Tonleiterübungen sinnvoll?

40er

40er

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Hallo zusammen,

meine KL hat mir ein Übungsheft für Tonleitern beidhändig rauf und runterspielen mit auf dem Weg gegeben. Sie ist der Meinung, dass das Tonleiterspiel, trotz seiner Eintönigkeit, die Finger und Hände für weitere Aufgaben im fortgeschrittenen Spiel vorbereiten würde.

Den Sinn sehe ich natürlich schon irgendwo, man lernt auch die Halbtonschritte besser kennen. Spass macht es natürlich gar keinen.

Soll man sich hier durchbeissen und pro Übetag vielleicht 10 Minuten Tonleiterübungen reservieren, oder lernt man das Ganze beim Spiel der unterschiedlichen Stücke sowieso mit.

Gruss
40er
 
alibiphysiker

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Halloechen,

ich bin jetzt kein so grosser Experte, aber meine Klaviererfahrung sagt mir: So nervig und eintoenig Tonleitern auch sind, sie sind unsagbar sinnvoll. Grad was Daumenuntersatz, Gleichmaessigkeit und Gelaeufigkeit angeht! Man sollte sie aber umbedingt variieren beim ueben, also nicht immer mit der gleichen Lautstaerke und dem gleichen Rythmus spielen. Mal laut, mal leise (vor allem leises Tonleiterspiel ist meines Erachtens unsagbar sinnvoll um gleichmaessiges Spiel zu ueben), mal in die eine Richtung Punktiert, mal in die andere Richtung Punktiert. Mal Staccato, mal den einen Ton betonen den naechsten nicht, etc. etc.

10 Min Tonleitern pro Uebesession sind doch schonmal super, ich habe momentan grad mal 5 min fuer Tonleitern reserviert (10 fuer Hanon, 5 fuer Tonleitern, und den Rest der Stunde die ich taeglich Zeit habe teile ich unter den Stuecken auf, welche ich momentan uebe).

Das ist meine Meinung zu Tonleitern, ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

Liebe Gruesse,

Daniel
 
rolf

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mal völlig realitätsfern angenommen, irgendjemand kommt ohne Tonleitern so weit, dass er Chopins "heroische" Polonaise üben darf - heissa wird der buhu machen, weil er dort erstmals ne parallele b-Moll Skale in glissando-Tempo spielen muss...

damit dürfte klar, ja sogar einsichtig sein, dass allerlei Skalen in allerlei Varianten alles andere als sinnlos sind -- allerdings, wer das nicht mag, der kann auch ohne recht weit kommen (und wenn´s denn dank Gnade der Götter bis an die As-Dur Polonaise geht, dann siehe oben) :):):):)
 
dilettant

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@rolf: Ich bin ja der dilettant, der immer mit den Fragen zum Urschleim des Klavierspiels aus dem Mustopp kommt. Hier wieder so eine, nämlich nach dem Fingersatz bei Tonleitern.

Ich habe mal gelernt: RH fängt beim Grundton an mit 123, Untersatz, 1234 - 123 - ... für alle Kreuztonarten. LH 54321 - 321 - 4321 - ... außer H-Dur, wo man mit 4 anfängt.

Nun habe ich mal was von "neuen" Fingersätzen gelesen, ich meine, es war bei pian e forte - Musizieren mit dem Klavier. Die gehen so, dass man bei den Kreuztonarten E und H immer mit der 1 nimmt (beide Hände). Was ist davon zu halten?

Danke und viele Grüße
- Karsten
 
rolf

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Ich habe mal gelernt: RH fängt beim Grundton an mit 123, Untersatz, 1234 - 123 - ... für alle Kreuztonarten. LH 54321 - 321 - 4321 - ... außer H-Dur, wo man mit 4 anfängt.
...beides wird z.B. bei Fis-Dur nicht so ohne weiteres mit dieser Fingersatzregel funktionieren ;)

Nun habe ich mal was von "neuen" Fingersätzen gelesen, ich meine, es war bei pian e forte - Musizieren mit dem Klavier. Die gehen so, dass man bei den Kreuztonarten E und H immer mit der 1 nimmt (beide Hände). Was ist davon zu halten?
das ist, was u.a. Georgii als "natürliche Fingersätze" bezeichnet, und das ist richtig gut - ja, möglichst beide Daumen gleichzeitig (wie ohnedies in den Skalen mit fünf schwarzen Tasten)
 
B

buschinski

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Mal laut, mal leise (vor allem leises Tonleiterspiel ist meines Erachtens unsagbar sinnvoll um gleichmaessiges Spiel zu ueben), mal in die eine Richtung Punktiert, mal in die andere Richtung Punktiert. Mal Staccato, mal den einen Ton betonen den naechsten nicht, etc. etc.
...und wie weit bist Du dann noch entfernt von einem ganz normalen Stück, das in der jeweiligen Tonart geschrieben ist?

Meine bisherigen KL haben mit dieser Begründung jedenfalls keine Tonleitern haben wollen. Diese Fähigkeit muss ja zwangsläufig entwickelt werden, wenn man ein Stück korrekt spielen möchte.
 
kreisleriana

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nix nervt wenn man den Sinn drin erkennt:

Als ich mit 14 oder so den KL wechselte, spielte ich in jugendlichem Größenwahn Sachen wie Mondscheinsonate (inkl.3.Satz natürlich) und Chopin g moll Ballade, As Dur Polonaise, der neue KL hat mich dann ein paar Tonleitern vorspielen lassen und anhand meiner dortigen Fehler in der Handhaltung, Fehler in der Führung des Handgelenks und Armes usw. erklärt, warum ich dann bei schwierigerer Literatur wie oben oft nicht weiter gekommen war, und alles unregelmäßig und holprig klang.Besagte Stücke durfte ich dann ein Jahr später mit ihm durcharbeiten, aber bis dahin war viel Basis-Arbeit nachzuholen und ich tat's gern, weil er mir den Sinn davon erklärte, also erst Sinn nachfragen und begreifen, dann macht alles mehr oder weniger Spaß, beim Schifahren wirft man sich ja auch nicht gleich die Streif hinunter, sondern lernt Schwünge richtig anzusetzen.

Abgesehen davon, wenn du weißt, ein Stück ist in As Dur komponiert, sollte der As Dur Dreiklang als Tonika schon in deinem Kopf präsent sein, wenn du ein paar Jahre lang Tonleitern und ihre zugehärigen Zerlegungen geübt hast, wird dir das leichter fallen, als es nachher auswendig zu lernen.
 
dilettant

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Also ich bin ebenfalls überzeugt, dass Tonleitern die Geläufigkeit, richtige (geschmeidige?) Haltung und Bewegung sowie auch das Untersetzen schulen. Bei den oben erwähnten "natürlichen Fingersätzen" kommt z. B. noch der Daumenuntersatz auf schwarze Tasten hinzu, den ich (noch) als unbequem empfinde, weil er in meiner Klavierausbildung eigentlich nicht vorkam, der mir aber stellenweise recht nützlich und deshalb übenswert erscheint. Und da man die Tonleitern wie oben beschrieben variieren kann, können sie durchaus interessant und eben nicht langweilig sein.

Allerdings habe ich noch selten auch nur kleine Ausschnitte aus Tonleiterstudien in der Klavierliteratur wiedergetroffen. Natürlich kommen Skalen vor, aber meist ergibt sich aus der Situation, dass weder der klassische Fingersatz (der jeweiligen Tonart) noch der natürliche Fingersatz sich realisieren lassen. So ist jedenfalls mein Eindruck. Ich sehe den Wert von Tonleitern deshalb eher in den oben genannten indirekten Vorteilen als in der direkten Wiederverwendung bei "richtigen" Musikstücken.
 
C

Chrissi

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Tonleitern... hmmm...
Bei meinem ersten Klavierlehrer musste ich zu meinem großen Glück jede Stunde eine Tonleiter spielen. Alle anderen KL haben es nicht so streng eingefordert und ich bin diesbezüglich etwas faul geworden. Jetzt rächt es sich...
Ich kann jedem empfehlen seine Tonleitern brav zu üben sonst geht es ihm wie mir und er braucht einen Großteil der Übezeit für einzelne schnelle Läufe... Das geht auch, wäre aber nicht wirklich nötig.
 
B

Baxx

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Es empfiehlt sich nicht nur den Standard-Fingersatz für die entsprechende Tonleiter zu üben, sondern auch alternative Formen, z. B. mit dem Daumen auf den schwarzen Tasten, ganz ohne Daumen, 1-2-3-4-5/1-2, 1-2-3/1-2-3/1-2-3 und dergleichen, so dass man zur Not aus jeder Situation heraus die Tonleiter spielen kann. Wenn man nur auf den Standard-Fingersatz fixiert ist, stellt das in gewissen Situationen ein Hindernis und Einschränkung dar, vor allem wenn man Improvisieren oder vom Blatt spielen möchte.
 
fisherman

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Soll man sich hier durchbeissen und pro Übetag vielleicht 10 Minuten Tonleiterübungen reservieren, oder lernt man das Ganze beim Spiel der unterschiedlichen Stücke sowieso mit.
Ich hab mich vier Jahre lang verweigert. Jetzt mach ichs. Und es es macht Spaß! Die Gründe haben die anderen schon genannt.
 

pianochris66

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mal völlig realitätsfern angenommen, irgendjemand kommt ohne Tonleitern so weit, dass er Chopins "heroische" Polonaise üben darf - heissa wird der buhu machen, weil er dort erstmals ne parallele b-Moll Skale in glissando-Tempo spielen muss...

damit dürfte klar, ja sogar einsichtig sein, dass allerlei Skalen in allerlei Varianten alles andere als sinnlos sind -- allerdings, wer das nicht mag, der kann auch ohne recht weit kommen (und wenn´s denn dank Gnade der Götter bis an die As-Dur Polonaise geht, dann siehe oben) :):):):)
Volle Zustimmung aus eigener leidvoller Erfahrung.
 
L

LARgAdagio

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Ihr habt mich motiviert mich damit zu beschäftigen und erstmal habe ich versucht alle Tonleitern zu spielen. Mit A, E, H und Fis-Dur hat es noch geklappt. Aber ich komme nicht klar mit dem Fingersatz bei Cis-Dur und den Tonleitern mit b als Vorzeichen.

Wie ist der Fingersatz bei den vielen schwarzen Tasten? Mit Daumen drauf wurden meine Finger zu einem Geflecht.
 
40er

40er

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Mal danke für die Antworten. Da ich den Sinn der Übungen sowieso bereits eingesehen habe, werde ich sie zum festen Bestandteil der Übungsroutine machen. Wahrscheinlich reichen fünf bis zehn Minuten bei einer täglichen Übefrequenz.

Gruss
40er
 
Pianeer137

Pianeer137

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Ich finde, es macht Sinn, Tonleitern an einem Tag nicht in allen Tonarten übe, sondern immer nur in Tonarten, die jeweils eine kleine Terz auseinanderliegen. So habe ich immer eine Tonleiter nur oder fast nur mit weißen Tasten, eine mit zwei bis vier Kreuzen, eine mit fünf schwarzen Tasten und eine mit zwei bis vier B.

D-Dur, A-Dur und E-Dur sind relativ ähnlich, bis auf jeweils das eine Kreuz mehr. Genauso ist es bei B-Dur, Es-Dur und As-Dur.
 
L

LARgAdagio

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Danke für Deine Antwort, Rolf. Ist da kein Tippfehler drin? Ich verdrehe mir noch immer die Finger.
 
rolf

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Ist da kein Tippfehler drin? Ich verdrehe mir noch immer die Finger.
nein, da ist kein Tippfehler drin

lästigerweise hat jede Tonleiter sieben Töne, bevor sie wieder von vorne beginnt, aber die Hand hat nur 5 Finger... bei Tonleitern rechts aufwärts und links abwärts hat es sich als praktikabel erwiesen, diese sieben Töne aufzuteilen in drei plus vier ;):) und das wiederum bedeutet, dass man mal drei und dann mal vier Finger je sieben Töne nimmt (denn 3 + 4 = 7) --- also Fingersätze wie 123-1234 oder 1234-123 - ja und wenn man, wie in Des, auf einer schwarzen Taste beginnt, dann verschiebt sich das: 23-1234-1 rechts aufwärts, 3-1234-12 links abwärts (Hosianna und Halleluja: Daumen auf f und c)
 
L

LARgAdagio

Guest
Danke Rolf aber ich denke ich mache was Du woanders (sinngemäß) geschrieben hast: Wozu Fingerübungen wenn das doch beim Spielen vorkommt.

Denn wenn ich z.B. b-Dur versuche mit 1 auf dem c dann sieht das bei mir so aus: 21231234. Ist irgendwie anders als Dein Tipp. Oder ich kapiere es einfach nicht. :(:mad::|
 
 

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