Große Bach-Pianisten

Haydnspaß

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Wenn man sich heute so umhört, scheint es eigentlich nur einen einzigen großen Bach-Pianisten zu geben, das ist Glenn Gould.

Ansonsten macht sich eigentlich jeder verdächtig, der überhaupt Anstalten macht, Bach auf dem modernen Klavier zu spielen.

Aber vielleicht gibt es ja doch noch die eine oder andere Konkurrenz zu Glenn Gould, was das Bachspiel auf dem Klavier angeht...?

Und ist Glenn Gould wirklich so ein toller Bach-Spieler?

Man höre sich mal folgende Aufnahme an

http://de.youtube.com/watch?v=A5mXPc2BS18

Ich würde einen Schüler, der mir das C-dur Präludium so vorspielt vermutlich gleich wieder nach Hause schicken...

Da lob ich mir doch unseren Freund Sandro Bisotti :p

http://de.youtube.com/watch?v=c1ztPBoIgmM
 
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violapiano

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Ich persönlich mag Glenn Gould gerade mit Bach, allerdings gefällt mir diese sehr frühe Aufnahme des Präludiums auch überhaupt nicht. Was man aber schon deutlich erkennen kann, ist, dass er einen eigenwilligen Stil hatte und das schon sehr früh. Mir gefallen Musiker, die etwas Eigenes auf die Beine stellen und nicht Andere kopieren.

Bei Bach gibt es, finde ich, schon verschiedene Möglichkeiten. Dogmatismus ist eh der Tod jeder Kreativität und Vielfalt.
Und sehr unterschiedliche Stücke auch, die man auf verschiedene Arten angehen kann.
Ich denke gerade an die Aria, die mindenblues unter dem clavichord-thread eingestellt hat. Diese Aria kann man ruhig schön ausspielen, meine ich.
Mir gefällt mir Glenn Gould mit romatischer Literatur überhaupt nicht....brrrrrr...:mad: eigentlich mag ich nur wie er Bach spielt.

Die Interpretation muss zur Stilrichtung passen und den Charakter des Stückes erfassen. dann gefällt es mir auch. Man sollte sich hüten, einfach zu kopieren. Das muss ein Misserfolg werden, weil es in der Regel nicht an das zu kopierende Vorbild ranreicht. Dann doch lieber etwas Eigenes produzieren!
 
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Haydnspaß

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Ich persönlich mag Glenn Gould gerade mit Bach, allerdings gefällt mir diese sehr frühe Aufnahme des Präludiums auch überhaupt nicht. Was man aber schon deutlich erkennen kann, ist, dass er einen eigenwilligen Stil hatte und das schon sehr früh.
Ich denke nicht, daß es sich da um eine frühe Aufnahme handelt. Im Video wird zwar am Anfang ein Kinderbild von Gould gezeigt, aber so wie er das Präludium spielt, hat er ja auch alle anderen Bach-Werke gespielt. Ich glaube, insgeheim hat er Bach gehaßt. 8)
 
DonBos

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Eine der besten Bach-Pianistinnen meiner Meinung nach ist Rosalyn Tureck.

Exemplarisch zwei Videos auf Youtube, wobei das zweite zugleich auch eine Ermutigung an uns sein sollte, dass man nie zu alt zum Klavierspielen ist, denn damals war sie 88 Jahre alt (wenn ich richtig rechne):
http://de.youtube.com/watch?v=l8EVR7zM4DI&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=A2MfdZCais0&feature=related

Von Glenn Gould halte ich persönlich nicht allzu viel. Einige seiner Bach-Interpretationen gefallen mir zwar, aber mit sehr vielen seiner Bach-Interpretationen kann ich nicht allzu viel anfangen.
 
Mindenblues

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Ich bin auch kein großer Freund von Glenn Gould. Jedoch schätze ich seine Art, eben nicht nur an Dynamik zu denken, sondern vor allem auch mit sehr präziser und variantenreicher Artikulation zu spielen. Ich bin kein großer Kenner alter Pianisten, aber ich vermute, dass Gould vor allem durch seine Artikulation eine damals ganz neuartige Art der Interpretation geschaffen hat, bzw. wiedergefunden hat.

Was ich an Glenn Gould nicht mag, ist dass mir seine Interpretation zwar total präzise (fast wie eine Maschine) vorkommt, aber auch irgendwie beliebig vom musikalischen Kontext, auch und gerade beim angeschnittenen C-Dur-Präludium.

Mir persönlich gefällt die WTK1-Einspielung von S. Richter sehr gut, ebenfalls die Goldberg-Variationen von M. Stadtfeld. Wenig anfangen kann ich mit solchen romantisierenden Varianten wie D. Barenboim, wo ich auch eine WTK1-Einspielung habe - mag eben persönlich nicht soviel Rubato und Pedalgetrete bei Bach. Wie gesagt, alles ja total subjektiv.
 
Haydnspaß

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Eine der besten Bach-Pianistinnen meiner Meinung nach ist Rosalyn Tureck.

Turecks Bach-Spiel gefällt mir ausgesprochen gut! Sie spielt sehr melodisch und natürlich, so daß es sich wirklich wie Musik anhört, und nicht wie eine ausgedachte Konstruktion. Was es vom Komponisten her natürlich auch ist - jedoch ausgedacht in einer Weise, daß es auch einen Sinn ergibt, wenn man die Pläne des Architekten nicht kennt.

Bei der b-moll Fuge aus WTC 2 hätte ich mir allerdings einen weniger knalligen Themenbeginn einerseits, und andererseits etwas mehr Dramatik und furioso gewünscht :)
 
violapiano

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ah, das ist schön, gefällt mir auch!
Wenngleich ich auch finde, die Stimmen könnten noch mehr hervorgearbeitet werden auch links. Aber:p
Lg
violoapiano
 
.marcus.

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Interessant finde ich, dass Glenn Gould hier so schlecht abschneidet :p
Ich bin ein großer Fan von Glenn Gould; aber nicht wegen seiner Bach-Aufnahmen. Viel interessanter finde ich seine Haydn-/Mozart-Sonaten, Einspielungen von modernen Werken (Prokofjew 7.Sonate, Skrjabin, Schönberg, Brahms!!!!)

Beethoven-Sonaten mit Gould machen auch unheimlich viel Spaß zum Anhören; mögen muss man sie ja nicht ;)

Ich hatte Gould erst als Bach-Interpret kennengelernt und erst viel später bemerkt, wie vielseitig er doch war.

Mein Geheimtipp für Bach: Murray Perahia

marcus
 

Haydnspaß

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marcus, wunderbar, bin ich fast rundweg mit allem einverstanden was du schreibst! (Fragezeichen würde ich bei Mozart machen, Beethoven Sonaten von Glenn Gould kenne ich nicht)

Und Perahia ist (auch) mit Bach ein super Pianist!
 
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.marcus.

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marcus, wunderbar, bin ich fast rundweg mit allem einverstanden was du schreibst! (Fragezeichen würde ich bei Mozart machen, Beethoven Sonaten von Glenn Gould kenne ich nicht)

Und Perahia ist (auch) mit Bach ein super Pianist!
Bei Mozart gefällt mir auch nicht alles, aber zum Beispiel der Türkische Marsch ist (sehr ungewöhnlich), aber durchaus überzeugend.

Was mir noch eingefallen ist: Die dritte englische Suite (besonders das Präludium) hab ich noch von niemandem besser gehört, als von Ivo Pogorelich. Der hat sich zwar bisher nicht als Bach-Interpret hervorgetan, aber so einen herrlich frischen, von jeglichem Staub und Spinnweben befreiten Bach hab ich selten gehört.

marcus
 
DonBos

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Gehört zwar nicht wirklich zum Thema "Bach-Pianisten", aber da hier Goulds Beethoven-Sonaten erwähnt wurden, da kenne ich vor allem diese Aufnahme des ersten Satzes der Mondscheinsonate.
http://www.youtube.com/watch?v=WD6pGV69fJI
Ich habe normalerweise nichts gegen ungewöhnliche Interpretationen, aber diese Interpretation finde ich eindeutig zu krass. Das Tempo ist mir wesentlich zu schnell und die Triolen eindeutig zu laut. Klar, langsam und mit leisen Triolen spielt es jeder und das mag vielleicht nicht individuell sein im Vergleich zu Goulds Interpretation, aber in diesem Fall wird die Sonate meiner Meinung nach zurecht üblicherweise nicht so gespielt, wie Gould das tut.
 
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andreas.kumm

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Hallo zusammen,

Glenn Gould hat schon einige unübertroffene Aufnahmen von Bach hingelegt. Als Künstler halte ich ihn aber insgesamt für fragwürdig: er erhebt sich oft mit ungeheurer Arroganz über den Komponisten (sofern er etwas anderes als Bach spielt).
Mir persönlich gefällt die Gesamtaufnahme von Bachs Klaviermusik (2-händig) des Pianisten Andras Schiff mit Abstand am besten. Findet Ihr bei youtube unter Andras Schiff Bach.

Gruß - Andreas
 
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Sesam

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Hallo zusammen,
mein Liebling in allen pianistischen Lebenslagen ist der unvergleichliche Michelangeli. Leider sind seine Bach-Einspielungen nich so dolle, als dass ich sie hier als besonders hervorheben könnte. Da bin ich fast ein bißchen beleidigt.
Abgesehen davon könnte ich mir gut vorstellen, dass Glenn Gould sehr von dem Mirakel, was so um seine Person kreist, profitiert. Alleine die vielen besonderen Attitüden, die er so rund um seinen Flügel zelebriert, lassen schnell die Kunstdarbietung aus den Augen verlieren. Bzw. aus den Ohren. Man möge mir den Vergleich verzeihen (nein! man darf diesen bösen Vergleich wirklich nicht ziehen), aber Lang Lang erntet doch auch nicht zuletzt aufgrund seiner Show viel Popularität. Zwar mit völlig anderen Vorzeichen als Gould, aber dennoch. Wenn jemand mit Mütze, Schal und Handschuh Klavier spielt, dann ist das doch was. Beim Film nennt man das special effects. Das sind die Publikumsmagneten. Ausserdem sieht er gut aus (Geschmacksache). Auch diese Aussage möge man mir verzeihen. Aber er wäre nicht der erste, der aufgrund von Charisma (statt Kunst), Karriere gemacht hat.
Jedenfalls kann es schon passieren, wenn ein Künstler, Pianist äusserliche Reize (welche auch immer) vorführt, dass ihn viele deshalb gut finden, weil sie sich damit identifizieren wollen. Wer mag sich schon mit Arthur Schnabel identifizieren? (warum es hingegen bei Horowitz klappt, ist mir ein Rätsel :D) Das schlägt sich gleich mal im Beliebtheitsbarometer nieder. Auch die Plattenlabel freuen sich, wenn ein Künstler wie Gould so viele Anekdoten um seine Person versammelt, die lassen sich prima verkaufen. Meiner Meinung nach ist das typische Gould-Publikum (mit Ausnahme der Gould Fans hier im Forum natürlich!!) deutlich weniger mit Klavierkunst befasst, als man meinen sollte. Es ist einfach hipp, die Goldberg Variationen von Glenn Gould toll zu finden. Der Name ist Programm. Dennoch, ich liebe Glenn Gould. Natürlich für seinen Bach aber mindestens so sehr für seinen ersten Satz von Mozarts Sonate Nr. 11 http://de.youtube.com/watch?v=IT0ghoOGn78
Auch sehr, sehr schön von ihm Mozarts Fantasie in d-moll KV 397
Was Bach betrifft, wechseln meine Favoriten. Das hängt halt von der Stimmung ab. Richter mag ich derzeit sehr, aber hin und wieder auch die gute, alte Nikolajewa.
Gruß, Sesam
 
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wanjabelaga

wanjabelaga

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große bachinterpreten?

die wichtigsten wären...(hoffe niemand vergessen)

wanda landowska
edwin fischer die drei begründer der bachrenaissance am klavier
samuil feinberg

svjatoslaw richter
rosalyn tureck die giganten de bachrenaissance der neuren zeit
glenn gould

grigorij sokolow
ewgenij koroljow die wackeren von heute
und einige andere mehr wie schukow, schiff oder barenboim
 
Madita76

Madita76

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Hallo zusammen,

Ich finde Angela Hewitt spielt einen sehr gesanglichen und feindynamischen Bach.


http://de.youtube.com/watch?v=jj12th02yT4

Gruß Bernd

Hallo liebe Forumsmitglieder,
stöbere gerade mit großem Interesse diverse Bach-Fäden hier durch und sehe, dass auf Angela Hewitt bereits hingewiesen wurde.

Ich wollte keinen extra Faden für meine Errungenschaft aufmachen, diesen DVD-Tipp euch jedoch nicht vorenthalten.

Also, wer sich für eine, wie ich meine, durchaus gelungene Aufnahme über die Bach'sche Spielweise interessiert und diverse Infos und Tipps über diesen großartigen Komponisten sucht, ist mit folgender DVD bestens bedient:


http://www.weltbild.de/3/15539296-1/dvd/angela-hewitt-bach-performance-on-the-piano.html?wea=8002019

Viel Spaß damit!
Beste Grüße von Madita
 
rolf

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ich füge mal noch einen Bachpianisten an:
Prof. Vitaly Margulis!

staunenswert sind nicht nur seine Bachaufnahmen, er hat auch einen berühmten Text über die musikalische Verarbeitung religiöser Motive in Bachs Klaviermusik geschrieben.

...eigentlich zählt er zu den "Virtuosen", die Liszt, Rachmaninov, Prokovev (der war von seiner Interpretation der 9. Sonate begeistert), Strawinski, Balakirew etc. spielen - aber eben auch Beethovens Spätwerk (berühmt ist seine kontroverse op.111) und BACH

Und Bach liebt er von allen doch am meisten

Gruß, Rolf

(nur ich kann das nicht verstehen, ich habe beim selber spielen fast keinen Zugang zu Bach, spiele auch nur ganz wenig von ihm - beim zuhören ist das ganz was anderes... kurios)
 
 

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