und noch ein Chopin - 29/20 (Trauermarsch)

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Guendola

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und noch ein Chopin - 28/20 (Trauermarsch)

Ich poste gleich drei Aufnahmen, weil ich die Entwicklung interessant finde. Alles am Stück aufgenommen und dann in drei Teile geschnitten (einen vierten weggelassen).

[MP3="http://www.guendola-productions.de/Funeral_March_Op28_20_3_1.mp3,http://www.guendola-productions.de/Funeral_March_Op28_20_3_2.mp3,http://www.guendola-productions.de/Funeral_March_Op28_20_3_3.mp3"]Version 1-3[/MP3]

Die erste gefällt mir von der Stimmung her am besten, hat aber ausgerechnet zum Schluß einen dicken Verspieler, die zweite ist solala und etwas zu laut, die dritte ist okay, reicht aber atmosphärisch nicht an die erste heran und hat eine laaaaange Pause zwischen Teil 2 und 3, weil ich nicht danebengreifen wollte.

Das FF zu Anfang habe ich recht locker ausgelegt, damit ein paar dynamische Möglichkeiten bleiben. Angeblich konnte Chopin eh nicht besonders laut spielen (aber das soll keine Ausrede sein :D ). Ich muß aber sagen, daß es mir recht schwer gefallen ist, die gewünschte Dynamik hinzubekommen. Von der Lautstärke her stimmt es zwar, aber da fehlt ein bischen echtes Klavier, damit man es auch richtig hört.

Was mir auch aufgefallen ist: Ich lasse im Kopf einen Sechzehnteltriolenpuls laufen, damit ich es so langsam spielen kann. Wenn ich "normal pulsiere", werde ich unweigerlich schneller.

An den Oktaven links im letzten Teil will ich noch ein bischen feilen, die sollen zunächst ganz leicht kommen und erst im Crescendo wieder richtig tragen. Das geht in der ersten Aufnahme recht schief (da hatte ich die Idee), in der zweiten kann hören, wie ich es ausprobiere und die dritte geht langsam in die richtige Richtung.

Den letzten Akkord spiele ich übrigens falsch, der soll laut Noten einen Akzent bekommen, aber da bin ich eigen, so gefällt es mir besser!

PS für die Vorsichtigen: Kommentare sind erlaubt, auch kritische!
PPS: Das ist natürlich Opus 28 / 20, nicht 29/20!
PPPS: Mich irritiert übrigens sehr, daß einer der C-Akkorde sowohl in Dur als auch in Moll gespielt wird, und zwar nicht nur von Amateuren. Gibt es da eine "amtliche" Version? Der Dur-Akkord gefällt mir überhaupt nicht (und steht auch nicht in meinen Noten).
 
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koelnklavier

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Die erste gefällt mir von der Stimmung her am besten, hat aber ausgerechnet zum Schluß einen dicken Verspieler, die zweite ist solala und etwas zu laut, die dritte ist okay, reicht aber atmosphärisch nicht an die erste heran und hat eine laaaaange Pause zwischen Teil 2 und 3, weil ich nicht danebengreifen wollte.
Hallo Guendola,

das Phänomen kenne ich von mir selber nur zu gut (aber auch die Tonmeister können ein Lied davon singen). Die erste Aufnahme ist meist die spannungsvollste, wenn auch mit Fehlern behaftet. Bei der zweiten Runde hat man schon die Schere im Kopf, bei der dritten setzen Ermüdungserscheinungen ein.

Das FF zu Anfang habe ich recht locker ausgelegt, damit ein paar dynamische Möglichkeiten bleiben. Angeblich konnte Chopin eh nicht besonders laut spielen (aber das soll keine Ausrede sein :D ).
forte (oder die Steigerungen) einfach nur mit "laut" zu übersetzen, greift meines Erachtens zu kurz. Es geht hier wohl weniger um Lautstärke als um den Gestus von Kraft und schwerem Vorwärtskämpfen, die dann allmählich erlahmt. Deswegen hast Du vollkommen recht, Dir auch im Fortissimo Reserven zu schaffen für das Aufbäumen in T 4.

Habe ich das richtig empfunden, daß Du die Punktierungen triolisch auffaßt? Probier doch mal aus, was passiert, wenn Du sie im ersten Teil in das Verhältnis 1:3 bringst und erst im zweiten und dritten Teil rhythmisch abmilderst. (Auch dies ein Aspekt zum Thema Kraft und Erschlaffung).
Was mir auch aufgefallen ist: Ich lasse im Kopf einen Sechzehnteltriolenpuls laufen, damit ich es so langsam spielen kann. Wenn ich "normal pulsiere", werde ich unweigerlich schneller.
Das ist offensichtlich normal, daß man seinen eigenen Grundpuls nicht beliebig herunterschrauben kann. (Ich habe die Erfahrung mal bei den "Vexations" von Satie gemacht, bei denen es heißt "so langsam wie möglich". Unter einer bestimmten Schwelle konnte ich den langsamen Viertelpuls auf nicht mehr als Puls empfinden und wurde unmerklich schneller.)
Ich muß aber sagen, daß es mir recht schwer gefallen ist, die gewünschte Dynamik hinzubekommen. Von der Lautstärke her stimmt es zwar, aber da fehlt ein bißchen echtes Klavier, damit man es auch richtig hört.
Nun mal nicht untertrieben! Wenn Du erst mal Deinen Flügel hast, werden wir uns alle ganz warm einpacken müssen. :floet:
Den letzten Akkord spiele ich übrigens falsch, der soll laut Noten einen Akzent bekommen, aber da bin ich eigen, so gefällt es mir besser!
Bei mir (Könemann) steht kein Akzent, sondern eine lange decresc.-Gabel, was mir auch plausibler erscheint als ein Akzent. (Paderewski u.a. notieren in der Tat Akzent.) Den Schlußakkord also nicht im Anschlag verhauchen, sondern mit soviel Nachdruck spielen, daß er von selber verklingen kann.
PPPS: Mich irritiert übrigens sehr, daß einer der C-Akkorde sowohl in Dur als auch in Moll gespielt wird, und zwar nicht nur von Amateuren. Gibt es da eine "amtliche" Version? Der Dur-Akkord gefällt mir überhaupt nicht (und steht auch nicht in meinen Noten).
Welchen Griff meinst Du genau?

Nachtrag: Nach den kritischen Berichten bei Henle und der Neuen Chopin-Gesamtausgabe findet sich in T 3 in allen relevanten Quellen (Autograph, Abschrift Fontana, franz. und dt. Erstausgaben) keine Tiefalterierung vor dem e' (letztes Viertel). Die Tiefalterierung ist allerdings in einigen Abschriften ein-/nachgetragen. Die Herausgeber sind sich (wie ich finde zu Recht) einig, daß es sich bei der fehlenden Tiefalterierung um ein Versehen handelt.

PS: Ich finde, Du spielst den Chopin sehr schön. :)
(PPS: Über den Mittelteil Deines Rachmaninovs werde ich mir nochmal Gedanken machen ...)
 
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Guendola

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Habe ich das richtig empfunden, daß Du die Punktierungen triolisch auffaßt?
das muß ich mir selbst nochmal anhören, kann sein, daß ds durch den falschen Grundpuls passiert.


Ich meine den C-Akkord auf der 4 des dritten Taktes. Dein Nachtrag (unten) sagt ja schon aus, daß ich richtig liege.

Nachtrag: Nach den kritischen Berichten bei Henle und der Neuen Chopin-Gesamtausgabe findet sich in T 3 in allen relevanten Quellen (Autograph, Abschrift Fontana, franz. und dt. Erstausgaben) keine Tiefalterierung vor dem e' (letztes Viertel). Die Tiefalterierung ist allerdings in einigen Abschriften ein-/nachgetragen. Die Herausgeber sind sich (wie ich finde zu Recht) einig, daß es sich bei der fehlenden Tiefalterierung um ein Versehen handelt.

Jetzt würde mich aber wirklich mal interessieren, ob das schon länger diskutiert wird (z.B. seitdem das Stück aufgeführt wird), denn ich kann mir keine einleuchtendere Erklärung als "vergessen" für das fehlende b vorstellen. Ich will nicht über gelehrte Musikwissenschaftler oder Pianisten stellen, die andere Erklärungen dafür haben, aber für mich klingt es selbst mit modernsten Auffassungsmethoden völlig falsch, dort C-Dur zu spielen und Chopin wirkte ja zu einer Zeit, wo heute gängige Jazz-Harmonik noch ernsthaft schmerzte. Fehler traue ich Chopin durchaus zu - niemand ist perfekt - aber eine solche musikalische Entgleisung eigentlich nicht.

PS (OT): Den Rachmaninoff-Zwischenteil muß ich noch mal aufnehmen, wenn er "repariert" ist. Ich habe ihn technisch einfach völlig falsch gespielt und bin dabei, mich umzugewöhnen.
 
Guendola

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ja, einige der Punktierungen sind triolisch geworden. Das muß ich noch mal überarbeiten, denn es war nicht so gewollt. Schlecht klingt es nicht aber es darf nicht sein, daß ich etwas unabsichtlich musikalisch "falsch" spiele. Mit den Punktierungen zu spielen finde ich interessant, aber dafür muß ich sie natürlich kontrollieren!
 
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koelnklavier

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Ich will nicht über gelehrte Musikwissenschaftler oder Pianisten stellen, die andere Erklärungen dafür haben, aber für mich klingt es selbst mit modernsten Auffassungsmethoden völlig falsch, dort C-Dur zu spielen [...]
Dabei kann es sich nur um einen Pedanten handeln, der unerbittlich nach dem Motto spielt: "Ich spiele, wie es im Autograph steht" - egal wie hanebüschen es klingt. Oder um jemanden, der es partout anders machen will, um sich von der Masse der (musikalisch) guten Pianisten abzuheben. Denn wer den gesunden Menschenverstand walten läßt, wird an der Stelle wohl niemals auf die Idee kommen, einen C-Dur-Akkord zu spielen.
 
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mal sehen:

Gilels: Dur http://www.youtube.com/watch?v=x0UazgZfmOM
(der Schluß besteht leider mehr aus Rauschen als aus Musik)

Rubinstein: Dur (finde den Link gerade nicht)

Busoni: Dur http://www.youtube.com/watch?v=h2P9V5YnI5M
(sehr gewalttätige Interpretation, man könnte denken, er hat den Verstorbenen umgebracht, vermutlich mit einem Contra-C direkt zwischen die Augen!)

Ashkenazi: Moll http://www.youtube.com/watch?v=l1NTvmnWkFg
(gewaltig aber nicht gewalttätig)

Horowitz: http://www.youtube.com/watch?v=825Ekk1u3mQ&feature=related
Spielt das falsche Stück

Kissin: Moll http://www.youtube.com/watch?v=eRQ5SbTEBbA
der Anfang wirkt etwas mechanisch aber der Schluß gefällt mir ausgezeichnet. Ich glaube nicht, daß er das Stück in dieser Aufnahme besonders ernst genommen hat.
 
Guendola

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so, die Punktierungen sind raus aber ich habe noch neue Ideen mit der linken Hand, das muß noch ein paar Tage reifen, dann gibt es noch eine Aufnahme.

Ich finde diese kurzen Stücke übrigens hervorragend dafür geeignet, musikalische Experimente durchzuführen - ähnlich dem von Haydnspaß mit fremden Ländern und Menschen, das ich leider nicht mehr hören konnte, aber auch einfach so, gewissermaßen ernsthaft. Wer meint, daß dürfe man klassischer Musik nicht antun, hat selbst schuld :D
 
 

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