Abenteuer Spinett-Sanierung (Fragen über Fragen...)

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Mindenblues

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Bin praktisch wie die Jungfrau zum Kind, zu einem Spinett aus DDR-Zeit gekommen, habe es im Auto von einer Kirche in Nordrügen abgeholt und nach Hause gebracht. Will mich jetzt in das Abenteuer stürzen, es mit Hilfe von Fachbüchern, aber vor allem hoffentlich mit Hilfe der hier versammelten Clavierbau-Experten, wieder gangbar zu machen. Es soll letztlich nicht unbedingt in meinem Besitz bleiben, ich bringe es gerne wieder zurück, wenn es in einer der Kirchenräume Nordrügens Verwendung finden sollte. Aber das Anfangsziel ist schon eine Gangbarmachung und erstmal eigene Nutzung.

Es handelt sich um ein Spinett der Fa. Ammer aus DDR-Zeiten, 1-manualig, Tonumfang FF-f3, Lautenzug. Im Stimmblock rechts ist die Zahl "771" eingestanzt, was mir als Seriennummer merkwürdig niedrig vorkommt (habe noch nicht mit J. Ammer telefoniert).

Hier die ersten Bilder noch vom Autotransport:
https://www.dropbox.com/s/r4ec1kh4jd9312y/AmmerSpinettAuto1_03012014.JPG
https://www.dropbox.com/s/0557i4g41fqb7ay/AmmerSpinettAuto2_03012014.JPG

Ich möchte gerne in diesem Faden so sukzessive meine Fragen abkippen und würde mich sehr über Beteiligung freuen.

Zu allererst geht es darum, das Teil so zu lagern, dass es luftfeuchtemäßig keinen Schaden nimmt. Es kommt aus einer ungeheizten ziemlich feucht erscheinenden Kirche. Habe es erstmal bei mir in einen ungeheizten Werkstattraum im Keller gebracht.
Das Ziel ist aber schon, dass es später im geheizten (olglich im Winter sehr trockenem) Wohnraum steht.
Also erste Frage: soll ich es schrittweise an die niedrige Luftfeuchte heranführen, oder gleich in den geheizten Arbeitsraum stellen (ebenfalls im Keller, aber niedrigere Luftfeuchte), bevor ich nach vielleicht einigen Wochen mit den Arbeiten beginne?

Später will ich ein paar Schadensbilder reinstellen (alle Korpusecken (Eiche Furnier) aufgeplatzt usw., Resonanzboden ist aber völlig intakt), um erstmal den Schadensstatus darzustellen.

Jetzt geht es mir also erstmal um die Lagerung bzgl. Luftfeuchtigkeit. Meinungen?
 
klaviermacher

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Hallo Mindenblues,

Stell es "normal" auf (LF-Range 40-50%), dokumentiere alle Schäden (technischer Natur) und achte was passiert. Hast Du ein Holzfeuchtemessgerät?

LG
Michael
 
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Hi Minden,

kommt denn der eine oder andre Ton raus? Der Reso ist bei der Feuchte sicher schön stramm, aber es sollte kein Problem sein, das Instrument später im Wohnbereich zu stellen, die sind ja quasi für Zentralheizungsluft gebaut.
Viel Spaß mit dem Teil wünscht
Die Drahtkommode
 
Mindenblues

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Vielen Dank schonmal für die Antworten!

Stell es "normal" auf (LF-Range 40-50%), dokumentiere alle Schäden (technischer Natur) und achte was passiert. Hast Du ein Holzfeuchtemessgerät?
Habe nur ein normales Hygrometer, will wenigstens da mal messen, was in meinem Werkraum für Zustände herrschen...
Werde mal ein paar Bilder reinstellen von den Holzschäden (Ecken aufgeplatzt). Zum Glück ist mein Onkel Tischlermeister, ich werde mit ihm absprechen, wie das repariert werden kann. Aus meiner Sicht kommt es nicht auf optische Sanierung an, aber der Rahmen muß ja stabil sein.

Es ist eine Saite gerissen, die muß schonmal ersetzt werden, ansonsten müssen mit Sicherheit alle Kiele erneuert werden (es waren Plastikplektren, ich denke, ich werde sie auch durch die gängigen bereits vorintonierten Delrinplektren ersetzen) und evtl. auch die Rückholfedern.

kommt denn der eine oder andre Ton raus? Der Reso ist bei der Feuchte sicher schön stramm, aber es sollte kein Problem sein, das Instrument später im Wohnbereich zu stellen, die sind ja quasi für Zentralheizungsluft gebaut.
Ja, genau das ist der Fall: es kommt der eine oder andere Ton raus, nicht mehr, nicht weniger. Interessanterweise ist die Tonhöhe erstaunlich gut gehalten (obwohl das Teil mit Sicherheit jahrelang in einer Kirche herumgekullert ist, eine Kirchensanierung mit Innenanstrich über sich ergehen lassen mußte usw.), man kann die Standardstimmung 440Hz sogar noch erahnen.
Ansonsten sehen erstmal alle Springer heile aus, aber praktisch kein Kiel flutscht schnell wieder unter die Saite, wenn die Taste losgelassen wird. Wahrscheinlich ist alles noch so aufgequollen, vielleicht hat auch die Federkraft schon sehr abgenommen?
 
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Mindenblues

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Haben die Springer denn Federn zur Rückführung? Bei den originalen Instrumenten gab es so was nicht, aber ich kenne es zB von den modernen Wittmayer.
Nein, du hast recht; die Springer haben keine Federn zur Rückführung, es ist nur eine Feder da für das kleine Holzstück, an dem das Plektrum drangesteckt ist. Hier Fotos von den Springern (ich hoffe, ich vertue mich nicht mit den Fachausdrücken):

Springer Seite 1
Springer Seite 2

Hier ein paar weitere Bilder, wo man die Schäden an dem Holzrahmen sieht:
Spinett vor Demontage
Schadbild 1
Schadbild 2
Schadbild 3
Schadbild 4

Hier noch ein paar weitere Bilder:
Von Vorne 1
Tasten
Tastaturrahmen
Alles draußen

Und jetzt meine nächsten Fragen (es werden noch sehr viele mehr kommen, später...):
1) darf ich z.B. mit einem Glasfaserpinsel die Roststellen auf den Eisensaiten wegwischen?
2) ich habe den Verdacht, dass das Spinett, obwohl aus den 50-er Jahren, praktisch nicht gespielt wurde und die ganze Zeit in einer Ecke stand bzw. hin- und her geschubst wurde. Die Tasten gehen irgendwie ziemlich schwer, alles ist sehr stramm; wahrscheinlich muß es weiter bei 50& Luftfeuchte trocknen. Aber nun meine Frage: darf ich mit Teflonspray die Stifte besprühen, wo die Tasten draufgesteckt werden, damit alles besser "flutscht"?

Bzgl. Holzschäden werde ich erstmal ein Date mit meinem Onkel (Tischlermeister) abwarten, was er dazu zu sagen hat. Fest steht, dass das Spinett in sich erstaunlich gut die Stimmung gehalten hat, dafür dass es jahrelang in der Kirche nicht liebevoll behandelt wurde, eine Kircheninnenrestaurierung über sich ergehen lassen mußte usw.). Also Stimmstock und Resonanzboden sind absolut in Ordnung, soweit ich es beurteilen kann. Lediglich der Furnierholzrahmen ist geplatzt- aufgequollen.
 
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agraffentoni

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darf ich mit Teflonspray die Stifte besprühen, wo die Tasten draufgesteckt werden, damit alles besser "flutscht"?
Bitte kein Teflonspray! Dafür gibt es Protek-CLP-Creme.
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Zuvor die Filze mit einer speziellen Zange drücken.
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Grüße
Toni
 
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Sieht doch alles nicht so arg aus, die Kiste (Gehäuse) kriegste wieder hin, zur Not würde ich statt umständlich Furnier auszubessern das Ding sogar streichen. Irgend eine Farbe nach historischem Vorbild, macht die Sache zwar nicht wertvoller, aber einfacher ist es allemal ;-)
Und ich beneide dich um die Werkstatt...

Es grüßt
Die Drahtkommode
 
Mindenblues

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Bitte kein Teflonspray! Dafür gibt es Protek-CLP-Creme.
Vielen Dank für die Info!
Der Link zeigt auf Protek-MPL. Soll ich lieber Protek-MPL bestellen oder Protek-CLP?


Sieht doch alles nicht so arg aus, die Kiste (Gehäuse) kriegste wieder hin, zur Not würde ich statt umständlich Furnier auszubessern das Ding sogar streichen. Irgend eine Farbe nach historischem Vorbild, macht die Sache zwar nicht wertvoller, aber einfacher ist es allemal ;-)
Und ich beneide dich um die Werkstatt...
Ich glaube, ich würde am liebsten das Furnier gar nicht ausbessern, sondern nur die Leimung mit ggfs. Holzstücken darin vom Tischler machen lassen. Also dass man eben sieht, was man gemacht hat - Hauptsache, es sieht gut gemacht aus.
Und dann alle Furnierseiten aufarbeiten (Bandschleifer + Lack?), der Deckel sieht da auch rel. böse aus.
Aus meiner Sicht sollte man dazu stehen, dass es eben Holzfurnier aus Anfangs-DDR-Zeiten ist, und nicht versuchen, durch Farbe historisches Vorbild vorzutäuschen.

Die Werkstatt habe ich aus gegebenem Anlass erstmal aufgeräumt, und Müll, der sich in 25 Jahren Nutzung angesammelt, vor ein paar Tagen entsorgt. Wußte gar nicht mehr, wieviel Platz ich im Raum habe. :)

Aber nochmal die Frage bgzl. Roststellen auf Eisensaiten:
darf ich z.B. mit einem Glasfaserpinsel die Roststellen versuchen, wegzupinseln? Oder gibt es da andere Möglichkeiten?
Darf man die Saiten gaaaanz leicht ölen, als Rostschutz, oder ist das dem Klang abträglich?

Ansonsten ist es mir gelungen, die eine gerissene Messingsaite wieder zu verwenden, da sie an der Endöse gerissen war. Es hatte gereicht, ein paar Windungen vom Stimmnagel herunterzuwickeln, und eine neue Öse zu machen. Es sind immer noch 3-4 Windungen am Stimmnagel übriggeblieben. Zumindest hält es soweit die Stimmung. Und ich glaube, dann versuche ist es erst damit, statt neue Ersatzsaite zu besorgen.

Nächste Frage:
Gibt es eine Literaturempfehlung oder eigene Empfehlung, welche Plektrenstärken genommen werden sollten?
Ich glaube, ich würde gerne Delrin-Plektren nehmen, bei Vogel-Scheer gibt es bereits vorintonierte in verschiedenen Stärken, wahrscheinlich verschiedene Stärken von dünn bis dicker bezogen auf die höchsten bis zu den tiefsten Tönen?
Ursprünglich waren es wohl alles Plastikplektren, ein paar waren ausgetauscht worden durch Vogelfederkiele (wahrscheinlich steckt da was von einer Möwe drin (wäre stilecht, da es aus einer Kirche auf Rügen stammt)).
 
Drahtkommode

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Und dann alle Furnierseiten aufarbeiten (Bandschleifer + Lack?), der Deckel sieht da auch rel. böse aus.
Aus meiner Sicht sollte man dazu stehen, dass es eben Holzfurnier aus Anfangs-DDR-Zeiten ist, und nicht versuchen, durch Farbe historisches Vorbild vorzutäuschen.

Die Werkstatt habe ich aus gegebenem Anlass erstmal aufgeräumt, und Müll, der sich in 25 Jahren Nutzung angesammelt, vor ein paar Tagen entsorgt. Wußte gar nicht mehr, wieviel Platz ich im Raum habe.

Aber nochmal die Frage bgzl. Roststellen auf Eisensaiten:
darf ich z.B. mit einem Glasfaserpinsel die Roststellen versuchen, wegzupinseln? Oder gibt es da andere Möglichkeiten?
Darf man die Saiten gaaaanz leicht ölen, als Rostschutz, oder ist das dem Klang abträglich?

Ansonsten ist es mir gelungen, die eine gerissene Messingsaite wieder zu verwenden, da sie an der Endöse gerissen war. Es hatte gereicht, ein paar Windungen vom Stimmnagel herunterzuwickeln, und eine neue Öse zu machen. Es sind immer noch 3-4 Windungen am Stimmnagel übriggeblieben. Zumindest hält es soweit die Stimmung. Und ich glaube, dann versuche ist es erst damit, statt neue Ersatzsaite zu besorgen.

Nächste Frage:
Gibt es eine Literaturempfehlung oder eigene Empfehlung, welche Plektrenstärken genommen werden sollten?
Ich glaube, ich würde gerne Delrin-Plektren nehmen, bei Vogel-Scheer gibt es bereits vorintonierte in verschiedenen Stärken, wahrscheinlich verschiedene Stärken von dünn bis dicker bezogen auf die höchsten bis zu den tiefsten Tönen?
Ursprünglich waren es wohl alles Plastikplektren, ein paar waren ausgetauscht worden durch Vogelfederkiele (wahrscheinlich steckt da was von einer Möwe drin (wäre stilecht, da es aus einer Kirche auf Rügen stammt)).
Hi Minden,

das mit dem Lackieren ist natürlich Geschmackssache, wenn das Furnier noch zu retten ist, mach es. Bandschleifer klingt gefährlich, mit dem ist man bei dem hauchdünnen Zeug, um das es sich wahrscheinlich handelt, schnell auf Blindholz... Nimm besser den Schwingschleifer, Papier nicht zu stark, wegen der Kringel...

Glasfaserpinsel kannte ich gar nicht, hab mich eben mal schlau gemacht. Es gibt für Saiten spezielle Rostradierer,
https://www.clavio.de/forum/klavier-keyboard-kaufen-reparieren/15659-rostradierer.html
die hab ich aber noch nicht ausprobiert. Was ich neulich einfach gemacht habe: mit Stahlwolle über die Saiten, bis sie wieder einigermaßen glänzen, dann zur Konservierung WD-40 - nein, nicht großflächig aufgesprüht :D - sondern auf ein Tuch und dann die Saiten abgerieben - sollte wohl keine negativen Folgen für den Klang haben, ob es es konservatorisch viel bringt, weiß ich nicht.

Delrin ist das Material der Wahl, ich hab damit das 8'- Register meines Wittmayer selbst bekielt, und zwar durchgehend mit einer Stärke. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, ob das so üblich ist. Ist aber gut geworden.

Vorhanden Saiten weiterverwenden ist sonst immer gut! :-)

In der DDR hamse wahrscheinlich Zehennägel als Plektren genommen, jab ja nüscht... :D
 
Drahtkommode

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Mir fällt noch auf: wenn ich mir ne Sonnenbrille aufsetzen würde, sähen wir uns recht ähnlich! ;)

Es grüßt
Die Drahtkommode
 

Mindenblues

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In der DDR hamse wahrscheinlich Zehennägel als Plektren genommen, jab ja nüscht... :D
Ooooooops, dann will ich mir die alten Dinger lieber nicht so genau ansehen... man war gerne pragmatisch damals, und Not macht erfinderisch :roll:
Auf den ersten Blick sind es Plastikplektren, oder wie man in der DDR sagte, Plaste (alles wohl eine Stärke, sehr klein und dünn).


Werde dann mit Stahlwolle rangehen an die Saiten, und bzgl. Furnieraufarbeitung frage ich dann auch erstmal noch den Tischler.
 
klaviermacher

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Ich glaube, ich würde am liebsten das Furnier gar nicht ausbessern, sondern nur die Leimung mit ggfs. Holzstücken darin vom Tischler machen lassen. Also dass man eben sieht, was man gemacht hat - Hauptsache, es sieht gut gemacht aus.
Und dann alle Furnierseiten aufarbeiten (Bandschleifer + Lack?), der Deckel sieht da auch rel. böse aus.
Aus meiner Sicht sollte man dazu stehen, dass es eben Holzfurnier aus Anfangs-DDR-Zeiten ist, und nicht versuchen, durch Farbe historisches Vorbild vorzutäuschen.

Die Werkstatt habe ich aus gegebenem Anlass erstmal aufgeräumt, und Müll, der sich in 25 Jahren Nutzung angesammelt, vor ein paar Tagen entsorgt. Wußte gar nicht mehr, wieviel Platz ich im Raum habe. :)

Aber nochmal die Frage bgzl. Roststellen auf Eisensaiten:
darf ich z.B. mit einem Glasfaserpinsel die Roststellen versuchen, wegzupinseln? Oder gibt es da andere Möglichkeiten?
Darf man die Saiten gaaaanz leicht ölen, als Rostschutz, oder ist das dem Klang abträglich?

Ansonsten ist es mir gelungen, die eine gerissene Messingsaite wieder zu verwenden, da sie an der Endöse gerissen war. Es hatte gereicht, ein paar Windungen vom Stimmnagel herunterzuwickeln, und eine neue Öse zu machen. Es sind immer noch 3-4 Windungen am Stimmnagel übriggeblieben. Zumindest hält es soweit die Stimmung. Und ich glaube, dann versuche ist es erst damit, statt neue Ersatzsaite zu besorgen.

Nächste Frage:
Gibt es eine Literaturempfehlung oder eigene Empfehlung, welche Plektrenstärken genommen werden sollten?
Ich glaube, ich würde gerne Delrin-Plektren nehmen, bei Vogel-Scheer gibt es bereits vorintonierte in verschiedenen Stärken, wahrscheinlich verschiedene Stärken von dünn bis dicker bezogen auf die höchsten bis zu den tiefsten Tönen?
Ursprünglich waren es wohl alles Plastikplektren, ein paar waren ausgetauscht worden durch Vogelfederkiele (wahrscheinlich steckt da was von einer Möwe drin (wäre stilecht, da es aus einer Kirche auf Rügen stammt)).
Hallo Mindenblues,

Ich würde dazu CLP-Protek flüssig nehmen... Die Finger benetzen und damit die Stifte "fetten" . Ist natürlich kein Fett, aber so drückt es sich besser aus...
Für die Rostentfernung eignet sich gut der Glasradierer...
Der Tipp mit ganz wenig Öl auf einem Tuch zum Schutz für blankes Metall ist gut. Nur nicht zuviel davon nehmen und nicht die Stimmwirbel damit bearbeiten ;)

LG
Michael
 
Mindenblues

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Erstmal vielen lieben Dank für alle Tipps, wird alles, soweit ich kann, umgesetzt!


Inzwischen ist das Holzgehäuse und der Deckel bei meinem Onkel, Tischlermeister im (Un)ruhestand gelandet, und dort in den allerbesten Händen bzgl. Gehäuseleimung und Schleif- und Lackierarbeiten.

Nun haben sich weitere Fragen ergeben:

1) Womit kann ich am besten Messingscharniere putzen bzw. die großen Gehäusedeckelscharniere polieren?

2) Bisher habe ich nur aus dem Buch "Cembalo - selbst entwerfen und bauen" von Gerhard Krämer eine Angabe gefunden bzgl. Abstand Plektrum zu Saite im Ruhezustand. Soll demnach ca. 3-4mm betragen. Aber wichtiger wäre mir die Angabe, an welchem Punkt beim Tastendrücken die Saite angerissen werden soll, also bei welchem Punkt, wenn man die Taste runterdrückt, von Tastenspitze aus gemessen, das passieren soll? Denn das ist ja abhängig davon, wie lang der Tastenhebel ist, und das halte ich für die primäre Angabe. Gibt es da irgendeine Norm?

3) Welchen seitlichen Abstand sollen die Plektren von den Saiten haben? Also das Plektrum muß ja beim Anreißen der Saite sich durchbiegen und dann "durchflutschen". Also muß es einen kleinen seitlichen Abstand geben - wie groß sollte der sein?

4) Die vorintonierten Delrin-Plektren gibt es in 4 verschiedenen Stärken. Es gibt ein Gebinde, was alle Stärken enthält mit je 25 Plektren für jede der 4 Stärken. Ich brauche ja insgesamt 61 Stück. Bin ich damit am besten bedient, oder sollte ich lieber nur eine Stärke (ich tendiere dann zu den dicksten, weil ich einen satteren Klang erhoffe) nehmen?

5) Wenn ich Plektren unterschiedlicher Stärke nehme, soll ich die Stärke wechseln, wenn auch die Saitenstärke wechselt? Oder lieber dann noch ein paar Töne warten, damit nicht gleichzeitig Plektrum und Saite wechseln, um Klangunterschiede zu minimieren? Im Bassbereich sind die ersten 8 Saiten aus Messing, alle anderen Saiten sind Stahl. Sollten die Messingsaiten andere, z.B. stärkere Plektren kriegen?

Vielen Dank schon mal für alle diesbezüglichen Tipps!!
 
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Zweitfluegel

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Erstmal vielen lieben Dank für alle Tipps, wird alles, soweit ich kann, umgesetzt!


Inzwischen ist das Holzgehäuse und der Deckel bei meinem Onkel, Tischlermeister im (Un)ruhestand gelandet, und dort in den allerbesten Händen bzgl. Gehäuseleimung und Schleif- und Lackierarbeiten.

Nun haben sich weitere Fragen ergeben:

1) Womit kann ich am besten Messingscharniere putzen bzw. die großen Gehäusedeckelscharniere polieren?

2) Bisher habe ich nur aus dem Buch "Cembalo - selbst entwerfen und bauen" von Gerhard Krämer eine Angabe gefunden bzgl. Abstand Plektrum zu Saite im Ruhezustand. Soll demnach ca. 3-4mm betragen. Aber wichtiger wäre mir die Angabe, an welchem Punkt beim Tastendrücken die Saite angerissen werden soll, also bei welchem Punkt, wenn man die Taste runterdrückt, von Tastenspitze aus gemessen, das passieren soll? Denn das ist ja abhängig davon, wie lang der Tastenhebel ist, und das halte ich für die primäre Angabe. Gibt es da irgendeine Norm?

3) Welchen seitlichen Abstand sollen die Plektren von den Saiten haben? Also das Plektrum muß ja beim Anreißen der Saite sich durchbiegen und dann "durchflutschen". Also muß es einen kleinen seitlichen Abstand geben - wie groß sollte der sein?

4) Die vorintonierten Delrin-Plektren gibt es in 4 verschiedenen Stärken. Es gibt ein Gebinde, was alle Stärken enthält mit je 25 Plektren für jede der 4 Stärken. Ich brauche ja insgesamt 61 Stück. Bin ich damit am besten bedient, oder sollte ich lieber nur eine Stärke (ich tendiere dann zu den dicksten, weil ich einen satteren Klang erhoffe) nehmen?

5) Wenn ich Plektren unterschiedlicher Stärke nehme, soll ich die Stärke wechseln, wenn auch die Saitenstärke wechselt? Oder lieber dann noch ein paar Töne warten, damit nicht gleichzeitig Plektrum und Saite wechseln, um Klangunterschiede zu minimieren? Im Bassbereich sind die ersten 8 Saiten aus Messing, alle anderen Saiten sind Stahl. Sollten die Messingsaiten andere, z.B. stärkere Plektren kriegen?

Vielen Dank schon mal für alle diesbezüglichen Tipps!!
Hallo Mindenblues!

Ich bin zwar kein Cembalobauer, habe aber ein wenig Erfahrung aus dem Bau eines Spinetts vom early Music Shop ( Ich denke ich habe dabei nahezu alle Fehler gemacht, die man machen kann, aber viel gelernt) und aus der Sanierung eines Sperrhake Cembalos, demö ich neue (delrintaugliche) Zungen und neue Kiele spendiert habe.
Nimm also was ich hier schreibe nicht als der Weisheit letzten Schluss, aber bei mir hat es funktioniert.

1) Mit Sidol sollten die - vorzugsweise ausgebauten - Scharniere wieder glänzen.

2) es gibt keine Norm. Cembali existieren in vielen verschiedensten Bauformen und Größen. Worauf es ankommt ist, das unter der Abstand zwischen Kiel und Saite ausreichend groß ist, der kiel auch wieder zuverlässig in seine Ruheposition kommt. Dazu reicht auch ca. 1mm. Nach dem Anreißen der Saite sollte noch etwas Platz am Tastenweg für den Nachdruck bleiben? Der Zeitpunkt des Anreißens ergibt sich hauptsächlich aus dem Teil der Länge des Kiels, der über die Saite hinaussteht. Der sollt so weit gehen, dass die Saite auf der einen Seite noch zuverlässig angerissen wird, auf der anderen Saite der Springer auch bei langsamem Loslassen der Taste nicht hängenbleibt? Wichtig ist hier ein gleichmäßiges Spielgefühl.
Ich weiß nicht, ob die Lage der Zunge bei deinen Springern einstellbar ist, wenn ja, dann ist so eine sehr gute Feineinstellung möglich. Sonst muß die Länge des Kiels mit dem Intoniermesser angepasst werden. (Schneiden nicht Kratzen. Sonst gibt es raue Oberflächen an der Unterseite des Kiels und damit viele Hänger)
erst danach würde ich mit der Größen anschraube unten am Springer die Lage des Druckpunkt einstellen.
(Wenn mehrere Register vorhanden sind sollen sie nicht gleichzeitig anreißen! sondern gestaffelt)
3) Der seitliche Abstand hat weniger Einfluß auf Spielbarkeit und Klang. Wenn ich mich bei den Bildern nicht verschäumt habe ist der Rechen bei Deinem Spinett nicht verstellbar, daher ist der seitliche Abstand vorgegeben.
4und 5) zur Stärke kann man nur sagen probieren geht über studieren.
ich habe Bein meinem Cembalo das 8' Register in drei gleiche Teile geteilt und im unteren Drittel die stärksten (4)im Mittleren Bereich Nummer 3 und im Diskant Nummer 2 genommen. Im 4' ähnlich mit 3, 2 und 1.
Aus heutiger Sicht würde ich vielleicht nur in zwei Bereiche teilen. es gibt aber hier kein richtig und kein falsch, sondern nur ein gefällt mir oder gefällt mir nicht.
wenn man die Übergänge nicht heraushören will, müssen die Kiele in den Übergangsbereichen noch nachintoniert werden, das heißt in mikrominimalen Schritten in der Breite nachgeschnitten werden.
Das heißt 4 x 25 Kiele werden rasch zu wenig. Das Sortieren der verschiedenen Stärken ist extra mühsam, ich würde also keine Kombipackung sondern vier Einzelpackungen bestellen. Ist bei Vogel und Scheer auch nicht so teuer. Willkommen bei der Marc Vogel GmbH - Cembaloteile
Bei verrosteten Saiten würde ich über einen Neubezug nachdenken, das kann man aber auch immer noch machen, wenn alles andere erledigt ist.

Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg bei dem Projekt und hoffe ein wenig beigetragen zu haben.

Grüße

Zweitflügel

P.S. Eine Fülle von technischer Info inkl. Videos von Reparaturarbeiten an Cembali finden sich aufCBH Carey Beebe Harpsichords Australia ? Global Harpsichord Technology unter technical library
 
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Lieber Zweitflügel,

ganz herzlichen Dank für deine ausführlichen Infos!!

Die Lage der Zunge ist bei den Springern einstellbar, eine kleine Madenschraube ist dran.
Und der Rechen ist seitlich verschieb- und justierbar; es ist auch ein "P"-Hebel da, der den Rechen seitlich verschiebt ("P" wie "Piano"?). Theoretisch könnte ich es so justieren, dass bei betätigtem P-Hebel kein Plektrum an die Saite kommt, man also stumm spielen kann. Weiß nicht, ob das so gedacht ist?

Mittlerweile habe ich die Delrin-Plektren von Vogel&Scheer bekommen.

Beim Ersetzen der ursprünglichen Plektren durch die neuen fehlt mir noch eine wichtige Info:
Die alten Plektren saßen ziemlich schief und krumm in den Zungen. Ich habe nicht herausgefunden, woraus das Material besteht (vielleicht Holzkitt?), womit das kleine Loch aufgefüllt ist, wo die alten Plektren drinsteckten. Jedenfalls ist das Problem, dass ich die Plektren gerne waagerecht einsetzen möchte und nicht so schief wie die alten, und weiterhin, möchte ich gerne, dass die neuen Plektren fest sitzen und nicht so lose darin, weil die alten Plektren (z.B. Federkiele, Plastik in unterschiedlicher Stärke) teilweise sehr dick waren..
Am liebsten würde ich das Material des kleinen Lochs herauspuhlen oder ausbohren, und neues Material einsetzen, in welchem dann die neuen Plektren sicher stecken. Was nimmt man da für Material? :?:
 
Mindenblues

Mindenblues

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Bilder von Reparaturarbeiten

Die Holz-Reparaturarbeiten am Rahmen sind soweit abgeschlossen; neben der Verleimung der aufgesprungenen Eckverbindungen wurde das Furnierholz geschliffen und mehrfach mit Mattlack gestrichen. Sämtliche Messingscharniere wurden ausgebaut, poliert und wieder montiert. Das Ergebnis sieht dank des Tischlermeisters sehr gut aus (finde ich):

Mal als Vergleich:
Voher: Schadbild1, Schadbild 2
Nachher: Reparatur Schadstelle1

Nachher: Reparatur Schadstelle2
Nachher: Deckel nach Schleifarbeiten

Hier noch ein Bild, wo die Tasten eine nach der anderen nach Säuberung wieder eingesetzt werden und wieder leichtgängig gemacht wurden:
Tastatur

Und noch ein Bild von meinem "Intonierarbeitsplatz":
Intonierarbeitsplatz

Jetzt bin ich dabei, nach und nach einen Reiter nach dem anderen zu bekielen, und erstmal grob zu justieren und zu intonieren. Ich hoffe, dass im Laufe der Zeit eine Lernkurve einsetzt und das Intonieren besser wird. Will es zweistufig probieren, erstmal grob, um überhaupt spielen zu können und danach zu versuchen, einen einigermaßen gleichmäßigen Tastenanschlag und Klang hinzubekommen.
 
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Zweitfluegel

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Das Problem mit den locker sitzenden Plektren hatte ich auch, vor allem, weil ich die ursprünglich vorhandenen Lederplektren durch Delfin Plektren ersetzen wollte. Es gibt dazu eine Reihe von Lösungen, die aber alle - vor allem wenn man später die Bekielung wieder erneuern muss (die Dinger halten zwar lang, aber nicht ewig) - sich als mehr oder weniger problematisch erweisen. Ich habe zur nach meinem Dafürhalten saubersten Lösung gegriffen, ich habe nach Vorbild der vorhandenen Kunststoffzungen neue Holzzungen anfertigen lassen. Die Firma Neuwert hat das - ich denke vor drei Jahren - für vier Euro das Stück erledigt. Sicher die teuerste Variante, aber dann ist für die nächsten Jahrzehnte Ruhe.
Vielleicht lassen sich auch im konkreten Fall die Zungen von einem der Springermodelle von Vogel und Scheer verwenden. Diese Variante wäre deutlich günstiger.

Weiterhin viel erfolg und beste Grüße


Zweitfluegel
 
Mindenblues

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Bei meinen Reitern sind eigentlich sehr schöne Holzzungen drin, die möchte ich nicht ohne wirkliche Not ersetzen.
Da in meinem Fall die alten Plastikplektren dicker waren als Delrinplektren, habe ich mittlerweile eine ganz brauchbare Variante gefunden, zuerst ein winziges Stückchen Holzspan in den Schlitz zu stecken und dann dazu noch das Delrinplektrum. Sitzt meiner Meinung nach straff genug, wahrscheinlich straffer als die Plektren vorher. Habe dazu mit dem Hobel verschiedene Holzarten und Holzspandicken ausprobiert. Ich hoffe, das dies einigermaßen dauerhaft ist. In den ersten 10-15 Zungen habe ich stattdessen hauchdünne Korkstreifchen genommen. Das ist mir aber nicht geheuer, falls sich da was ausleiert, will ich diese Korkstreifchen durch Holzspänchen ersetzen.

Habe mittlerweile gemerkt, welch mühevolles Geschäft es ist mit dem Intonieren der Plektren und der Justage der Reiter (immerhin sind 3 Stellschrauben dran: Pilot für Höhenverstellung, separate Dämpferverstellung und Madenschraube für den Zungenanschlag). Weiterhin habe ich gemerkt, dass eine langwierige Lernkurve dabei ist.
Daher habe ich mich entschieden, erstmal eine Grundintonation und - Justage zu machen für alle Töne, und danach sukzessive Ton für Ton versuchen, in eine ordentliche Intonation zu versetzen.

Laut Auskunft des Herstellers wurde das 60 Jahre alte Spinett damals für Standardstimmung 440Hz konzipiert. Es scheint aber einen Halbton tiefer gesetzt worden zu sein später. Habe daher erstmal vorsichtshalber die Stimmung mit 415Hz gelassen. Insbesondere die Baßsaiten kommen mir aber ziemlich "unterspannig" vor. Vielleicht versuche ich es mal mit einer Stimmung einen Viertelton tiefer statt Halbton tiefer, mal sehen, vielleicht mal mit 425Hz probieren. Fände eigentlich Gefallen sowohl an tieferer Stimmung als auch moderat ungleichtemperierter Stimmung und liebäugle mit der sog. Bach-Kellner-Stimmung; insbesondere, da ich vorhabe, sowieso nur barocke Sachen, vor allem Bach, darauf zu spielen.
 
 

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