Zu viel geübt - was nun ???

  • Ersteller des Themas Debbie digitalis
  • Erstellungsdatum

jetzt erst sehe ich blütes beitrag.

ich sag nur UNTERSCHRIEBEN ! meine rede.
(is bei mir im übrigen nicht anders).

jez würde ich mal sagen: weitertrollen :D
 
Du darfst nur nicht erwarten, dass sich der Erfolg von 3 Stunden üben am selben Tag einstellt. Das nächste Mal nimmst Du frühestens am nächsten oder übernächsten Tag auf, wenn mindestens eine Mütze Schlaf dazwischen liegt.

Und am Tag des Klavierunterrichts solche Prozeduren durchzuführen, bringen in der Regel auch gar nichts, Du spürst den Effekt erst in der nächsten Woche.


Zuviele Probleme würde ich nicht darin sehen.


Auch bei konzentriertem Üben wird bei zunehmender Wiederholzahl des gleichen Musters der Übegewinn pro aufgewendeter Arbeitszeit immer geringer. Schließlich flacht die ansteigende Lernkurve ganz ab und man befindet sich auf einem so genannten "Übeplateau", auf dem kein weiterer Lerngewinn stattfindet.



Das ist eine große Chance! Bloß jetzt das Stück nicht liegenlassen!
Spiel es nochmal durch und merke dir ganz genau, an welchen Stellen die Fehler entstehen und wie sie geartet sind, und dann übst du diese Stellen nochmal gesondert, einzeln, langsam, Abschnittweise, bis du genau weißt, woher der Fehler kommt - und behebst ihn.



Durch die gelungene Automatisierung der Bewegungsabläufe scheinen also jetzt, da die Motorik selbst kaum mehr bewusste Aufmerksamkeit beansprucht, sozusagen Aufmerksamkeitsressourcen frei zu werden, die sich "plötzlich" der Musik, dem Klang, dem differenzierten Hören zuwenden können. Und dieses "neue Hören" wirft einen aus der Bahn, denn natürlich folgen aus dem Höreindruck auch Veränderungen der Spielweise, die letztlich aber nicht kompatibel mit den zig-malig wiederholten Bewegungserfahrungen sind. Den motorischen Steuer- und Kontrollzentren kommt das komisch vor und es beginnt zu holpern....



Eine andere wichtige Ursache kann häufig sein, daß man das Stück mit der Erwartung spielt, jetzt müsse es fehlerfrei klappen!

Genau diese Erwartung und das daraus resultierende "Neben-sich-Stehen" und scharfe kritische Selbstbeobachten läßt dann durch eine allgemeine körperlich-geistige Verkrampfung Fehler entstehen!


Hallo Debbie digitalis,

so viele schöne Antworten, von denen ich ein paar ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammengetragen habe.

Ich persönlich glaube, dass der einzige Fehler, den du begangen hast, der war, dass du, nachdem du akribisch und wunderbar alle Stellen etc. geübt hast, noch einmal alles durchgespielt und auch noch aufgenommen hast!

Durch das Herausgreifen einzelner Stellen hast du - vorbildlich - die Zahl der zu verarbeitenden Informationen verkleinert - du konntest dich auf bestimmte, von dir ausgewählte Elemente konzentrieren. Dabei hast du vermutlich deine Klangvorstellung und die damit verbundenen Bewegungsabläufe verbessert. Diese Dinge sind dann aber noch keineswegs automatisiert, sondern noch ganz neu und frisch! Wenn du nun anschließend das ganze Stück durchspielst und das auch noch im Tempo, zwingst du dich, diese gerade mit gewisser Mühe an einzelnen Stellen neu gewonnenen Erkenntnisse sofort abzurufen! Wie soll das gehen?! Das braucht seine Zeit! Nur weil du eine Stelle nach einiger Zeit guten Übens und nahezu ausschließlicher Konzentration auf diese Stelle spielen kannst, heißt das nicht, dass diese Stelle wenig später auch im Kontext klappt, wo du auf so viele andere Dinge achten musst und viel weniger Konzentration und Zeit auf
diese Stelle verwenden kannst! Und dann gibt es ja auch noch viele solcher Stellen! Und auch noch alle hintereinander! Kein Wunder, dass dann alles durcheinanderkommt! Im Kontext, auch noch im Tempo gespielt, kann die Realisierung von Klang und motorischen Abläufen meist erst nach einer gewissen Automatisierung klappen.

Also lass dir Zeit, schlaf erst mal drüber und befolge Stilblütes Rat. Ich würde das Stück nicht liegen lassen, aber die ersten Tage eventuell auf das Durchspielen verzichten.

Übrigens finde ich es grundsätzlich oft kontraproduktiv, ein Stück im Tempo durchzuspielen, nachdem man erst mal akribisch bestimmte Stellen geübt hat ( vorher ist immer gut). Meist hat man doch Klänge und Bewegungsmuster verändert (grob gesagt). Im Kontext werden dann diese Stellen meist wieder mit den alten, verkehrten Mustern gespielt und dann hat man das vorher so gut Geübte wieder ver-übt. Lieber die Nacht drüber schlafen und darauf vertrauen, dass die Zeit es schon bringen wird.

Die 3 Stunden waren auf keinen Fall umsonst!!! :)

Viele Grüße

chiarina
 
ein Scherz nach VP-Art.

http://de.wikipedia.org/wiki/-itis

passt auch so schön, weil wir über zu viel üben sprachen.

Sowas kann auch zu einer Tendovaginitis führen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tendovaginitis

Dein nick ist der springende Punkt.

LG
violapiano
die das nicht böse meint, aber einfach breit grinsen musste.:p

Ok, daher weht der Wind also. :o
Bei der Wahl des Nick habe ich gar nicht so weit gedacht.

Übrigens glaube ich mittlerweile nicht mehr, dass man eine Tendovaginits durch zu viel Üben bekommt, sondern eher durch falsches Üben (mit falscher Technik/ in schnellerem Tempo üben, als gut für einen ist). Man kann ja auch den ganzen Tag üben, ohne irgendwelche Probleme zu bekommen, wenn man nur "so viel Gas gibt", wie die gegenwärtigen technischen Fähigkeiten zulassen.

Klar kann man nicht 14 Stunden so "in die Tasten hauen", wie man es vielleicht in kürzeren Übungssessions 1 Stunde lang macht. Ist halt so wie mit dem Marathonläufer, der nicht so schnell läuft wie ein 100-Meter-Sprinter.

Edit: Hab mal eben gegoogelt, der Weltrekord für das längste Klavierkonzert liegt bei 103 (!) Stunden (Davon reine Spielzeit: 101 h 8 min). Das dürfte das Märchen, dass sehr viel Spielen irgendwann zwangsläufig zur Tendovaginitis führt, ziemlich widerlegen (sonst hätte derjenige schon früher aufhören müssen).
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo miteinander,

vielen Dank für die zahl- und hilfreichen Erklärungen, Tipps und mitgeteilten Erfahrungen zu dem von mir geschildertem Problem. Ich glaube mittlerweile, dass es wahrscheinlich eine Erfahrung ist, die jeder, das Klavierspielen ernsthaft erlernen möchte, einmal machen wird. Wichtig ist es eben, aus solch einer Erfahrung die richtigen Schlüsse zu ziehen, um zukünftig sinnvoller und zielgerichteter üben zu können. Von all den vielen Hinweisen, die ihr mir gegeben habt, werde ich mir insbesondere folgendes "hinter die Ohren" schreiben:

Solche Situationen kenne ich und vermeide sie, indem ich direkt vor der Klavierstunde nicht mehr als sonst auch übe. ... Für mich ist es furchtbar wenn ich direkt vor der Stunde noch Stellen habe die plötzlich nicht mehr gehen.

Da hast du sicher recht Chrissi, dass eine ungewohnt lange Übeaktion nur einige Stunden vor der Klavierstunde eher ungünstig ist und Fehler herausfordern kann.


Liebe Debbie digitalis,

Du hattest endlich mal 3 Stunden Zeit, Dich mit Deinen Stücken auseinanderzusetzen. Ich kenne dieses Gefühl nur zugut. Fast ist man wie im Rausch, diese Zeit für sein wichtigstes Interessen nutzen zu können. Innerlich schleicht sich aber schon ein Druck ein....
Gerhard Mantel, der Retter in der Not in "Einfach üben", Seite 50, Rezept 32: "Massierte Wiederholen einer fehlerhaften Version vermeiden! Dies prägt nicht nur die Fehler, sondern auch die Ängste unauslöschlich ein." Auch bei konzentriertem Üben wird bei zunehmender Wiederholzahl des gleichen Musters der Übegewinn pro aufgewendeter Arbeitszeit immer geringer. Schließlich flacht die ansteigende Lernkurve ganz ab und man befindet sich auf einem so genannten "Übeplateau", auf dem kein weiterer Lerngewinn stattfindet...
kulimanauke

Genauso ist es, kulimanauke! Es ist bei mir wirklich die absolute Ausnahme, dass ich mal 3 Stunden Zeit am Stück zum Klavierüben habe. Daher sollten sie auch unbedingt genutzt werden und ich habe das "Überplateau" wahrscheinlich unbewusst überschritten und mich dann schnell in absteigenden Bereich der Lernkurve begeben.

Hallo, Debbie,

das Problem ist gar keins!
Du darfst nur nicht erwarten, dass sich der Erfolg von 3 Stunden üben am selben Tag einstellt. Das nächste Mal nimmst Du frühestens am nächsten oder übernächsten Tag auf, wenn mindestens eine Mütze Schlaf dazwischen liegt.
Klavirus

Das ist wahrscheinlich ebenfalls entscheidend, Klavirus, sich zu vergegenwärtigen, dass sich der Lernerfolg einer längeren Übeeinheit nicht mehr am gleichen Tag einstellt. Leider denkt man nicht immer daran, wenn man es in Alltag und Beruf gewohnt ist, Arbeiten immer direkt und zügig abzuschließen und möglichst nichts liegen zu lassen.:mrgreen:

Das ist eine große Chance! Bloß jetzt das Stück nicht liegenlassen!...
Wenn man nicht gewohnt ist, so lange an einem Stück zu arbeiten, kann man natürlich erstmal super weiterkommen, doch irgendwann ist der "Speicher voll". Ich persönlich habe nur ein bestimmtes Kontingent an Kraft und Konzentration pro Stück und und allgemeiner Übezeig am Tag, und wenn das ausgeschöpft ist, hat es nur noch wenig Sinn, weiterzuarbeiten. Ich bin dann unkonzentriert und der Erfolg stellt sich viel langsamer und geringer ein..,..Wenn es aber soweit ist, kann es natürlich passieren, dass sich ungewohnte Fehler einschleichen. Wenn man eine Stunde lang ein Bild anstarrt, entdeckt man auch plötzlich irgendwelche komischen Sachen darauf...
Man braucht dann vor allem eines: Schlaf... Am nächsten Tag kann man dann altes auffrischen und vertiefen und darauf aufbauen.
Das würde ich dir raten - Fehler genau untersuchen, verbessern, schlafen, nochmal verbessern ;)

Stilblüte, das ist ebenfalls ein wichtiger Hinweis: Mein Lernspeicher war mit Sicherheit vor Ablauf der 3 Stunden voll und wahrscheinlich kam ich dann auch irgendwann an den Punkt wo ich "komische Sachen gesehen bzw. gehört habe". Der Hinweis auf den Schlaf und ist auch ganz wichtig; leider habe ich normalerweise nur 5 bis 6 Stunden täglich davon, vielleicht ist das auch etwas zu wenig.

Hallo Debbie!
Das von dir beschriebene Phänomen kenn` ich und hab`s zuerst auch nicht verstanden....
wenn ein Stück "technisch" sitzt, wenn die Bewegungsabläufe automatisiert sind, was durch Wiederholung gesichert wird, dann fängt ja die eigentliche Arbeit an der Musik erst an (ohne dass diese vorher ganz ausgeschlossen wäre). Durch die gelungene Automatisierung der Bewegungsabläufe scheinen also jetzt, da die Motorik selbst kaum mehr bewusste Aufmerksamkeit beansprucht, sozusagen Aufmerksamkeitsressourcen frei zu werden, die sich "plötzlich" der Musik, dem Klang, dem differenzierten Hören zuwenden können. Und dieses "neue Hören" wirft einen aus der Bahn, denn natürlich folgen aus dem Höreindruck auch Veränderungen der Spielweise, die letztlich aber nicht kompatibel mit den zig-malig wiederholten Bewegungserfahrungen sind.
Was kann Abhilfe verschaffen? Meiner Meinung nach ein zu jedem Zeitpunkt sehr bewusstes Üben, also Töne nicht nur nach Bewegungssequenzen lernen, was in massierten Wiederholungen Ausdruck findet, sondern immer auch die Flexibilität der klanglichen Gestaltung mitüben, eine konkrete Vorstellung haben, was wie klingen soll, also vor allem das gleichzeitige Nach- und Voraushören üben. ..
LG, Sesam

Diese Erfahrung mit den neu freigewordenen Aufmerksamkeitsressourcen habe habe ich auch schon gemacht, Sesam. Je differenzierter das Hören wird, um so leichter kann die bisherige Spielweise befremdlich klingen und das Spiel noch mal verunsichern. "stets gleichzeitig Nach- und Vorraushören" ist ein guter Tipp, aber ich glaube bis mir wird das noch dauern, bis das mal zur Routine wird.

D.h. man sollte jeden Aufnahme-Take ohne jegliche Erwartung oder Hoffnung, das solle jetzt "der" Take werden, spielen!
Auch wenn man schon viele Takes gemacht hat!

In Deinem Fall hast Du wahrscheinlich gedacht: So, verdammt, jetzt habe ich schon so viele Aufnahmeversuche gemacht, beim nächsten Take muß es jetzt aber klappen - ich möchte auch nochmal was anderes machen heute. Richtig? Und genau deswegen wurde der letzte Take so schlecht, nicht deswegen, weil Du "über-übt" hast oder so.

Jeden Take so spielen, als wäre es das allererste Mal. Und gute Dinge aus anderen Takes nicht "nochmal genauso" machen wollen.

Hasenbein

Hasenbein, da hast du ganz richtig vermutet. Ich hatte endlich mal Zeit und das Stück war ja auch schon einigermaßen weit gediehen und so wollte ich es nun fertigmachen und möglichst fehlerfrei aufnehmen. Aufnehmen ohne irgendeine Erwartungshaltung ist sicher sinnvoller.

Hallo Debbie digitalis,
Ich persönlich glaube, dass der einzige Fehler, den du begangen hast, der war, dass du, nachdem du akribisch und wunderbar alle Stellen etc. geübt hast, noch einmal alles durchgespielt und auch noch aufgenommen hast!

Durch das Herausgreifen einzelner Stellen hast du - vorbildlich - die Zahl der zu verarbeitenden Informationen verkleinert - du konntest dich auf bestimmte, von dir ausgewählte Elemente konzentrieren. Dabei hast du vermutlich deine Klangvorstellung und die damit verbundenen Bewegungsabläufe verbessert. Diese Dinge sind dann aber noch keineswegs automatisiert, sondern noch ganz neu und frisch! Wenn du nun anschließend das ganze Stück durchspielst und das auch noch im Tempo, zwingst du dich, diese gerade mit gewisser Mühe an einzelnen Stellen neu gewonnenen Erkenntnisse sofort abzurufen! Wie soll das gehen?! Das braucht seine Zeit! Nur weil du eine Stelle nach einiger Zeit guten Übens und nahezu ausschließlicher Konzentration auf diese Stelle spielen kannst, heißt das nicht, dass diese Stelle wenig später auch im Kontext klappt, wo du auf so viele andere Dinge achten musst und viel weniger Konzentration und Zeit auf
diese Stelle verwenden kannst! Und dann gibt es ja auch noch viele solcher Stellen! Und auch noch alle hintereinander! Kein Wunder, dass dann alles durcheinanderkommt! Im Kontext, auch noch im Tempo gespielt, kann die Realisierung von Klang und motorischen Abläufen meist erst nach einer gewissen Automatisierung klappen....


Übrigens finde ich es grundsätzlich oft kontraproduktiv, ein Stück im Tempo durchzuspielen, nachdem man erst mal akribisch bestimmte Stellen geübt hat ( vorher ist immer gut). Meist hat man doch Klänge und Bewegungsmuster verändert (grob gesagt). Im Kontext werden dann diese Stellen meist wieder mit den alten, verkehrten Mustern gespielt und dann hat man das vorher so gut Geübte wieder ver-übt. Lieber die Nacht drüber schlafen und darauf vertrauen, dass die Zeit es schon bringen wird.

Die 3 Stunden waren auf keinen Fall umsonst!!! :)
chiarina

Chiarina, das sind für mich zwei ganz wichtige neue Aspekte! Es war mir bisher nicht bekannt, dass man nach dem gewissenhaften Üben einzelner Stellen am besten nicht alles auch noch im Zusammenhang durchspielt. Ich
habe mich auch schon oft gefragt, warum dies dazu führt, die Stellen zwar einzeln genommen gut klappen, aber danach im Gesamtdurchgang dann doch wieder haken. Wahrscheinlich muss ich hier geduldiger vorgehen.

Liebe Grüße

Debbie digitalis
 
Hallo Debbie digitalis,

ja, die Zahl der zu bewältigenden Informationen ist dann beim Durchspielen viel zu groß - das Gehirn weiß gar nicht, worauf es zuerst hören bzw. achten soll. Ergebnis: Durcheinander. Und dass, nachdem man die einzelnen Stellen gerade so gut geübt und Probleme gelöst hatte!

Viele Grüße

chiarina
 
ja, die Zahl der zu bewältigenden Informationen ist dann beim Durchspielen viel zu groß - das Gehirn weiß gar nicht, worauf es zuerst hören bzw. achten soll. Ergebnis: Durcheinander.

hallo,

eines verstehe ich an dieser Erklärung nicht:
warum schreibst Du "das Gehirn weiß nicht, worauf es achten soll"? Diese Trennung des Ich-Bewußtseins (subjektives Erleben usw.) vom irgendwie abseits chemisch-mechanistisch arbeitenden Bio-Computer "Gehirn" will mir nicht einleuchten. Ich hätte einen Satz wie "dann verhaspelt man sich" oder "dann bringe ich es durcheinander" als natürlicher empfunden.

diese Trennung... hie Gehirn, da Person - - Fritzchen sagt doch auch nicht zu Lieschen "die Synapsen und Hormone in meinem Gehirn kobolzen gerade heftig, auch werden Endorphine ausgeschüttet" sondern er sagt, wenn er etwas Mut hat, "ich find dich ganz toll, Lieschen"

Gruß, Rolf
 
hallo,

eines verstehe ich an dieser Erklärung nicht:
warum schreibst Du "das Gehirn weiß nicht, worauf es achten soll"? Diese Trennung des Ich-Bewußtseins (subjektives Erleben usw.) vom irgendwie abseits chemisch-mechanistisch arbeitenden Bio-Computer "Gehirn" will mir nicht einleuchten. Ich hätte einen Satz wie "dann verhaspelt man sich" oder "dann bringe ich es durcheinander" als natürlicher empfunden.

diese Trennung... hie Gehirn, da Person - - Fritzchen sagt doch auch nicht zu Lieschen "die Synapsen und Hormone in meinem Gehirn kobolzen gerade heftig, auch werden Endorphine ausgeschüttet" sondern er sagt, wenn er etwas Mut hat, "ich find dich ganz toll, Lieschen"

Gruß, Rolf


Hallo Rolf,

natürlich würde ich normalerweise eine Formulierung wie deine verwenden (habe ich, glaube ich, auch weiter oben so gemacht). In diesem Fall wollte ich es entpersonalisieren und sicher gehen, dass Debbie nicht denkt, sie persönlich wäre zu doof dazu, auf alles Mögliche zu achten. Ich wollte damit ausdrücken, dass das eine allgemeine Funktionsweise des Gehirns ist. Kann aber sein, dass die Formulierung trotzdem nicht so glücklich war - keine Ahnung.

Viele Grüße

chiarina
 
Hallo Rolf,

natürlich würde ich normalerweise eine Formulierung wie deine verwenden (habe ich, glaube ich, auch weiter oben so gemacht). In diesem Fall wollte ich es entpersonalisieren und sicher gehen, dass Debbie nicht denkt, sie persönlich wäre zu doof dazu, auf alles Mögliche zu achten.

Viele Grüße

chiarina

Hallo chiarina und auch rolf,

nätürlich ist es nachvollziehbar, dass ihr als Musik- und insbesondere Klavierprofis Fragen wie solche, die ich hier gestellt habe, nicht mehr wirklich nachvollziehen könnt - aber ich weise euch auch mal darauf hin, dass man als erwachsener Spätanfänger seine auf die musikalische Betätigung gerichteten Aktivitäten möglichst effizient und sinnvoll gestalten möchte. Wenn man dann bemerkt, dass das simultane Beachten diverser musikalischer Kriterien nicht so einfach von statten geht wie man sich es wünscht, dann sollte das eigentlich nicht zur Annahme führen, dass man eventuell (nach einer hier möglicherweise angenommenen Einschätzung) zu doof sei, mehrere Dinge simultan zu beachten. Als ausgebildete Simultandolmetscherin habe ich mit simultanem Hören, Verstehen und Sprechen gar kein Problem. KLavierspielen und dies insbesondere im Erwachsenenalter gelernt ist allerdings eine völlig andere Sache. Erläuterungen zur Entwicklung der Sinneswahrnehmung und -verarbeitung im Kindes- und Jugendalter etc. erspare ich mir jetzt hier!

So long

Debbie digitalis
 
Hallo chiarina und auch rolf,

nätürlich ist es nachvollziehbar, dass ihr als Musik- und insbesondere Klavierprofis Fragen wie solche, die ich hier gestellt habe, nicht mehr wirklich nachvollziehen könnt - aber ich weise euch auch mal darauf hin, dass man als erwachsener Spätanfänger seine auf die musikalische Betätigung gerichteten Aktivitäten möglichst effizient und sinnvoll gestalten möchte. Wenn man dann bemerkt, dass das simultane Beachten diverser musikalischer Kriterien nicht so einfach von statten geht wie man sich es wünscht, dann sollte das eigentlich nicht zur Annahme führen, dass man eventuell (nach einer hier möglicherweise angenommenen Einschätzung) zu doof sei, mehrere Dinge simultan zu beachten. Als ausgebildete Simultandolmetscherin habe ich mit simultanem Hören, Verstehen und Sprechen gar kein Problem. KLavierspielen und dies insbesondere im Erwachsenenalter gelernt ist allerdings eine völlig andere Sache. Erläuterungen zur Entwicklung der Sinneswahrnehmung und -verarbeitung im Kindes- und Jugendalter etc. erspare ich mir jetzt hier!

So long

Debbie digitalis


Hallo Debbie digitalis,


es tut mir sehr, sehr leid, dass ich meine Meinung offensichtlich so falsch ausgedrückt habe!!! Ich bin ganz erschrocken, denn genau das Gegenteil habe ich gemeint!

Auf jeden Fall kann ich deine Frage nachvollziehen - sie begegnet mir sogar recht häufig beim Unterrichten (Abgesehen davon finde ich sowieso deine Posts sehr lesenswert!). Mir passiert es aber des öfteren, dass besonders Erwachsene als Späteinsteiger sich selbst die Schuld geben, wenn etwas nicht klappt. Dabei ist es nur einfach nicht sinnvoll geübt.

Mit meinem obigen Post wollte ich zum Ausdruck bringen, dass es nicht an dir liegt, wenn die Vielzahl von Klang- und Bewegungsabläufen, die du gerade in intensiver Beschäftigung damit geübt und erlernt hast, nicht beim nachträglichen Durchspielen sofort klappen. Vielmehr liegt es an der Funktionsweise des Gehirns, dessen Aufnahme und Verarbeitung an Informationen bei jedem begrenzt ist. Beim Durchspielen müssen dann gerade neu erlernte Abläufe sofort ohne Vorbereitung gespielt werden, auch noch viele solcher Stellen hintereinander - das kann nicht klappen.

Ich wollte einfach nicht, dass du denkst, du könntest das nicht, was eben nach meiner Erfahrung öfter der Fall ist. Es entspricht nur nicht der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns. Es liegt nur an der Übestrategie.

Ich hoffe sehr, dass ich das Missverständnis einigermaßen aus dem Weg geräumt habe! Nichts liegt mir ferner, als andere zu doof zu finden!

Viele Grüße

chiarina
 
Hallo chiarina und auch rolf,

nätürlich ist es nachvollziehbar, dass ihr als Musik- und insbesondere Klavierprofis Fragen wie solche, die ich hier gestellt habe, nicht mehr wirklich nachvollziehen könnt - aber ich weise euch auch mal darauf hin, dass man als erwachsener Spätanfänger seine auf die musikalische Betätigung gerichteten Aktivitäten möglichst effizient und sinnvoll gestalten möchte. Wenn man dann bemerkt, dass das simultane Beachten diverser musikalischer Kriterien nicht so einfach von statten geht wie man sich es wünscht, dann sollte das eigentlich nicht zur Annahme führen, dass man eventuell (nach einer hier möglicherweise angenommenen Einschätzung) zu doof sei, mehrere Dinge simultan zu beachten. Als ausgebildete Simultandolmetscherin habe ich mit simultanem Hören, Verstehen und Sprechen gar kein Problem. KLavierspielen und dies insbesondere im Erwachsenenalter gelernt ist allerdings eine völlig andere Sache. Erläuterungen zur Entwicklung der Sinneswahrnehmung und -verarbeitung im Kindes- und Jugendalter etc. erspare ich mir jetzt hier!

So long

Debbie digitalis

hallo Debbie digitalis,

weder die markierte Stelle noch anderes, was Du etwas vorwurfsvoll (sogar ergrimmt?) formulierst, trifft auf meinen Beitrag https://www.clavio.de/forum/150344-post26.html zu.

Ich bleibe dabei, dass ich Überlegungen, "was das Gehirn tut", für entpersonalisierend und damit für etwas unglücklich halte: letztlich ist es immer jemand, der ich sagt und fühlt und ist, der am Klavier sitzt und kein verkabelter Biocomputer - - - und genau in diesem Sinne hatte ich meine Frage und meine humorige Analogie an Chiarina gerichtet.

Oft verhaspelt man sich, weil man - ggf aus Besorgnis - auf zu viel zugleich achtet. Das ist unnötig. Besser ist, einfach nur zu fühlen, ob z.B. die Begleitung den richtigen Klang hat (also sie als ganze Klanggestalt, nicht als Harmonien, fingersätze, einzelne Bewegungen wahrnehmen) - man könnte auch sagen, besser ist, sich auf verautomatisierte und damit selbstverständliche Bewegungen wirklich zu verlassen und nicht jede Einzelheit denkend zu kontrollieren. Denkt man an zu viel, gerät man in Zeitnot, denn Musik ist oft bis meist schneller, als unser kontrollierendes Denken. - - wie beim Laufen: man muss nicht auf jeden Schritt genau schauen und überlegen oder gar bewußt steuern, ob er richtig ist.

Das kann man sich angewöhnen, indem man kleine Abschnitte oft wiederholt, so oft, bis man nicht mehr "aufpassen" muss; hilfreich ist dabei, die Bewegungen zunächst als "vorausgreifend" zu lernen (denn damit bringt man sich in das automatisch richtige spielen)

herzliche Grüße, Rolf
 
hallo Debbie digitalis,

weder die markierte Stelle noch anderes, was Du etwas vorwurfsvoll (sogar ergrimmt?) formulierst, trifft auf meinen Beitrag https://www.clavio.de/forum/150344-post26.html zu.

Ich bleibe dabei, dass ich Überlegungen, "was das Gehirn tut", für entpersonalisierend und damit für etwas unglücklich halte: letztlich ist es immer jemand, der ich sagt und fühlt und ist, der am Klavier sitzt und kein verkabelter Biocomputer - - - und genau in diesem Sinne hatte ich meine Frage und meine humorige Analogie an Chiarina gerichtet....

herzliche Grüße, Rolf


Danke rolf für deine ausführliche Erwiderung in zwei umfangreichen posts. Ich hab's verstanden und wollte wirklich nicht vorwurfsvoll und grimmig klingen. Demnächst werde ich besser weniger spontan und reiflicher überlegt antworten.

Im Grunde bin ich weder nachtragend noch humorlos und finde auch Selbstironie ganz amüsant. In diesem Sinne werde ich jetzt einen ganz anderen Faden eröffnen!:D

LG

Debbie digitalis
 

Zurück
Top Bottom