Unterrichtsvertrag

Ich sehe keinen Grund, sie gegenüber Historikern oder Briefträgern oder Friseuren oder Hebammen oder Physiotherapeuten oder Kindergärtnerinnen und all den anderen schlechtbezahlten bzw. unsicheren Berufen zu bevorzugen. Einen Anspruch auf Mindestlohn oder Transferleistungen können Musiker nur in dem Umfang haben, wie alle anderen auch.

Irgendwie verstehe ich - mal wieder- die ganze Diskussion nicht:cry2:. Wurde hier im Forum ,von wem auch immer, etwas anderes gefordert:konfus:?
 
Was mich total auf die Palme bringt, sind Aussagen, die vom Musiker her denken: Da hat man so lange studiert, nun muss man auch ein angemessenes Gehalt bekommen. Nein, nein, nein! Kein Studium ist mit einer Einkommensgarantie verbunden, und das darf auch beim Musikstudium nicht anders sein! Das muss man sich bitte vorher überlegen.

Wer denkt denn wirklich, dass man eine Garantie aus ein "angemessenes Gehalt" hat wenn man Musik studiert hat? Man weiß von vorneherein, wie fragil das Konstrukt ist, ein kleine Unfall mit den Fingern oder bei Bläsern mit dem Mund - vorbei isses. Von Beginn an ist man bestrebt, das, was man tut so gut wie möglich zu machen, arbeitet an Alleinstellungsmerkmalen (zB historische Instrumente, moderne Musik, Quartett-Spiel oder Klavier-Duos uvm) um sich zu positionieren. Anders geht es halt nicht. Und das hört niemals auf.
Das aktuelle Problem ist nur: es gibt KEINE "Karriere-Chancen". Entweder man ist mit 28 Jahren Top oder man dümpelt irgendwo im Mittelfeld. Erfahrene Lehrkräfte entlassen irgendwann IMMER wieder ihre gut ausgebildeten Zöglinge und beginnen neu mit "Alle meine Entchen" o.ä.
So sieht das aus. 40 Jahre lang "Alle meine Entchen", nur 5% der Leute kommen in Regionen wo es künstlerisch interessant wird. 30% schaffen es bis "Für Elise", die anderen brechen vorher ab.

Karriere: kannste knicken. Aufstiegschancen? Null. Also muss man sich auch auf diesem Gebiet immer wieder weiterbilden und Dinge anbieten, die die Kollegen NICHT anbieten. Alle, die Musik studieren WISSEN das! Ich kenne niemanden, der jemals auch nur gedacht hat, dass es eine Einkommensgarantie gibt!
 
Alle Tätigkeiten, die keine Wertschöpfung abwerfen, sind letztlich Luxus, den sich eine entwickelte und hoch arbeitsteilige Zivilisation leistet.

Fängt man an zu fragen, was "man wirklich braucht", steckt man in einer Abwärtsspirale, deren Ende weder zivilisiert noch arbeitsteilig ist.

Deshalb sollten gerade Dienstleister, Kulturschaffende und -bewahrende sich nicht auf diesen Slippery slope "wen braucht die Gesellschaft mehr als welchen anderen" begeben. Das führt zu nichts.



Es gab Zeiten, da waren Terriers extrem gefragte und hochbezahlte Leute. Dumm geloff´, da sie mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen nicht mehr "gebraucht" wurden.:teufel:
 
Alle von Dir Aufgezählten bringen früher oder später ein Resultat zustande. Bei Finanzämtern passiert das sehr direkt und bedarf keiner Erörterung. Bei Schulen ist der Abstand zwischen Invest und Return of Invest etwas größer, und ja, es gibt auch Ausfälle..
...welches "Resultat" erbringt eine Sonderschule, welches eine Hauptschule? Zu schweigen von der Grundschule, deren "Absolventen" (Viertklässler (meistens, manche brauchen auch fünf...)) in keinem Berufszweig irgendwie einsetzbar sind... Und die Finanzamtfuzzis wird man bald elektronisch (und ergo ohne menschengemachte Fehler) ersetzen (wie heisst der Piepmatz? diebische Elster?)
;-);-):-D
Spaß beiseite: eine großkotzige Blablapolitik eines sehr reichen Landes, welche sich vollmundig "Bildungsstandort" und ähnliche Sprüche aufs Panier pinselt, sollte ihren immensen Wohlstand dann auch tatsächlich dafür einsetzen, Bildung via Bildungseinrichtungen zu fördern (und sich das nicht via Gebühren bezahlen lassen, denn das reiche Land hat genug Einnahmen für dergleichen "Luxus") - dazu gehört die angemessene Alimentierung der Lehrkräfte, und das in allen zur Bildung zählenden Disziplinen. Aber dazu wird es nie kommen, weil politsystemimmanent das vermeintliche Gegenargument schon impliziert ist: "buhu das muss man realpolitisch sehen, das ist so teuer und geht also nicht ätschibätschi - aber wählt uns trotzdem, weil wir ja Bildungsstandortblabla und sowieso" :-D:-D:-D:-D:-D
 
@dilettant Du bist noch nicht auf meine Erklärung eingegangen, warum ein NC bzw. weniger Absolventen nichts nützt (Niveau sinkt, mehr Leute von außen würden im Berufszweig nachrücken).
 

Wurde hier im Forum ,von wem auch immer, etwas anderes gefordert?
Hm, kurz dachte ich, ich hätte mich etwas verrant. Aber der Auslöser für mich war das hier:
Das Gegenteil ist der Fall: diese Leute fühlen sich von der Gesellschaft beschissen und als GEGEN-Reaktion nehmen sie sich nur das, was ihnen zusteht.
Ich finde es recht kurz gesprungen, die Gesellschaft verantwortlich zu machen, wenn der eigene Lebensentwurf nicht aufgeht. Und dann gar noch Schwarzarbeit damit zu rechtfertigen.
 
@dilettant Du bist noch nicht auf meine Erklärung eingegangen, warum ein NC bzw. weniger Absolventen nichts nützt (Niveau sinkt, mehr Leute von außen würden im Berufszweig nachrücken).
Huch, Du bist aber hartnäckig!

Die Frage ist halt, welches Ziel man hat. Ausgangspunkt der Diskussion hier waren die mangelnden Verdienstmöglichkeiten von Musikern. Nun, wenn der Kuchen nicht reicht, kann man einen größeren backen (mehr Subventionen - Akzeptanzproblem, Konkurrenz zu anderen Themen), kleinere Stückchen schneiden (das passiert gerade und ist Ausgangspunkt der Diskussion) oder die Anzahl der "Mitesser" reduzieren (das würde man über einen NC schon schaffen). Und genau das schrieb ich schon ziemlich zu Anfang:
Wir müssten den Zugriff auf die Mittel also doch irgendwie regeln - eine Einkommensgarantie gäbe es noch immer nicht. Oder wir führen einen Numerus Clausus für Künstler ein. Dann könnte man die Kosten einigermaßen planen.
Der NC ist eine aus meiner Analyse der Ist-Situation hervorgehende Hypothese, keine Forderung meinerseits.

Wenn Du nun eine völlig andere Baustelle aufmachst, nämlich das kulturelle Bildungsniveau der Bevölkerung, kommt man natürlich auch zu anderen Lösungsansätzen. Kostenloser Instrumentalunterricht wäre der Lösungsansatz, garniert mit dem Wunsch, möglichst viele Spitzenmusiker hervorzubringen, weil dann auch das Breiten-Niveau steigt. Wie im Sport halt. Dann ist der NC ist natürlich kontraproduktiv. Dann müssten wir aber auch richtig viel Geld in die Hand nehmen (mit all den Akzeptanzproblemen). Nur hattest Du ja - entschuldige, dass ich drauf rumreite - noch heute morgen geschrieben, dass Dir die Pflege der Kultur an sich gar nicht so wichtig sei ... deshalb hatte ich in der Richtung auch keine Lösung gesucht :-)

Und die Wahrheit liegt - da bin ich wirklich Opportunist - irgendwo in der Mitte.
 
Das Gegenteil ist der Fall: diese Leute fühlen sich von der Gesellschaft beschissen und als GEGEN-Reaktion nehmen sie sich nur das, was ihnen zusteht.

Mit diesem Argument kannst du Uli Hoeneß dann auch die Generalabsolution erteilen.

Wenn ich für mich selbst definieren dürfte, was mir von der Gesellschaft zusteht, hätte ich da auch schon ein paar Ideen...
 
Hm, kurz dachte ich, ich hätte mich etwas verrant. Aber der Auslöser für mich war das hier:Ich finde es recht kurz gesprungen, die Gesellschaft verantwortlich zu machen, wenn der eigene Lebensentwurf nicht aufgeht. Und dann gar noch Schwarzarbeit damit zu rechtfertigen.

Das ist aber doch etwas ganz anderes als das, was Du oben im vom mir zitierten Abschnitt geschrieben hast. Ich sehe auch nicht, dass damit Schwarzarbeit gerechtfertigt wird, sie wird durch dieses falsche Anspruchsdenken erklärt.
Ich möchte übrigens nicht wissen, wie viele Leute sich über Schwarzarbeit echauffieren, gleichzeitig aber ihre von ihnen beschäftige Reinigungskraft für die privaten Räumlichkeiten nicht angemeldet haben;-).
 
Der Sinn des Lebens besteht eben nicht (jedenfalls nicht ausschließlich) in der Verwirklichung noch der skurrilsten Träume. So etwas wird immer nur auf Kosten der Gemeinschaft möglich sein und ist daher abzulehnen. Aus meiner Sicht geht es ganz wesentlich darum, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden und auch zu akzeptieren.
Vermutlich hast Du Recht damit und es entspricht der Realität der meisten Leute, aber trotzdem würde so ein Satz niemals über meine Lippen kommen. Dass Menschen selbst ihre skurrilsten Träume verwirklichen, auch auf Kosten der Gesellschaft, macht eine Gesellschaft überhaupt erst aus. Das kann man gar nicht ablehnen, im Gegenteil, das muss man fördern (als Beispiel nennst Du ja selbst den Breitensport). Wie und in welchem Rahmen, das war, ist und wird immer ein Kompromiss zwischen den Interessen sein, aber ohne die Menschen, die ihren Platz in der Gesellschaft eben nicht akzeptieren, wären wir alle ärmer; alles würde stagnieren, so als würde ein Kind auf einmal aufhören zu wachsen und zu lernen.
 
Dass Menschen selbst ihre skurrilsten Träume verwirklichen, auch auf Kosten der Gesellschaft, macht eine Gesellschaft überhaupt erst aus.
Hm. Die Gesellschaft sollte in der Tat niemanden grundlos daran hindern, seine Träume zu leben. Wenn die Verwirklichung dieser Träume aber zu Lasten der Gesellschaft geht, halte ich es für asozial (im Wortsinne, weil gegen die Gesellschaft gerichtet), seinen Traum über die Gesellschaft zu stellen.

Bsp: Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn jemand Graffitty liebt. Es ist allerdings unzulässig, das Haus seines Nachbarn zu besprühen. Diese Einschränkung der persönlichen Entfaltungsmöglichkeit ist hinzunehmen. Es ist schlicht dreist, wenn der Graffity-Addict jetzt auch noch verlangt, man möge ihm die Spraydosen bezahlen.

Mir ist klar, dass ich mit dieser Ansicht leicht außerhalb des Mainstreams stehe, der Individualität und Selbstverwirklichung über alles stellt. Ich behaupte aber, der Mainstream liegt falsch. Eine Gesellschaft, in der das Primat auf der Individualität liegt, ist gar keine Gesellschaft.
 
Zu Lasten der Gesellschaft und gegen die Gesellschaft gerichtet sind aber unterschiedliche Dinge und auch Dein Graffitty-Beispiel geht am Thema vorbei und verwechselt Schaden mit Kosten.

Und denk mal nicht, dass Deine Ansicht nicht dem Mainstream entspricht. ;-)

Eine Gesellschaft, in der das Primat auf der Individualität liegt, ist gar keine Gesellschaft.
Das "Primat" liegt ja nun wirklich ganz weit weg von Individualität. Aber die Individualität sollte halt auch nicht eingeschränkt werden, auch wenn es was kostet (nicht zu verwechseln mit schadet). Denke einfach über Deine eigene Familie als kleinste Form der Gesellschaft nach. Da wirste ja auch nicht ständig drüber nachdenken, ob das oder das oder das jetzt was bringt oder einfach nur kostet.
 
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