
Jeder kann spielen, was er will.
...und wie er will.
The next generation of genius...

Ernst beiseite. Das, was PISA (-Studie?) sagt, geht ja schon eher in Richtung Komposition und Improvisation, die aber auch nicht ohne vorherige "Nach-Noten-Ausbildung" auskommen.

Ich wollte, ich könnte das, einfach so aus dem Gefühl raus was Eigenes...

Gruß
Klavirus
 
J
J. Gedan
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Nun ist es ja so, daß jemand, der komponiert, das irgendwie aufschreiben muß, um es weiterzugeben. Damit es erklingt, muß er selber oder jemand anderer es üben und aufführen. Ich stimme durchaus zu, daß das bloße Nachspielen nicht eigentlich kreativ ist. Aber wenn du unter Kreativität verstehst, daß man sich von seinen Launen leiten läßt und zu irgendeiner, meist dämlichen und wenig kreativen, Akkordfolge ein paar harmlos naive Improvisationen abläßt, nachdem man aus dem Fenster geschaut hat, einen Garten gesehen oder ein paar Pferde, dann hast du die Kreativität in den Kompositionen, die da nach Noten gespielt werden, übersehen.

Es ist dir wahrlich unbenommen, deine eigenen Stücke zu schreiben oder zu improvisieren -- ich wäre der letzte, der das Spiel eigener Kompositionen für Unsinn halten würde.
Also komponiere oder improvisiere fleißig. Aber nerv die Musiker nicht, die eine Komposition spielen und üben, die wohldurchdacht und meisterlich gesetzt ist, und deren Qualität improvisierend nur schwer zu erreichen ist.

Karl Kraus hat mal gesagt: "Mit Menschen, die das Wort 'effektiv' gebrauchen, verkehre ich grundsätzlich nicht." Man möchte paraphrasieren: "Mit Menschen, die das Wort 'kreativ' gebrauchen, aus dem Fenster sehen, draußen Pferde entdecken, einen Garten oder eine belebte Straße und die dann ihr naiv stimmungsvolles Geklimper für wertvoller halten als eine Fuge von Bach, kann man nur Tacheles reden:
"Geht erst einmal studieren. Lernt, daß Musik nicht 'Stimmung' ist, sondern Handwerk. Und lernt das Modewort 'kreativ' von dem Wort 'schöpferisch' unterscheiden."
Ob die Noten dann aus dir und deinem Geist kommen oder aus mangelndem Handwerk, kann man erst beurteilen, wenn man sie gehört hat. Oder gelesen. Dazu müßtest du sie allerdings aufschreiben.
 
K
koelnklavier
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Jörg, Du sprichst mir aus der Seele. Darf ich Deine Sätze gelegentlich in meinem Unterricht und bei "kreativen" Freunden gebrauchen (natürlich mit Quellenangabe)?
 
P
PISA
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Danke für euren bisherigen Kommentare.
Wenn jemand seit 2 Wochen Klavier spielt und das spielen möchte, was er sieht, wenn er aus dem Fenster schaut, dann klingt das anders, wie wenn einer seit 20 Jahren Klavier spielt und das spielt, was er sieht, wenn er aus dem Fenster schaut.
Klar hat Jörg recht: Musik ist Handwerk ! Und je mehr ich davon kann, desdo "besser" hört es sich an, wenn jemand "frei" spielt.
Aber darum geht es doch nicht. Nach Noten spielen und freies Spielen ist immer was, das nebeneinander existiert. Ohne Selbstverliebtheit in das soeben produzierte und ohne Anspruch auf Qualität und schon gar nicht, um in Konkurrenz mit einer genialen Fuge des genialen Bach zu treten.
Es ist immer ein Nebeneinander, wobei das freie Klavierspiel als Möglichkeit gesehen werden kann, tatsächlich innere Freiheit im Umgang mit dem Klavier zu erlernen.
Wenn man eine Weile frei gespielt hat, dann geht man nämlich schon völlig anders an das Üben beispielsweise einer Fuge von Bach.
Probiert es doch einfach mal aus......
PISA
 
F
Fred
Guest
@ PISA,

wie frei ist denn das freie Spiel das Du meinst?

Denn wirklich frei bewegen kann man sich doch nur, wenn es absolut keine Restriktionen hinsichtlich Ausführungspraktiken mehr gibt. Musikalisch betrachtet würde das bedeuten, dass Dir wirklich jede erdenkbare Variation Dir jederzeit am Instrument zur Verfügung steht. Ein bisschen unrealistisch ist das schon, denke ich. Als Jazzpianist erlerne ich eine Sprache, will sagen kleine Module, Wörter, Phrasen deren Zusammenfügen eine dazu gehörende Syntax erfordert. Dieser Lernprozess hat kein Ende. Somit ist absolute Freiheit nicht erreichbar.
 
Peter
Peter
Bechsteinfan
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Ich verstehe die teilweise aggressiven Antworten nicht.
...daß man sich von seinen Launen leiten läßt und zu irgendeiner, meist dämlichen und wenig kreativen, Akkordfolge ein paar harmlos naive Improvisationen abläßt...
Also ich mache genau das und fühle mich sehr wohl dabei, wobei ich "dämlich" durch "einfach" ersetzen würde. Innerhalb meiner (zugegeben recht engen Grenzen) spiele ich in diesen Momenten völlig frei und genieße es. Ob man es nun Kreativität nennen darf, weiß ich nicht, aber zumindest fördert es diese. Natürlich genieße ich genauso das Spielen nach Noten, möchte das andere aber nicht missen.
 
killmymatrix
killmymatrix
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Wenn man eine Weile frei gespielt hat, dann geht man nämlich schon völlig anders an das Üben beispielsweise einer Fuge von Bach.
Probiert es doch einfach mal aus......
PISA

Da würde ich jetzt gerne mehr drüber erfahren. Inwiefern hilft freies Spielen (letztendlich meinst du Improvisationen ohne Akkordgrundlage oder so?) beim Erlernen/Spielen von Kompositionen? Meinst du psychologisch? Wie hat es dir geholfen (du sprichst doch aus Erfahrung...?)?

Ich habe grösste Hochachtung vor dem technischen Können guter Pianisten. Dennoch bleibt jedes Spiel nach Noten für mich lediglich die Kopie von Musik, zu vergleichen mit dem Abschreiben von Gedichten, ohne selbst eines zu verfassen. Die Schrift kann dabei noch so kunstvoll sein – es bleibt immer eine Kopie. Mit Kreativität hat das nichts zu tun.

Wer Musik spielt ist eher zu vergleichen mit jemandem, der Gedicht vorliest. Ich wüsste jetzt auch nicht direkt, was am Abschreiben von Gedichten (meintest du wirklich abschreiben?) allzu kreativ sein soll, ist ja zu vergleichen mit der Arbeit eines Kopisten. :D

Allerdings kopiert niemand Musik, wenn er sie spielt. Er kopiert ja nicht die geschriebenen Noten, er lässt sie erst aufleben. Und es ist ja wohl nicht zu bestreiten, dass jeder (ernsthafte) Interpret einen Haufen kreativer Arbeit beim Erarbeiten eines Stückes leistet, bzw. bei der Suche nach der vom Komponisten am ehesten zutreffenden Absicht, wie das Stück zu spielen ist.

Nur mal meine Meinung zu dem Thema... :rolleyes:
 
P
pat83
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Ich versteh auch wie Peter es schon sagte, die niedermachenden und teils angreifenden Antworten zu dem Thema nicht. Erstens mal hat jeder Recht hier seine Meinung kundzutun und sie durch Argumente zu erläutern und zu untermauern.

PISA hat auch niemanden angegriffen, weil er ne Etude von Chopin oder sonst was spielt. Ich denke die kreativität im Spiel nach noten liegt in der Interpretation. Mit der Musik kommt Gefühl rüber und das macht jeder Spieler anders. Ich behaupte sogar, es wird NIE ein stück wiederholt, sondern es ist jedes mal wieder was neues wenn es ein anderer Pianist spielt.

Und ich finde PISA hat schon ein wenig damit recht, wenn ich ein notiertes Stück habe, ist der kreative Spielraum sehr beschränkt, ich kann kein G statt einem A spielen weils mir grade so einfällt, erstens ises dann falsch und zweitens, was dann schlimmer wäre klingts bekackt :)

Aber was ist falsch daran sich hinzusetzn und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen ? Wer sagt dass jedes Stück in einen Rahmen passen muss ? Und klar gibt es die absolute freiheit in der Musik. Wer verbietet mir denn etwas zu komponieren und es so zu gestalten dass es mir gefällt ?

Das gleiche in der Malerei, ich kann zeichnen was ich will und im prinzip ises egal ob das nun dann nicht mehr in die Neuzeit passt oder in den Impressionismus. Solang es MIR gefällt, hat es seine Berechtigung.

Ausserdem hat das nichts mit Esoterik zu tun und die Aussage, dass man keinen Unterricht mehr nehmen muss ist ein blödsinn ( ich weiss schon dass das zynisch gemeint war :) ) Und Musik als reines Handwerk zu bezeichnen stösst mir auch relativ sauer auf - in meinen Augen ist Musik Kunst.

Wenn man das Klavierspiel bzw die Kunst des Klavierspielens erlernt hat, gibt es keine Restriktionen das zu spielen, was einem in den Sinn kommt. Gerade so kommt dann erst Gefühl in ein Stück. Lieder können geschichten erzählen und das wird man dann in den Noten sehen. Ein stürmisches lied wird wohl eher aufbrausend und pompös gespielt werden und nicht unbedingt schön legato und pianissimo. Umgekehrt wird eine Trauersonate sagen wir mal, nicht viel mit staccato und fröhlichen dur tonskalen ala happy music zu tun haben :)

Aber das ist wie immer nur meine Meinung :)

lg, pat
 
 

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