Fragen an die ExpertInnen hier im Forum

So pauschal, wie hier formuliert, muß ich dem widersprechen! Gerade bei Erwachsenen mit knappem Zeitbudget für's Klavier und wohlmöglich nicht mehr ganz so beweglichen Fingern kann das eine durchaus realistische Zeitspanne sein. Man sollte sich auch vergegenwärtigen, daß jedem Menschen Leistungsgrenzen gesetzt sind, die ganz unterschiedlich sind. Auch durch noch so vieles Trainieren werden die meisten nicht an op.106, Rachmaninov oder ähnliches herankommen. Und was für die obere Liga gilt, trifft auch für die unteren Level zu. Ich finde - mit Verlaub - solche Äußerungen arrogant und als Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich redlich bemühen und vielleicht nicht mit übermäßiger Begabung gesegnet sind.

Diejenige, die die Kuhlau Sonatine sich eigenständig erarbeitet hat als Wiedereinsteigerin, hat sich dieses Niveau als Kind/Jugendliche im Laufe von 8 Jahren mit Unterricht angeeignet und baut darauf auf. Deshalb passt dieser Einwurf hier leider gar nicht. Die Frage lautete ja auch weniger, ob das Erreichte Niveau bei 8jährigem Klavierunterricht angemessen ist, sondern wie man es selbstständig ausbauen könnte.

Hier ist auch meine große Kritik an Verfechtern von lebenslänglichem Klavierunterricht. MIt Verlaub, ein achtjähriger Klavierunterricht im Heranwachsendenalter muss vor allem ein Ziel haben, nämlich - egal auf welchem Niveau- den Unterrichtnehmer in Stand versetzen, sich selbst zukünftig passende Literatur auszuwählen und Strategien zur Erarbeitung dieser abrufen zu können. Wenn dieses Ziel von Lehrern missachtet wird, statt dessen lebenslange Abhängigkeit von einem Lehrer propagiert wird, ist dies falsch verstandenes Lehrer-Schüler -Verhältnis!
 
Hier ist auch meine große Kritik an Verfechtern von lebenslänglichem Klavierunterricht.

Ist doch super, wenn du das alleine alles so kannst. Ich dagegen gehe aus den meisten Klavierstunden mit dem Gefühl raus, wieder enorm viel mitgenommen zu haben; mit Ideen, woran ich weiter arbeiten kann; mit Anregungen für neue Stücke, usw. usw. Ich möchte das nicht missen, da ich eine tolle Lehrerin habe und ich bin überzeugt, dass es mich deutlich weiterbringt als ich allein jemals kommen würde. Abgesehen davon finde ich auch Workshops toll - wo man mal einem ganz anderen Lehrer mit einem vielleicht völlig anderen Ansatz begegnen kann, der wieder ganz neue Tipps gibt. Und wo man von anderen Teilnehmern neue Dinge lernt.

Lebenslanges Lernen ist doch etwas Großartiges. Für mich bedeutet das halt: eigenes Üben in Kombination mit einem fähigen Lehrer. Ja, vielleicht - hoffentlich - auch bis ins hohe Alter. Damit möchte ich keinesfalls die Autodidakten kritisieren. Wer allein auch soweit kommt, hat meinen vollen Respekt. (Wobei, man weiß natürlich nie, wie weit so jemand dann erst mit dem richtigen Lehrer gekommen wäre.......)
 
Hallo Manuela,

Du hast täglich 1,5 bis 2 Stunden Zeit zu üben.
Das ist doch viel Zeit, die Du da hast. Wäre es nicht sinnvoller, Dir wenigstens einmal im Monat einen richtig guten Unterricht zu leisten, um das Musizieren zu üben, statt langweilige Etüden mechanisch herunter zu klimpern und dir so auch jede Freude an einer Sonatine zu verderben, die , von einem Lehrer vorgespielt und erläutert, sich dir wahrscheinlich überthaupt erst erschließen würde?

Du sagst du hast die Liebe zum Klavier spielen wieder entdeckt.
Das widerspricht der Tatsache, dass du dich nicht wirklich fortbilden möchstest.

Alleine ist ein wirkliches Weiterkommen nicht möglich, auch nicht durch Internetforen-einen Menschen (Lehrer) kann man nicht ersetzen!
 
Hallo Manuela,

..... um das Musizieren zu üben, statt langweilige Etüden mechanisch herunter zu klimpern und dir so auch jede Freude an einer Sonatine zu verderben, die , von einem Lehrer vorgespielt und erläutert, sich dir wahrscheinlich überthaupt erst erschließen würde?

.....
HIer setzt also jemand voraus, dass alle hobbymäßigen Klavierspieler kein eigenes Verständnis von Musik haben?! Dann wären ja alle Konzertbesucher arme Würstchen, weil ihnen erschließt sich ja nicht die vorgeführte Musik - ohne einen Lehrer. Wer sagt denn, dass genau das von dem Lehrer vorgeführte "Erschließen" einer Sonatine (!) meinem Empfinden entspricht? Musik ist vor allem eins, individuell - es gibt nicht die Erschließung, es gibt immer mehrere, man sehe allein den Thread zu Griegs Elfentanz an - ich z.B. spiele ihn heftig, in hohem Tempo eher Koboldhaft, frech , andere wollen ihn zart, durchsichtig mit Weile romantisch spielen, dafür braucht man keinen Lehrer als Erwachsener, der einen gewissen Level hat. Und nicht jeder will in die höchsten Sphären der Klavierkunst vordringen (erwachsene Anfänger werden den auch kaum erreichen- zumindest nicht, wenn sie dafür zeitlebens einen Lehrer bräuchten-sprich absolut unselbstständig beim Lernen sind und keine eigene Meinung/Selbstvertrauen haben).

Etüden müssen übrigens nicht langweilig sein, Etüden sind keine Technikübungen, sondern kleine Musik(!)stücke, die eine bestimmte Technik/Techniken umspielen und gerade Konzerte haben oft ihr i-Tüpfelchen durch eine gekonnt und gewitzt vorgetragene Etüde! Und im Übrigen ist Musik nicht immer nur impressionistisches/expressionistisches Geschichtenerzählen/Gefühlsausbruch, sondern sie birgt auch Freude und Genuss, nur durch Rhythmik, Melodie und Feuer im Spiel. Sprich man kann Spass einfach an dem Stück haben, ohne hintergründiges großartiges Hineininterpretieren von geistigen Inhalten.

Wenn jemand für sich bezahlten Musikunterricht als Hobbykurs ansieht, sei es ihm unbenommen ihn zu genießen, aber er sollte nicht von sich selbst auf andere schließen.
 
Wie ein "Hobbykurs" sieht mir sowas hier allerdings nicht aus:


Ab einem gewissen Niveau tauscht man sich mit dem Lehrer dann doch ohnehin ganz anders aus... Aber gut. Jeder, wie er will.
 
Alleine ist ein wirkliches Weiterkommen nicht möglich, auch nicht durch Internetforen-einen Menschen (Lehrer) kann man nicht ersetzen!

Hi sweet,

das stimmt so allerdings nicht. Bedenke z.B. die Autodidakten, die es bereits gibt. Die müssen natürlich besonders vorsichtig und selbst-verantwortungsvoll agieren und nat. auch immer auf der "Lauer" nach neuen und vor allem relevanten Quellen in für Autodidakten geeigneter Form sein. Das Erarbeiten neuer Dinge ohne Lehrer ist aber trotz der besonderen, notwendigen Verfahrensweisen von Autodidakten auf jeden Fall möglich. Es bildet sich ein sich aufbauender Regelkreislauf aus Erfahrungen, Evaluationen und Können.

Auch hier auf Clavio sind solche zu finden, oder auch in vielen anderen Bereichen, zum Beispiel Sprachen. Viele Sprachen kann man sich selbst beibringen. Vor allem einige alte Sprachen, das haben mehrere Männer der Geschichte bewiesen. Zumal gar mit Sprachen, deren Schriften sie erstmal entziffern mussten. Auch das konnten sie ganz selbst.

Nur: Man muss KONTINUIERLICH dabeibleiben und nicht "abspringen". Man muss sozusagen "motiviert glühen". Und zwar immer. Das ist u.a. der Grund, warum es Schulen gibt, denn NICHT BEI JEDEM ist das "ständige motivierte Glühen" aus ihm selbst heraus gewährleistet. Man muss dazu bestimmte Eigenschaften mitbringen.

Auch gibts Leute, die man eigentlich als Autodidakten bezeichnen könnte. Denn sie haben nur verschwindend wenig Klavierunterricht gehabt. Eines dieser Beispiele ist Leopold Godowsky.

Was aber selbst für jeden Autodidakten wichtig ist, ist, dass er nach längerer Zeit sich ein oder zwei oder mehrmals - je nach Bedarf - RÜCKMELDUNG holt von einer qualifizierten Person, ob er ( noch ) "auf dem richtigen Weg" ist. Onlinekommentare z.B. auf Foren nützen da nicht viel: zu anonym, und von unmaßgeblichen Gefühlen usw. beeinträchtigt. Besser ist es, wenn ein nachgewiesener Experte, den - und dessen Fähigkeiten man genau KENNT, - 1 oder 2 Mal privat das "Ohr leiht", z.B. anhand von Aufnahmen.

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1. ) HIer setzt also jemand voraus, dass alle hobbymäßigen Klavierspieler kein eigenes Verständnis von Musik haben?! Dann wären ja alle Konzertbesucher arme Würstchen, weil ihnen erschließt sich ja nicht die vorgeführte Musik - ohne einen Lehrer. Wer sagt denn, dass genau das von dem Lehrer vorgeführte "Erschließen" einer Sonatine (!) meinem Empfinden entspricht? Musik ist vor allem eins, individuell - es gibt nicht die Erschließung, es gibt immer mehrere, man sehe allein den Thread zu Griegs Elfentanz an - ich z.B. spiele ihn heftig, in hohem Tempo eher Koboldhaft, frech , andere wollen ihn zart, durchsichtig mit Weile romantisch spielen, dafür braucht man keinen Lehrer als Erwachsener, der einen gewissen Level hat. [...]

2. ) Etüden müssen übrigens nicht langweilig sein, Etüden sind keine Technikübungen, sondern kleine Musik(!)stücke, die eine bestimmte Technik/Techniken umspielen und gerade Konzerte haben oft ihr i-Tüpfelchen durch eine gekonnt und gewitzt vorgetragene Etüde! Und im Übrigen ist Musik nicht immer nur impressionistisches/expressionistisches Geschichtenerzählen/Gefühlsausbruch, sondern sie birgt auch Freude und Genuss, nur durch Rhythmik, Melodie und Feuer im Spiel. Sprich man kann Spass einfach an dem Stück haben, ohne hintergründiges großartiges Hineininterpretieren von geistigen Inhalten.

Hi Elli,

ich habe 2 größere Punkte ( 1 und 2 ) schwarz markiert, dazu möchte ich sagen:

Zu Punkt 1: Stimme zu. Das ist auf jeden Fall richtig, zum Fettgedruckten Teil: Ja, das stimmt, aber es werden Leute entgegenhalten, dass besonders "gewitzte" Klavierlehrer ja "darauf verweisen, dass man viel EIGENES EMPFINDEN" in ein Werk ( z.B. Sonatine ) einbringen soll...

( allerdings hast Du 1000% Recht: Dazu benötigt man eben keinen Lehrer, und solche Aussagen von Lehrern dienen dazu, SCHEINBAR viel Freiheit vorzugaukeln: Doch glaub mir, dass die Klavierlehrerin Prof. Anneliese Tüttelmeyer vonner Musikschule insgeheim drauf erpicht ist, genau IHRE Vorstellungen dem Schüler unterzujubeln. Das ist übrigens der Grund, warum hunderttausende junger Musikhochschulabsolventen genau gleich spielen. ( genauer: genau gleich langweilig ) . -

Zu Punkt 2: Etüden. Man sollte Technik und Musikalität nicht trennen. Jedes Stück sollte man als ein Musikstück ansehen. Geschähe dies mit jeder Etüde, würde ich das auf jeden Fall befürworten.
Nur: Es geschieht nicht mit jeder Etüde.

Es wird langweiliges, unnützes Etüden-Zeug den Klavierschülern zugemutet, mit dem man EINES erreicht:

Die Etüde spielen zu können.

Sonst nichts.

Denn wenn wir ein "richtiges" Werk vornehmen, dann lernen wir dieses, indem wir das richtige Werk spielen.

( Die so tollen "Etüden" würden wir ja auch lernen, indem wir die so tollen "Etüden" spielen. Bei richtigen Werken dürften ja all die Klavierlehrer, die Hanon, Czerny usw. proklamieren, dann keine abweichende Meinung haben. Auch sie, die "richtigen" Werke, die uns nat. vornehmlich interessieren, lernt man folglich durchs Spielen. Wozu also gesonderte Etüden ? )

Einschränkung: Etüden von Chopin und ähnliche sind hier nat. NICHT gemeint. Sondern nur die Massenware, mit der Klavierschüler manchmal belästigt werden.

Anzumerken ist natürlich, dass es eine Handvoll sehr schöner Etüden - auch von Czerny z.B., und auch von Clementi ( Gradus, aber nicht alles daraus ), Concone, Lemoine, Schytte, Burgmüller usw. gibt. Aber um sie als vollgültiges, lohnendes EIGENSTÄNDIGES WERK anzusehen, da kann man, wie gesagt, nur wenige davon feststellen, die ansprechend genug sind.

Technik und Musikalität sind untrennbar miteinander verbunden. Was im Stück verlangt wird, steht nirgendwo genauer und passender, als IM STÜCK SELBST. Daher sollten wir dieses lernen. ( Und dazu einige von uns ausgewählte, besonders schöne aus den "Massen-Etüden", die es wert sind, als eigenständig - und gar: aufführbar! - gelten zu dürfen. )


LG, Olli
 
Wie ein "Hobbykurs" sieht mir sowas hier allerdings nicht aus:


Ab einem gewissen Niveau tauscht man sich mit dem Lehrer dann doch ohnehin ganz anders aus... Aber gut. Jeder, wie er will.



Masterclass' sind ausdrücklich für angehende Pianisten , alle anderen dürfen allenfalls als ZUSCHAUER dem verfeinernden Unterrichtenden Prominenten zuhören, ich habe gern auf you tube Masterclasses von z.B. Vengerov verfolgt, aber das Publikum als auch die wenigen auserkorenen, die aktiv an dem masterclass als "Schüler" mitwirken dürfen - gegen horrende Bezahlung übrigens - (was der lustige Vengerov durchaus auch durchblicken ließ)- diese haben aber absolut nichts mit dem durchschnittlichen Hobbypianisten zu tun. Sich Videos von Aufzeichnungen solcher Veranstaltungen anzuschauen ist aber sehr zu empfehlen, da kann man viele neue Einblicke bekommen - das steht ja auch nicht zur Debatte.
 
Danke für eure ausführlichen Gedanken und Beiträge.

LMG, habe ich dich richtig verstanden, dass du meinst, dass Etüden üben grundsätzlich überflüssig ist (außer eine Etüde ist so schön, musikalisch wertvoll, wie auch immer man das bezeichnen mag, um sie als eigenes Stück aufzuführen)? Wenn man ein Stück übt, soll man dieses einstudieren und sich darauf konzentrieren, die darin enthaltenen Schwierigkeiten zu meistern.

Das ist schon einmal eine sehr wertvolle und wichtige Erkenntnis für mich. Ich frage mich unter diesem Gesichtspunkt, wieso Millionen KlavierschülerInnen noch immer mit Czerny gequält werden. Oder hat sich das in den letzten 40 Jahren geändert?

Burgmüller habe ich erst jetzt für mich entdeckt. Seine sogenannten Etüden op 100 sind wunderschöne Stücke, die durchaus vorführwürdig sind. Auch eine Etüde von Bertini gefällt mir so gut, dass ich sie in mein Repertoire (ich weiß, der Ausdruck ist ein bisschen zu hochtrabend für meine kärglichen Künste) aufgenommen habe.
 

Danke für eure ausführlichen Gedanken und Beiträge.

1. ) LMG, habe ich dich richtig verstanden, dass du meinst, dass Etüden üben grundsätzlich überflüssig ist (außer eine Etüde ist so schön, musikalisch wertvoll, wie auch immer man das bezeichnen mag, um sie als eigenes Stück aufzuführen)? Wenn man ein Stück übt, soll man dieses einstudieren und sich darauf konzentrieren, die darin enthaltenen Schwierigkeiten zu meistern.

2. ) Das ist schon einmal eine sehr wertvolle und wichtige Erkenntnis für mich. Ich frage mich unter diesem Gesichtspunkt, wieso Millionen KlavierschülerInnen noch immer mit Czerny gequält werden. Oder hat sich das in den letzten 40 Jahren geändert?

3. ) Burgmüller habe ich erst jetzt für mich entdeckt. Seine sogenannten Etüden op 100 sind wunderschöne Stücke, die durchaus vorführwürdig sind. Auch eine Etüde von Bertini gefällt mir so gut, dass ich sie in mein Repertoire (ich weiß, der Ausdruck ist ein bisschen zu hochtrabend für meine kärglichen Künste) aufgenommen habe.

Hi Manuela,

ich habe wieder Punkte schwarz markiert, zum besseren Betrachten.

Zu 1: ja, im Grunde schon. Und vor allem der Schlussatz, den ich schwarz markiert und unterstrichen habe! Doch das ist natürlich scheinbar nur eine "Meinung aus dem Internet". Doch stehe ich damit nicht alleine: Hervorragende Pädagogen und Pianisten vertreten ebenfalls diese und ähnliche, damit zusammenhängende Ansichten. Ich möchte es aber dennoch genauer spezifizieren: Ein Stück zu lernen, um dadurch ein anderes zu lernen, ist m.E. unsinnig, da jedes Musikstück für sich allein zu erlernen ist - und zwar mit den effizientesten FÜR DIESES STÜCK NOTWENDIGEN Aktionen. Da Stücke unterschiedlich sind, scheidet im Grunde der "Stück lernen, damit ich anderes Stück lerne oder besser draufhabe" aus.

Was hierbei jedoch zu beachten ist, ist folgendes: Die Querverbindungen und ggf. Ähnlichkeiten zwischen wirklichen, wichtigen, für sich selbst stehenden Stücken - auch denen VERSCHIEDENER Komponisten. Dieser Aspekt ist wichtig zur Muster-Erfassung und -verinnerlichung und für später erfolgende vergleichende Betrachtungen.

Zu 2: Nicht "KlavierSCHÜLER/innen" !! Nicht in erster Linie. Sondern die LEHRER sind es in großer Zahl, die quälende Etüden statt relevanter Werke üben lassen. Warum ? Weil sie es selbst mussten, denken sie, es wäre gut... . Doch "denken" taten nur wenige. Versuchen wir es mal, und denken an einen Bereich, der mehr mit Klavierspielen zu tun hat, als manche glauben würden:

Effiziente Kampfsysteme für den Ernstfall ( z.B. WT, Krav Maga usw. ) vs. sportliche Ertüchtigungssysteme ohne signifikanten Nutzen ( z.B. Judo, oder auch mehrere Karate-Stilrichtungen ).

Bei den Körperertüchtigungssystemen lernt man ein Sammelsurium an Techniken, von denen 80% im Ernstfall nicht zu gebrauchen sind. Bevor man aus dem "Pool" der Techniken in einem wesentlich zu lange dauernden Prozess die richtige ausgewählt hat, hat man verloren.

Bei den effizienten Kampfsystemen für den Ernstfall darf ein Kampf nicht länger als ein paar Sekunden dauern, dann muss der oder die Gegner in jedem Fall besiegt sein, auf effizienteste, schnellstmögliche und wirksamstmögliche Art und Weise. Sportliche Fairness und ein "toller Body" sind leider als absolut zweitrangig zu erachten. Man muss jederzeit damit rechnen, auf der Straße, nachts, usw. UNAUFGEWÄRMT angegriffen zu werden. Langwieriges Konditionstraining is nich.

Und das möchte man natürlich auch beim Klavierspielen erreichen.- Zumal wir beim Klavierspielen die notwendige "Kondition" und das "Durchhaltevermögen" und die "Härte" nicht durch bestimmte Stücke erreichen, sondern durch - egal, was wir spielen.

"WIR sind die Briefträger, die 8 Stunden am Tag zu Fuß gehen. IMMER, wenn wir zu Fuß gehen, trainieren wir es.."

Und dann soll nun ein Briefträger ( also übertragen: Wir, die Klavierspieler ) noch zusätzlich trainieren, zu Fuß zu gehen ?

Bedaure, das halte ich also - alles was Recht ist - für den größten Quatsch, der jemals erdacht wurde.

Man sollte das Stück bzw. die Stücke lernen, die man spielen will ( in seltenen Fällen: spielen MUSS, falls sie auf irgendwelchen Listen stehen und man sich auf ein Vorspiel vorbereitet z.B. ) .

Das genügt meines Erachtens.

Aber bitte nicht vergessen, liebe Manuela: Es gibt, wie Du bereits angemerkt hattest, sehr schöne Etüden. Man muss sie sich bloß "rausflöhen" aus Czerny usw.


Zu 3: Ich habe vorgestern den Band "Burgmüller op. 109" und das Heft von Concone ( hatte ich mal erwähnt, siehe Suchfunktion ): "Etudes brillantes" hintereinanderweg durchgespielt: So 4 oder 5 insgesamt sind ganz super! Bertini, da habe ich auch irgendwo ein Heft, habs grad nicht da, aber Henri Lemoine, da sind auch ein paar sehr schöne dabei!

Berühmte Klavierlehrer und Pianisten, die Etüden außer in Ausnahmefällen nicht gern sehen bzw. für unnötig halten sin beispielsweise

Leimer ( und sein Schüler Gieseking ) und Alexander Libermann ( Schüler von Petri ). Langatmiges Etüdengepauke passt nicht zu den hervorragend durchdachten Methoden dieser Männer.

Was mir hingegen gut gefällt, sind blitzartige, ganz kurze "Etüden", die man evtl. bei Prof. Feuchtwangers Methodik vorfinden könnte. Ich kenne mich da aber nicht gut genug aus, und der Experte und Schüler Prof. Feuchtwangers, Stephan, ( Nickname: pppetc / Schigolch ) , ist leider GOTTES IMMER NOCH GESPERRT ( KNURRRRRRR ) !!! Ich bitte erneut um Wiederfreichaltung Stephans, der ist hier SO WICHTIG !!!!

LG, von: Olli!!
 
Hallo Manuela,

Olli verkauft seine eigene Meinung ja immer sehr überzeugend so, als ob das die allgemeine Lehrmeinung wäre. Ich empfinde das zwar auch ähnlich, und der Extremfall: das Durchspielen von Czernys "Schule der Geläufigkeit" von vorne bis hinten, wäre aus meiner Sicht auch Unfug.

Aber man sollte doch vielleicht sagen, daß auch viele Leute (wie etwa mein Klavierlehrer) den anderen Standpunkt haben, daß Etüden wichtig sind, um die Technik zu erlernen. So daß ich als Schüler z.B. neben einer Beethoven-Sonate, die mir gefällt, auch immer noch eine mehr technische Übung mit aufgetragen bekomme, die zusätzlich geübt werden soll. Und ich muß zugeben, daß mir das nun nach einger Zeit auch einleuchtet und ich davon profitiert habe.

Liebe Grüße
Manfred
 
Zuletzt bearbeitet:
Was mir hingegen gut gefällt, sind blitzartige, ganz kurze "Etüden", die man evtl. bei Prof. Feuchtwangers Methodik vorfinden könnte. Ich kenne mich da aber nicht gut genug aus, und der Experte und Schüler Prof. Feuchtwangers, Stephan, ( Nickname: pppetc / Schigolch ) , ist leider GOTTES IMMER NOCH GESPERRT ( KNURRRRRRR ) !!! Ich bitte erneut um Wiederfreichaltung Stephans, der ist hier SO WICHTIG !!!!

LG, von: Olli!!

Oh, ist der so wichtig, daß er zwei Accounts braucht?
 
@elli, bitte korrigiere mich, wenn mich meine Erinnerung trügt: Du bist KL, richtig?
 
Ich möchte mich einfach nur dagegen verwahren, dass die Option lebenslanger Klavierunterricht (sprich, auch noch auf höherem Niveau) abgetan wird, als sei der Klavierschüler dann unfähig oder brauche wohl irgendeinen "Hobbykurs". Daher mein Verweis auf den Meisterkurs. Offenbar brechen sich nämlich auch Profis keinen Zacken aus der Krone, wenn sie sich auf entsprechendem Niveau ab und zu mal Feedback holen.

Man lernt und diskutiert doch auf jedem Niveau dann ganz anders mit einem kompetenten Lehrer und kann die eigene Interpretation hinterfragen, muss aber nicht sklavisch alles befolgen, was der Lehrer vorschlägt, denn natürlich ist Musik subjektiv.

Anspruchsvolle Kurse/Austausch mit einem Lehrer sind doch in allen Bereichen üblich. Beispielsweise, auch dann, wenn man in einer Fremdsprache längst über "basic grammar, part one" herausgekommen ist, sich mit anderen in einer Literaturgruppe oder an der Uni zu treffen, um über klassische Literatur in der betreffenden Sprache zu diskutieren... Das wäre jetzt natürlich nur ein Beispiel aus meinem persönlichen Kompetenzbereich.

Letztlich macht mir persönlich ein solcher Austausch mit anderen (Lehrern wie Schülern) auch einfach viel mehr Spaß, als im stillen Kämmerlein an meinem aktuellen Stück herumzudoktern. Mich bringt das immer weiter. Aber wie gesagt, das kann ja jeder halten wie er will.
 
Hallo LMG und Christine, Manuela und alle anderen,




Natürlich kann man den Begriff "Lehrer" auch umbenennen in "Rückmeldung einer qualifizierten Person".
Ich teile die Meinung von ChristineK.

Der Vergleich mit dem Lernen einer Sprache finde ich übrigens sehr gut.

Will ich eine Sprache lernen, muss ich sie hören, muss ich mit Muttersprachlern reden.
Ich muss die Sprache HÖREN, und sie sprechen, MIT ANDEREN-nicht alleine in meinem Kämmerlein.
Klar kann ich Vokabeln und Grammatik üben, aber das wird mich nie dazu bringen, zu kommunizieren in der Sprache, zu sprechen.

Genauso am Klavier:
Wer nicht mit anderen musiziert (und das tun ja die wenigsten Klavierspieler) der bekommt einfach zu wenig Input.

Ich schreibe dies, weil wir hier gefragt werden, wie man richtig übt-wir sollen in diesem Forum Tips geben...


Ich müsste Manuela dazu HÖREN, fühlen wie sie atmet, wie sie phrasiert, wie ihr Anschlag ist....

das ist ein hoch kreativer und sensibler Vorgang.
Dies durch ein Klavierforum ersetzen zu wollen halte ich für unmöglich, und es zeigt mir eben, dass hier jemand nicht weiss, was Klavierspielen braucht.

Auch die berühmten Autodidakten haben sich regelmässig ausgetauscht.

:-)

Viele Grüße


Sweetchocolate
 
Der war gut, @Marlene :lol:!

@Manuela und @elli , Klavierunterricht und autodidaktisches Lernen stehen sich doch garnicht im Weg - meine Meinung.
Denn der KL gibt zwar Anregungen und Tipps, aber deren Umsetzung ist so zeit- und übeintensiv, dass Du wirklich den Großteil der Zeit autodidaktisch zubringst. Die Umsetzung bist wirklich zu 90 % Du selbst, es bleibt schon Dein eigenes Werk. Es gibt schon auch das andere Extrem, also dass der KL Dich dressieren will. Aber das merkst Du sehr bald und wechselst einfach!
Gerade heute hatte ich seit einem halben Jahr zum ersten Mal wieder Unterricht, daher liegt mir daran, diese schönen Momente des Lernens auch Euch gegenüber zu benennen. Ich fand und finde Klavierunterricht sehr bereichernd und er gehört zu meinen schönsten Stunden im Leben - um es mal etwas emotionaler zu formulieren.
(Christine und Schokoladenkind: ich bin also ganz bei Euch!)
 

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