Hausaufgaben

  • Ersteller des Themas Ralph_hh
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Wie ist der aus meiner Sicht deutlich übertriebene Hang zur Beschäftigung auswärtiger Musiker an städtischen Bühnen eurer Meinung nach zu bewältigen?, denn die guten einheimischen Musiker werden von den Auswärtigen, meist östlichen/fernöstlichen, oft abgedrängt, und das sind keine Kriegsflüchtlinge, wo humanitäre Erwägungen eine Rolle zu spielen haben.
Die Regel, dass nur dort Auswärtige einzustellen sind, wo kein geeigneter Innläder gefunden wird, fände ich in diesem Zusammenhang nicht unmenschlich, denn wofür bilden wir überhaupt noch eigne heimatliche Musiker aus, fürs Prekariat? .

Bestes aktuelles Beispiel:
GMD von Cottbuser Theater, musste unbedingt ein Amerikaner sein, weil wir ja hier so leere Dirigierklassen haben....nun hat er zum Dank dafür sich mit dem ganzen Ensemble "gekloppt" und wird es wohl verlassen müssen.....
https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2018/04/staatstheater-cottbus-evan-christ-burlaubt.html.
 
Problem: Wer soll diese durchführen? Bis jetzt tut dies der Markt selber, indem den ungenügend Erfolgreichen immer wieder vor Augen geführt wird, dass sie hier fehl am Platze sind.

Mir würde als erster Ansatz schon reichen, wenn nur die Klavierunterricht geben dürften, die Klavier als Hauptfach für Instrumentalpädagogik an einer Musikhochschule studiert haben. Dann fallen all die weg, die das hobbymäßig machen und es gäbe mehr Qualität und die Menge reduzierte sich.

Nachfrage gibt es doch immer noch reichlich, wie die Wartelisten von Musikschulen zeigen.

Liebe Grüße

chiarina

P.S.: Der Ausdruck "Bereinigung" löst in mir eine gewisse Beklemmung aus.
 
@chiarina
ja selbst hier in Berlin mit 2 Musikhochschulen gibt es sowohl an den Musikschulen als auch bei den besseren privaten Einrichtungen/KL lange Wartelisten (öffentl ca. 1Jahr, priv 1/2 Jahr)

Ich habe gerade deine Homepage angeschaut, du hast deine Hausaufgaben ja sehr schön gemacht:super:
sehr viele Tipps und Links....


auf deiner Lit.-liste habe ich Josef Gat vermisst, was hältst du von ihm, er hat ja ein sehr umfangreiches Klavierpädagogikbuch seinerzeit herausgebracht, die anatomisch/physiolog. Ansichten sind zwar meist überholt, aber vom Klavierpraktischen her sehr wertvolle Anregungen....
https://www.abebooks.co.uk/servlet/...7&an=jozsef+gat&cm_sp=snippet-_-srp1-_-title8
 
Mir würde als erster Ansatz schon reichen, wenn nur die Klavierunterricht geben dürften, die Klavier als Hauptfach für Instrumentalpädagogik an einer Musikhochschule studiert haben.
Ohje..., und alle, die bei richtigen Fachleuten unterricht haben, wie z.B. ich, müssten dann zwangswechseln zu irgend so'ner Pädagogik-Tante?

Oder gar zu hasenbein???
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Dann fallen all die weg, die das hobbymäßig machen und es gäbe mehr Qualität und die Menge reduzierte sich.
Widerspricht jetzt irgendwie komplett den vorhergehenden Behauptungen, daß der Markt vor allem für die Nieten so schlecht sei.

Die Wartelisten an MuSchus rühren m.E. vor allem vom Mißtrauen der Kunden gegenüber ihnen unbekannten Privatlehrern her. An der hiesigen Städtischen (eine der größten in DE) gibt es vom unstudierten Vollprofi bis zum studierten Vollpfosten alles. Wenn man also nicht weiß, zu wem man konkret will, kann das für einige Jahre rausgeschmissenes Geld bedeuten. Und natürlich werden eher Plätze bei den Pfosten frei...

Also, mit "Qualität" hat diese Mißverhältnis nix zu tun.
 
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@chiarina
ja selbst hier in Berlin mit 2 Musikhochschulen gibt es sowohl an den Musikschulen als auch bei den besseren privaten Einrichtungen/KL lange Wartelisten (öffentl ca. 1Jahr, priv 1/2 Jahr)

Nachfrage gibt es doch immer noch reichlich, wie die Wartelisten von Musikschulen zeigen.
Wenn heute schon mit all den hobbymäßigen und schlechten KL die Wartezeiten so lang sind, wie würde es dann erst aussehen, wenn diese KL wegfallen würden?
Ich sehe da ein ziemliches Dilemma: entweder gar kein Unterricht mit dann eventuell jahrelangen Wartezeiten, oder evtl. mittelmäßiger bis schlechter Unterricht für die Masse...
Einen Tod wird man da wohl sterben müssen.
 
Ohje..., und alle, die bei richtigen Fachleuten unterricht haben, wie z.B. ich, müssten dann zwangswechseln zu irgend so'ner Pädagogik-Tussi?

Ja, das ist das Problem bei meiner Aussage: natürlich gibt es Lehrer ohne Abschluss, die wirklich guten Unterricht geben und Lehrer mit qualifizierten Abschluss, die keinen guten Unterricht geben. Du scheinst ja eine Ausbildung bei sehr guten Leuten genossen zu haben! Ich weiß nicht, wie man das Problem lösen kann - ich bin jedenfalls betrübt darüber, dass Eltern in der Regel nicht wissen, dass Klavierlehrer keine geschützte Bezeichnung ist. Sie wissen selten, wie qualifiziert oder gut der Klavierlehrer ihrer Kinder ist (bei Erwachsenen der eigene KL). Ob nun mit oder ohne Diplom. Es zählt dann mangels Wissen, wieviel der KL kostet und ob er nett ist.

Widerspricht jetzt irgendwie komplett den vorhergehenden Behauptungen, daß der Markt vor allem für die Nieten so schlecht sei. Die Wartelisten an MuSchus rühren m.E. vor allem vom Mißtrauen der Kunden gegenüber ihnen unbekannten Privatlehrern her. An der hiesigen Städtischen gibt es vom unstudierten Vollprofi bis zum studierten Vollpfosten alles. Wenn man also nicht weiß, zu wem man konkret will, kann das für einige Jahre rausgeschmissenes Geld bedeuten.

Ich dachte eigentlich, dass zumindest an den VdM-Musikschulen nur studierte Kräfte unterrichten - normalerweise muss man doch auch vorspielen und 2 Schüler in einer Lehrprobe unterrichten. Nur wenn man da der/die Beste ist von allen Bewerbern ist, wird man genommen. So kenne ich es wenigstens. Ich bin nun die Letzte, die "diplomhörig" ist und denkt, nur mit einem Diplom wäre man der Held. Wer alle vom Hocker haut mit seinem Spiel und seinem Unterricht, aber kein Diplom hat - warum nicht!

Die meisten nichtstudierten Klavierlehrer, die ich kenne, haben allerdings gar keine Ausbildung und spielen einfach selbst Klavier. Ich schätze mal, dass du da ein Sonderfall bist, oder meinst du nicht?

Wie die Wartelisten zustande kommen an den Musikschulen, weiß ich nicht. Du meinst, es läge daran, dass potentielle Schüler Privatlehrern nicht trauen? Keine Ahnung.

@maxe: Gat ist natürlich gut. Allerdings wirklich sehr theoretisch. Ich habe mir das Buch deshalb nie gekauft und nur im Studium durchgeackert. Es hat mich einfach nicht so angesprochen wie andere Bücher und deswegen steht es auch nicht auf der Liste. Da stehen nur die Bücher, die ich besitze. :)

Liebe Grüße

chiarina
 
Wie die Wartelisten zustande kommen an den Musikschulen, weiß ich nicht. Du meinst, es läge daran, dass potentielle Schüler Privatlehrern nicht trauen? Keine Ahnung.
Naja, immerhin gibt es jede Menge (auch studierter!) Privatlehrer, die um jeden Schüler kämpfen müssen, während der sich vor der Musikschule die Füße platt steht. Siehe die genannten Beispiele zur Hausfrauenbespaßung. Da ist was schräg "am Markt".
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Wie ist der aus meiner Sicht deutlich übertriebene Hang zur Beschäftigung auswärtiger Musiker an städtischen Bühnen eurer Meinung nach zu bewältigen?, denn die guten einheimischen Musiker werden von den Auswärtigen, meist östlichen/fernöstlichen, oft abgedrängt, und das sind keine Kriegsflüchtlinge, wo humanitäre Erwägungen eine Rolle zu spielen haben.
Die Regel, dass nur dort Auswärtige einzustellen sind, wo kein geeigneter Innläder gefunden wird, fände ich in diesem Zusammenhang nicht unmenschlich, denn wofür bilden wir überhaupt noch eigne heimatliche Musiker aus, fürs Prekariat? .

Unsere staatlichen Musikhochschulen bilden diejenigen Menschen aus, die in der Aufnahmeprüfung nachweisen, daß sie das Zeug zum Profimusiker haben. Nation, Herkunft, Aussehen oder Religion spielen keine Rolle, und das ist auch gut so. Wer sich mit einer mittelmäßigen Abschlußprüfung zufrieden gibt oder wer meint, nach seiner Abschlußprüfung nichts mehr lernen zu müssen, hat dann trotzdem schlechte Karten, aber da kann weder die Hochschule noch der Gesetzgeber etwas dafür.

Und bei Bewerbungsverfahren geht es darum, unter allen geeigneten Kandidaten den Besten herauszufinden, nicht den deutschesten.
 
Mir würde als erster Ansatz schon reichen, wenn nur die Klavierunterricht geben dürften, die Klavier als Hauptfach für Instrumentalpädagogik an einer Musikhochschule studiert haben. Dann fallen all die weg, die das hobbymäßig machen und es gäbe mehr Qualität und die Menge reduzierte sich.
Und was ist mit denen, die als Fachfremde langjährig erfolgreich musizieren und unterrichten? Mir müsste man daraufhin sämtliche Chöre wegnehmen und das Übernehmen von Orgeldiensten komplett verbieten, da ich meine Hochschulabschlüsse in den falschen Fachrichtungen, nämlich Komposition, Musiktheorie und Klavier, absolviert habe. Ach ja, das Komponieren hätte man mir auch verbieten müssen, da meine ersten Kompositionen bereits vor Studienbeginn aufgeführt und von verschiedenen Rundfunkanstalten gesendet wurden. Wo will man da eine Auslese treffen, wer zur Übernahme entsprechender Aufgaben qualifiziert ist und wer nicht?

LG von Rheinkultur
 
Wer mit dem Status als Fachfremder tätig wird, muss in der Regel überdurchschnittliche Leistungen bei Bewerbungen vorweisen, um gegenüber Mitbewerbern mit dem „richtigen“ Abschluss Erfolgschancen zu haben. Nach langjähriger erfolgreicher Berufstätigkeit verliert allerdings die Frage nach den Zeugnissen rasch an Bedeutung und wird dann nicht mehr gestellt.

LG von Rheinkultur
 
Unsere staatlichen Musikhochschulen bilden diejenigen Menschen aus, die in der Aufnahmeprüfung nachweisen, daß sie das Zeug zum Profimusiker haben. Nation, Herkunft, Aussehen oder Religion spielen keine Rolle, und das ist auch gut so
Es ließe sich trefflich darüber streiten, ob es richtig ist, dass an steuerfinanzierten, deutschen Hochschulen ausländische Studenten nahezu kostenlos studieren dürfen. Gibt es da gar keine Einschränkungen/Quoten?
 

Es ließe sich trefflich darüber streiten, ob es richtig ist, dass an steuerfinanzierten, deutschen Hochschulen ausländische Studenten nahezu kostenlos studieren dürfen.
Wenn sie nach ihrem Abschluß da bleiben, eine ordentliche Beschäftigung finden und Steuern zahlen, warum nicht?

Gibt es da gar keine Einschränkungen/Quoten?

Ha doch: In Baden-Württemberg gibt es die "grüne Absonderlichkeit" (Nico Weinmann, FDP), daß Nicht-EU-Studierende Studiengebühren bezahlen müssen. Nordrhein-Westfalen will's nachmachen.
Studierende aus der turbokapitalistischen Volksrepublik China lassen sich davon allerdings kaum abschrecken.


https://www.stuttgarter-nachrichten...ren.d8f38d7f-bdd8-4540-a0f7-cc2c2196efce.html
 
Und was ist mit denen, die als Fachfremde langjährig erfolgreich musizieren und unterrichten? Mir müsste man daraufhin sämtliche Chöre wegnehmen und das Übernehmen von Orgeldiensten komplett verbieten, da ich meine Hochschulabschlüsse in den falschen Fachrichtungen, nämlich Komposition, Musiktheorie und Klavier, absolviert habe. Ach ja, das Komponieren hätte man mir auch verbieten müssen, da meine ersten Kompositionen bereits vor Studienbeginn aufgeführt und von verschiedenen Rundfunkanstalten gesendet wurden. Wo will man da eine Auslese treffen, wer zur Übernahme entsprechender Aufgaben qualifiziert ist und wer nicht?

Lieber Rheinkultur,

ja, es ist schwierig! Und natürlich ist klar, dass du mit gleich drei Hochschulabschlüssen musikalisch außerordentlich qualifiziert bist, auch wenn du nicht Chorleitung oder Orgel studiert hast. Aber deine Schlussfrage trifft doch genau den Punkt!

Was ist erfolgreich? Ist erfolgreich = qualifiziert? Wer bestimmt, was erfolgreich/qualifiziert ist?

Wegen dieses Wirrwars gibt es doch geschützte Berufsbezeichnungen, die Klarheit bringen sollen und für bestimmte Standards in Ausbildung und Fähigkeiten stehen.

Wenn ich Handwerker bin, gibt es klare Bezeichnungen wie Geselle, Meister etc., die diese Standards definieren. Trotzdem können unter diesen auch Handwerker sein, die schlechte Arbeit leisten. Und es kann sein, dass mein Nachbar um die Ecke, der hobbymäßig Klempnerarbeiten macht, bessere Arbeit leistet.

Wenn ich aber den Nachbar beauftrage, meine Heizung zu reparieren, weiß ich, dass er kein ausgebildeter Klempner ist. Und darum geht es mir. Um diese Unklarheit gegenüber der Berufsbezeichnung "Klavierlehrer". Wenn jemand sich bewusst für einen Lehrer entscheidet, der niemals eine pädagogische Ausbildung hatte und ausschließlich hobbymäßig Klavier spielt, ist das in Ordnung. Er sollte es aber wissen. Es geht mir um Transparenz.

Liebe Grüße

chiarina
 
Das ist aber was anderes, als du zuerst formuliert hast, nämlich ein Verbot für Nichtstudierte. Im Handwerk ist dieser Meisterzwang zum Glück weitgehend gekippt worden. Dabei ging es nämlich nie um Qualität, sondern ums Geschäft. Ähnlich sieht es bei den niedergelassenen Apothekern aus, die gern die Internetapotheken verbieten würden. Sie "sorgen" sich um unsere Gesundheit. Wer's glaubt...

Für die Transparenz kann der Kunde einfach nachfragen.
 
Das ist aber was anderes, als du zuerst formuliert hast, nämlich ein Verbot für Nichtstudierte.

Ja, das war ungünstig formuliert, wie man ja auch an Rheinkulturs Post gesehen hat. :)

Für die Transparenz kann der Kunde einfach nachfragen.

Nein, das kann er eben nicht, wenn er nicht weiß, dass ein Klavierlehrer keinerlei Ausbildung haben muss. Er kommt gar nicht auf die Idee.

Liebe Grüße

chiarina
 
Für die Transparenz kann der Kunde einfach nachfragen.
Das nützt ihm aber nicht viel. Warum nicht?

Weil er in Ermangelung von Kenntnissen über Musikberufsbilder kaum zwischen geschützten und ungeschützten Bezeichnungen unterscheiden kann. Sogar mit irgendwelchen Fantasiebezeichnungen sind manche unterwegs - und dick auftragen kann so mancher Anbieter, wenn auf der Gegenseite kein Experte sitzt.

LG von Rheinkultur
 
Das ist aber was anderes, als du zuerst formuliert hast, nämlich ein Verbot für Nichtstudierte.
Da würde ich für mich auch kein Problem sehen, denn studiert habe ich ja und die Abschlüsse regulär erworben. Diese Bezeichnungen sind gesetzlich geschützt. Leider habe ich sie in der „falschen“ Fachrichtung vorliegen...!

LG von Rheinkultur
 

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