Ihr Lieben,
ich hab mich jetzt einmal komplett durch den Faden gearbeitet und verstehe die ganze Diskussion nicht wirklich…
da ist ein gut 50-jähriger
Flügel, der jahrelang vernachlässigt und einfach nur abgestellt wurde… und jetzt soll ihm wieder Leben eingehaucht werden. Ich würde da genau so vorgehen:
1. stimmen (wenn es sein muss, mehrfach) auf 440 Hz
2. wenn er das klaglos übersteht, schaut man sich die Mechanik an… sollten einige Tasten nicht optimal funktionieren, den Grund dafür suchen und ggfs. reparieren (sind meist nur Kleinigkeiten)
3. Hammerköpfe bei Bedarf abziehen und grob intonieren
4. grob regulieren (das wird nach 50 Jahren sicher fällig sein (meistens beheben sich damit auch einige Probleme, wie z.B. das leise spielen)
5. spielen
6. spielen
7. spielen
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8. nach einiger Zeit die Stimmung beobachten… wenn sie hält… alles gut. Und nach etlichen Stunden Spielzeit kann man sich dann noch an eine endgültige Feinregulierung und End-Intonation machen.
Kostenpunkt für Punkt 1-2 ca. 200 - 500 € (je nach Verstimmung und Umfang der kleinen Reparaturen)
Für Punkt 3 und 4 kommen dann nochmal ca. 500 -1000 € dazu (falls es überhaupt in dem Stadium nötig ist… manchmal reicht auch ein leichtes Aufrauhen der Linien im Hammerkopf, um die schlimmsten Verhärtungen zu lösen)
Punkt 5-7 kosten erstmal gar nix
Punkt 8 ist vermutlich der aufwändigste… aber… ich weiß dann, ob der Flügel die Stimmung hält, ebenso weiß ich, ob mir die Spielart zusagt oder ob es noch hier und da „hakt“. Ich weiß dann auch genau, ob mir grundsätzlich die Klangcharakteristik gefällt oder nicht und ich kann genau sagen, WAS mir nicht gefällt (und das dem Intonateur mitteilen) und ich weiß genau, dass an diesem Punkt eine Investition richtig ist.
Und für die Optik kann ein wenig Renuwell und Metallpolitur für die Pedale schon Wunder wirken.
Jedenfalls bleiben so die Anfangsinvestitionen sehr gering und es wird erst etwas mehr Geld ausgegeben, wenn man weiß, dass es sich lohnt.
Der Fadenersteller sagte ja deutlich, dass er nur „spielen“ möchte… und unter dieser Premisse habe ich meine Gedanken dazu aufgeschrieben.
Sollte der Stimmstock wirklich nicht mehr gut sein, dann merkt man es entweder direkt beim stimmen oder spätestens ein paar Tage/Wochen danach… dann ist immer noch Zeit, über andere Alternativen nachzudenken… aber ohne im Vorfeld viel Geld zu versenken.