Stücke, die wir nicht spielen können

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Tastimo, 4. Juni 2019.

  1. Tastimo
    Offline

    Tastimo

    Beiträge:
    899
    Viel wird in diesem Forum darüber geschrieben, was man so alles kann.

    Ausgehend von einem anderen Faden kam mir die Idee, das wir hier einmal darüber schreiben können, was wir eben nicht beherrschen, wo wir gekämpft haben und gescheitert sind. Stücke, mit denen wir nicht zufrieden sind, die uns vielleicht einfach auch nicht liegen.

    Ich mache mal den Anfang. Bei mir sind das:

    - Chopin op. 10,2:

    Die drei Teile einzeln laufen für sich gut, aber in einem Stück durchspielen gelingt nie. Wirklich wie verhext.

    - Scarlatti Sonsta a-moll (L 134):

    Diese Trillerparallelen... nie synchron, immer undauber, immer holprig, oft lasse ich einzelne Töne unwillkürlich weg. Hinzu kommt der Stil von Scarlatti, der gleichzeitig Lebendigkeit, Nervosität, aber auch Stabilität erfordert - in diesem Stück schwerer als Mozart, finde ich.
     
  2. Klavirus
    Offline

    Klavirus

    Beiträge:
    7.446
    Tastimo gefällt das.
  3. mick
    Offline

    mick

    Beiträge:
    9.305
    Appassionata. Ich habe mich nur kurz damit beschäftigt. Um umso schneller festzustellen, dass wir zwei in diesem Leben wohl keine Freunde mehr werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2019
  4. Tastimo
    Offline

    Tastimo

    Beiträge:
    899
    @Klavirus
    Stimmt, der Begriff „Leichen im Keller“ trifft es sehr gut. Danke für den Hinweis auf den alten Faden.
     
    Klavirus gefällt das.
  5. Stilblüte
    Offline

    Stilblüte Super-Moderator Mod

    Beiträge:
    9.113
    Ich habe gestern drei Leichen von früher im Konzert gespielt! Rachmaninov op. 23 Nr 4, 5 und 9. Wer sagt, dass es nicht später doch geht?
     
  6. Tastimo
    Offline

    Tastimo

    Beiträge:
    899
    Das macht Hoffnung!
     
  7. Stilblüte
    Offline

    Stilblüte Super-Moderator Mod

    Beiträge:
    9.113
    Ja! Sehr!! Op. 10,2 habe ich übrigens auch nie im Konzert gespielt. Wozu auch. Man lernt auch viel daran, wenn man sie nur im Unterricht oder allein übt.
     
    Joh, Evaaa und Tastimo gefällt das.
  8. FünfTon
    Offline

    FünfTon

    Beiträge:
    2.586
    Meine "Leichen" im Keller sind vom früh verstorbenen Chopin:

    Nocturne cis-Moll opus posthum KK IVa,16
    Nocturne b-Moll opus 9,1

    Irgendwann doch fertiggestellte Leiche (inzwischen wieder die Hälfte vergessen):

    Prelude opus 28,15

    Im Prinzip dreht es sich dabei weniger um technische Schwierigkeiten, als darum mal so 6-9 Monate in ein Stück reinzubuttern, bis es (nach Amateur-Ansprüchen) komplett ist. Dafür muß man sich erstmal die Zeit nehmen.
     
    Tastimo gefällt das.
  9. Pianojayjay
    Offline

    Pianojayjay

    Beiträge:
    5.780
    Das erwähntest du bereits. Für mich hingegen war es jahrelang ein Wunsch sie zu spielen und habe sie anlässlich meines ersten Konzerts in den USA für einen Anwalt recht ordentlich hinbekommen ;)
     
    Muck und Tastimo gefällt das.
  10. alibiphysiker
    Offline

    alibiphysiker Super-Moderator Mod

    Beiträge:
    1.023
    Bei mir ist op. 10/3 von Beethoven so ein Stück. Hab es recht ordentlich geübt, musste dann aber einsehen, dass früher Beethoven einfach nicht so wirklich meins ist. Das geht mir allerdings auch mit vielen anderen Stücken von Beethoven so. Bin eher der Mozart-Haydn-etc.-Mensch.
     
    Tastimo gefällt das.
  11. Muck
    Offline

    Muck

    Beiträge:
    472
    Musikalisch gescheitert bin ich mit der Wandererfantasie und Beethoven op 101, 1. Satz.

    Aus Respekt gehe ich nicht an op 111, 2. Satz, und die Fuge aus op 106. Beides liegt technisch und musikalisch über meinen Fähigkeiten. Gleiches gilt übrigens auch für die Diabelli-Variationen, mit denen ich mich zugegebenermaßen aber recht wenig beschäftigt habe.

    Nachtrag: Ich mach meinem aktuellen Frust mal gerade Luft. Seit etwa einer Woche spiele ich KV 488 und es hört sich einfach kacke an. Bekomme es nicht schön hin, obwohl ich eigentlich ganz gut Mozart spiele. Glaube langsam, dass ich eine A-Dur-Phobie habe....!!
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juni 2019
    Tastimo gefällt das.
  12. chiarina
    Offline

    chiarina

    Beiträge:
    1.085
    Spiel's mal ein paar Tage in a-moll! :003: Danach wird es bestimmt schön! :003:
     
  13. Ambros_Langleb
    Offline

    Ambros_Langleb

    Beiträge:
    8.397
    Da bist Du nun wirklich in allerbester Gesellschaft.
     
  14. mick
    Offline

    mick

    Beiträge:
    9.305
    Wenn man Beethovens Metronom-Vorschrift ernst nimmt, ist der Kopfsatz aus op. 106 kaum leichter als die Fuge - jedemfalls für mich. Die Diabelli-Variationen sind technisch bei weitem nicht so schwierig wie op. 106, musikalisch allerdings sehr komplex und nicht gerade einfach zu verstehen. Beethovens Humor ist gerade in diesem Werk extrem schräg und speziell.

    An der Wandererfantasie werde ich wohl niemals scheitern. Ich kann sie nicht ausstehen und mache einen großen Bogen darum. Was für ein hässliches Werk, wenn man es mal mit der anderen, traumhaft schönen C-Dur-Fantasie vergleicht, die Schubert komponiert hat... :lol:
     
    Drahtkommode gefällt das.
  15. Kleiner Ludo
    Offline

    Kleiner Ludo

    Beiträge:
    824
    Bei mir alles von Bach, was ich je angefasst habe, z.B Präludium C-Dur.
     
  16. Tastimo
    Offline

    Tastimo

    Beiträge:
    899
    Ist vielleicht auch eine Einstellungsfrage? Ich kenne ein paar Leute, die Bach nicht mögen und deshalb eine Blockade in den Fingern haben.
     
  17. Kleiner Ludo
    Offline

    Kleiner Ludo

    Beiträge:
    824
    Ich liebe es, Bach-Klavierstücke anzuhören, insbesondere die French-Suites. Gut spielen kann ich trotzdem nichts.
     
    Tastimo gefällt das.
  18. m.berg
    Offline

    m.berg

    Beiträge:
    362
    Die Französischen Suiten erfordern ja auch eine Menge Detailarbeit.
    Da sollte man sich nicht vom Notenbild täuschen lassen und bis das entspannt im Tempo läuft hat man als Nichtprofi eine gute Weile zu feilen.
     
    Tastimo gefällt das.
  19. Sasnach
    Offline

    Sasnach

    Beiträge:
    71
    Als ich am Anfang der Reise Klavier stand, nach vielleicht ca. 18 Monaten, wollten Freunde aus irgendeinem Grund mal River Flows in You hören.

    Ich glaube längerals 10min am Stück hab ich nicht ausgehalten es zu üben bis die Noten im Müll lagen.

    Ist also nicht nur im Keller sondern wurde Eingemauert und das Haus dann abgerissen.

    Das ist jetzt 5 Jahre her und ich bereue nichts! Wenn Freunde dann jetzt ab und zu Brahms, Beethoven, Bach, Satie etc. hören dürfen bereuen sie es auch nicht!

    Ansonsten wurde ein Stück nur mal pausiert wenn der nötige Zeitaufwand zur Verbesserung der Macken zu groß wurde oder bei einer Sonate hat man zwischen den Sätzen mal an was anderem gearbeitet. Bisher ist aber alles "fertig" geworden.
     
    Tastimo und frosch gefällt das.
  20. Tastimo
    Offline

    Tastimo

    Beiträge:
    899
    @Sasnach
    Dann ist der Keller ja ein Sinnbild für den in qualitativer Hinsicht angemessenen Aufbewahrungsort des Stücks „River flows in you“!