Chopin Nocturne op.27 Nr.2, Des-Dur

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Romantiker
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Hi,

dieses Stück ist eines der Stücke, die ich bei meiner Fachpraktischen Abiturprüfung spielen werde. Es ist auch das Stück, zu dem nachher ein kurzes Prüfungsgespräch stattfinden wird, dauert 10-15 minuten, nennt sich "Interpretationsgespräch", aber es geht teilweise um die eigene Interpretation, aber auch ansatzweise um Analyse, Gattung(sgheschichte). Das ist immer unterschiedlich, was sich halt gerade anbietet bei dem Stück.

Ich bin gerade dabei mir neben dem Üben Gedanken zu machen und wollte zu ein paar mal ein Feedback haben.
Hier sind Noten davon: http://imslp.info/files/imglnks/usimg/f/fd/IMSLP61908-PMLP02305-Chopin-Op27n2rje.pdf

Also zuerst kann man, da es sich bei dem Nocturne anbietet, erstmal auf die Gattung eingehen. Das brauche ich jetzt hier nicht groß erklären. Also Field, Chopin, das typische dieser Gattung anhand dieses Nocturnes. Da kann man dann schon gleich auf den äußerst kantablen Chrakter des "Hauptthemas" eingehen (und die durchgehende Begleitung durch gebrochene Akkorde).

Grob würde ich das Stück in drei Teile und eine Coda teilen, aufgrund der Wiederholungen des Eingangsthemas.
Das wären dann
Takt 1-25,
26-45,
56-62,
63-Ende(Coda).

Das Eingangsthema wird immer in der Grundttonart wiederholt und ändert seine Gestalt nicht. Es gibt jedoch kleinere Variationen. Z.B. wird bei der ersten Wdh. Takt 32 diminutiv variiert. Bei der zweiten Wdh. erfolgt in T.49 durch einen anderen Melodieton die Hinwendung zum Tonikaseptakkord über dem sich dann auch später eine Chopin-typische Verzierung in der rechten Hand entfaltet.

Man kann die Abschnitte eigentlich klar in zwei Teile gliedern, es gibt also so etwas wie ein Seitenthema. Diese Unterteilung wird durch den harmonischen Kontrast unterstützt, da dieser Abschnitt in T.10 in b-Moll, also der Tonikaparallele beginnt. Vom Duktus her ähneln sich diese Abschnitte zumindest in ihrem Anfang immer (auch motivisch), werden jedoch - entgegen der Art wie mit dem Hauptthema verfahren wird - immer anders weitergeführt. Sie sind vom Charakter weniger zurückhaltend, es finden sich Bezeichnungen wie espressivo oder appassionato, die Dynamik ist lebhafter...also eine Tatsache, die die Haupt- und Seitenthema-Hypothese auch noch unterstützen würde.
Somit ist das Stück also von der Anlage her weniger Nocturne-typisch, da es keine ABA Form besitzt. Es besitzt jedoch Ähnlichkeiten zum bekannten Es-Dur-Nocturne.

Analytisch kann man natürlich nicht soo viel machen in der kurzen Zeit, deshalb ist es laut unserer Lehrerin sinnvoller (und auch gewünscht), dass man sich Stellen herauspickt. Und diese dürfen, da sich das ganze Interpretationsgespräch nennt, subjektiv ausgewählt werden - Stellen, die einem zum Beispiel gefallen, oder die bestimmte Schwierigkeiten aufweisen.

Ich würde auf jeden Fall die Takte 59-61 ansprechen, da ich diese Stelle als eine der eindrücklichsten dieses Werkes erachte. Harmonisch kann man die Stelle so beschreiben, dass man in T.59 beginnend eine Kadenz vorfindet, in diesem Takt sind es Tonika mit Terz im Bass und ein Subdominant-sixte ajoutée. In Takt 60 breitet sich dann ein Dominantakkord mit Quartvorhalt eindrücklich in der rechten Hand über drei Oktaven aufwärts und dann wieder abwärts auf. Dieses Verbleiben auf diesem Vorhaltsakkord, der die Kadenz quasi hinauszögert und natürlich die expressive Geste tragen enorm zur Wirkung auf den Hörer bei.
In T.61 war ich mir jetzt ein wenig unsicher, kann mir da jemand helfen??
Also in T.62 ist dann auf jedenfall die Tonika erreicht und in der zweiten Hälfte von T.61 findet sich (endlich) das c, zu dem das des den Quartvorhalt gebildet hat.

Das besondere ist, dass Chopin diese starke Kadenzwirkung gleich wieder aufhebt, indem sich die einsetzende Coda auf harmonisch instabilem Grund bewegt und viel unsicherer wirkt. Die Stelle (T.62-64) ist durch eine chromatisch absteigende Sequenz von Tritonüssen in der rechten Hand gekennzeichnet. Bei der Harmonik bin ich mir jetzt noch nicht ganz klar geworden. Mein erster Ansatz war eine Folge verminderter Septakkorde. Die zweite Hälfte von T.62 könnte man jedenfalls als verkürzten Doppeldominantseptakkord mit tiefalterierter None deuten. So könnte man weitermachen allerdings nur wenn man das Des im Bass ignoriert. Dann hätte man verkürzte Septakkorde mit tiefalterierter None auf Basis von(damit mein ich jetzt den "weggekürzten Grundton"):
T.63: F , B
T.64: C , Ces
Das ist das einzig sinnvolle was ich mit den Tönen hinbekommen habe, mit dem des noch dazu hat das nicht geklappt. Stimmt das oder hätte da jemand einen anderen Ansatz?

Was wären eurer Meinung noch Stellen, die besonders erwähnenswert wären, vielleicht auch in harmonischer Hinsicht oder wegen etwas ganz anderem??
Man könnte vielleicht noch auf die stellenweise Zweistimmigkeit in der rechten Hand eingehen..
Das waren jetzt erstmal meine ersten Gedanken...


(Noch eine spieltechnische Frage: Die Stelle in T.8 wiederholt sich ja in T.32. In meiner Henle Urtextausgabe ist es so, dass diese absteigende Linie frei notiert ist, d.h. ohne eigentlich wirklich rhythmisch festgelegt zu sein. Bei der Wiederholung ist sie jedoch genau in den Notentext eingebunden, dort beginnt sie ja gewissermaßen kurz nach dem heses im Bass. In der Ausgabe, die ich oben verlinkt habe ist eine Bearbeitung vorgenommen und zwar ist dort beim ersten Auftreten angegeben, dass die Figur erst auf dem des beginnen soll, also um einiges schneller wäre.
Nun ist die Frage: Habe ich da allen Interpretationsspielraum?
Es gibt mehrere Möglichkeiten:
1. Genauso spielen wie es beim zweiten mal notiert ist.
2. Beim ersten Mal erst auf dem Des beginnen.
Die frage ist doch, warum Chopin es anders notiert haben sollte, wenn er gewollt hätte, dass es gleich gespielt wird.
Soll man es vllt.
3. beim ersten Mal sehr frei über der linken Hand spielen?


Es wäre schon, wenn jemand die Zeit und den Willen fände, mal durchzugehen, was ich mir so gedacht habe....Wäre echt froh über ein wenig Feedback.

Liebe Grüße,

Romantiker
 
R
Romantiker
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keiner, der sich ein wenig mit dem stück auskennt bzw. etwas zu meinen gedanken zu sagen hat ?
 
S
Stanzi
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Hallo Romantiker,

vorweg, ich kann dir keine Antworten geben. Ich spiele seit 1,5 Jahren und - mit Ausnahme der Noten - ist die Theorie bei mir nur selten zu Gast. Jetzt eben war sie es, hier bei deinen Ausführungen und ich habe interessiert gelesen und auch nachgegoogelt.

Mein Schreiben hier deshalb, da dieses Stück mir insofern ein bisschen bekannt ist, als ich seit einiger Zeit immer wieder dem Spiel von Arthur Rubinstein lausche und dabei die Noten aus der Textausgabe von Schott mitlese und mir so die Melodie nahebringe.
Zur Zeit übe ich an der Nocturne 9/2 und habe das Gefühl, dass ich in einigen Monaten mit einer weiteren Nocturne beginnen werde, wobei mir die von dir hier angeführte sehr ans Herz gewachsen ist. Ich werde sicher auch mit dieser länger als ein Jahr "sehr eng liiert sein", aber ich weiß dass ich sie auch darüber hinaus aushalten kann, sie mich hoffentlich auch ;)

Zur Zeit sind mir, sofern ich mich nicht verzählt habe, beim Hören die Takte 22 - 24 nebst den letzten Takten die liebsten,
die letzten beiden Klänge müssten meinem Empfinden nicht unbedingt vorkommen.

Ich wünsche dir alles Gute für Deine Prüfung
und liebe Grüße
Stanzi
 
 

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