Ich kann nicht mehr Klavier spielen

S

spooki

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:(Hallo erst mal!

Ich bin 15 und spielte viel Klavier. Ich war demnach auch sehr gut. Das Problem ist, dass vor einem halben Jahr mein Vater gestorben ist und ich seit dem nicht mehr üben kann. Immer wenn ich es versuche, kommt mir in den Sinn wie gern mein Pa mir zugehört hat-selbst wenn ich ganz hässlich übte, denn es entspannte ihn. Und wenn dies geschiet kann ich nicht mehr...

Ich habe mir vorgenommen mich nicht unter Druck zu setzen und langsam anzufangen, doch wie soll das gehen, wenn deine Mutter oder Schwester immer im Wohnzimmer sind während du alleine üben willst? Ausserdem wird am Gymnasium deine Leistung im Klavierspielen benotet, also muss ich mich trotzdem unter Druck setzen...?

Es liegt warscheinlich auch daran, dass ich schon 9 Jahre spiele und ich etwas neues will. Ich habe mir vorgenommen eine Gitarre zu kaufen, denn ich muss einfach musizieren, sonst fehlt mir etwas...

Kann ,mir irgenjemand helfen?
 
violapiano

violapiano

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Hallo spooky,
erstmal, willkommen hier "im Club" unter den vielen Klavierspielern.
Das Du spielen musst kann ich sehr gut verstehen, das geht mir auch so. Und lies mal ein bisschen mit, dann wirst Du sehen, wir sind nicht die Einzigen....:p

Deshalb ist es soo schade, dass Du nicht üben kannst.
Anscheinend verbindest Du das Klavierspielen sehr mit Deinem Vater, und immer, wenn Du übst (oder üben würdest), wirst Du (würdest Du) an ihn erinnert (werden). und das ist das Dilemma, oder? Du liebst das Klavier, und Du liebst Deinen Vater, den Du leider schon so früh verloren hast. Du bist sicher endlos traurig. War denn bisher schon Raum dafür, traurig zu sein? Kannst Du traurig sein? Kann Dich jemand trösten? Hat Dich jemand getröstet bisher? Oder gibt es etwas Anderes, was Dir Trost spenden kann?

Leider kann man traurig sein nicht vermeiden, selbst, wenn man es noch so gerne würde. Und wenn Du es versuchst zu unterdrücken, so wird sich die Erinnerung doch immer wieder einen Weg nach oben bahnen. Aber mit der Zeit wird es weniger werden!
Vielleicht kanst du ja Deine Famlie bitten, rauszugehen, wenn Du übst. Damit Du mit deinem Klavier alleine sein kannst.

Glaubst du nicht, Dein Vater wäre traurig, wenn Du das Klavierspielen aufgeben würdest?
Sicherlich könnte Dir ein anderes Instrument ein bisschen von dem geben, was Du aus der Musik ziehst. Aber sicher nicht so viel wie Dein Klavier, dann daran kannst Du ja schon so viel.

Ich kenne Deine Situation auch gut, mit ist etwas Ähnliches passiert. Mein Vater war Musiker, und ich kann bis heute sein Instrument nicht anhören, ohne traurig zu sein... Aber ich mache Musik, und ich weiß, dass es ihm gefallen würde.
Und das gibt mir viel.

LG
violapiano
 
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8Finger&2Daumen

8Finger&2Daumen

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Hallo Spooky,
dem von violapiano gesagten lässt sich nichts hinzufügen, aber ich würde es genauso unterschreiben. Lass dir Zeit mit dem Trauern, es braucht seine Zeit. Du wirst auch wieder an das Klavier gehen können - irgendwann. Es wird immer weniger weh tun, vielleicht nie ganz weg gehen. Ich möchte dir einen Text von Dietrich Bonhoeffer mitgeben, der vielen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie du, weiterhilft:

... Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen; man muss es einfach ausfalten und durchhalten; das klingt... hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere alte Gemeinschaft miteinander - wenn auch unter Schmerzen - zu bewahren.

... Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung, Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Herzliche Grüße,
Ute
 
S

spooki

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Vielen dank für eure rasche Antwort! Ist wirklich lieb.

Also ich bin sehr am trauern-mit meiner Familie.Wir trösten uns gegenseitig und wissen dass der Schmerz nachlässt, nur ich glaube nicht mehr daran, dass der Schmerz nachlässt.
Ich habe auch schon meinen Onkel und mein Opa verloren. Damals spürte ich, wie ich nach und nach mich erhole und Klavier üben kann. Auch sie haben mir immer gern zugehört.
Doch diesmal ist es anders; es ist wie ein zweites déjà-vu... Immer wenn ich spiele sehe ich mein Leben und jedes Wort das meine Lieben mir gesagt haben.

Naja, dass hat jetzt wohl eher nicht mit Klavier zu tun, doch ich denke es hilft euch mich zu verstehen...
 
violapiano

violapiano

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Hallo spooky,
doch, hat was mit dem Klavier zu tun. Denn Dein Vater liebte es.
Ich versteh Dich sehr gut, Eltern verlieren ist schlimm- was auch immer war, es sind und bleiben Eltern, es schmerzt ohne Ende. Und sicherlich wirds auch noch etwas dauern. Gib dir die Zeit zum Trauern. Wenn du es annimmst, geht es schneller. Sonst wirst Du es inerlich einkapseln, aber es wird sich melden. Hallo, hier bin ich, Deine Trauer.... also, hör hin und gib Deiner Trauer Raum. Vielleicht kann Dich ja das Klavier noch weiterhin mit Deinem Vater verbinden statt schmerzlich an ihn erinnern. Aber, Du, das geht nicht von jetzt auf gleich.
Nimm Dir nicht Dein Klavier. Es gibt dir doch etwas. Setz Dch nicht unter Druck. Es wird die Zeit kommen, wenn Du wieder spielen möchtest. Lass Dir das offen!

LG und fühl Dich mal gedrückt:kuss:

violapiano
 
.marcus.

.marcus.

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Ich weiß nicht, ob dir das hilft, aber als mein Opa gestorben ist, hatte ich das Bedürfnis ihm etwas vorzuspielen. Ich habe damals viele langsame, schwermütige Werke gespielt, um Abschied zu nehmen. Mir hat das sehr gut getan, weil man eben nicht nur dasitzt und traurig ist, sondern seine Trauer ganz aktiv "ausleben" kann.
Vielleicht findest du auf diese Weise einen neuen Weg deinen Schmerz auszudrücken. Mir hat es sehr geholfen.

liebe Grüße

marcus
 
violapiano

violapiano

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spooky,
wenn Du meinst, Deine Traurigkeit nimmt überhand, dann versuch Dir jeden Tag einen Raum von ein, zwei Stunden zu geben, wo Du wirklich traurig sein darfst. Dann wende Dich Deinem Alltag zu. Ständig trauern kann man auch nicht, dann lähmt es ja sämtliche Aktivitäten.

VLG
violapiano
 
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spooki

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Voilapiano

Deine Antwort würde jenen Menschen helfen, die nicht trauern können-sprich es einfach nicht wahrhaben wollen. Doch das ist ja bei mir nicht der Fall...

Hats du schon einen Menschen verloren? Wenn ja, solltest du wissen, dass man die Trauer nicht steuern kann. Man wird ständig an die Person erinnert-egal wo man ist. Die Trauer ist wie eine Welle. Man kann sie nicht bremsen oder verlangsamen und schon gar nicht stoppen oder unterdrücken. Man kann auch die Grösse der Welle nicht bestimmen. Sie kommt und geht-wie die Trauer. Doch man kann sie nicht steuern. Klar man kann einen Stein ins Wasser werfen damit Wellen entstehen, aber das bringt ja wohl nichts...

Wenn du noch niemanden verloren hast, kann ich gut verstehen dass du so antwortest. Danke Dir trotzdem!


Danke an alle die mir geschrieben hatten. Und Marcus, ich werde deine Idee sicher ausprobieren.
 
violapiano

violapiano

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Voilapiano
Deine Antwort würde jenen Menschen helfen, die nicht trauern können-sprich es einfach nicht wahrhaben wollen. Doch das ist ja bei mir nicht der Fall...

Hi Spooky,
ich weiß, Du trauerst, ich spürtenur den Impuls, die viele Trauer wegdrücken zu wollen, und das funktioniert nicht.


Ja, meinen Vater vor 7 Jahren... ich trauerte sehr, er ist jauch ein Elternteil. Und ich habe lange vermieden, Bilder anzusehen, Musik zu hören, die er gespielt hat.

Wenn ja, solltest du wissen, dass man die Trauer nicht steuern kann. Man wird ständig an die Person erinnert-egal wo man ist.

Man wird immer erinnert, richtig, aber steuern kann man in sofern, so widerprüchlich es sich anhören mag: Zulassen, und intensiv drauf einlassen, mir half das. Versuchte ich zu unterdrücken, war ich immer traurig, und hatte trotzdem das Gefühl, die Trauer nahm nicht ab.
Ich glaube, die Trauer braucht ihren Raum. Und wenn man versucht zu unterdrücken (bei Dir zum Beispiel, nicht Klavierspielen), dann braucht sie länger Raum, weil sie nicht genügend raus darf, so meinte ich das. Gehst du den Umweg über die Gitarre, dann vermeidest Du den intensiven Kontakt mit der Trauer und deinem Vater, der mit dem Klavier verbunden war und dadurch mit Dir.
Ich finde, man kann schon steuern, aber erst, wenn die Trauer ihren Weg nach draußen gefunden hat. Dann ist wieder Platz und Raum für Anderes.

Die Trauer ist wie eine Welle. Man kann sie nicht bremsen oder verlangsamen und schon gar nicht stoppen oder unterdrücken. Man kann auch die Grösse der Welle nicht bestimmen. Sie kommt und geht-wie die Trauer. Doch man kann sie nicht steuern. Klar man kann einen Stein ins Wasser werfen damit Wellen entstehen, aber das bringt ja wohl nichts...

Wenn du noch niemanden verloren hast, kann ich gut verstehen dass du so antwortest. Danke Dir trotzdem!

Gerne!:) O.k., vielleicht empfinde ich die Dinge anders. Die Menschen sind ja auch verschieden. Ich wünsche Dir viel Kraft und hoffe, dass Du bald wieder Dich besser fühlen wirst.

LG Violapiano


Danke an alle die mir geschrieben hatten. Und Marcus, ich werde deine Idee sicher ausprobieren.

P.s.: guter Ansatz!
 
fisherman

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kommt mir in den Sinn wie gern mein Pa mir zugehört hat

ja und? er sitzt immer noch da und hört dir gerne zu. mach dir das bitte mal klar. er wartet auf dein spiel. mach es ihm zum geschenk!

Du wirst sehen, wie gut dir das tut!

Und außerdem: Das bist Du Deinem alten Herrn schuldig!
 
klaviermacher

klaviermacher

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ja und? er sitzt immer noch da und hört dir gerne zu. mach dir das bitte mal klar. er wartet auf dein spiel. mach es ihm zum geschenk!

Du wirst sehen, wie gut dir das tut!

Und außerdem: Das bist Du Deinem alten Herrn schuldig!
Ja Fisherman, ich glaube auch, dass man die Situation damit am besten verarbeitet.

Man macht die Dinge weiter, die dem Menschen Freude bereitet haben - genau wie man verschiedene Handlungen nicht macht, die dem geliebten Menschen nicht gefallen hätten. Es kann sein, dass es einen wieder übermannt, das Gefühl des Schmerzes, und doch ist "es zu tun" das Heilmittel.

LG
Klaviermacher
 
 

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