Frage an die Musiklehrer: Wie geht ihr mit Pop-Musik um?

ubik

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Hallo,

eine Frage an die Musiklehrer, die keine Pop-Musik hören und mögen.

Was macht ihr, wenn euer Schüler keine klassische Musik (oder bei Jazzlehrern Jazzmusik) lernen möchte?

Ich bitte um eine ernsthafte Diskussion, weil ich vor dem gleichen Problem stehen werde! (Nur dass ich über 20 Schüler haben werde und nicht einen :D)

Meine Meinung dazu:

Wenn man sich die Musik der Schüler anhört und so tut als ob man sie mögen würde, dann kann der Schüler durchaus auch meine Musik gut finden.

Was denkt ihr darüber?
 
Klavirus

Klavirus

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OT on: Was gibst Du für'n Unterricht? Keyboard, Trommel?
Für Popmusik (unfreiwillig ins Ohr gepopelt) kann man Keyboard lernen.

OT off.

Void

Klavirus
 
C

chiarina

Guest
Hallo,

eine Frage an die Musiklehrer, die keine Pop-Musik hören und mögen.

Was macht ihr, wenn euer Schüler keine klassische Musik (oder bei Jazzlehrern Jazzmusik) lernen möchte?

Ich bitte um eine ernsthafte Diskussion, weil ich vor dem gleichen Problem stehen werde! (Nur dass ich über 20 Schüler haben werde und nicht einen :D)

Meine Meinung dazu:

Wenn man sich die Musik der Schüler anhört und so tut als ob man sie mögen würde, dann kann der Schüler durchaus auch meine Musik gut finden.

Was denkt ihr darüber?

Hallo ubik,

ich bin der absoluten Meinung, dass man zu allen Schandtaten bereit sein sollte :D ! Ich bin absolut klassisch ausgebildet, würde aber gern viel besser Jazz u.a. spielen können. Da ist die Ausbildung viel zu einseitig. Oft ohne Improvisation etc..

Nur zwei jüngste Beispiele der letzten 3 Tage:

Ein Freund meines Sohnes hatte sich im Musik-Grundkurs 11. Klasse zur großen Freude seines Vaters angemeldet. Was machen die in der ersten Stunde: Gregorianik - sie mussten auch gregorianische Gesänge singen. Flugs ist er, der sich durchaus für klassische Musik interessiert, nach der Stunde zum Sekretariat gegangen und hat sich abgemeldet. Eine Schülerin von mir, sehr klassisch interessiert und auch sehr gut klavierspielend, hat sich nach zweijährigem "Genuss" eines Musik-Grundkurses geschworen, nie wieder in die Oper zu gehen oder Kunstlieder zu hören ..... .

Aktuell hat ein Schüler von mir gerade die Krise wegen seinem Oberstufenstundenplan und weiß erst mal nicht, ob er überhaupt noch zum Klavier spielen kommt - jetzt haben wir ausgemacht, dass er heute in die Klavierstunde seinen Laptop mitbringt, den er dann aufs Klavier stellt und z.T. nach Gehör Pop- und Rockmusik nachspielt. Das macht er nämlich zu Hause sehr gerne.

Man kann auch von solcher Musik sehr viel lernen. Klar ist allen Schülern, dass ich klassisch ausgebildete Klavierlehrerin bin und daher dort mein Schwerpunkt liegt. Aber mal abseits zu schauen, die Schüler bei ihren Hörgewohnheiten "abzuholen" und so eine intensive Kommunikation aufzubauen, kann für beide Seiten sehr spannend und schön sein. Da ich z.B. sowas wie mit dem Laptop noch nie gemacht habe, freue ich mich schon auf diese Stunde. (Ich hab' zu meinem Schüler gesagt:"Ist doch nett, wenn der Schüler mal mehr kann als der Lehrer!" :D ).

Wenn man als Lehrer Interesse für die Schüler und ihre Lebenswirklichkeit, in diesem Fall Hörgewohnheiten, hat, kann das ungeheuer befruchtend für die gemeinsame Arbeit sein und es wird nie langweilig. :bongo:

Viele Grüße

chiarina

P.S.: Noch viel wichtiger ist diese Einstellung m.E. im Musikunterricht an Schulen, weil man dort auch an klassischer Musik völlig uninteressierte Schüler hat, die oft auch gar kein Instrument spielen. Da muss doch erst mal eine gemeinsame Basis geschaffen werden, auf der man dann die Schüler an Klassik heranführen kann. Ich könnte hier kilometerlang weiterschreiben, weil ich mich über den Musikunterricht jetzt speziell an Gymnasien total aufrege .... .
 
C

chiarina

Guest
Kleiner Nachtrag:

Ich finde es auch durchaus interessant, herauszufinden, warum Musik, die ich nicht mag, anderen gefällt. Auf dem Weg kommt man auch zu Einsichten, die man sonst nicht gewonnen hätte.

Viele Grüße

chiarina
 
ubik

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Hallo chiarina,

über kilometerweite Beiträge freue ich mich.

Gerade weil ich Musikunterricht an Gymnasien erteilen werde (in ca. 4-5 Jahren :D) und meinen Unterricht nicht à la "Ich zwinge euch klassische Musik zu hören" führen will.

Popmusik stehe ich nicht feindlich gegenüber, gerade im Gegenteil, es gefällt mir vieles daran, auch weil sie so vielfältig ist (das ist klassische Musik und Jazz natürlich auch).

Aber das Problem liegt ja darin, dass man es nicht allen recht machen kann. Der Großteil wird wahrscheinlich Musik wie die von Lena Meyerlandrut gut finden (jedenfalls für ein paar Wochen). Wie kann man denn dem Schüler gerecht werden, vor allem wenn es sich um eine so große Gruppe handelt, wo der Musikgeschmack so unterschiedlich sein wird?
 
silversliv3r

silversliv3r

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Ich glaube wie in allen anderen Fächern, dass man durch gute Methoden auch klassische Musik vielen Schülern näher bringen kann. Und sehr wichtig ist, glaub ich, die Anschaulichkeit. Mehr noch als Popmusik ist klassische Musik wohl sehr abstrakt, es geht viel um Analyse, um musiktheoretisches Denken etc.

Gutes Beispiel ist in der Hinsicht auch Mathematik, was im Normalfall (wie bei uns) von 80 % der Schüler nicht gemocht wird. Wir hatten trotzdem Lehrer, die den Unterricht für die meisten interessant gemacht haben, durch Humor, gute Anekdoten, sehr plastischen und anschaulichen Unterricht und guter Erklärungsweise.

Und ich glaub in Musik verhält es sich ähnlich. Man kann schon vornherein Themen nehmen, die etwas zugänglicher sind, Programmmusik ist, denke ich, interessanter für die meisten als die Sonatenhauptsatzform, was dann eher ein Oberstufenthema wäre. Wir haben Arrangements von Mussorgskys Bydlo gemacht, das war interessant. Statt mit unendlichem Theoriegeschwafel kann man die Schüler mehr integrieren, man muss die richtigen Sachen finden. Intervalle hören ist auf den ersten Blick sehr nüchtern, aber aus meiner Erfahrung heraus, haben das alle sehr gemocht, es war irgendwie eine gute Herausforderung und auf der Weise hat der Lehrer viele von uns das Gehör ein wenig geschult.

Alles Liebe
 
K

Klavieroma

Guest
Wenn man sich die Musik der Schüler anhört und so tut als ob man sie mögen würde, dann kann der Schüler durchaus auch meine Musik gut finden.

Was denkt ihr darüber?
So tun als ob? Das wäre nicht so mein Ding. Wetten, daß die Schüler das merken? Ehrlichkeit hingegen wird sehr geschätzt und ist auch für Dich leichter zu handhaben.

Warum sollst Du denn nicht zugeben, wenn Dir bestimmte Musik nicht gefällt? Du kannst ja sagen, das ist nicht Deine Richtung, aber wir beschäftigen uns mal damit. So, und dann wird das Stück sachlich analysiert, völlig ohne persönliche Wertung. Anschließend kannst Du die Schüler dann Deine Lieblingsmusik analysieren lassen.

LG Klavieroma
 
ubik

ubik

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Warum sollst Du denn nicht zugeben, wenn Dir bestimmte Musik nicht gefällt?
Wenn man die Musik des Schülers ablehnt oder im Extremfall feindlich gegenüber steht, dann wird er früher oder später auch meine Musik ablehnen. Das ist eine Behauptung. Ob man selbst ein Musikstück mag, hat auch etwas mit sozialen Faktoren gemeinsam, finde ich.

Ok, es stimmt schon, wenn ich jetzt daher komme und sage: "Ah, geil, Britney Spears! Die wollte ich schon immer live hören und habe sämtliche CDs von ihr!" - Dann ist das wohl nicht glaubhaft :). Aber wenn ich sage: "Britney Spears macht coole Musik." - Dann schon eher. Aber wenn ich sage: "Britney Spears mag ich nicht, ich hör so etwas nicht, aber wir können ja trotzdem mal einen Song von ihr analysieren" - Wie sieht dann die Reaktion des Schülers aus?

Einem Schüler klassische Musik durch gute Methoden näher bringen ist eine gute Lösung. Aber was sind denn eurer Meinung nach gute Methoden, dass einem Schüler klassische Musik nicht langweilig wird? Instrument spielen ist ja etwas anderes, als auf dem Gymnasium Musikunterricht zu haben.
 
Fips7

Fips7

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Wenn man die Musik des Schülers ablehnt oder im Extremfall feindlich gegenüber steht, dann wird er früher oder später auch meine Musik ablehnen. Das ist eine Behauptung. Ob man selbst ein Musikstück mag, hat auch etwas mit sozialen Faktoren gemeinsam, finde ich.

Ok, es stimmt schon, wenn ich jetzt daher komme und sage: "Ah, geil, Britney Spears! Die wollte ich schon immer live hören und habe sämtliche CDs von ihr!" - Dann ist das wohl nicht glaubhaft :). Aber wenn ich sage: "Britney Spears macht coole Musik." - Dann schon eher. Aber wenn ich sage: "Britney Spears mag ich nicht, ich hör so etwas nicht, aber wir können ja trotzdem mal einen Song von ihr analysieren" - Wie sieht dann die Reaktion des Schülers aus?

Einem Schüler klassische Musik durch gute Methoden näher bringen ist eine gute Lösung. Aber was sind denn eurer Meinung nach gute Methoden, dass einem Schüler klassische Musik nicht langweilig wird? Instrument spielen ist ja etwas anderes, als auf dem Gymnasium Musikunterricht zu haben.
Ich würde an deiner Stelle deine Schüler nicht belügen. Denn das merken die garantiert, wenn du dauernd so tust als ob. Da bist du nicht authentisch. Du schreibst, dass du annimmst, die Schüler würden deine Musik nicht mögen, wenn du zugibst, dass du ihre auch nicht magst.

Aber es gibt wohl noch einen Unterschied zwischen offener Ablehnung und der Erklärung, dass man andere musikalisch Präferenzen hat. Man kann zugeben, dass man mit einer bestimmten Musik nicht so viel anfangen kann, und man kann zugleich respektvoll gegenüber dem Schüler und seiner Vorliebe bleiben. Zum Beispiel dadurch, dass man sich offen dafür zeigt, die Musik des Schülers im Unterricht trotzdem zu behandeln.

Es ist immer die Frage, wie man dem Schüler begegnet und was man ihm vorlebt. So zu tun als ob bzw. zu lügen, ist keine gute Form der Begegnung. Man lebt dem Schüler dadurch vor, dass man ihn manipulieren möchte und dafür die eigene Authentizität opfert. Außerdem lebt man ihm vor, dass man nicht zu den eigenen musikalischen Vorlieben stehen kann.

Die Folge davon wird garantiert nicht sein, dass der Schüler deine Musik anfangen wird zu mögen, Ubik. Das wird nur passieren (obwohl es natürlich keine Garantie dafür gibt), wenn du selbst deine Musik offen liebst und dies zum Ausdruck bringst. Und das kann durchaus geschehen, ohne dass du die Musik des Schülers deshalb abwerten musst.

Grüße von
Fips
 
C

chiarina

Guest
Einem Schüler klassische Musik durch gute Methoden näher bringen ist eine gute Lösung. Aber was sind denn eurer Meinung nach gute Methoden, dass einem Schüler klassische Musik nicht langweilig wird? Instrument spielen ist ja etwas anderes, als auf dem Gymnasium Musikunterricht zu haben.
Hallo ubik,

ich habe leider null Ahnung von Schulmusik-Didaktik und -Methodik. Aber wenn ich mich als Lehrer für die Musik meiner Schüler interessiere (ich muss sie nicht lieben!), besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie bereit sind, gleiches Interesse auch der Musik, die ich liebe und höre, zu schenken. Vielleicht werden sie sie nicht lieben, aber sie werden einen Versuch starten, wenn ich das Gleiche bei ihnen mache. Ich wäre also neugierig, ob sich durch die Beschäftigung mit der Musik von z.B. Britney Spears, bei der ich von meinen Schülern sicher viel lernen würde, nicht meine Sichtweise auf diese Musik verändert. Mich würde also interessieren, was sie an dieser Musik lieben und versuchen, das nachzuempfinden.

So spontan und unreflektiert fällt mir folgendes Szenario ein:

eine der ersten Stunden bei einer Klasse der Mittelstufe, so 8. bis 10. Klasse:

ich würde die Schüler nach ihren musikalischen Hörgewohnheiten und Interessen fragen. Sicherlich gibt es da Gemeinsamkeiten (bei in der Regel 33 Schülern :p ). Gemeinsame Interessen = gemeinsame Gruppen. So könnte sich eine Gruppe mit Metal, die nächste mit Pop, eine mit Rap, wenn man Glück hat, auch eine mit Klassik etc. bilden.

Man könnte doch fragen: "Was interessiert euch an dieser Musik? Warum hört ihr gerade diese Richtung?" So könnte jede Gruppen Überlegungen anstellen und diese später samt Musikbeispielen vorstellen. Dann könnte man genauer herausarbeiten, wie die einzelnen Musikrichtungen gestrickt sind, worin sie sich unterscheiden etc.. Man könnte, wenn man denn einen Synthesizer hätte (wäre für mich Pflicht in der Ausstattung) später im entsprechenden Stil selbst schreiben, wenn möglich, auch vortragen. Man könnte mit geschickter Musikauswahl eine Brücke zur Klassik bilden, indem man über die Gemeinsamkeiten der Stile spricht (Melodie und Begleitung, best. harmonische Grundverbindungen,.........). Man könnte die instrumentalen Fähigkeiten der Schüler nutzen, man könnte Bodypercussion oder Percussion an Stühlen und Tischen machen (da gibt's tolle Sachen!), man könnte allerhand über Sprache machen............................................. .

Indem man erst mal die vorhandenen Ressourcen der Schüler erkennt und in den Unterricht einbindet, macht man alles interessant und der Unterricht bleibt lebendig. Nebenbei kann man dann alle die Dinge einführen, auf denen sowieso Musik oft aufgebaut ist, sei es nun Pop oder Klassik. Da wäre dann auch der Lehrplan und seine Anhänger zufrieden.

Die Schüler könnten selbst mit Musik Erfahrungen sammeln, experimentieren, hören und geniessen, anstatt dass ihnen etwas Langweiliges übergestülpt wird. Wenn jeder seine Interessen mit einbringen kann, ernst genommen und respektiert wird, kann das auch der Lehrer. Dann würde auch er ernst genommen und respektiert in seinem Wunsch, Klassik zu vermitteln.

Ich plädiere für einen kreativen, leidenschaftlichen Musikunterricht, in dem die Schüler erfahren, was Musik ist. Musikunterricht sollte wie Musik selbst sein - unglaublich, unfassbar und wunderschön!

Viele Grüße

chiarina
 
K

Klavieroma

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Hallo ubik,

ich war mal eben ein paar Stunden weg, aber Fips7 und chiarina haben ganz in meinem Sinne geantwortet, besser hätte ich es nicht gekonnt.

Ist es so, daß Du in Kürze mit dem Studium beginnst? Musikpädagogík oder wie sagt man dazu? Vielleicht wirst Du ja mal der Musiklehrer meines Enkels, wer weiß?

Ich weiß jetzt auch noch nicht, welche Musikrichtung mein Enkel einmal bevorzugen wird, aber auf jeden Fall wünsche ich ihm einen Lehrer, der ihn wegen seines Musikgeschmacks nicht als Feind betrachtet.

Als (Musik)lehrer brauchst Du zweierlei, Begeisterung für das Fach, welches Du unterrichtest, und Liebe zu Deinen Schülern, die Verständnis, Vertrauen und Ehrlichkeit einschließt. Mir ist bekannt, daß nicht alle Lehrer beide Kriterien erfüllen, aber diejenigen, die es tun, werden von ihren Schülern mindestens geachtet, wenn nicht verehrt. Es versteht sich von selbst, daß auf dieser Basis auch eher die Bereitschaft besteht, sich mit der komischen klassischen Musik des Lehrers auseinanderzusetzen.

Ich habe noch regelmäßig Klassentreffen, so alt bist Du nicht, wie die Jubiläumszahlen da hoch sind. Du glaubst gar nicht, wieviel Kultur bei den - z.T. regelrechten Rotzlöffeln von damals - durch den Einfluß guter Lehrer und Lehrerinnen hängengeblieben ist. Und die wissen auch ganz genau, wem sie welche Erkenntnisse verdanken.

Ich hoffe, Du wirst ein toller Lehrer und nimmst die Herausforderung an!

LG Klavieroma
 

ubik

ubik

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Hallo ubik,

ich habe leider null Ahnung von Schulmusik-Didaktik und -Methodik. Aber wenn ich mich als Lehrer für die Musik meiner Schüler interessiere (ich muss sie nicht lieben!), besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie bereit sind, gleiches Interesse auch der Musik, die ich liebe und höre, zu schenken.
Ja, so meinte ich das eigentlich auch. Mögen ist dann doch was anderes als Interesse. Hab das falsche Wort benutzt. ;)

Ich weiß jetzt auch noch nicht, welche Musikrichtung mein Enkel einmal bevorzugen wird, aber auf jeden Fall wünsche ich ihm einen Lehrer, der ihn wegen seines Musikgeschmacks nicht als Feind betrachtet.
Keine Angst, das werde ich nicht :).

Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, damals spielte ich noch nicht Klavier, war an Musik eigentlich gar nicht so interessiert, da fallen mir so einige Dinge ein, die mir gefielen.

Einen Rap zu einem bestimmten Thema schreiben.

In Dortmund das Konzerthaus besichtigen.

In Dortmund eine Oper sehen (das war jedoch nur freiwillig).

Eine Oper aufführen (das war das erste mal, wo ich an einem echten Flügel spielte, obwohl ich das gar nicht konnte :oops: und das erste mal vor der ganzen Schule aufgetreten bin). Ein Teil der Klasse musste schauspielern, einige Singen, andere saßen an den Instrumenten. Das war echt klasse, aber auch eine echte Herausforderung für den Lehrer!

Einen Popsong zu schreiben und diesen dann in einem Tonstudio aufnehmen. (das war jedoch nur möglich, weil unser Musikkurs aus 7 Leuten bestand)

Referate halten, über die Musikrichtung, die man mag.

An Instrumenten (Xylophen, u. a.) eine Melodie komponieren und aufschreiben.

Dvoraks 9te Symphonie anhören und analysieren. Die erste Symphonie, die ich gehört habe und die mir gefiel! :) Hab mir danach sofort eine CD gekauft.

In der Sonne sitzen und frühstücken.

An den Rest kann ich mich nicht erinnern. Eine letzte Erinnerung war, dass wir ganz trocken und mit Noten ein Stück in Sonatenhauptsatzform analysierten. Das war dann wiederum seeeehr langweilig und der Lautstärkepegel der Klasse wuchs ins Unendliche. Nur eine Klassikbegeisterte, die auch Horn spielte, machte mit. Der Rest nicht.

Wenn ihr euch an euren Schulunterricht erinnern, was mochtet ihr denn so an dem Fach Musik?
 
NewOldie

NewOldie

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Hallo ubik,

ich hoffe, du bist nicht böse, wenn ich als Nichtlehrer eine kurze Stellungnahme abgebe.
Ich mache es auch ganz kurz, obwohl ich seitenlang schreiben könnte.

Ich plädiere für einen kreativen, leidenschaftlichen Musikunterricht, in dem die Schüler erfahren, was Musik ist. Musikunterricht sollte wie Musik selbst sein - unglaublich, unfassbar und wunderschön!
Ubik. Das wird nur passieren (obwohl es natürlich keine Garantie dafür gibt), wenn du selbst deine Musik offen liebst und dies zum Ausdruck bringst. Und das kann durchaus geschehen, ohne dass du die Musik des Schülers deshalb abwerten musst.
So einen Unterricht wie von chiarina und fips hätte ich mir gewünscht. Wenn du das schaffst, bist du aus meiner Sicht ein exzellenter mitreißender Lehrer.

Ich möchte dir erzählen, wie ich meine musischen Fächer heute rückblickend bewerte.
- Musierziehung = klaustrophobische Enge. Penetrante bis unverschämte Indoktrination.
- Kunsterzeihung = Erziehung zur Freiheit und Kreativität.

Kein Kunsterzieher hat je ein abfälliges Wort über irgendeine Form der darstellenden Kunst verloren, wir haben bis zum Comic alles wertfrei und mit kreativer Freude betrieben.

Unser Musiklehrer hat ohne Emotionen seine Musik unterrichtet. Musik so tot wie ausgestopfte Tiere im Keller in der Biologie.
Und seinen unerträglichen Hass auf unsere Musik hat er uns ständig spüren lassen.

Ich wäre also neugierig, ob sich durch die Beschäftigung mit der Musik von z.B. Britney Spears, bei der ich von meinen Schülern sicher viel lernen würde, nicht meine Sichtweise auf diese Musik verändert. Mich würde also interessieren, was sie an dieser Musik lieben und versuchen, das nachzuempfinden.
Liebe chiarina, das halte ich für eine gute Annäherung.

Ich glaube einige "Klassiker" hier im Forum können sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass junge Menschen Musik Pop hören, weil es sie emotionell abgrundtief berührt und aufwühlt. Tief bis zur Todessehnsucht.

Und eben diese Emotionen erzeugt klassische Musik nur bei einer elitären (älteren) Minderheit. Und wer schießt sich heute noch nach der Lektüre von "Werther" eine Kugel durch den Kopf?

ubik, dass du daran arbeiten willst, die emotionale Tiefe der klassischen Musik zu transportieren, finde ich großartig.
Ich wünsche dir von Herzen, dass es dir gelingt.:p:p:p

Gruß, NewOldie
 
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Yannick

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ich fand schillers werther total cool, mich hat das tief beürrt!
 
NewOldie

NewOldie

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ich fand schillers werther total cool, mich hat das tief beürrt!
Hi Yannick
leider lesen zu wenig junge Menschen die Klassiker. Werter ist als Briefroman schön zu lesen.
Ist wie mit klassischer Musik. Nach einer Stunde Einlesen ist man oft drin.

Mein alter Lieblingsklassiker ist Shakespeare. Alles was heute in der Politik abläuft hat er schon beschrieben.
Eigentlich braut man keine Zeitung mehr zu lesen. "Willie" reicht.:D

Btw. der coole Verfasser von "Werther" war tatsächlich Goethe.
Von Schiller ganz gut zu lesen "Die Räuber"

Lieber Gruß, NewOldie
 
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annettschn

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So einen Unterricht wie von chiarina und fips hätte ich mir gewünscht. Wenn du das schaffst, bist du aus meiner Sicht ein exzellenter mitreißender Lehrer.

Ich stimme NewOldie hir vollstens zu!!

Zu meinem Musikunterricht:
5. Klasse super Lehrer, wir waren fast alle im Schulchor nur wegen ihm. Wir haben bei ihm sehr viel gelernt und das so gut wie nur über´s singen bzw. seiner Begleitung. Er hat z.B. beim Kleinen Grünen Kaktus an der Textstelle "morgens um viere klopfts an der Türe" immer das Klavier "klopfen" lassen, ebenso bei den Stichen im selben Lied. Ja, er war einfach nur ein klasse Lehrer, der seine Schüler für ziemlich alles begeistern konnte.

Ab der 6. Klasse hatte ich dann einen Lehrer, der seine Schüler spüren lassen hat, wie er sie hasst. Da hat mir der Unterrich keinen Spaß gemacht und er ist bis zur 9. Klasse dann zu einer Ess-Hausaufgaben-Rede-Stunde verkommen. Exen und Kurzarbeiten konntest du mir den Einträgen deiner Eltern (die ihn auch schon hatten und genau die selben Einträge) oder wahlweise von älteren Mitschülern unter dem Tisch liegend schreiben. Außer die gefürchtete Noten-Ex am Ende der 9., bei dieser sind in Klassen in denen keiner war, der Notenlesen konnte immer Schnitte um 4 herrausgekommen. Und so war es dann bei besagter Ex, dass ich mit den zwei anderen die ein Instrument gelernt hatten und Notenlesen flüssig hinbekommen haben die Arbeiten der gesammten Klasse ausgefüllt habe. Ja, also der hat keinen nur einen Funken Musik beigebracht. Und wenn mich meine Eltern nicht zum Querflöten verdonnert hätte, wäre mir etwas so wunderbares einfach entgangen.

in der Hoffnung dir etwas geholfen zu haben
annettschn
 
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gubu

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Es gibt Musiklehrer, die trinken während der Unterrichtsstunde Kaffee und lesen Zeitung. Die Schüler können machen, was sie wollen. Es darf nur nicht zu laut sein, das stört beim Zeitung lesen...:rolleyes:

Ubik, vielleicht lieben Dich Deine Schüler, wenn Du diese Methode übernimmst? :D
 
ubik

ubik

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Ja, unser Musiklehrer hat das auch nicht anders gemacht :D

Einmal hat er einen Weihnachtsstollen mitgebracht, da durften sogar alle dran naschen. Und Kaffee trinken durften wir auch. Ab dann musste jeder im Rotationsprinzip einen Kuchen für die nächste Unterrichtsstunde mitbringen. Weil: "Man muss sich ja auch wohlfühlen, um Musik zu machen". :D

Wir hatten immer eine Doppelstunde Musik in der Woche. Die erste Stunde verbrachten wir mit Kaffee trinken (der Lehrer brachte uns Kaffee aus dem Lehrerzimmer!!) und Kuchen essen. Die andere Stunde verbrachten wir mit Improvisation oder dem Spielen von Stücken. Und das das ganze Schuljahr durch... Gut, dass das niemand merkte. :D

Aber wir waren auch nur eine Gruppe von 7 Leuten.
 
 

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